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sagte, könne wenn

sein",

Paul.

Etta erklärte ihre Bereitwilligkeit, aber Nelly daß sie notwendige Briefe zu schreiben hätte; Etta ihr das Schloß ein anderesmal zeigen, vielleicht, die Herren auf der Jagd wären.

O nein, ich würde eine sehr schlechte Führerin . sagte Etta.Du weißt, es sind nicht meine eigenen Ahnen, ich wurde die Geschichten immer den Unrichtigen zuschreiben, und den Geist im falschen Zimmer unterbringen. Du tätest besser. Dich von Paul führen zu lassen."

Danke, nein", antwortete Nelly sehr fest.Ich habe Lust zu schreiben, und da dies selten vorkommt, muß ich die Stimmung benützen."

In den ehrlichen, blauen Augen, die das junge Mädchen auf die Cousine richtete, lag etwas wie Ver­

wunderung. , ,

Etta überraschte sie stets; m Nelly existierte nämlich eine ganze Skala von Gefühlen, eine Oktave von jugend­lichen, halb entwickelten, mädchenhaften Instinkten, die Etta ganz zu mangeln schienen, die sie anscheinend me besessen hatte. Nelly hatte sich zuerst entschieden ge­weigert, nach Rußland mitzukommen, und erst als Paul in sie drang, willigte sie mit einer Art von Erstaunen ein Sie konnte den Wunsch Ettas nicht recht verstehen.

Derselbe Instinkt bewog sie zu der Weigerung, Etta bei der Besichtigung ihres neuen Heims zu begleiten. Etta drang abermals in sie, aber diesmal rührte Paul sich nicht; er fügte Ettas Bitten kein Wort hinzu, sondern be­trachtete seine Frau mit ernsten Blicken.

Als die Tür sich hinter ihnen geschlossen hatte, blieb Nelly ein paar Minuten ani Fenster stehen und sah aus die schneebedeckte Ebene und die starren Felsen unter ihr $ Dann wandte sie sich dem Schreibtische §u und ergriff entschlossen Feder und Papier. Wer das geringste schien sie abzulenken, - die goldene Krone auf dem Briefpapier kostete sie fünf Minuten zerstreuten Nachdenkens. Endlich griff sie wieder zur Feder und schrieb.

Liebe Mutter!"

Im Zimmer wurde es dunkler, Nelly blickte auf; es hatte wieder zu schneien begonnen, und die Schneeflocken trieben still und einförmig am Fenster vorbei. Das Mäd­chen zog die Schreibmappe näher heran, untersuchte kritisch die Feder, tauchte sie in die Tinte, fügte aber den bereits geschriebenen zwei Worten nichts mehr hinzu.

Schloß Osterno besitzt die Eigenheit, daß ein und das­selbe Dach die altertümlichen und die modernen Gebäude bedeckt. Die ungeheuren Empfangsräume, die den Namen Thronsäle verdienen, schließen sich an die klemen, ster- nernen Zimmer der Festung, die Pauls Ahnen gegen die Tartaren verteidigten. ~ n,,R

Paul verschob die Besichtigung dieses Teiles aus besonderen Gründen bis zuletzt, und Ettas Gntziicken u die Großartigkeit der moderneil Gemacher belohnte ihn vollauf. Hier trat wieder jeue Seite ihre» Chm:akters zu tage, die sie bereits früher gezeigt hatte; sie war von der Pracht des Ganzen geblendet, gehoben, und die un

Viermal so viel, als wir sehen können, ist sein", sagte er.

Etta warf einen langen, verständnisvollen Blick hin­aus, als tue sie einen langen süßen Trunk. In ihrem Besitzergefühl lag nicht die Ruhe des Ererbten.

Und wo ist Thors?"

Paul streckte den Arm aus und beutete mit seinem festen Finger in die Ferne.

Da drüben".

Das war wieder einer jener kleinen Vorfälle, die nur halb vergessen werden. Mehrere der im Zimmer versammelten Personen erinnerten sich noch lange hinter­her dieses in die Ferne weisenden Fingers.

Man kommt sich ganz klein vor, und das ist nie­mals ein angenehmes Gefühl", sagte Etta, sich dem Früh­stückstisch zuwendend.Wißt ihr, ich glaube, daß ich Osterno sehr lieb gewinnen werde; nur wollte ich, cs läge ein bischen näher an der Zivilisation."

