1903.
Areitag den 9. Kktoöer.
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(Nachdruck verboten.)
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Von B. W. Howard.
(Fortsetzung.)
Welcher böse Geist war in die unbedeutende, kleine Person gefahren, äaß sie es mit jedem ihrer Worte so recht darauf anlegte, Guenns vernünftige Entschlüsse wankend zu machen, sie von dem gewählten, sichern Pfade abzuleiten, und ihr heißes, ungestümes Herz unter den alten ^auberbann zu zwingen, der sie wider Willen gefangen
Mit herrischer Geberde unterbrach sie das Geschwätz der Frau. Kaum wissend, was sie tat, eilte sie durch das Tor, dann über den Hof und die baufällige Treppe hinauf, als jagten Geister hinter ihr her. Ohne anzuklopfen — Guenn kannte diese unwichtige Zeremonie wohl, aber sie machte sie mit oder unterließ sie nach ihrem Belieben — vsfuete sie Hamors Tür und erschien plötzlich wie eine Windsbraut in dem zum Atelier umgewandelten Bodenraum. — Tas Gesicht der kleinen Jeanne drückte unverhohlenes, aber doch freudiges Erstaunen aus: die blaue Ader auf Hamors Stirn trat stärker hervor, sonst aber war ihm keinerlei Ueberraschuug anzumerken. Ohne auch nur den Kopf zu wenden, arbeitete er mechanisch werter, obwohl er sehr wohl wußte, wer gekommen war.
„Willst Du vielleicht so gut sein, die Tür zuzumachen, Guenn?" sagte er so Unbefangen, als sei nichts geschehen.
Sie rührte sich nicht, er wandte sich freundlich nach ihr um, sie erwartungsvoll anschauend, zu lächeln wagte er nicht in diesem entscheidenden Augenblick. Guenns zarte, kleine Gestalt lehnte gegen die offene Tür, die Hände waren krampfhaft zusammengepreßt. Sie glich einem scheuen, fluchtigen Reh, das im nächsten Augenblick mit derselben Behendigkeit, mit der es sich in die Gefangenschaft be- 5sperr,, wreder hinaus in die Freiheit springt. „Mach' bitte dre Ture zu, wiederholte er in sachgemäßem Ton, als sich rhre Augen trafen, „der Zrrg ist sonst zu arg, wegen der zerbrochenen Fensterscheiben."
. . Grienn schlug vor seinem ruhigen Blick die Augen nieder, ihre Finger lösten sich, der Geist des Widerspruchs war bezwungen. Langsam wandte sie sich nach der £ür, me sre Mit eigener Hand schloß. Sie hatte ihr ganzes, altes Leben für immer ausgeschlossen.
Ter kleine, bucklige Kobold in der Ecke gab keiüen Laut von sich, Jeanne machte ein sehr vergnügtes Gesicht und Hamor, der sich wieder seiner Arbeit zugewandt hatte, atmete erleichtert und triumphierend auf. Guenn stand NA rmmer unschlüssig an der geschlossenen Türe hinter
„Komme doch und sieh zu, wie ich Jeanne male".
sagte die weiche, tiefe Stimme, und Hamor deutete aufeineu Feldstuhl in seiner Nähe.
Mechanisch gehorchte Guenn seiner Ausforderung und nahm den ihr angewiesenen Platz ein. Ihre Brust hob und senkte sich, ihre großen, unruhigen Augen folgten jedem seiner Pinselstriche, zuerst wohl ohne mehr Verständnis' fiir sein Tun, als etwa das Tier des Waldes der Kunst gegenüber empfindet. Allmählich übte aber Hamors ernstes Wesen und der Anblick der beiden wohlbekannten Gesichter einen besänftigenden Einfluß. Niemand schien sich über Guenns Hiersein zu verwundern oder ihr befehlen zu wollen; so begann sie denn sich neugierig im Atelier um- ßuschauen. Mt sichtlichem Interesse hastete ihr Auge auf dem bunten Chaos, das sich ihr darboi, sie stand auf um alles genau zu betrachten, aber hütete sich wohl, irgend welche Fragen zu stellen. Es kam überhaupt nicht vor, daß eines der Modelle Staunen oder Ueberraschung kund tat. Ter Anblick der seltsamsten Gegenstände entlockte ihnen' nie eine Frage oder einen Laut der Verwunderung.
Mas gab es aber hier alles zu sehen! Feldstühle und Staffeleien, Schalen, Flaschen und Ktüge ständen umher/ alte bretonische Stickereien waren über einen Balken geworfen, Stücke farbigen Wollenstoffs in künstlerischem Faltenwurf geordnet; übereinandergestellte Kisten, geschickt durch eine dunkelrote Decke verhüllt, bildeten einen altarähnlichen Tisch; einige auserlesene Bücher, eine langhalsige, altertümliche Base, die aus der Ritterzeit stammte/ dazu ein buntes Durcheinander von unzähligen Kleinigkeiten, die in malerischer Unordnung umherlagen, fanden sich hier angesammelt. Guenn musterte alles nach Belieben Mit Muße und Gründlichkeit. Als sie im Kauiin, wo ein Helles Feuer brannte, eine herausfallende Kohle bemerkte, miete sie rasch nieder, legte sie mit der Zange zurecht' und sah sich dann nach einem Handbesen um, die Asche zu entfernen.
„Ta drüben hängt er", sagte Jeanne in bretonisches Mundart nnb deutete nach einer entlegenen Ecke.
„Ein schöner Platz dafür!" murmelte Guenn und lief hinüber den Besen zu holen. Hamor schenkte ihr anscheinend nicht die geringste Aufmerksamkeit, als sie aber mit der kleinen, häuslichen Verrichtung zu stände gekommen war, sagte er einfach:
„Tanke, Guenn!"
Sie lächelte ihn freimütig an. Tas Atelier gefiel ihtz ausnehmend; man konnte darin tun und lässeu, was mäst wollte, und es schien geräumig genug, um einen Wettlauf äbzuhalten. Vergnügt trommelte sie au den Feusterscheibest und bald vernahm man ihr fröhliches Lachen in dem stillest Raum.
„Siehst Du Jeauue", begann sie fröhlich, „die kleine/ dumme Gans da unten wollte mich heraufbringen, da bist ich denn doch lieber von selbst gekommen!" Sie lachtä wieder, zog ihr Strickzeug aus der Tasche, setzte sich in die- Fensterbrüstung und begann ans die una»n>ungenste WM


