Ausgabe 
10.6.1903
 
Einzelbild herunterladen

336

noch weiter znrückgehen. Wenn ein schöner Panamahut zu Beginn jedes Sommers gereinigt ivird, ist er wieder Ivie neu Ursprünglich hatten alle Panamas einen ziemlich flachen Kopf mit einer schmalen oder mäßig breiten Krempe, die sich ein wenig am Rande umbog, jetzt aber kann tiictit die verschiedensten Formen erhalten. Am häu­figsten findet man eine Form, deren Krempe so ist, daß sie gebogen werden kann und jeden gewünschten Teil des Gesichtes beschattet. Diese Form wird auch viel von Damen zum Tragen aus dem Wasser gewählt. Die elegantesten Formen in diesem Jahre istHomburg" undAlpin", eine Form, die König Eduard bevorzugt und im vorigen Jahr trug. Wo seine Hüte angefertigt wurden, weiß wahrschein- lich' nur die Firma, bei der sie gekauft wurden. (Die Panamahüte haben zumeist eine Form, die geradezu ab­stoßend häßlich ist. Die Herren Hutmacher haben es für geschmackvoll gefunden, diesen Hüten Eindrücke zu geben, wie sie bei weichen Filzhüten si'.ch ganz von selbst ergeben. Dem harten und spröden Stroh jedoch diese Filz- hutformen amszuprägen, ist widersinnig und darum un­schön. D. Red. des Gieß. Anz.)

* Wettrennende Fraue n. Eine noch neuere Art als die Londoner Kellnerinnen, die vor wenigen Tagen ein Wettrennen veranstalteten, haben etliche Damen in Newyork gefunden, um die Ausdauer ihrer Lungen und Beine ins gehörige Licht zu setzen. Sie veranstalteten ein Wettrennen, die Treppen eines dreiundzwanzigstöckigen Hotels hinanf. Der Besitzer des Hotels hatte ein freies Dampferbillet nach Europa für die Siegerin ausgesetzt. Zwei Schauspielerinnen geivannen die ersten Preise. Die eilte von ihnen legte die ersten neunzehn Stockwerke in sechs Minuten zurück, machte dann eine kurze Pause und erklomm die noch übrigbleibenden vier Etagen in weiteren vier Minuten. Die Kräfte hatten sie nahezu verlassen. Ihre Kollegin ioar ihr direkt aus dem Fuße. Der gut­mütige Hotelbesitzer, dem die Sache eine glänzende Re­klame gemacht hatte, war galant genug, der Konkurrentin ebenfalls ein freies Billet nach Europa zu spenden. Wir werden also diese Heldinnen des neuesten Sports demnächst aus dem alten Kontinent begrüßen dürfen.

* Frauen in Männertracht sind in Paris auch außer der Karnevalszeit durchaus nicht selten, gehen aber im Alltagsleben gewöhnlich unbemerkt vorüber, weil der Grund zu der Vermummung meistens in einer sonst nur dem stärkeren Geschlecht zukommenden Beschäftigung, nicht etwa in Abenteuerlust liegt, und stehen in dieser Beziehung ans gleicher Stufe mit den in der Kleidung von ihren männlichen Berufsgenossen nicht zu unterscheidenden Fischer­innen an den Küsten des atlantischen Ozeans und den Schnitterinnen des Val d'Jlliez (Wallis). Uebrigens finden sich Beispiele solcher Frauen auch in gebildeten Ständen. Tie Gattin des Forschungsreisenden Dreulafoy, die diesen in Männerkleidung usw. bekleidete, erschien auch nachher bei amtlichen Festlichkeiten im Kreise der Akademiker im Zylinder nnd mit dem Bande der Ehrenlegion im Knopfloch ihres Frackes. Bekannt ist ferner die Tracht der vor zwei Jahren verstorbenen Malerin Rosa Bonheur, deren Werke nicht allein einen hervorragend männlichen Charakter besitzen, sondern die sich auch bis zu ihrem Lebens­ende männlich kleidete, bei ihrem Aufenthalt in Paris häufig als Reiter ein munteres Pferd tummelte und im blauen Malerkittel und Schlapphut im Freien Skizzen aufznnehmen pflegte. Auch eine Pariser Schriftstellerin, eine Faktorin in einer Buchdruckerei und verschiedene ähnliche besser ge­stellte Frauen treten stets unter männlicher Maske auf. Man meint, wenn derartige Bräuche sich verallgemeinerten, wurde eine große gesellschaftliche Verwirrung entstehen, die ein polizeiliches Einschreiten erfordern könnte. Ter Petit Parisien" hat daher, tote derKöln. Ztg." aus Paris berichtet wird, Erkundigungen eingezogen, intoietoeit die gedachte Vermummung gestattet sei. Ein höherer Präfektur­beamter erklärte in dieser Beziehung nur die jährlich zu Karneval erneuerte Polizeiverordnung über die Stunden für maßgebend, während deren die Verkleidung auf offener Straße erlaubt sei. Wenn aber eine Person versichere, daß sie einen Anzug alltäglich trage, und wenn dieser der land- laufigen Tracht entspreche, sei nicht einzusehen, weshalb man sie verhindern könne, sich nach ihrer Art und nach den Be- durfmssen ihres Standes zu kleiden. Andernfalls müßte

