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1903. — Rr. 6.
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(Nachdruck verboten.)
Eine verhängnisvolle Fahrt.
Rbman von B. M. Croker.
Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Mwina Bischer.
(Fortsetzung.)
Endlich war der Wagen vollgeladen. Der junge Postillon schwang sich auf seinen Sitz, blies mit aller Macht in sein Horn, und in kurzem, munterem Galopp eilten die vier glänzenden Braunen die scharf ansteigende Straße hinauf. war Markttag in Carra, und Verkäufer sowohl als Käufer kamen aus den Läden und Buden herausge- als Käufer kamen aus den Läden und Buden heraus- gelaufen, um die Postkutsche vorbeifahren zu sehen — ein Ereignis, das stets ivährend einer ganzen Woche das Gesprächsthema für die Landleute bildete. Bald lag die sich lang hinziehende, schiefergraue Stadt mit ihren aus schmutzigen Hütten bestehenden Bororten hinter den Reisenden, und eine weite wellenförmige, auf der einen Seite vom wildbrausenden atlantischen Ozean, auf der andern von dem prächtigen Kerrygebirge begrenzten Ebene dehnte sich vor ihnen aus. Hier blies ihnen nun ungehindert eine kräftige, salzige, nach Torf und Stechginster duftende Lufr entgegen, die zwar Federn und Schleier unbarmherzig zerzauste, aber von Maureen mit wahrer Wollust eingesogen wurde. Durch ein weit ausgedehntes, sumpfiges Moorland, zwischen tiefen schwärzlichen Wasserbecken, führte die schmale, abwechselungsweise sich senkende und wieder ansteigende Straße hin, deren eine Seite von lose aufgehäuften Steinmauern begrenzt war. Lady Fanshawe, die sich in einer höchst ärgerlichen, erregten Stimmung befand, erschien die ganze Gegend so reizlos und häßlich, daß sie nicht einmal Worte dafür fand, während Maureen, bei der sich das irländische Blut geltend machte, von einer Begeisterung in die andere geriet. Das dunkle Torfmoor mit seinen langstieligen, im Winde sich heftig hin und her neigenden Sumpfpflanzen, die im Sonnenlicht vom leuchtendsten Purpur bis ins tiefste Violett spielenden Gipfel der Höhenzüge, die am Wegrande zwischen den aufgehäuften Steinen emporwachsenden prächtigen Stengel des roten Fingerhuts und das üppig wuchernde Heidekraut, ja selbst der hier und da aufsteigende bläuliche Rauch, der aus den Ställen der fetten Rinder und weißen Schweine kam, die neben der Strane weideten und manchmal sogar mit dem Wagen um die Wette liefen, entzückten Maureen.
Der Kutscher begann nun ein Gespräch mit seinem Nachbar, machte ihn auf verschiedene interessante Punkte aufmerksam, erzählte von dem großen Fremdenverkehr in Ballybay, und oaß die Postkutsche jetzt dreimal am Tage fahren müsse. „Wir haben aber auch die besten Pferde von ganz Irland", fügte er stolz hinzu.
„Ja, sie sind nicht übel", sagte der Gelbe mit herab, lassender Miene.
„Besser können sie überhaupt nicht sein, denn Kutsche« Terence suchte sie selbst aus dem Roßmarkt in Cahirmee aus, uno einen erfahreneren Pferdekenner giebt es in ganz Irland nicht." !'
„Wirklich ?" erwiderte der kleine Mann in gelangweu-i tem Tone.
„Wir werden jenseits des Teufelellenbogens mit Terence zusammentreffen, der heute den um drei Uhr von Ballybay abfahrenden Postwagen führt, und ich Wettes daß Ihr Auge niemals vier schönere Braune gesehen hab Im Herbst bekommt er sicherlich mindestens 300 Pfunds dafür. Terence verdiente bei Gott in Gold ausgewogen! zu werden."
„Warum denn?"
„Weil er ein großartiger Pferdekenner ist; jedeD Pferd muß ihm gehorchen wie ein Lamm, sowohl beint Reiten wie beim Fahren. Dabei ist er jung und kräftig, und was er sich vornimmt, das führt er auch durch, es mag biegen oder brechen."
„Beschäftigen Sie sich auch mit dem Einfahren vou Pferden?"
„Du lieber Gott, nein, ich bin ein verheirateter ManU mit einer großen Familie, und einige von den jungen sind wie leibhaftige Teufel. Zuweilen muß ich zwar auch ein nur halbwegs eingefahrenes Roß einspannen, aber nur, wenn es etwas knapp mit den Pferden zugeht. Gestern z. B. verletzte sich mein Stangensattelpferd am Hinterfuß, und so ließ ich mir diesen jungen Schecken geben", sagte er, auf ein schönes, feuriges Pferd zeigend. „Sie sehen, es ist ganz fromm jetzt. Terence kaufte es vor kurzer Zeit auf einem Rennplatz; es ist erst drei Jahre alt, und war nur einmal eingespannt."
„Nur einmal eingespannt!" wiederholte sein Zuhöre« voll ungläubigen Entsetzens.
„Ja, aber das schadet nichts. Ehe wir indes zunt großen Abhang kommen, will ich ihm doch lieber den Schwanzriemen fester schnallen lassen, denn wenn er den Wagen auf den Hufen fühlt, ist er im stände durchzugehen — das ist seine einzige Untugend."
Maureen, die der Unterhaltung mit dem lebhaftesten Interesse gefolgt war, bemerkte, daß der kleine Mann auf dem Bock aufgehört hatte, seinen großen Schnurrbart zu drehen, und daß sein Gesicht aschfahl geworden war.
In diesem Augenblick wurde Miß D'Arcys Ausmerk- samkeit plötzlich durch einen komischen Zwischenfall abi- gelenkt. Die Katze, ihrer engen Hast müde, begann ein langgezogenes Wehegeheul auszustoßen, was Taffy, der diese Töne wohl als Kriegsrus auffaßte, bewog, aus den Armen seiner Herrin auf den Korb zu stürzen, um den Kainpf mit dessen Insassin aufzunehmen. Und nun folgt« ein tolles Ringen zwischen Taffy, der Katze und ihrer Eigentümerin, deren Schoß der Schauplatz einer förmlichen


