Ausgabe 
10.1.1903
 
Einzelbild herunterladen

vwung.eeiWfiraillSWilLyHYlXllIi»!

22

Belagerung wurde. Taffy bettte wie wütend und zog mit aller Kraft am Korbe, die Katze fauchte, während deren Besitzerin ein ohrenzerreißendes Geschrei erhob. Dank Maureens Eingreifen wurde indessen schon nach kurzer Zeit ein Waffenstillstand bewerkstelligt. Sie versetzte Taffy einige schallende Ohrfeigen, packte ihn beim Genick und händigte ihn mit lebhaften Entschuldigungen bei der alten Dame an Nitas Kammerjungfer ein. Dem Klagegeheul der Katze aber konnte durch nichts Einhalt getan werden, reicht'^'^ ch^" I)atte bet die Höhe des Abhangs er-

Jolly, mein Junge, nun komm herunter", sagte der Kutscher und fügte dann, sich umwendend, hinzu:Wo zuni Teufel ist denn der Kerl?"

Meinen Sie den Postillon?" fragte Sir Greville ruhig. Teu tft soeben ausgestiegen und mit einem braunen Paket jenen Seitenweg dort hinuntergelaufen."

Ach, wahrscheinlich mit Mrs. Farrells Sonntagskleid. Am Fuß des Hügels wird er wieder mit uns zusammen­treffen, aber, hol ihn der Kuckuck, jetzt gerade hätte ich Zotigsten gebraucht! Was um des Himmels willen soll ich nun machen?"

Kann ich Ihnen vielleicht behilflich sein?" fragte Sir Greville.

Ja, gnädiger Herr, ich wäre wohl dankbar, wenn Sie abstergen und den Schwanzriemen des linken Sattelpferdes um einige Löcher fester schnallen wollten."

Sir Greville verließ sofort den Wagen, allein er war svft Angelruten weit vertrauter als mit Pferdegeschirr, und

Tier wurde sehr unruhig. So pfuschte er eine Ewig­keit herum, bis d er Kutscher endlich rief:Warten Sie einen Augenblick, gnädiger Herr, ich will es lieber selbst machen. Stellen Sie sich nur vor die Pferde. Hier, mein Herr", ftihr er zu dem kleinen Mann aus dem Bock fort,halten Sie die Zügel recht fest, dann werden die Tiere mäuschen- ftill stehen."

Ter kleine Mann aber geberdete sich, als ob man hm eine Dynamitbombe gereicht hätte. Tödliche Angst tand auf seinem todesblassen Gesicht, auf dem die Schweiß- ropfen perlten, geschrieben, und seine Hände zitterten vor Erregung. Der Kutscher aber war mit erstaunlicher Behendigkeit abgestiegen; schon hatte er die Riemen zu seiner vollständigen Zufriedenheit festgezogen und war im Degriff, sich wieder aus seinen Sitz zu schwingen, als plötz­lich em unerwartet heftiger Windstoß dahergesaust kam. Ein lauter Aufschrei der rote Sonnenschirm entflog Lady Fanshawes Händen, wirbelte über den Wagen hinweg und streifte die Ohren des höchst erstaunten vorderen Sattelpferdes, das sofort wie vom Teufel besessen vor­wärts stürzte, und den leichtfüßigen, jugendlichen Schecken mit sich riß.

Kaum gelang es Sir Greville, dem Ueberfahrenwerden durch einen Seitensprung zu entgehen. Ein entgegenkom­mender Torfwagen war weniger glücklich, denn die Post­kutsche fuhr direkt auf ihn los, sodaß die Torfstücke nach allen vier Windrichtungen auseinanderstoben. Die Zügel entglitten den erstarrten Händen des kleinen Mannes, und in halsbrecherischem Galopp sauste das führerlose Gespann den langen Abhang hinunter. Welch entsetzlicher Anblick! Wie ein Schiff im brausenden Ozean wurde der Wagen hin und her geworfen. Lady Fanshawes Stimme erklang in den höchsten Fisteltönen, und Taffy- der wohl glaubte, diese herrliche Jagd sei allein nur zu seinem Vergnügen ins Werk gesetzt worden, bellte nach bestem Vermögen, während Maureens Nachbarin samt ihrer Katze sich Hilfesuchend. in Miß D'Mrcys Arme warf.

Diese schüttelte aber beide mitleidslos von sich ab, kletterte rasch aus den Bock- und befahl dem Mann im gelben Anzug, die Zügel wieder an sich zu nehmen. Dieser aber schien in seiner Todesangst Gehör und Sprache ver­loren zu haben, und so blieb der jungen Dame nichts anderes übrig, als trotz der Gefahr, auf dem schwankenden Wagen das Gleichgewicht zu verlieren, die Zügel mit einem Sonnenschirmgriff zu erhaschen. Obwohl ihre schwache Kraft natürlich nicht ausreichte, die Tiere zum Stillstehen zu bringen, so war der geringe Halt doch besser, als wenn die Zügel frei und womöglich zerrissen herunter- gehängt wären, was die drohende Katastrophe beschleunigt hatte.

