Ausgabe 
7.11.1903
 
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Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und L erlog der SE rittifd.en UniverfliötZ-Lnch-- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.

Liebe" so hartnäckig, daß Hornung ihn schließlich ent- fernen mußte. Dies ist übrigens nicht der erste Täuber, von dem eine solcheLiebesirrung", berichtet wird. In seinenSpielen der Tiere" erzählt Groß voll einem eben­falls füllfzehnjährigen Täuber, der sein Herz an eine--

Bierflasche verlor. Auch dieser Patriarch des Tauben­schlags brachte seinerAuserwählten", die auf dem Schutt­haufen im Hof lag, die verrücktesten Ovationen dar. Als der Glasscherben schließlich entfernt war grämte sich der verliebte Täuber zu Tode. Es' scheint auch auf die Taubenherren das Wort zu passen: Alter schützt vor Torheit nicht.

* 5) er verkannte Fernsprecher. In einer Metz­gerei in Solingen, mit der auch Wirtschaft verbunden ist, erschien ein Bauer und bat, nachdem er ein Glas Bier bestellt und erhalten hatte, den Fernsprecher benützen zu dürfen, er wolle seinen Angehörigen, die in Witzhelden wohnen, etwas Eiliges mitteilen. In der bereitwilligsten Meise gestattet der Wirt die Benutzung des Telephons und entfernt sich, Nach einiger Zeit, während der Bauer mit Aufbietung aller Lungenkräfte vergeblich das Fernsprech­amt um Verbindung angerufen hat, erscheint er wieder beim Wirt der Fernsprecher befindet sich in einem Raum neben der Wirtschaft und beschwert sich darüber, oaß er vom Amt keine Antwort erhalte. Der Wirt bittet ihn, den Versuch einmal zu wiederholen. Der Bauer dreht wutschnaubend noch einmal die Kurbel und ruft mit Don- nerstinime das Amt an. Der Wirt platzt bald vor Lachen, denn der Bauer hatte anstatt den Fernsprecher die im selben Raume stehende Wurst spritze für das Mikrophon ungesehen. Nachdem dem Alten Aufklärung gegeben war, kam auch das Amt auf den ersten Anruf.

* Das Münchner Oktober fest. Ein Münchner Mehrer gab seinen Schülern auf, ihre Gedanken und Er­innerungen über das Oktoberfest selbständig, ohne vor­herige Besprechungen niederzuschreiben. Einer dieser Auf­sätze verdient weiteren Kreisen zugänglich bemacht zu wer­den ivegen der realistischen Färbung, bie ihm der zu­künftige Münchner Wiesenbürger gegeben hat. Der Auf­satz ' lautet im Wortlaut:Das Oktoberfest: Auf der Miesen ist ein Fest. Das ist das Oktvberfest, weil es nicht im Mai ist. Ich und der Vater und die Mutter waren auch dort. Mir waren beim ^'angschorschi. (Georg Lang, der die größte Dierhalle auf der Wiese hat.) Da haben sie gesungen, Feuerstaa, Feuerstaa, wennst koa hast, na kassier aa. An der Bude ist ein Ellenfand. Das ist eine Heschanerie. Auf der Wiesen kann man viele Assen sehen. In der Ausstellung sind Ochsen. Bei den Ochsen war auch der Vater. Ein Ochs ist nocy größer. Beim Bschorr hat der Vater einen Krug mitgenommen. Die Mutter hat ge­sagt, wir können ihn braugen. Bei der r.'otterrieh gibt! es Wurschteln. (Hanswurste: auf den Nieten). Die Mutter hat gesagt, von den Brathendeln wird man krank. Ich hab es aber schon geschbannt (gemerkt). Dann sind wir noch heimgegangen. Das Oktoberfest dauert kein Jahr. Tas ist schade." Er wird einSchlaucherl" werden, dieser vorwitzige Küirps, denn er ist nicht ganz im Un­recht mit dem, was ergeschbannt" hat auf der Wiese.

Literarisches.