man auch das geistliche Gewano verbieten, weil sich darin ivomöglich eilte Aehnlichkeit mit einem weiblichen finden lasse. Es gäbe Fälle, wo Frauen in der Tracht von Maurern, Fuhrleuten usw. arbeiteten, und in solchen Fällen drücke die Polizei ein Auge zu. . Im Kabinett. des Präfekten gab man die Antwort, daß die vorliegende Frage streng ge­nommen noch durch eine Polizei Verordnung vom 16. Bru- maire des Jahres IX (7. November 1800) entschieden werden könne, welche die Genehmigung zu den damals sehr häufigen Vermummungen von einem ärztlichen Zeugnis abhängig macht, daß der Bewerber oder die Bewerberin der be­sonderen Tracht aus Gesundheitsrücksichten bedürfe. Mit der Zeit habe man aber Ausnahmen hiervon gemacht, so bei Aurore Tupin (George Sand), Rosa Bonheur und Mar­guerite Bellanger, der Margot Napoleons III., die die Eifer­sucht der Kaiserin erregt habe. Früher seien die Gesuche um die Erlaubns zum Tragen von Männerkleidern über­haupt häufiger gewesen; seit Einführung der an das stärkere Geschlecht erinnernden Kleidung für Radfahrerinnen aber scheine die Sucht der Frauen nach sonstigen männlichen Trachten immer mehr abgenommen zu haben.

* Heirat b e i den Buschmännern. Tie Mossaro- Buschmänner in der Kalahariwüste besitzen trotz ihrer mangelhaften Nahrung eine bewunderungswerte Ausdauer im Laufen; diese Eigenschaft und ihr wunderbarer Spür­sinn setzt sie in den Stand, jedes verwundete Stück Wildi zu verfolgen und einzuholen. Keiner dieser Buschmänner darf eine Frau nehmen, bis er gezeigt hat, daß er eine unverwundete Antilope int Tauerlauf einzuholen nnd zu erlegen vermag, was bekanntlich sehr schwierig ist bei der Schnelligkeit dieses Tieres nnd oft einen mehrstündigen Tauerlauf nötig macht. Hartherzige Väter begnügen sich aber damit noch nicht, sondern verlangen sogar mitunter die Erlegnug einer Giraffe, und der Heiratslustige muß daun oft tagelang hinter diesem Wilde herlaufen wie ein Bluthund, bis er sie endlich erreicht. Hat er sie erlegt, so schneidet er ihr den Schwanz ab, bedeckt das Wild mit Busch­werk zum Schutze gegen Raubvögel und kehrt zum Lager zurück; sofort brechen dann alle Stammesgeuossen auf und folgen seiner Spur, bis sie das erlegte Wild erreichen, das sie ins Lager schleppen. Ohne sonstige Feierlichkeiten wird das Tier verzehrt, und nachdem dies geschehen, nimmt der Freier seine Erwählte an der Hand und führt sie nach seinem Lager.

* Ter größte Diamant. In den Kreisen der Amsterdamer Diamant-Industriellen wird vielfach behauptet, daß der berühmten Firma Josef Asscher u. Co. der Auf­trag zuteil geworden sei, den Exeelsior, den größten Edel­stein, der im Jahre 1893 bereits in der Jagerfontein- Mine in Südafrika gefunden wurde, nunmehr zu bearbeiten. Bisher wurde diese Kostbarkeit in London bewahrt. Er ist größer als ein Hühnerei und wiegt 970 Karat. Ter Koh-J-Nor wog vor der Schleifung 500 Karat, ebenso soll das Gewicht des Imperial, der ans der Pariser Weltaus- stellung zu sehen, weit an Gewicht zurückstehen.

Literarisches.

Das A-B-C des guten Tones. Ein Ratgeber für jedermann von E. von Hagen. Verlag von Levh & Müller in Stuttgart. 114 Seiten Oktav. Eleg. gebunden Preis Mk. 1.. Tas Büchlein gibt in prägnanter Kürze sämtliche Elementarregeln für ein gesellschaftlich gutes Be­nehmen, die jeder, auch der einfachste Mensch kennen und befolgen muh, wenn er int Verkehr mit gebildeten Kreisen nicht Anstoß erregen will. Ein großer Vorzug des Werk- chens besteht darin, daß es nichts als selbstverständlich voraussetzt, sondern für jeden einzelnen Fall das richtige Verhalten bis in die kleinsten Tetails ganz genau an­gibt. Namentlich jungen Leuten beiderlei Geschlechts, die bett ersten Schritt ins Leben tun und noch nicht genau wissen, wie sie sich in den verschiedenen Situationen zu bmehmen haben, wird dieser zuverlässige Ratgeber ganz unschätzbare Tienste leisten. Der niedrige Preis von Mk. 1. für das elegant gebundene Merkchen ermöglicht die Anschaffung des nützlichen Büchleins auch dem minder Bemittelten.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und E erlog der Driibl'schen Universitäts-Puch- und S teiudruckerei (Pietsch Erken) in Gießen.