Ausgabe 
7.12.1903
 
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nächsten Stelle mit Weide ttm mit' daß wir einen Toten be

Redaktion: Anaust Götz. Rotationsdruck imb Verlag der Brühl'scheu NniversnStS-Duck!- und Stcindrnckerei. R. Lange, GieK

Sobald das Lager fertig war, sprach ich mit Wollah und Turdu Dai über die Beerdigung; sie schlugen vor, ste bis sunt nächsten Morgen aufznschreben und dann mit den üblichen Zeremonien vorzunehmen. Tie Leiche wurde für die Nacht in das eine weiße Zelt gelegt und sollte von einem Wächter vor den Hunden geschützt werden.

Kalpets Beerdigungstag, der 12. September, brach strahlend hell und tlar an; nur dann und wann segelte n der frischen Seebrise, welche die Wellen ans User rauschen ließ, ein kreideweißes Wölkchen über den Himmel. Tas Grab war schon fertig, nnb im Dodeszelte waren Hcnnra Kul, Wollah Schah und Turdu Bar damit beschäftigt, die Leiche in ein Laken zu hüllen, nachdem sie vorschrifts­mäßig gewaschen worden war. Tabei hatten sie sich das Gesicht außer den Augen mit weißen Binden umwunden, um nicht die Leichenluft einatmen zu müssen. Vor dem Leite saß Rosi Mvllah und las laut ans einem Gebetbnche. Tas Grab war nicht viel mehr als einen Meter stref, und seine eine Längsseite bildete eine Höhlung, tn welche die Leiche hineingeschoben werden sollte. Hrerher lenkt, der Leichenzug seine Schritte. In eine weiße Jilzdecke ge­wickelt, lag der Tote lang, mager und kalt aus einer Kamelleiter, und wurde von Mvllah Schah, Li

So je, Chodai Kullu, Oerdek, Hamra Kul und KUischuk ge­tragen Die improvisierte Bahre wurde auf . den Rand des Grabes gestellt und Kalpet dann vorsichtig m seine letzte Ruhestätte hinabgelassen, wobei Mullah Schah und der Mvllah mit hiirabstiegen, um ihn unter den Vorsprung, der sich über der Aushöhlung m der Seite des Grabes wölbte, zu legen. Der Mollah setzte sich dann und hielt folgende Rede an den Verstorbenen:

Tu bist ein rechtschaffener, rechtgläubiger Musel- manu gewesen, du hast niemals einem von uns etwas zuleide getan, du läßt eine Lücke zurück, und wir beweinen dein Hinscheiden, du hast dem Türa gut und redlich ocbicnt

Nachdem die beiden Märrner aus dem Grabe gestiegen waren, wurde die Kamelleiter quer über die Oef nung oelegt und das Ganze mit einem Filzteppiche bedeckt, dessen Kauten mit Erdschollen beschwert wurden; darauf wurde der Grabhügel über dem Teppiche aufgeworfen, welch letzterer dieses Gewicht natürlich nicht sehr lange wurde aushalten können, - es bedurfte nur emes Regens oder des Tarüberlaufens umherstreifender Yake, um das Ganze zum Einstürzen zii bringen. Als bet Hügel fettig unb am Kopfende mit einem ebenso vergänglichen Denkmale aus Erdschollen und einigen daraufgestellten Siemen ver­ziert war, warfen sich die Muselmänner um das Grab herum auf die Knie, hielten sich die Handflächen vor das Gesicht und murmelten leise Gebete, die nur dann und wann von den Gebetformeln des Mollah unterbrochen wurden^ war der feierliche Akt vorbei und Kalpet der Erde wiedergegeben. Wir kehren, wie aus einer Kirche, aus einer Sonntagsstimmung in der Wildnis,, zu den Sorgeii des Alltagslebens zurück. Wir packen unsere Hab- seliakeiten ein, brecheil unsere Zelte ab, beladen unsere geduldigen Kamele, steigeii zu Pserd und ziehen von die,em dritten Todeslager fort. Alles erscheint so eitel und zweck­los, wenn man eben am Rande eines Grabes gestanden hat, wo man sich von dem erhabenen Ernste bes Lebens und des Todes durchdrungen gefühlt und das Stundenglas abiausen gesehen hat. Und dann kommt man zu den un­bedeutenden kleinen Sorgen eines neuen Tages zurück und setzt seine endlose Wanderung über die Gebirge ohne Rast und Ruhe fort! Auf der Karte steht neben diesem Lagerplatz ein schwarzes Kreuz. Heute ist das Grab sicher­lich schon verschwunden. Die Nomaden treiben ihre Herden darüber hin, und rings iiinher in bett Bergen heulen in den Winternächten bie Wölfe. Und sollte das Grab wirklich noch nicht verschwunden sein, so weiß doch keiner, wer der Tote war. Ter Rechtgläubige ruht in heidnischer Erde, aber seine Ruhestätte ist doch mit Gebeten aus dem Korati geweiht worden.