DasIllustrierte Jahrbuch, Kalender für 19 04", ist im Verlag von Rudolf Mo sse, Berlin, in seinen: 10. Jahrgange erschienen. Aus dem reichhaltigen Inhalt des Kalenders heben wir besonders hervorBürger- kunde", Ratgeber für Haus- und Grundeigentümer von C. Seidler; Die Haftpflicht, nach den Bestimmungen des bürger­lichen Gesetzbuches, von Stadtrat Julitz; Das Kinderschutz- Lesetz; Die neuen Bestimmungen des Krankenkassengesetzes. Ferner praktische Ratschläge für Haltung, Zucht und Verwert­ung des Nutzgeflügels, von Arthur Wulf, unter dem Titel: Der Geflügelhof" mit 24 Abbildungen. Aber nicht allein praktisch nützliche und belehrende Artikel enthält das Jahr­buch in großer Menge, sondern auch der Unterhaltung ist in spannend geschriebenen Erzählungen, die mit zahlreichen künstlerisch schön ausgestatteten Bildern illustriert sind, in umfassender Weise Rechnung getragen. Bei der reichen nneren und äußeren Ausstattung das ea. 350 Seiten Earke Buch enthalt über 150 Abbildungen sowie einenFarben- !>ruck und ist gebunden ist der Preis von 1 Mk. gering.

Moderne Sittlichkeitsprobleme behandelt Jka Freudenberg in dem Novemberheft der Monats­schriftDie Frau" (herausgegeben von Helene Lange, Verlag von W. Moeser, Berlin S.). Die Zeitschrift Bietet damit ihrem Leserkreis die Ausführungen, mit denen Frl. Freudenberg auf dem Kölner Frauentage weitgehendes In­teresse erregt hat. Der Aufsatz beleuchtet vor allem das Verhältnis der Frauenbewegung zu den jüngst viel erörter­ten Fragen der freien Liebe und des Rechtes der Frau auf die Mutterschaft, und sieht ihre Aufgabe darin, diesen Ström­ungen gegenüber an der sittlich-soziologischen Bedeutung der Ehe festznhalten und durch die Hebung der geistigen Fähigkeiten der Frau sie in tieferem Sinn zur Gefährtin des Mannes zu machen. In derselben Richtung deutet ein Aufsatz im Oktoberheft die Lösung der Fragen an:George Eliots und George Sands Frauenleben unter dem Gesichts­punkt moderner Probleme" von Adele Gerhard. Wir möchten außerdem auf die geistvollen Aphorismen von Isolde Kurz: Vom Weibe im Oktoberbeft und auf einen sozial­politischen Artikel über die Arbertszeit der Fabrikarbeiter­innen von Dr. Elisabeth I a f f 6-Richt h o s e n, der Seren Badischen Gewerbeinspektorin, verweisen. Litera-

-ästhetische Essays über Thomas Mann von Gertrud Bäumer, sowie über die von Göhre herausgegebenen außerdem hervorgehoben zu werden.

Aus dem Anustseöen.

(**) Frankfurt a. M. Im Kunst-Salon Her­mes ist eine große Sonderausstellung von mehr als 60 Gemälden Anton Burgers, des Kronberger Altmeisters, veranstaltet. Außerdem enthält die Novemberausstellung eine Kollektion von acht Werken des Norwegen Erik We- renskjold, neue Werke von Lenba ch, H a n s T h o m a, Keller-Reutlingen, Eckenfelder, F. A. Kaul­bach usw.

Das neueDrama v o n Gerhar t Haup t m ann Rose Bernd", Schauspiel in 5 Akten, ist soeben Bei S. Fischer, Verlag, Berlin in Buchform (Mk. 2,50 geh.) er­schienen. Die Zeichnung des Titelblattes wurde von Carl Schriebe! entworfen.

S t ur m g e s e ll e Sokrates" in Load o n. Das Deutsche Theater in London eröffnete seine diesjährige Spielzeit mit der Aufführung des Sudermann'fchen Dra­masSturmgeselle Sokrates". Das Publikum folgte der interessanten Darstellung mit großer Aufmerksamkeit, was aber nicht verhindern konnte, daß es doch offenbar hier und da an Verständnis mangelte, wie man aus den Bei- fallsbezeugungen ersehen konnte, die mehrere Male an hochernsten Stellen von Gelächter unterbrochen wurden. Tie englische Kritik weiß augenscheinlich auch nicht recht, was fie mit dem Stück mach er: soll und ist, so weit der Inhalt in Frage kommt, nicht ganz so wohlwollend wie bei früheren Gelegenheiten, von einigen Ausnahmen natür­lich abgesehen.

Bilderrätsel.

' On.ir.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Pyramidenrätsels in vor. Nr.: S

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Same Selma Anselm