Montag de« 9. Hlovemöer.
1908.
fflgf
■«
(Nachdruck verboten.)
M WkmiihH« m der MM.
.Bon B. W. Howard. । ;
(Fortsetzung.)
Zur selben Zeit, als der Postwagen Qnincher verließ, fuhr Morots Boot leicht und geräuschlos am Quai von Plouvenec an. Hamor begab ftch, wie jemand, der nach längerer Abwesenheit zurückkehrt, sofort nach den Boya- geurs, um zu fragen, ob Briefe für ihn eingegangen seien.
„Es ist eine Depesche da", sagte Madame, „sie kam erst heute früh, leider konnte ich sie nicht nachschicken, da ich nicht wußte, ob Monsieur am Lande oder auf dem Wasser war."
„Sie haben ganz recht getan", versicherte Humor im höflichsten Französisch Nachdem er jedoch den Inhalt hastig durchflogen hatte, verfiel er sofort in eine kernigere Sprache.
„Zum Henker!" rief er, unwillig die Stirn runzelnd aus.
„Ich hoffe doch daß Monsieur keine schlimmen Nachrichten erhalten hat?"
Hamor überlegte einen Augenblick: „Wer weiß", sagte er, „vielleicht ist noch Zeit. Sie, Madame, sind die Frau dazu, einem aus dringender Berlegenheit zu helfen, das bin ich überzeugt. Ich befinde mich in großer Not."
„Was wünschen Sie, Monsieur?" fragte Madame ruhig.
Hamor blickte auf die Uhr. „Ich brauche vor allem ein Pferd, das eine vierstündige Fahrt in zwei Stunden zurücklegen kann, einen Kutscher, der gescheit ist und mich noch zum Nachtzug nach Rennes befördert; das Notwendigste muß in meinen Handkoffer gepackt werden und Mr. Staunton binnen fünf Minuten hier sein, auch möchte ich etwas zu essen vorfinden, wenn ich von der Poft zurückkomme, wo ich nicht übel Last habe, Ihre Posthalterin umzubringen, ob sie mir nun den fehlenden Brief herausgibt oder nicht."
„Sehr wohl, Monsieur, es soll alles zu Ihrer Zufriedenheit ausgerichtet werden", versicherte Madame mit unerschütterlicher Ruhe.,
Hamor stürmte hinaus, noch im Gehen die Worte der Depesche vor sich hinmurmelnd:
„Warum keine Antwort auf Sonntag Brief? R. ungeduldig. Komme heute, sonst alles verloren."
„ „Meinen Brief, Madame", rief er gebieterisch, und drang stürmisch in das innerste Heiligtum der Posthalterin ein.
„Monsieur hat keinen Brief, Monsieur irrt sich und sollte draußen vor dem Schalter bleiben."
„Doch, ich muß einen Bries haben, der schon letzten Drenstag abgegeben sein sollte. Ich bitte mir ihn aus — am Schalter bleibe ich das nächste Mal. Mein Name ist Hamor, — H^a—m—o—r."
„Ich weiß, ich weiß, Monsieur", entgegnete sie ver- weuend. machte, sich duck? Km:ztn. uWAiehowp w;»?»
stoße durchzusehen, die friedlich in ihren Löchern unter! W; S. und T. lagen — überall, nur nicht unter H. Endlich zog sie ein Douvert hervor, das sie mit kritischen Blicken musterte.
„Geben Sie's her", rief der junge Mann hastig. „Es ist die ausländische Handschrift, die Sie irre führt."
„Monsieur hat recht", versetzte sie kläglich, „es ist ein Kunststück, diese englische Handschrift zu lesen —"
Doch Hamor war schon über alle Berge. Hastig überflog er den Brief:
„Dein Bild ist ein riesiger Treffer. R. will Dich Unbedingt sprechen. Hätte es schon ein Dutzendmal verkaufen können, wenn Du einwilligst. Er ist nur ein paar Tage hier intb läßt Dich auffordern, unverzüglich zu kommen; er scheint einen Plan wegen Rom zu haben. Wenn dem so ist, bist Du ein gemachter Mann. Meine besten Glückwünsche im voraus. Antworte sofort telegraphisch, Du weißt, R. kann's nicht ertragen, wenn man, ihn warten läßt."
„Du siehst selbst, daß mir keine Wahl bleibt", sagte Hamor ein paar Minuten später zu Staunton, der sich cingefunden hatte, „ich muß unter allen Umständen forst. Du bist wohl so gut, etwa für mich einlaufende Rechnungen zu begleichen und dafür zu sorgen, daß Meine beiden Bilder unter meiner Adresse nach Paris gelangen. Und dann, lieber Junge, sage ihnen allen ein herzliches Lebewohl;
ist mir sehr leid, aus diese Weise so plötzlich fort zu müssen. So viele sind hier, von denen ich gern persönlich Abschied genommen hätte! Dhymert z. Bi Und bitte, Staunton, nimm Dich Guenns an. Es wird ihren Stolz schwer kränken, wenn ich gehe, ohne ihr besonders Adieu zu sagen. Wer was kann ich machen — ich habe nicht Zeit, lange nach ihr zu suchen, wenn sie augenblicklich aufzutreiben wäre —"
„Sprechen Monsieur von Guenn Rodellec?" ertönte hier Madames klare Stimme. „Sie ist noch nicht von Quimper zurückgekehrt. Wollen Monsieur vielleicht irgend welche Botschaft für sie znrücklassen?"
„Gewiß, ich wäre Ihnen sehr dankbar, Madame! Sagen Sie ihr, bitte, daß ich ihrer gedacht habe und daß es mir sehr leid sei, nicht mehr Abschied von ihr nehmen zu können. Bon Paris atzis würde ich ihr etwas Schönes schicken und! eines Tages würde ich selbst wieder hier sein. Ach sagen Sie ihr, was Sie wollen, Madame, nur etwas recht Freundliches, Sie wissen schon, wie ich's meine."
„Ich werde es besorgen", erwiderte Madame mit derselben unerschütterlichen Ruhe, als ob es sich um die Bestellung einer Schüssel Backhühner handelte. „Monsieurs Wagen steht vor der Tür, das beste Pferd in ganz Plou- vcnec ist eingespannt, Andres Bruder wird kutschieren. Monsieur wird zufrieden sein."
„Madame, Sie verdienen mit Gold ausgewogen zu werden."
„Das gäbe ein nettes Vermögen ab", entgegnete Ma-


