Ausgabe 
8.8.1903
 
Einzelbild herunterladen

467

werden.

Wandlungen Moden noch

Niemals wird das wirklich Kostbare den des Zeitgeschmacks unterliegen. Mögen die

in einem solchen Falle vier Leute, wenige Meilen von menschlicher Hilfe entfernt, mit Leichtigkeit erfrieren konn­ten. Aber er hatte solchen Gefahren schon hundertmal getrotzt, und der Kampf mit den starken Elementen war ihm eine Wonne.

Er kämpfte mit Erfolg, und ehe der Mond aus­gegangen war, hielt er vor dem Dorfe Osterno, um die oft wiederholte Bitte des Kutschers, ihn wieder fahren zu lassen, endlich zu erfüllen.

Es ziemt sich nicht, daß ein großer Bärin einen Fuhrmann kutschiert", jammerte der Mann, so ost Halt gemacht wurde, um die Pferde zu wechseln.

Es läßt sich nicht ändern", antwortete Paul einfach.

Nun stieg er wieder in den Schlitten, zog die Fenster in die Höhe und verbarg sein Gesicht, während er durch fein eigenes Dorf fuhr, wo jedes einzelne Menschenleben von seiner Gnade abhing.

Im Schlitten herrschte Schweigen, denn die Damen waren ermüdet und erfroren.

Wir sind bald zu Hause", sagte Paul beruhigend, aber er ließ die Fenster nicht herab, um hinauszuschauen, wie man zu tim pflegt, wenn man nach seinem Geburts­ort zurückkehrt.

Nelly saß, in ihren Pelz gewickelt, schweigend da. Sic dachte über die Ereignisse des Tages nach, ins­besondere über die seltsame Geschicklichkeit, mit der Paul vor ein paar Stunden den erfrorenen Kutscher draußen auf der Steppe behandelt hatte. Er war ein ganz an­derer Mensch, wenn er es mit Krankheit oder Kummer zu tun hatte, behender, lebhafter, voll größeren Selbstver­trauens.

Im Schlosse war alles zum Empfange des Fürsten und der Fürstin bereit, denn ihre Abreise von Twer war telegraphisch angezeigt worden.

(Fortsetzung folgt.)

verwandt sind, ist dies das erste Erfordernis. Es ist auch kein Zeichen guter Erziehung, die Dienstleistungen der Dienstboten in übermäßiger Weise, d. h. zur persönlichen Bedienung in Anspruch zu nehmen, unser Zimmer nach dem Ankleiden oder Aufstehen in gänzlich unaufgeräumtem Zustande zurückzulassen.

Eine Bedingung, sich als Gast angenehm zu machen, ist die Pünktlichkeit. Man sagt, daßPünktlichkeit die Höflich­keit der Könige" sei, sie ist aber auch die Höflichkeit aller güt erzogenen Menschen, denn ohne einen stichhaltigen Grund auf sich warten zu lassen, bei gemeinsamen Mahlzeiten, ver­abredeten Ausgängen, Ausfahrten, das zu spät mit der Toilette fertig werden zu den Mahlzeiten, ist einfach eine Unhöflichkeit.

Ferner darf es den Gast nicht anftchten, wenn die Speisen und Getränke nicht so zubereitet sind, wie er es liebt und daheim gewohnt ist; ein streng wohlerzogener Gast wird sich das selbst im Hause der nächsten Verwandten nicht merken lassen. Ein anderes ist es natürlich, toerm die Hausfrau so liebenswürdig ist, sich nach etwaigen Gewohn­heiten der Gäste zu erkundigen, ob Tee oder Kaffee lieber genommen wird, welches die Lieblingsspeise der Freundin sei. Da iväre es albern, nicht auf derartige Fragen offen seine Wünsche zu bekennen. Verlangt man aber vom Gaste rücksichtsvolles Benehmen als das Haupterfordernis er­sprießlichen Beisammenseins, so ist es gleicherweise auch Pflicht des Hausherrn und der Hausfrau, wenn sie Logier­gäste haben, den wahren feinen Herzenstakt walten zu lassen. Selbstverständlich soll nicht die festgefügte Hausordnung nach dem Gast vollständig umgemodelt werden, aber man must auch in entgegenkommender Weise auf ihn Rücksicht nehmen.

Logiergäsie haben Logiergast sein das ist ein guter Prüfstein für den lieben Egoismus. Die alteEdda" die Bibel der Germanen, (vgl. die vortreffliche deutsche Uebertragung von Wilhelm Jordan) enthält bereits sehr hübsche Regeln für beide Teile. Es giebt viele Leute, die von ihren Gästen alle Rücksichten verlangen, aber als Wirte gar keine auf sie nehmen; noch weniger Rücksicht aber kennen, wenn sie selbst als Gäste in einem anderen Hause weilen, sondern daun wiederum nur die größten für sich verlangen und die ganze Hausordnung ans den Kopf zu stellen w'ünschen.

