Ausgabe 
10.1.1903
 
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vorüber. Auf dem Bock faß ent Mann mit gekrümmtem Rücken und auf die Knie gestützten Ellenbogen, neben, aber hoch über ihm, ein barhäuptiges' Mädchen mit un­erschrockenen Gesichtszügen, dessen schwarzes, zerzaustes Haar wie ein langer Schleier hinter ihr herflatterte., Die Zügel fest um ihr Handgelenk geschlungen, spannte sie jeden Nerv an, um die rasenden Tiere zu bändigen.

Halten Sie sie fest bis zum Hügel!" schrie Terence ihr zu.Dann legen Sie den Hemmschuh an!"

Donnerwetter, die sieht aus wie Phaeton auf dem Sonnenwagen!" ries sein Gefährte.Und Schneid hat sie. Das wäre ein Mädchen nach meinem Geschmack!"

Wenn Sie die Tiere nicht noch vor dem Teufel­ellenbogen in die Gewalt bekommt, so wird sie verun­glücken", erwiderte der Kutscher.Jene Ecke ist schon unter günstigen Umständen ein verflucht gefährlicher Punkt, mit durchgehenden Pferden aber ist dort eine Kata­strophe unvermeidlich. Und es sind Frauen dabei es muß irgend etwas geschehen", fuhr er, die Hände an die Stirn pressend fort.Eine Möglichkeit ist übrigens noch vorhanden. Hier Jack, nehmen Sie die Zügel!" rief er, und zog in fliegender Hast seinen Kutschermantel aus. Sie müssen weiterfahren, aber treiben Sie die Tiere nicht an, und berühren Sie um Gottes Willen das vordere Hand­pferd nicht mit der Peitsche. Ich will über den Berg laufen und versuchen, den Wagen vor dem Hohlweg einzuholen."

Noch während des Sprechens war er davon geeilt, setzte über einen nahe liegenden, mit Wasser gefüllten Graben und begann nun mit den langen, gleichmäßigen Schritten eines erfahrenen Läufers den Abhang zu er­klimmen.

(Fortsetzung folgt.)

Die Industrie der Perlmuttknöpfe.

Won Fred Hood.

Nachdruck verboten.

Die Verwendung von KUöpfen ist ebenso der Mode unterworfen, wie jeder andere Artikel, der irgend mit der Bekleidungsindustrie in Beziehung steht. Es giebt Moden, welche aus die ganze Knopfindustrie ungünstig einwirken, und es giebt solche, welche Metallknöpse oder Hornknöpfe oder Perlmuttknöpfe bevorzugen. Ein Knopf dient eben nicht nur zum Schließen eines Kleidungsstückes, sondern sehr häufig auch zum Schmuck desselben, und wenn es den Schneidern und Modistinnen einfällt, einer Mode Geltung zu schaffen, bei welcher die Knöpfe eine untergeordnete Rolle spielen oder sehr sparsam verwendet werden, dann hat die ganze Knopfindustrie schwere Zeiten durchzumachen.

Eines gewissen dauernden Wohlwollens haben sich die Perlmuttknöpfe zu erfreuen, ja, es scheint, daß sie nament­lich der Mäntelkonfektion entbehrlich sind, welche Richtung dieselbe auch immer einschlägt. Das liegt zweifellos daran, daß ein Perlmuttknopf, auch weiin er ganz glatt behandelt Wird, immer gefällig aussieht, denn er zeigt scböne irisie- rende Farben und prächtigen Glanz. Auch sind die Perl- muttknopfe verhältnismäßig wohlfeil, da nicht nur die Schalen der eigentlichen Perlmuschel, sondern diejenigen der mannigfachsten. zum Teil in unerschöpflicher Menge vorhandenen Muscheln Verwendung finden. Mele Muscheln von ganz geringem Werte zeigen schon den der Perlauster eigentümlichen irisierenden Glanz, doch werden namentlich die sehr geschätzten Miesmuscheln, Seeohren, Kreisel sch necken und Jrismuscheln zu Perlmutt verarbeitet. Die Färbung ist übrigens eine sehr mannigfache, denn es giebt Perlmutt von weißer, gelber, grünlicher und schwarzer Färbung, sodaß Ech Wahl der Perlmuttknöpfe der Art und Färbung ^Kleidungsstückes angepaßt werden kann. Auch für Man- schettenknöpfe wird stettg Perlmutter verwendet, namentlich solche, weißer Färbung, die kaum der Mode unterworfen zu fern scheint. 1

Ivar.früher das Hauptzenttum der gesamten ^nKArAUs6tlf£.ier waren in den letzten Jahren

Deutschland, England^ und Frankreich an der Fabrikation n P^lmuttknopfen lebhaft beteiligt. In jüngster Zett J Nordamerika als neuer und sehr mächtiger Kon- fifvrene auf dem Plane erschienen, und es- ist bemerkens-

e!" Ötscher die Industrie der Perlmuttknöpse

^rika wachgerufen und in einem Zeitraum von nur zehn Zähren zur herrlichsten Blüte gebracht hat. Wenn

man einmal genauer Untersuchei, würde, ans welchen An­fängen die großen Industrien der Vereinigten Staaten emporgewachsen sind, so würde man gewiß finden, daß man den besten Teil dieser Errungenschaften deuts^em Erfindungsgeist zuzuschreiben hat Es ist eine Tatsache, daß erfinderische Köpfe in keinem Lande so bereitwillige! Unterstützung von feiten der Kapitalisten ttnden, wie in Amerika, und darauf mag es wohl zurückzuführen sein, daß so viel Deutsche, die in der Heimat nur schwer empor- kommen konnten, in Amerika den rechten Boden für ihre Tätigkeit sanden.

