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30 Jahren gezüchtet und durch künstliche Ausbrütung seiner Eier eine außerordentliche Vermehrung des fedcrspendenden Tieres erreicht wird, gehen jährlich 400000 Pfund Federn, die von 200000 Straußen gewonnen werden, nach London. Man schätzt den Gewinn, den die Kapkolonie innerhalb der letzten 25 Jahre mit ihrer Straußenzucht erzielt, auf 300 Millionen Mark. Angefcuert durch diesen Erfolg, blühen jetzt auch in Buenos Aires, Montevideo, Neuseeland und Mauritius, ja sogar in unseren deutschafrikanischen Kolo­nien Straußenzuchten empor, die allerdings noch nicht diese riesigen Einnahmen erreichen konnten.

Die Federn des wilden südafrikanischen Straußes, der von Jahr zu Jahr seltener wird, gehen fast alle nach Paris. Neben der Größe und Fülle der Federn fällt die Farbe nicht wenig ins Gewicht. Am seltensten find die weißen mit schwarzen Spitzen, auch die grauen werden mit Recht sehr geschätzt. Die Federn der Männchen sind beliebter, als die der Weibchen, da sie weißer, größer und reicher an seiden­artigen Fasern sind. Besonders kostbar sind die großen, weißen Flügelfeldern, deren Länge zuweilen 60 Centimeter beträgt. Die Rumpffedern sind kohlschwarz.

Die Federn erfordern eine ziemlich mühsame Zurichtung, ehe sie "ihre Bestimmung als bevorzugten Schmuck der Damenwelt erfüllen. Sie werden mit Seife gewaschen, ge­kocht, gebleicht, geschwefelt und gefärbt. Selbst die schwarzen Natnrfedern werden noch einmal der Färbung unterworfen, um einen intensiveren Ton und höheren Glanz zu erzielen. Tie aauz weißen Federn nehmen nur schwer eine völlige Schwarze an. Durch Dublieren werden einzelne Federn kräf­tiger, voller und schöner gemacht, d. h. man legt weniger kräftige Federn aufeinander, nachdem die Kiele so ausge­schabt sind, daß sie sich fest ineinanderfügen. Dann näht man die Kiele mit feinem Garn zusammen. Nur bei ganz genauer Vrüfung ist diese Zurichtung der Feder zu erkennen.

Nach dem Waschen, Färben, Doublieren usw. werden die Federn gedämpft und gekräuselt, was ihnen einen hohen Grad von Elastizität und das herrliche Gelock gibt. Das Kräuseln toird noch immer in alter Art mit dem Messer vor- geuornmen. Ist dies alles erledigt, dann tritt die Feder den Weg in den Sandel an. Natürlich hat die Veredelung der Naturfeder im Verein mit dem Zwischenhandel den Wert des Rohmaterials mindestens um das Vierfache gesteigert. Deshalb zählt die Straußfeder denn auch noch immer zu dem teuersten Bestandteil der Damentoilette. . Strauß­federn werden in jeder Saison getragen; auf Winter- und Sommerhüten, im Ballsaal wie auf der Promenade, überall sind sie beliebt. So bevorzugt die deutsche Kaiserin Federn zu jeder Zeit, besonders auch als Boa und Hutgarnitur.

Verrnischres.

* Ein Feind des Mänuergesanges macht im Hanuov. Kur." seinem Aerger in folgender Weise, Luft: Ich hasse den sogenannten Männergesang. Es ist mir das Unkünstlerischste, was ich mir denken kann. Aus diesem Grunde besuche ich auch grundsätzlich keine Vereinskonzerte. Nur einmal bin ich meinem Vorsatz untreu geworden, und das war, als mich ein Freund einlud, mir eine neue Kom­position für großen Chor und Orchester anzuhören, deren Verfasser ihm bekannt sei. Zugleich wettete er zehn gegen eins, daß mich die Komposition infolge ihrer Schönheit ein für allemal von meiner Abneigung gegen derartige Erzeugnisse heilen würde. So machte ich also eine Aus- uahme und ging in das Konzert, richtete es jedoch so ein, daß ich nur die betreffende Komposition zu hören brauchte. Der Text derselben bestand aus fünf Strophen zu je sechs Zeilen. Tie erste Strophe lautete wie folgt:

Wie herrlich ist's im grünen Walde, Wenn an den Gräsern blinkt der Tau, Wenn durch die Wipfel leise flüstert Ter Sommer-Morgenwind so lau Und durch die Lüfte jubelnd zieht Der Vögel wundersüßes Lied.

