keiner! Als» bleib bei mir und trösten wir uns gegenseitig. In aller Frühe laß ich dann die Matter holen."
„Es wird das beste sein", stimmte Kurt Unruh zu. „Seltsam, nnr wird jetzt kläglich, und Dir lustig zu Mut. Vorhut war's umgekehrt."
„Trink schneller, Sänftling. Und wenn's Dir schlecht Seht, sing ein gutes Lied:
Da draußen viele Mädchen sind,
So viele blond' und braune. Wie Rosen blüh'il im Maienwind
Am Zaune....
Hast Du Vorahnungen?"
aber das lange Warten macht schauerlich nervös. Weißt Du, Fred, wir wollen alles kommen lassen, tote es kommt. Selbst im ärgsten Falle bleibt die Rest doch gleichsam in der Familie. (Siner von uns beiden kriegt ste sicher."
„Und wer sie heiratet", fügte Fred lachend hinzu, „das ist unter Kameraden ja ganz egal. Kellner, noch zwei Dunkle!"
10. Kapitel.
Am nächsten Morgen in aller Frühe erschienen vordem Zeitungskiosk an der Potsdamer Brücke zwei Herren Und ließen sich die Morgenblätter geben. Jeder steckte die Halste davon in die Paletottaschen. Dann gingen sie nach der Kursurstenstraße 115. Als sie in der Wohnung des Wessors standen, sagte der Arzt: „In Gottesnamen. Die Entscheidung fallt jetzt wirklich. Gieb mir einen Cognac vorher, nur wird ganz komisch."
. Als er nach Gläsern klingelte, brachte die Wirtin innen dicken Brief.
"Bon Rest!" sagte der Assessor zitternd. „Fred =r ich glaube - ich biu's! Fred, Mensch, Junge —" verstnstert energisch. Sein Gesicht hatte sich
„Willst Du die Zeitungen nachsehen?"
E «Gieb her. Aber wenn — ich's bin, schrei ich Hurra, daß die Bude wackelt!"
„Schön, dann hör' ich's jedenfalls deutlich. Laß mich (erst setzen. So. Nun kann's losgehen."
Die erste Zeitung raschelte, die Hände zitterten. Fred Richter entfaltete das Blatt sehr langsam, schlug sehr langsam Seite für Seite um.
Man hörte dazwischen fast die Herzen klopfen. Kurt Unruh hatte sich umgewandt. Er wvNte nicht Hinsehen. Wenn das Hurra kam, war's früh genug.
Es blieb still. Das Hurra kam nicht. Dem Assessor wurde es heiß. ' 1
„Fred!" rief er und sprang auf. Sein Vetter hielt noch immer die Zeitung in der Hand. Es schüttelte ihn.
lind plötzlich warf er das Blatt hin, reckte die Arme .hoch: „Gott sei Dank!"
Kein Hurra, kein wilder Jubel — nur die stillen Worte, die ihn frei machten.
Surt war blaß geworden. Mit einem Satze war er ont Tisch. Der Kneifer saß schief, es flimmerte'ihm alles
$en ®u0en- Da — das große Schwarze muß es
R e s i B e r g m an n Fred Richter, Dr. med.
Verlobte.
„..„Nichts mehr! Der alte Konsul liebt nichts Neber- slussiges.
Langsam ging der Assessor zum Stuhl zurück. Fred Richter setzte sich nicht weit davon auf einen andern. Die Uhr tickte int Zimmer. Man hörte die schweren Atemzüge der beiden.
Nach einer Weile erhob sich Kurt Unruh wieder und begann die übrigen Blätter durchzusehen, als hätte er die Keife Hoffnung, irgendwo seinen Namen neben dem Rests zu finden.
Cs ivar dumm, aber er ließ nicht ab, bis er auch w der letzten Zeitung das eine Inserat gefunden. Dann sprach er: „Man kann Dir also gratulieren."
„Ich danke Dir, Kurt."
„Hab' gehofft, es freudiger tun zu können. Na, ist vorbei. Da brauch' ich kaum noch zu sehn war die Resi — Deine Braut — schreibt."
Er riß den dicken Mief auf.
. sagte er, „ein Schreiben an Dich liegt bei. Sie wird sich gedacht haben, daß wir zusammen sind."
Ms er die Ueberschrift des an ihn gerichteten Miefes las, zuckte er zusammen. 1
„Mein lieber Kurt!
Menn Du kannst, sei mir nicht böse. Ich habe Fred lange schon heb- gehabt. Vielleicht kommst Du leichter über alles fort, wenn ich Dir ganz ehrlich sage, daß ich zum ,Taugenichts' besser passe als zur ,Viola'. Freds Ansicht von mir ist wohl richtiger als Deine. Ich würde Dich als Deme Frau doch enttäuschen.