Im Jahre 1891 gründete Boepple, ein geborener Ham­burger, der die Fabrikation von Perlnruttknöpfen in seiner Vaterstadt erlernt hatte, eine Gesellschaft zur Fabrikation von Perlmuttknöpfen aus den Unios (einer Art Maler­muschel). In Amerika werden diese Muscheln vielfach als Niggerheads" (Negerköpfe) bezeichnet. Boepple Hat in Muskattne (Iowa) feinen Wohnsitz genommen, und er fand längs des Mississippi bei Muskattne diese Muscheln in un­geheurer Fülle aufgeschichtet. Nachdem das Unternehmen einige Zeit bestanden hatte, fanden es die Teilhaber nicht gewinnbringend genug und gaben es auf. Boepple ließ sich dadurch nicht abschräken und setzte die KNoPffabrikation in kleinem Maßstabe in seinem Haufe fort. Schließlich organisierte er eine Gesellschaft, welche durch das in Deutsch­land und Oesterreich angewandte Fabrikationsverfahren und die dort gebräuchlichen Maschinen gute Erfolge erzielte. Tie zur Knopffabrikatton verwendeten Werkzeuge waren von der einfachsten Art und bestanden hauptsächlich in Dreh­bänken, welche mit dem Fuß oder durch Dampf bettieben wurden. Es dauerte nicht lange, bis die ganze Sttecke längs des Mississippi von Red Wing in Minnesota bis Louisiana (Missouri) mit Knopffabriken besetzt war. Mus- kattne wurde das Zentrum dieser neuen Industrie. An­fangs herrschte hier namentlich die Kleinindustrie, und eS gab vor wenigen Jahren mehr als' 40 Fabriken in dieser Stadt, welche sich mit Fabrikation der Knöpfe beschäftigten. Tann machte sich die in Amerika in allen Industrien auf- tretenbe Tendenz zur Konzentration der Unternehmungen fühlbar, wie auch das Verlangen nach verbesserten Maschinen und großem Kapital, um der riesigen Konkurrenz begegnen zu können. So mußttn die kleineren Unternehmungen längs des Flusses immer mehr verschwinden. Einen wichttgen Faktor für die Entwicklung der neuen KNopfindnsttie bildete der mäßige Preis der Muscheln. Bor einigen Jahren wurden die Schalen berartiger Flußmuscheln den Fabriken für 2,00 bis 2,40 Mark pro Zentner geliefert, während dieselbe Quan­tität Ozeanmuscheln, mit welchen früher fast ausschließlich Sud-Australien und die Südsec-Jnseln die Weltmärkte ver­sorgten, einen Wert von 120 bis 240 Mark besaßen. Im Februar 1898 stiegen die Preise für dieMggerheads" auf 70 bis 80 Mark pro Tonne, doch im Juli desselben! Jahres waren sie billiger als je zuvor, und für 100 Pfund wurden nur noch 1,20 Mark gezahlt. Tie bttligste Ozean­muschel dagegen, die Panama-Muschel, kostet pro Pfund' immer noch 0,40 Mark. (Censusj, Bulletin 172.)

Tie Verbesserungen an den Maschinen sind sich in den letzten Jahren so rapide gefolgt, daß manche Fabrikanten innerhalb dreier Jahre dreimal ihre Maschinen wechselten, wobei sie jedesmal die ganze Anlage tatsächlich neu aus­statte ten.

Tas Fabrikationsverfahren ist etwa folgendes. Nach­dem die Muscheln gekocht und das Fleisch entfernt worden ift, werden sie in Schuppen aufgespeichert und in drei ver­schiedenen Größen sorttert. Sie liegen drei bis sechs Tage in Wasserbehältern und werden in nassem Zustande ver­wendet, da sie sonst beim Zerschneiden der Muscheln zu bearbettungsfähigen Platten bereits zerbröckeln. Zum Aus­schneiden der runden Knopfstücke dienen etwa zwei Zoll lange Abschnitte von Stahlrohren, deren Rand gezähnt ist und deren Durchmesser der Größe der herzustellenden Knöpfe entspricht. Diese gezähnten Stahlbohrer werden an Drehbänken angebracht und können also je nach der gerade herzustellendeu Knopfart ausgewechselt werden. Tie Dreh­bänke setzen den Bohrer in Rotation, und indem der Arbeiter die Muschel gegen den Bohrer führt, werden die Knöpfe mit großer Schnelligkeit ausgeschnitten und fallen durch den horizontal geführten Hohlbohrer hindurch in einen Be­hälter. In Deutschland sind auch verschiedene andere Vor­richtungen mit horizontalen Zenttumsbobrern in Gebrauch,