In der Form, wie es gesungen wurde, kam es folgen­dermaßen zu Gehör: Wie herrlich ist's im grünen Walde, wenn an den Gräsern, den Gräsern, den Grääääsern blinkt der Tau, wenn au n Gräsern, wenn an den Gräsern blinkt der Tau, blinkt , Tau, blinkt der Tau, bliii

iinkt der Tau, wie herrlich ist's im grüüüwen Wald, wenn an den Gräsern blinkt der Tau. Wenn durch, die Wipfel, die Wipfel, die Wipfel, die Wipfel leise, leise, lei, eieieise flüstert der Sommer-Morgenwind, leise flüstert der Sommer-Morgenwind, so-w lau, soo lau, svoo oo so lau. Und durch, und durch, und durch! die Lüft, und durch die Lüfte jubelnd, und durch die Lüste jubelnd, und durch die Lüfte jubelnd, jubelnd, jubelnd, ja jubelnd zieht, und durch die Lüfte jubelnd zieht der Vögel wunder-, wunder-, wundersüßes, der Vögel, deröööögel wunder-, deröööögel wundersüßes, wunder­süßes, wundersüüüüßes Lied, und durch die Lüfte jubelnd zieht, und durch die Lüfte jubelnd zieieht, der Vögel, ja der Vögel, der Vögel wunderfüßes Lied! Die übrigen fünf Strophen habe ich mir, so schreibt der Leser desH. K.", geschenkt. Aber eine Woche litt ich an Nerven­zuckungen." In dem, was derFeind des Männer­gesanges" hier so scharf verurteilt, liegt ein Stück Wahr­heit. Wo man aber in den Vereinen bei der Auswahl der Kompositionen auf Schlichtheit und Natürlichkeit Ge­wicht legt, braucht man in den edlen Bestrebungen, zu denen die Pflege des Männergesanges gehört, sich durch die Kritik jenes verärgerten Herrn nicht irre machen zu lassen.

* Weibliche Baumeister. Einen wichtigen Ver­such machte die russische Regierung mit der Ausbildung weiblicher Architekten. Mit Beginn des Hauptkursus wer­den in der Petersburger Akademie der Künste weibliche Studenten für das Baufacy angenommen. Zwei Kandida­tinnen, die Frau eines Petersburger Architekten und eure Russin, die bisher in Berlin gelebt hat, haben sich bereits gemeldet. Weibliche Baumeister gibt es gegenwärtig noch nicht in Europa. Der Beruf dürfte den Frauen nicht leicht werden, zumal da er gegebenenfalls die Uebernahme des Kommandos über Hunderte von Arbeitern erforderm kann.

* Darf man den Präsidenten der Republik eineaufgeweichte Gurke" nennen? Diese Frage, ist bis jetzt nach nicht endgültig gelöst. Vor etwa Jahres­frist hielt der Pariser nationalistische Gemeinderat Ba- rilltet in Vecamp eine Volksversammlung ab, und da er seines Zeichens M e tz g er meister ist und Kraftausdrucke vom Schweineschlachten her gewohnt ist, so würzte er seine Rede mit allerhand saftigen Kräutern, unter denen och auch besagteaufgeweichte", für den Präsidenten Loubet bestimmteGurke" befand. Herr Barrllier erhielt eme Vor­ladung wegenBeleidigung eines Verwaltungsbeamten und das Zuchtpolizeigericht verurteilte denGurkeii­schlächter" zu sechs Monaten Gefängnis. Der Appellhof von Rouen bestätigte das Urteil, aber Herr: Barrllter rtef den Kassationshof an, der auch, richtig feststellte, daß das Er­kenntnis in der Motivierung eine klaffende Lucke aufweise. Die Richter beider Instanzen hatten nämlich versäumt, zu. ermitteln, ob der Präsident der Republik auch, tatsächlich in :denBesitz" der mehrerwähntenGurke" gelangt sen denn nur in diesem Falle liege eine Beleidigung vor. Nach langen Beratungen entboten die Richter von Orleans einen aus ihrer Mitte nach Paris. Dieser ging geradewegs ins Elysee und fragte den Präsidenten ohne UmschMifeober wisse, daß ihn Herr Barillier vor Jahresfrist in Feeamp eineausgeweichte Gurke" genannt habe. Loubet soll aber, wie wir hören, recht ungnädig geworden sem, denn er meinte offenbar, man wolle ihn zmil besten halten, verrichteter Dinge und ungelösten Rätsels mußte der Ab­gesandte nach Orleans zurückkehren. Und deshalb hntb man wohl auch nie erfahren, ob Loubet em Freund vonauf- geweichten Gurken" ist, und ob man ihn mit diesem Gemu,e vergleichen darf!

Rätsel.

(Nachdruck verboten.)

Du sollst vier Paare klug verbinden: Das erste ist in Genf zu finden; Das zweite steckt im Armenhaus; Das dritte guckt beim Anzug 'raus; Das vierte ist beim Pavian; Das Ganze fieht sich herrlich an, Es schirmt mit stark bewährter Hand Die Ehre und das Vaterland.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Vuch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.