Aber ich möchte, selbst auf die Gefahr hin, von Dir mißverstanden zu werden, Dir eins noch sagen. Alles was Du von mir glaubst, und was ich nicht bin, ist jemand anderer, den Du auch kennst. Ich will hier den Namen nicht nennen. Aber plaudre einmal öfter mit dem lieben, zarten Geschöpschett, das ich meine, und Du wirst es so heb gewiiinen, wie - es Dich längst hat. Ja, Kurt, sie hatte anders gewählt als ich. Mcht etwa als ,Trost' schreibe ich das, sondern aus der heiligen Ueberzeuguiig, daß Du
Arrklich -Richtige' ganz iiahe findest, die es berbient, glücklich zu werden, und nicht mehr will, als Dich glücklich zu machen. Es wäre die Krönung meines Glückes, wenn ihr beide in der Zeitung stündet wie wir.
Ich hoffe draus und drücke Dir herzlich die Hand.
Rest."
$ Assessor sagte. kopfschüttelnd: „Merkwürdiger V r ^chF^ Richter hatte iitzwischeti den feinigeit gelesen. „Ehe Du morgen zu uns kommst, Fred, soll alles zwischen uns rein, und klar sein", schrieb Rest darin — „so klar, wie von nun an immer. Du sollst nichts mehr zu fragen brauchen. Deshalb will ich hier beichten."
Und dann beichtete sie. Wie sie ihn stets geliebt, ohne sich doch ganz darüber klar zu fein. Wie ihre Liebe mächtig erst dann sich geregt, als sie gehört, daß er einer andern zugetan sei. Wie sie geahnt, daß er von ihrer Liebe wisse, und tote ite aus Stolz ihm dann erzählt, daß auch sie einett andern liebe. Weil er der Stärkere von beiden sei, und weil ihr die Entscheidung von Kurt schwer gefallen: Ware, hatte sie die Dummheit gemacht, ihnen zu sagen, sie sollten, sich untereinander einigen. Nachher sei ihr das Herz so schwer geworden, daß sie sich ihrem Vater entdeckt habe, der dann die Annonce besorgt habe."
Es war ein langer Mief, und Fred Richter las ihn stets von neuem. Er zeigte ihn seinem Vetter nicht. Er sagte nur: „Hier ist ein Passus in meinem Mief, den ich Dir vorlesett möchte, Kurt. Kannst Du zuhören?"
„Jetzt kann ich alles!" erwiderte der Assessor und trank einen Cognac.
„Nun noch ein Wort über Kurt", las der Arzt. Rede ihm nur die Idee aus, als ob ich mit der unglückseligen ,Viola" Aehnlichkeif habe. Er täuscht sich in mir und über sich selbst. Eine Frau stir ihn, die beste und einzigste wäre .Hedwig von Versen. Sie liebt ihn lange. Sie ist gattz das, !vas zu ihm paßt. Nach ihr hab' ich die ,Viola'-Miefe geschrieben. Es sind, obwohl ich sic schmachvollerwetse verfaßte, viel mehr ihre als meine Miefe. Die beiden Menschen würden so herzlich glücklich werden. Da verennt er sich und gerät an die falsche Adresse."
Ein Schweigen entstand. Tann schritt Fred Richter auf Kurt Unruh zu und legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Sänftling!" sagte er leise.
Ter Assessor grunzte.
„Bleiben wir die alten?"
„Ter verdammte Kneifer", brummte Kurt Unruh und putzte eifrig. „Immer verlier' ich ihn. Ten Kneifer verlier' ich, die Rest verlier' ich, meinen besten Freund verlier' ich —"
„Aber so behalt' ihn doch, Mensch!" schrie Fred Richter und reichte ihm die Hände.
„Tas will ich ja -auch!" sagte der Sänftling und fchluchzte vor Rührung.
„Bravo! Jetzt schrei' ich wirklich Hurra! Junge, Tu wachst erst, daß ich mich über mein Glück vollständig freue! Aber wie steht es denn nun mit Fräulein von Versen?"
Ter Assessor schüttelte den Kopf.
„Eben erst verlobt und will schott kuppeln! Ach, Fred!"
„Tas Gräßliche ist, wenn ich so denk', daß ich nun allein Junggeselle bleiben soll. Bei Euch bin ich bann boch nur bas fünfte Rad vorn Wagen und herzlich überflüssig- Und dann — wo zu Mittag essen, allein 'rumbummeln,