Bleiben Sie ja alle ganz ruhig sitzen", rief sie zurück, ,MNd Du Nita, schreie nicht so, sonoern beruhige lieber

d^Hund, er macht ja die Tiere ganz wM nrtt seinem Gekläffe. Blitzschnell jagten sie bergab. Schneidend und pfeifend um sauste der Wind Gesicht und Ohren. Maureens r 6cr^lt® mit fortgenommen und ihre Haare aufgelost. Dennoch saß sie ruhig auf dem hohen Sitz, einzig darauf bedacht, durch Einsetzen ihrer ganzen Kraft das Leben ihrer Reisegefährten zu retten, «ein der kleine Mann neben ihr, ein Bild unmännlichster Furcht, wartete nur auf, erne Pause in dem rasenden Laufe, um sich in Sicherheit zu bringen. Als sie dann endlich schwankend und rasselnd, aber doch mit heiler Haut das Ende des Abhangs, erreicht hatten, stieß Maureen einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus, denn nun lag eine lange ebene Strecke vor ihr.

Das Glück hatte Miß D'Arcy bis hieher über Erwarten begünstigt, und nun setzte sie ihre ganze Kraft ein, um öte Pferde soweit zusammenzuhalten, daß sie auf der sehr schmalen Straße wenigstens in gerader Richtung dahiiljagten. Da plötzlich bemerkte Maureen einen kleinen dunklen Punkt, der rasch den gegenüberliegenden Abhang herunterkam, und bei diesem Anblick stand sogar ihr tapferes Herz einen Augenblick in tödlichem Schrecken still, denn sie mußte sich sagen, daß dieser Punkt ohne Zweifel der andere, von Ballybay kommende Postwagen sei.

Viertes Kapitel.

Eine Jagd aufTod und Leb! en.

Terence, der weitberühmte Kutscher und Besitzer war ein magerer, aber breitschultriger, kräftiger und leb­hafter junger Mann von achtimdzwanzig bis dreißig Jahren. Da er keinen Bart trug, kamen fein energischer Mund und das feste Kinn voll zur Geltung. Er hatte schön geschnittene, regelmäßige Züge, graue Augen mit dunkeln Brauen und Wimpern, die kurzgeschnittenen lockigen Haare dagegen waren eine Schattierung heller als die tief­gebräunte Haut. Es war ein schönes, energisches Gesicht, das beinahe auf eine vornehme Abstammung schließen ließ. Was für einer Familie dieser junge Mann indes auch angehören mochte, jetzt war er nichts weiter, als ein bei der Post angestellter Kutscher, der mit vollendeter Leichtigkeit und Sicherheit den vielgepriesenen Viererzug lenkte. Im gegenwärtigen Augenblick rauchte er eine vor- tresfliche Zigarre, wobei er belustigt einer Geschichte zu­hörte, die sein Nachbar auf dem Bock, ein sonnenverbrann­ter Offizier, der in Ballybay dem Sport huldigte, erzählte.

Ein famoses Fuhrwerk, Terence", bemerkte er.Das nenne ich fahren. Aber wissen Sie, so Tag für Tag stundenlang auf dem Bock sitzen und einen Viererzug lenken zu müssen, das ist doch keine Kleinigkeit".

Gewiß, aber ich bin daran gewöhnt, und dann stärkt es auch die Armmuskeln."

Na, Ihre Muskeln ließen auch ftüher schon nichts zu wünschen übrig. Warum, zum Kuckuck, treiben Sie die Sache so geschäftsmäßig?"

In der Not ftißt der Teufel Fliegen", antwortete! Terence lachend, bog mit kunstgerechter Gewandtheit um eine Ecke und begann den langen Abhang hinunterzufahren, der zu dem schmalen Teil der Straße führte. Dabei be­merkte er sofort die ihm entgegenkommende Postkutsche. Ein Blick genügte, um ihm die Gefahr klar zu machen-, in der das Fuhrwerk schwebte. Rasch schleuderte er die nur halb zu Ende gerauchte Zigarre fort. Mit feiner ge­wohnten Besonnenheit hatte er sofort int Geiste die Vor­bereitungen getroffen, um der tödlichen Gefahr zu be­gegnen.

Was ist los?" fragte fein Gefährte nachlässig.War es nicht eine echte Havanna, die Sie da eben wegwarseu?"

Da drüben die Zweitthrkutsche. Die Pferde sind durchgegangen. Ich will versuchen, bis au den Kreuzweg zu kommen, dort ist die einzige Stelle, wo sie an lins vorüber können. Menn sie in ihrem jetzigen Tempo auf uns losfahren, ist ein entsetzlicher Unglücksfall unvermeid­lich."

Na, Sie werden es schon fertig bringen."

Hoffentlich. Mas aber mag nur aus Tom Sweeny geworden sein? Er ist gar nicht auf dem Bock beim heiligen Georg, eine Fran kutschiert ja!"

So sprechend lenkte er seinen Wagen äußerst gewandt in einen Nebenweg. Wenige Augenblicke später sauste das Gespann mit dröhnenden Hufschlägen und rasselndem' Zaumzeug, in eine dichte Staubwolw gehüllt, mit seinen todesblassen Insassen und einem bellenden Hunde an ihnen