Paul sah erfreut aus, auf Steinmetz' Gesicht erschien ein wunderlicher Ausdruck, Nelly meinte, daß die Umgeb- ung wenig Einfluß auf das Glück habe, und der Gegen­stand wurde fallen gelassen. Nach dem Frühstück zog sich Steinmetz zurück. ,

Soll ich Dir und Nelly jetzt das Haus zeigen?" fragte

fortWir wurden verraten. Stephan Lanowitsch kam nach Sibirien. Er ist jedoch entflohen, Steinmetz hat ihn gesprochen. Es gelang ihm, einige Papiere zu vernrchten, ehe sein Haus nach dem Diebstahl durchsucht wurde; ins­besondere ein Dokument, hätte er das nicht vernichtet, so wäre auch ich verbannt worden, denn ich war einer der Hauptanführer; ja, ich kann sagen, Steinmetz und ich haben das Ganze auf die Füße gestellt. Wären wrr nicht verraten worden, so würden Millionen von Bauern glück­lich geworden sein. Nun, mit der Zeit werden wir schon herausbekommen, wer es getan hat."

Er hielt inne und sprach nicht aus, was er tun würde, wenn dies geschähe.

Etta starrte ins Feuer; ihre Lippen waren trocken, sie schien kann: zu atmen.

Es ist möglich, daß Stephan Lanowitsch es schon weiß", fuhr die starke, ruhige, unerbittliche Stimme fort.

Etta rührte sich nicht, sie starrte ins Feuer, starrte und starrte.

Mit einemmale verlor sie das Bewußtsein und sank von dem niedrigen Sesselchen langsam zu Boden.

Paul hob sie auf tote ein Kind und trug sie auf seinen starken Armen ms Schlafzimmer, wo die Kammer- jungfern sie erwarteten, um sie zum Diuer anzukleiden.

Die Fürstin ist von der Ermüdung der Reise ohn­mächtig geworden", sagte er.

Dann legte er sie auf das prächtige Bett und ließ ihr seine ärztliche Hilfe angedeihen.

23. Kapitel.

Osterno.

Immer lustig, immer lustig!" lachte Steinmetz, in­dem er Nelly ansah, die sich am Frühstückstisch zu tun machte, und rieb sich die breiten Hände.

Ja, immer lustig", antwortete das Mädchen mit einem Blick auf Paul, der am Fenster lehnte und Briefe las. Warum nicht?"

Karl Steinmetz sah den Blick. Es war einer jener täglichen kleinen Vorgänge, die man sieht nnd halb ver­gißt; er vergaß ihn nicht ganz.

Ja, wahrhaftig- warum nicht?" wiederholte er.Es wird sich auch freuen, zn hören, daß Jvanowitsch heute nichts dagegen hat, den gestrigen Vorfall als Scherz auf­zufassen; das ®r frieren hat ihm nicht sonderlich geschadet. Mein liebes Fräulein, Sie haben der Liste, der zweifellos langen Liste Ihrer Freunde, einen neuen hinzugefügt."

Er ist ein braver Mann!"

Ich hoffe, daß die Fran Fürstin sich nicht zu sehr ermüdet hat", fuhr Steinmetz mit jener förmlichen Höf­lichkeit fort, die er immer anwandte, wenn er Ettas Namen aussprach.

Danke, durchaus nicht", antwortete Etta selbst, die in diesem Augenblick ins Zimmer trat. Sie sah frisch und selbstbewußt aus.Im Gegenteil, ich bin voll Energie und brenne darauf, das Schloß zu besehen. Es ist doch ganz selbstverständlich, daß man sich für das Schloß seiner Ahnen interessiert." ~

Mit diesen Worten schritt sie langsam zum Fenster und schaute hinaus.

Die anderen beobachteten sie. Als Nelly etn paar Minuten früher zum erstenmal dieselbe Aussicht betrachtete, stieß sie einen leichten Schrei der Ueberraschung aus und verstummte. Etta sah zum Fenster hinaus und sprach kein Wort.

Es war eilt sehr seltsamer, wunderlicher, eigenartiger Anblick. Das Schloß stand auf der Spitze einer senkrechten Klippe und war auf dieser Seite uneinnehmbar. Ein aus dem Speisezimmerfenster geworfener Gegenstand mußte zweihundert Fuß tief, direkt in den schäumenden Oster fallen. Der Felsen war und glänzte, tote die oberste Spitze eines Berges in den Alpen, wo Schnee und Eis das kable Gestein geglättet haben. Jenseits des Flusses lag die grenzenlose Steppe, ein jungfräuliche Schneefläche.

Etta sah zu dem weiten Horizont hinüber, wo der weiße Schnee und der graue Himmel weich ineinander ver- schwammen. Ihre erste Bemerkung war für sie sehr charak­teristisch. .

Also, so weit man sehen kann, ist alles Dem? Ja", antwortete Paul einfach.

Die Bemerkung weckte Steinmetz' Aufmerksamkeit; er trat an ein anderes Fenster und sah mit kritischen Wicken in die Feme hinaus.