Ausgabe 
9.3.1903
 
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der vier Kinder in der Schule Hatte, hiervon einen Knaben in der fünften Klasse (OIII), erklärte, das; er, der früher ein Gegner der Idee des gemeinsamen Unterrichts gewesen sei, durch die Erfahrung überzeugt worden sei, und nun nichts mehr wünschte, als daß die Schule vollständig ausgebaut sei"

Also auch hier wieder die Erfahrung, daß Mit oer Kelrntnis der gemeinsamen Erziehung der Widerstand schwindet. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß auch bei uns dasselbe Resultat sich zeigen würde, wenn mau sich nur erst entschließen könnte, überhaupt Erfahrungen zu machen. ________

Ein neues Mesen-Projekt für Ncw-Hork.

(Nachdruck verboten.)

Wieder einmal kommt aus Amerika die Nachricht von einem geplanten Riesenunternehmen, das in Newyork aus- gefiihrt werden und alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen soll. Die reiche Pennsylvania Eisenbahn­gesellschaft will auf einem enormen Mächenraum der Mau- Hattan-Jnfel eine Tunnel-Endstation anlegen, die nicht nur den Verkehrsbedürfnissen für die 20 Millionen Fahrgäste genügen, sondern auch eine palastartige Hotelanlage, eine Badeanstalt und Vergnügungslokale aller Art in sich schließen soll. Das Ganze bildet einen ungeheuren Kuppel­bau. Unter der Erde liegen die Bahnhöfe für den Per­sonen- und Güter-Berkehr, im Parterre die zahlreichen Bureaus der Bahn, ferner eine Polizeistation, eine Muer­wache und ein Automobildepot nebst Reparaturwerkstatt. Der mittlere Teil des Gebäudes, dessen Plan von dem Architekten Charles Reid stammt, würde Hotelzwecken dienen. Zwei Ecken sollen für ein Opern- und ein Schau­spielhaus eingerichtet werden. Bon den Mauern des achten Stockwerks aus wölben sich massive Bögen aus Stahl und Glas bis zu einer Höhe von vier Stockwerken. Unter dem gewölbten Glasdach und sich um das ganze Gebäude hin- ziehend ist ein freier Raum von ungefähr der halben Breite eines Häuserviertels gedacht, auf dem Pferderennen abgehalten, in der Zwischenzeit Spiele mannigfachster Art Tennis, Golf usw. veranstaltet werden sollen. Für den riesigen Mittelraum dieses Stockwerks hat Herr Reid ein Arrangement von Läden und Schaubuden geplant, eine Art dauernder Ausstellung. Ein drei Stockwerk hoher Raum über dem Ausstellungsraum ist für Massenversamnr- lungen bestimmt. Es ist ein enormes Amphitheater mit riesiger Zuschauertribüne mit Sitzplätzen für 60000 Per­sonen. Die Halle umgebend und von innen und außen zugänglich sind Komiteezimmer, Borräume und Klubzim­mer geplant, alle mit anschließenden Toilettezimmeru. Ebenso ist für ein großes populäres Restaurant gesorgt, das auch zu einem kolossalen Ballsaal umgewandelt wer­den kann. Für das oberste Stockwerk ist ein großartiges Gewächshaus mit Wintergarten geplant. Das ganze Dach räumt Reid einem Dachgarten ein, der im Sommer seine Ziersträucher und Blnmen aus dem direkt unterhalb ge­legenen Wintergarten und Erfrischungen für die Besucher aus der tiefer gelegenen Restauration erhalten kann. Von dem Dachgarten aus würde der Besucher eine wunderbare Aussicht auf Newyork und seine Umgebung haben. Ans der Höhe des Kuppelbaues soll eilte Station für drahtlose Telegraphie eingerichtet werden. Das sind in großen Zügen einige Einzelheiten des Reid'schen Riesenplanes, der natür­lich ungeheure Summen zu seiner Durchführung erfordert. Rund 5 Millionen Dollars hat die Gesellschaft für den Ankauf des Grund und Bodens und die Anlage des Unter­wassertunnels von New-Jersey nach Newyork bereits be­zahlt, und eingeweihte Kreise behaupten, daß die Mrtig- stellung der Gesamtanlagen einschließlich des vorstehend beschriebenen Ausbaues der Endstation sich auf 100 Ö00 000 Dollars stellen, daß sich aber trotzdem eine gute Ren­tabilität erzielen lassen wird.

Vermischte».

Stimmt genau. Ein Engländer speiste in einem fremden Hotel, als ein Detektiv an ihn herantrat und sagte:

Entschuldigen Sie, mein Herr. Ich bin auf der Suche nach einem entsprungenen Sträfling. Darf ich Sie der Form ivegen um Ihren Paß bitten?"

