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Vermischtes.
der
Auflösung der Schachaufgabe in vor. Nr.r 1. b6-b7, beliebig. 2. dreifach matt,
sofort in die Folterkammer gebracht und auf den Pem- stubl aesebt. Erst ivurden ihm Damnschrauben angelegt, alsdann die „spanischen Stiefel". Als sie fester zugeschraubt wurdeu, rückte er mit der Sprache heraus lind gestand, was man von ihm haben wollte.
Standhafter blieb Hamperla. Auch ihm legte man zuerst die Taumschrauben an, dann die spanischen Stiefeln, erreichte jedoch nichts; er gab keine Antwort, sondern stellte sich ganz unempfindlich, bis inan ihm die Haare abschnitt und am ganzen Körper untersuchte. Nochmals gefoltert, bekannte er seine Teilnahme an der Ermordung des Pfarrers Heinsius und des Emeraner und an vielen anderen Verbrechen.
Während er noch gefoltert ward, ivurde seine Mutter und die Cron hereingeführt, welche beim Anblick des Gemarterten ebenfalls allerlei Geständnisse ablegten. Auch Anton Alexander ließ es gar nicht znr Folter selbst kommen, sondern bestätigte sogleich die Aussagen der andern.
Nach diesem Erfolge wurden sofort die anderen Zigeuner ioieder vorgenommen und „über die quaestiones tortu- rales in specie befragt". Interessant ist die Art und Weise, wie das Verhör geführt wurde. Eine Frage wird genau formuliert uud die Verbrecher einzeln, erst in Güte, dann unter Bedrohung mit der Tortur befragt. Die Frage lautet z B • „Wer beim vou denen Ziegeuner-Weibern mehr mit auf der „Hütten" (bei der Ermordung Emeraners) gewesen?"
1) L. Lambert: Resp. Es wären keine Weiber dahm kommen, endlich, die Ließ wäre allein dagewesen.
2) Hamperla. Resp. Alle mit einander von ihrem außer seine Mutter, denn dieselbe wäre überm Rhein gewesen, wegen ihres daselbst gefangenen Sohnes.
2) An ton. Resp. Es wären 6, 7 oder 8 Weiber und ein großes Geschwärm dagewesen, keine alten Leute hätten sie bei) sich gehabt, als den alten Frautzen, dessen Frau und des Hamperlas Mutter.
4) Gabriel. Resp. Nescit.
5) Fr. Lambert. Resp. Er wäre weder zu Hirtzcuhayn noch auf der Hütte gewesen. .
L. Lambert, dessen Sohn gegenwärtig, sagte, daß sein Vatter zu Hirtzenhahin gewesen wäre.
Pater mußte solches endlich gestehen, wollte aber durchaus nicht au sich kommen lassen, daß er mit auf der Hütten gewesen wäre, oder einen Degen in der Hand gehabt hätte.
Ter Scharfrichter wurde zwar diesem vorgestellet, er bliebe aber einmahl darbey, daß er nicht auf der Hütten gewesen sehe, man möchte umbringen, er wäre nicht ca- pcckle davor. .
Filius. Er wollte darauf sterben, es auch auf feine Seel und Seeligkeit nehmen, daß er nicht auf der Hütten "gewesen wäre.
Frantz Lambert sagte beym Fortführen nach der Marterkammer, daß er wohl in 20 Jahren teilten Degen in der Hand gehabt, und wäre unrecht auf ihn gezeuget worden.
Als man diesen nun auf die Marter-Kammer führen, und ihme die Instrumenta vorlegen lassen, liesse er wieder zurücksagen, er wollte alles von seinem Hertzen thun, gestünde demnach extra loeum torturae, daß er zwar auch auf der Hütte gewesen wäre, doch aber weder eine Hand angeleget, noch einen Degen in die Hand kriegt hätte. Es wären darbey gewesen, der Caspar Lorries, der grosse Galant, dessen Sohn Günther, der Gabriel, der Anton iväre zwar auch darzukommen, hätte aber abgewehret. Es wären äusser diesen wohl mehrere darbey gewesen, ivollten ihme aber jetzo nicht recht mehr betteten."
Dieselbe Frage wirb noch zwanzig anbereit Zigeunern vorgelegt. Anbere Fragen lauten: „wer des Emeraners und dessen Knechts Kleidung und übrige Sachen bekommen? Ob der Jud zu Oberdieffenbach ihnen bekannt sehe / und woher? Wer den Königsteiner Mord und Diebstahl begangen?" usw.
Auf die Frage „was vor Führer bei) dem grossen Schwarm gewesen, so bet) Hirtzenhayn gelegen", wird von beit meisten ber Caspar Lorries ttnb ber große Galant genannt; „bett Anton hätten sie nichts aeftimiret, er hätte aber doch auch als contntattbireit wollen."
