Donnerstag den 9. Aprü
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1903. — Nr. 53.
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(Nachdruck verboten.) Das Gasthaus am Strande. Roman in zwei Bänden von Florence Warden.
Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen,
L i ' (Fortsetzung.)
„Ich Will Sie nicht dazu drängen, mich übereilt zu heiraten", sagte er. „Stellen Sie mich auf die Probe, heiraten", sagte er. „Stellen Sie mich aus, die Probe. Lassen Sie es zur Kenntnis gelangen, daß ich um Sie angehalten habe, geben Sie soweit nach, daß sie sich mir verloben, und wenn, bevor ich nächsten Monat in die Stadt gehe, ich Ihnen so lästig geworden bin, daß Sie dieses Verhältnis vor Verdruß wieder abzubrechen wünschen, so können Sie mich meiner Wege gehen heißen und den Empfang meiner Briefe verweigern. Jedenfalls wird man nicht im stände sein, Uebles von Ihnen zu^reden, wenn man weiß, daß ich Sie zur Frau begehrt
Noch immer widerstand aber Nell.
„Ich mag nicht einmal mit Ihnen verlobt sein." „Warum nicht? Haben Sie mich nicht gern?" Obschon ihr Wesen verraten hatte, daß sie ihn gern hätte, so leugnete sie es doch hartnäckig. Sie wünschte an ihre Arbeit zu gehen, sagte sie, und er täte besser, nach Stroan zu seinen Freunden zurückzukehren. Und er möchte es gütigst so ansehen, wie sie es selbst auch zu tun gedächte, daß er nichts von den törichten Dingen gesagt, auf die sie nicht zu hören versucht hätte. Sie würde sie ohne weiteres vergessen, und sie hoffte, er würde dasselbe tun. Und es belustigte sie, sich vorzustellen, wie aufgebracht seine Verwandten und Freunde gewesen sein würden, wenn sie wirklich so albern gewesen wären, aus sein dummes Geschwätz zu hören, und wenn er mit der Nichte eines Gastwirts verlobt in die Stadt zurückgekehrt wäre.
. „Und meine eigenen Freunde", fügte das Mädchen mit Lebhaftigkeit hinzu, „würden ebenso aufgebracht gegen mich gewesen sein, wenn ich von der flüchtigen Laune eines Mannes von Ihrer Lebensstellung Vorteil gezogen hätte, um über meine eigenen Verhältnisse hinaus zu heiraten."
Hierauf antwortete Clifford aber sehr gefaßt: „Sie werden stets über Ihre eigenen Verhältnisse hinaus hei- raten ob Sie mich heiraten oder nicht. Zunächst hat Schönheit, wie die Ihre, ihren besonderen Rang. Und was die wilden Horden von Verwandten betrifft, die ich haben soll, so leben sie nur in Ihrer Einbildung. Es Siebt mcht einen, der mich zu hindern das Recht hätte, nach Gefallen zu handeln; und selbst wenn es deren gäbe, so möchten sie's nur versuchen, doch würde es lhney gxwiß nicht geftugen."
Nell gab keine Antwort hierauf. Nach einer kurzes Stille ergriff Clifford wieder das Wort: „Gut denn, ich gehe. Ich werde aber morgen wieder kommen, wenn nicht diesen Wend, meine Rechnung zu bezahlen und —«
Nell erhob mit zornigem Erröten das Gesicht.
„Das werden Sie nicht", unterbrach sie ihn rasch. „Glauben Sie, daß, nachdem Sie so viel Geld tttt Hause verloren haben, wir Ihnen das gestatten würden?"
„Das war aber nickt Ihre Schuld, noch die Ihres Onkels."
Wieder erschien in den Augen des Mädchens die seltsame Unruhe, die wenigstens eine schuldige Mitwissen- schast verriet. Clifford wendete das Gesicht ab, um* es nicht zu sehen.
„Ich glaube, wir sollten die Verantwortlichkeit tragen"- sagte sie ernst.
„Ick aber nicht. Warum sollten Leute, die unbedingt gut sind, für die Vergehen der unbedingt Schlechten zu leiden haben?"
Nell seufzte.
„Unbedingt gut! Das sind wir nicht. Wenigstens kann ich das für mich selbst sagen."
Wer könnte die Güte eines Mädchens bezweifeln, das seine Gesundheit, vielleicht selbst sein Leben wagt, um einer armen Frau hilfreich zu sein?"
Nell schleuderte ihm einen Blick größter Verachtung zu.
„Ich tue das nicht, weil ich gut, sondern weil ich aufgebracht und bedrückt bin", sagte sie mit einem Blick auf den Besen. „Ich hätte jemand hcrschicken können, Mrs. Corbetts Hütte zu reinigen, es giebt hier herum Leute, die arm genug sind, es gern für ein paar Pence zu tun. Ich tue es> weil ich mich unglücklich fühle und aus mir einen Märtyrer machen möchte."
Nun lieble sie Clifford fast noch mehr um dieser Bloßstellung ihrer Gereiztheit willen, als er es ihres Mutes wegen getan hatte. Es enthob sie, wie er fühlte, den Reihen jener strengen Frauen mit grämlichen Gesichtern, die in ihren Bezirken mit Besuchen die Runde machen, die ihnen eine drückende Pflicht und für die unglücklichen Menschen, die sie besuchen, noch drücken-, der sind.
„So!" beendete Nell mit einem letzten trotzigen schwunghaften Besenstreich ihre Arbeit. „Und jetzt kennen Sie mich wirllich besser, als Sie gedacht haben", womit sie die Tür erreichte.
„Und liebe Sie nur noch mehr!" rief Clifford mit erhobener Stimme, als sie in die Hütte verschwand
6. Kapitel.
Ein anderes nächtliches Abenteuer.
Auf dem Wege nach Stroan hielt die köstliche Glut, in die ihn die anregende Unterredung versetzt hatte, noch eine Zeitlang an und machte Clifford so glücklich jvte einen Vogels