Anagramm.

(Nachdruck verboten.)

ralar, Launen, Marat, B-imrn, Siam, Nestor, Stal-,

SS axgien ein modernes Verkehrsmittel bezeichnen.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Trucksehlerteusel.

Nach der Beerdigung kam Rosi Mollah mit folgendem Anliegen zu mir:Ehe wir uns nach Beendigung dieser Reise trennen, gebt mir, bitte, ein schriftliches Zeugnis, daß Kalpet eines natürlichen, ehrlichen Todes gestorben ist damit feine Brüder in Kerija nicht glauben, er sei bum mir oder irgend einem andern von uns totgeschlagen worden." Ties versprach, ictt, und es geschah auch, worauf das Zeugnis nebst Kalpets Lohn an seine Bruder geschickt

Tie Tibeter, die dem Begräbnisse zusahen, erlaubten sich die Bemerkung, daß wir uns viel zu viel Muhe damit machten.Werft den Dolen den Raben und den Wolfen hin i" sagten sie. Ties tun sie selbst, wie wir bei einer spätem Gelegenheit mit eignen Augen sahen.

Tie Muselmänner verbrannten das Zelt, m welchem Kalpet ausgebahrt gestanden, seine Kleider und seine Stiefm Bei der heutigen Gelegenheit waren alle üblichen Zere­monien beobachtet worden; als Aldat starb, war er tote er ging und stand begraben worden. , L.

Heiterlächelnd verjagte der Tag die traurige Erinner­ung des Morgens, und wieder entrollte die Erde, auf deren Oberfläche wir ein so flüchtiges, unsicheres D^ern führen, vor uns eine ihrer schönsten Landschaften. Auch fetzt gingen wir durch ein Felsentor im Sudosten. Links zeigte sich noch einmal ein Teil des.Sellmg-tso. Von einer niedrigen Paßschwelle erblickten wir nach Süden hin eine ch ene weite Ebene, die ganz hinten vom Gebirge begrenzt wurde. Die Tibeter waren uns auf den Fersen Links von uns lagen einige schwarze stnd zwei blauweißs Zelte, wohin sie sich begaben. Als wir dicht bet btefent ^cltdorfe waren, sprengte eine Reiterschar st" Mich heran unb überbrachte mir die Nachricht, daß zweGhohe!Herren aus Lhasa angelangt seien, weshalb sie uns bitten mußten, der Verhandlungen wegen in ihrer Nahe zu lagern. An­fangs weigerte ich mich und sagte, tote hatten "nt diesen Leuten nichts zu schaffen, sondern wurden weiterziehen. Toch als es nachher um ihr Lager hermn von Soldaten zu wimmeln begann und mw gesagt wurde daß s e mir Botschaft direkt aus Lhasa brachten, hielt ich es für das. Klügste, wenigstens zn Horen, was sie eigentlich toollten, und bat bie Tibeter, ihren hohen Herrn zusagendaß ich mit ihnen sprechen wurde, wenn sie zu mir tarnen.

Weihnachts-Litteraiur.

Reform-Moden-Album III. Neue Sarnm- luug von 80 Modellen für Resormkleider aller Art und .»Son Alters cpm Verlag von Vobach il. Eo., Berlin uno Lewzia^ erschien das III. Reform-Moden-Album, dessen Er- sckeinen allen Anhängerinnen der neuen Frauenkleibung und solchen die es werden wollen, willkommen fein wirb. Doris Kiesewetter hat es mit einem "l^emein ver­ständlichen die Vorzüge der Reformkleidung scharf hervvr- hebenden^Borwort versehen. In.biefem Hefte finden sich viele eigenartig-schöne Kostüme, bie von Kunstlerhanb ent worfen 8|ittb, daneben aber auch solche, die NA ^er herr­schenden Mode anpassen und daher weniger aufsallen. Mehr oder weniger elegante Straßenkleider zeigen, daß der fuß freie Reformrock uicht unschön wirkt und^auch dw Bluse dabei zu ihrem Recht kommt. Von dem Standpunkt au» gehend daß ein Reformkleid überhaupt nur denkbar auf entiprechenber Unterkleidung ist, sind die verschiedenart gen als gesund lind praktisch erkannten M^le m geschi Ausführung anschaulich b ar gestellt. Am Schst

übersichtliche Schnittmuster für Kleider und Wasche.

:ck, weit sei. Ich teilte ihnen mit bas; Wir einen Lvien oet uns hätten, der begraben werden müsse, was sie sehr ruhig anhörten, uns dann aber einen Platz anwiesen, wo dies am besten geschehen