Den Widerstand und das Schießen auf die Kommandos
* Der „Geschmack nach dem Pfropfe n". Jedem Weintrinker ist es schon vorgekommen, daß ihm eine Flasche des edlen Naß ungenießbar ivurde, weil der Inhalt nach dem Pfropfen schmeckte. So lautet wenigstens die übliche Bezeichnung für einen bestimmten unangenehmen Beigeschmack des Weins, ber angeblich daburch entsteht, baß eni- iveber ber Wein schlechte Teile bes Korks in sich ausnimmt ober baß der Kork schadhaft ist und Luft tu bie Flasche eintreten läßt. Keine dieser Erklärungen jedoch ist ganz richtig, denn ein nach dem Pfropfen schmeckender Wern ist nicht immer sauer, und in den meisten Fallen ist der Kork, soweit man sehen kann, gesund. Dabei ist die Verschlechterung des Weins eine sehr wesentliche, er besitzt einen scharfen Geruch und einen bitteren Nachgeschmack, die schließlich beide so zunehmen, daß der Wein ganz ungenießbar und wahrscheinlich auch gesundheitsschädlich wird. Rotwerne scheinen dieser Gefahr mehr zu unterliegen als Weißweine und unter letzteren ist wieder der Champagtter am meisten anfällig. Bei Cherry kommt der Psropfengeschmack Niemals vor, vermutlich, weil dieser Wein aromatische Stosse mit keimtötenden Eigenschaften enthalt, selten bet Mosel, Chablis, Sauterne. Andererseits ist selbst ein guter „Brandy nickt aanz aefeit gegen die Krankheit, die zeboch bet diesem Getränk wirklich eine Folge der Einwirkung des Alkohols auf einen schlechten Kork ist, weshalb es inemals liegend, auch nicht in einem dumpfen.Keller aufbewahrt werden sollte. Der gewöhnliche Pfropsengeschmack der Weilte ist wahrscheinlich dem Eindringen etnes besonderen Bazillus zuzuschreiben, entweder vom Pfropfen aus oder auch vor dem Einfüllen des Weins in die Flasche. Außer daß dte,er Keim am Pfropfen gehaftet haben kann, letzterer vermutlich gar nichts mit dessen Entwicklung zu tun. Sicher ist, daß der noch unentdeckte Bazillus den Gerbstoff iin Wein angreift, woraus sich auch die größere Anfälligkeit daran reicheren Rotweine erklärt.
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hielten die Zigeuner für völlig gerechtfertigt: „sie hätten ich wie ehrliche Kerls wehren müssen."
Ten Wortlaut und den Vollzug des Urteils übergehe ich, da ich ber Buchner'schen Schilberung, bie beut oben erwähnten sliegenben Kalenber entnommen ist, nichts tue» entliches hinzuzusügen habe.
Ter „Relation" beigegeben sinb brei von einem sehr mittelmäßigen Künstler (Joh. Anbr. Koll senlps. Butzbach) gestochene Kupfer, welche in je zwei Abbilbuugen bie Er- morbung Emeraners unb bes Pfarrers Heinsius vorstellen; ber britte zeigt fünf Mitglieber ber Banbe in ganzer Figur, beit Joh. Lorries, alias Gabriel, ben Hamperla, Lorenz Lambert, Anton Alexanber und Franz Lambert, wild aus- ehenbe Kerle mit langem wirrem Haupthaar unb kühnen Ablernafen. Franz Lambert ist ber einzige, ber einen Vollbart trägt, bie andern tragen nur Schnurrbärte. Ein landschaftlicher Hintergrund, der etwa den Gießener Richtplatz vorstelleii würde, fehlt auf dem Bilde. Im Hintergrund sieht man lediglich einen aufs Rad geflochtenen Körper, den Kopf auf einen Pfahl gesteckt.
In T armstabt fauben am 16. August 1727, tit Fulda vom 10. Dezember 1726 bis zum 28. März 1727 größere Exekutionen an Zigeunern statt. Insgesamt hatte man m Hessen unb Fnlba an 100 Zigeuner bingfest gemacht, anbere aßen zu Mainz unb Trier gefangen, eine Anzahl mochte ich noch in Walb unb Felb frei, herumtreiben, doch hatten bie Hinrichtungen mit Galgen, Schwert unb Rab bie noch in Freiheit befiublichen berart eingeschüchtert, baß man in ber nächsten Zeit wenig von Mord unb Raub, bnrch Zigeuner verübt, chernahm. Tie „Relation" stellt mit Befriebigung fest, baß „bie Wetterau und übrige gantze durch Dieb- und mörderische Einfälle bißher sehr infestirte Gegend wiederum vollkommene Ruh und Sicherheit erlangt hat."
Wie lange diese'Sicherheit gedauert hat, ist daraiw zu ersehen, daß es schon 1727 nötig ward, eine „neu- und mehrgeschärffte Poenal-Sanetion" zu erlassen.