Aber, sehe ich etloa aus wie ein entsprungene« Sträfling?"

Gewiß nicht, mein Herr. Dennoch muß ich darauf bestehen, Ihren Paß zu sehen."

Der Engländer nahm ärgerlich die Speisekarte vom Tische, gab sie dem Detektiv und sagte:

Gut, da ist er!"

Was ist das? Schafskopf, Hammelhals', Schweine­füße die Beschreibung paßt genau. Folgen Sie mir!"

Ein Naturwunder. Man sprach im Klub über Hunde. Mein Freund", sagte einer der anwesenden Herren,be­sitzt einen Hühnerhund, ein außerordentlich sympathisches Geschöpf. Der mütterliche Instinkt ist in diesem Tier so stark entwickelt, daß es einen jungen Hund, der ihm gar- nicht gehörte, mit der größten Sorgfalt auferzogen hat.

'Man hört häufig von solchen Fällen", entgegnete ein anderer.Ich erinnere mich jedoch eines weit merk­würdigeren Falles. Eine Henne hatte ein Küchlein. Die Henne starb und das arme Küken war in großer Not. Da erbarmte sich ein schottischer Schäferhund des Kitkens und zog es auf." ,.

Ja", sagte einer der Zuhörer,das ist merkwürdig, aber nicht außergewöhnlick."

Das Außergewöhnliche kommt. erst noch, erwiderte der Erzähler feierlich,jenes Küken bellt W'

Tit-Blts.

Ein Musterzeugnis. Das folgende Zeugnis wurde einem Diettstmädchen kürzlich erteilt:Hiermit bescheinige ich, daß Anna B. bei mir ein Jahr weniger elf Monate bedienstet war. Während dieser Zeit zeigte sie sich mäßig in ihrer Arbeit, aufmerksam gegen sich selbst, flink in Ausreden, liebenswürdig gegen junge Leute, treu gegen ihren Grenadier und ehrlich, wenn alles sich unter Schloß und Riegel befand.

Literarisches.

Paul Achse, Romane und Novelle,». Wohlfeile Aus­gabe Erste Serie: Romane. 48 Lieferungen zu je 40 Pf. Alle 14 Tage eine Lieferung. Verlag der I. G. Co tt a'sch en Buchh andlun g Nach­folger G. m. b. H. in Stuttgart und Berlin.

Paul Heyses zweiter RomanIm Paradiese", dessen erster Band in den vor kurzem zur Ausgabe gelangten Lieferungen 16 bis 21 der wohlfeilen Ausgabe von Pa ul Hevses Romanen enthalten ist, darf mit Recht eine der reifsten Schöpfungen des Dichters bezeichnet wer­den, als ein Kunstwerk, in dem sich die Eigenart Heyses und sein Können in schönster Entfaltung zeigt. Der Schau­platz des Romanes ist München, das dem Dichter jut zweiten Heimat geworden ist, und die reich bewegte Hai d- luna svielt sich meistens in Künstler kreisen ab. Auf diesem Boden konnte der Dichter auch nur solche Kraftnaturen finden, wie er sie für die starken seelischen Konflckte, auf betten der Roman aufgebaut ist, gebrauchte, -ws Milieu des Romans ist überaus reizvoll man wirdins Paradies" eingeführt, das Versammlungslokal der Künstler, und lernt das lustige Völkchen in semem Uebermut und seiner guten Laune kennen. Auf der andern Seite aber zeigt der Dichter auch, tme ernst diese Künstler ftrebeit und wie sie mit Not und Entbeyrnng um ihre Ideale kämvfen. Mau fühlt es bei jeder Zeile, die Gestalten des' Romans sind nicht Phantasiegebilde des Dichters, er hat sie alle mit eigenen Augen erschaut, unter ihnen gelebt, sie aber mit dem Zauber umkleidet, den nur der echte Dichter seinen Gestalten zu verleihen vermag,

Kapselrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Beilage, Preis, Perlen, Sandale, Uhland, Warmbrunn, Läufer.

In jedem der vorstehenden Wörter ist ein anderes Hauptwort ver­steckt. Sind die richtigen Wörter gesundeu, so ergeben die Anfangs­buchstaben derselben den Namen einer bekannten deutschen Stadt.

(Aufiösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Telegraphenrätsels in vor. Nr.r Eisenbahn (Weln, Asien, Bafe, Aliorn).

Redaktion: K<irt Plato. NoNitiovsdruck und Berlo« der Briibl'schen UniversttätS-Buck- und Steiudruckerci (Patsch Erben) in Gießen.