Es ist oben eine Kunst, ein rechter Gast zu sein, und auch die, es seinen Güsten angenehm zu machen, eine Kunst, die das Herz übt, und die untet stützt wird von der Selbst­beherrschung, die immer das Zeichen vollendetster Bildung ist. Niemals das ist eine Hauptsache sollte ein Logier­besuch zu lange dauern, denn ein Gasts er mag noch so beliebt sein ruft im Haushalt eine Stimmung hervor, die wahrscheinlich erst als eine angenehme Abwechselung, schließlich aber vielleicht doch als Störung empfunden wird und dann ist meist die richtige Zeit der Abreise schon verfehlt.

Die Abreise eines lieben Gastes soll Bedauern erwecken, nicht aber als eine Erleichterung empfunden

Gastfreundschaft und Logierbesuch.

Eine jener Tugenden, die schon seit ältester Vorzeit an den Deutschen gerühmt wurde, ist die Gastfteundschaft. Diese ging soweit, daß sie selbst dem Feinde, hatte er' den Herd des Hauses erreicht und erfaßt, nicht vorenthalteu wurde, fo lange er nnter diesem Tage ioeilte. Burgen und Schlösser, stille Klöster, einfache Bürgerhäuser in den Städten und die Bauernhöfe auf dem Lande hielten es für Pflicht und Ehre, Fremde zu beherbergen, die auf der Reise rasten wollten. Aus ihrer deutschen Heimat haben auch die Angelsachsen jene Tugend mit hinübergenommen aus das britische Jnselland; auf den Landsitzen Englands wrrd noch heute eine großartige Gastfreundschaft gewährt. _ Man kann zwei Arten von Gastfreundschaft unter- scherden, die, welche für wenige flüchtige Stunden, gleichsam 8 Unterhaltung gepflegt wird, und die, welche wir ge­wöhnlich mitLogierbesuch" bezeichnen. Es liegt in der Natur der Sache, daß Gastfteundschaft auf längere Zeit mehr auf dem Lande geübt werden kann, als in der Stadt, wo die Mieten teuer und der Raum oft selbst für die Fa­milie eng Und beschränkt ist. Den Luxus eines stets für lrebe Gäste eingerichteten Logierzimmers können sich nicht allzu viele Familien in der Stadt leisten.

Anders ist es natürlich auf dem Lande. Und die schöne Jahreszeit, Spätfrühling, Sommer und Herbst, ist so recht geeignet, Logiergäste zu empfangen oder selbst zum Besuch auszufliegen. Dabei aber erkennt man so recht die Wahr- hert des Wortes, welches sagt:Man lernt einen Menschen erst dann richtig kennen, wenn man einige Tage mit ihm unter demselben Dache geweilt hat." Der Volksmund drückt das noch drastischer aus, indem er voneinem Scheffel ^alz spricht, den man zusammen gegessen haben muß." ...... ^Ue, vielleicht impulsive, vielleicht aber sorg- faltig überlegte Einladung:Sie müssen mich in meinem Heim besuchen oderDu mußt einmal auf längere Zeit zu Mir kommen" erfolgt und angenommen. Wenn solches Zu­sammensein für beide Teile genußreich und schön sein soll, so gehört von beiden Seiten dazu, den richtigen feinen Herzenstakt walten zu lassen. Zunächst ans feiten der Gäste. Die Ordnung des uns gastlich ausnehmenden Hauses ist fest .stftnmt; unsere Pflicht, wenn wir uns als gebildete und taktvolle Menscyen zeigen wollen, ist es, uns nach dieser Hausordnung zu richten. Selbst in Häusern, die uns nahe

so wechseln, Perlen, Edelsteine, Spitzen und Federn bleiben stets beliebt. Voin grauen Altertum bis zu unseren Tagen begegnet man in allen Zonen der Sitte, sich mit dem bunt­farbigen, zartgestalteten Gefteder der .Vögel zu schniücken. Wollten die Maler der Rennaissance beit Reichtum oder die Vornehmheit der durch ihren Pinsel verewigten Frauen­gestalten noch besonders, schildern, vergaßen sie nie, ihnen einen kostbaren Federfächer betzufügen, wie das Gemälde, von van Dyck dame au gant, von Tizians Tochter La- vinia usw. zeigt.

Als Reiher, Strauße, Marabus usw. nicht mehr ge­nügten, verlangte man nach den Paradiesvögeln, deren bogenförmiger Schweif allerdings einen besonders male­rischen Anblick gewährt. Lange Zeit galten die schwarzen Reiherfedern für die seltensten und wurden deshalb zuweilen in Frankreich mit 6000 Franks bezahlt. Weniger kostspielig sind die aus weißen, ostindischen Reiherfedern zusammen­gesetzten Aigrettes. Vom Reiher benutzt man vorzugsweise Kopf- und Halsfedern, vom Strauße die Schweiffedern und die Flügel. Aus der Kapkolonie, wo der Strauß schon seit