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tglucrltcye, dem Beryungern stokraten, die den Lands-,
- Rotationsdruck und «erlas der B r ü h l'fditr IInlvcrsitüiZ.B«»- und Steindrucke«! (Pietsch Erben) in Gießen.
Redaktron: Curt Plato.
Bolksschnllehrers verdiene, mit den Offtzier und Prinzen konnte ich nicht entdecken. An und für sich wäre ja dieser Mangel an blauem Blut unter den Ganymeds gar nichts Auffälliges gewesen, wenn nicht auch drüben die Fabel vom ervierenden Kavalier in hundertfacher Tonart an mein Ohr gedrungen wäre. Bildet doch der Garde-Rittmeister als Waiter' eine ständige Figur im amerikanischen Witzblatt. Die volle Aufklärung wurde mir endlich von einer durchaus kompetenten Persönlichkeit, dem Millionär August Fleischmann, Besitzer der größten Bootbäckerei und einer s-w linsten Restaurants von Newyork zu teil. Die Ausfüg c- trugen dieses Herrn sind um so maßgebender, als er einer» 'eits in seinem Lokal selbst das beste Kellnermaterial hat und andererseits wegen der Großmut, mit der er sich der eingewanderten Landsleute anuimmt, insbesondere wenn es sich um Leute mit Bildung handelt, die einst gute Tage gesehen, sprüchwörtlich geworden ist. .
„Der Aristokrat als Kellner ist ein Und tilg", darin gipfelten die Ausführungen des Millionärs, „aus dem einfachen Grund, weil diese Herren weder Geduld, Ausdauer und Fleiß, noch die Geschicklichkeit haben, nm in einem anständigen Restaurant den Posten eines Kellners mrs» füllen zu können. Kein Mensch auf der Welt ist m Bezug auf Bedienung verwöhnter als der Amerikaner. Er verlangt vom Kellner die größte manuelle Geschicklichkeit, Geschwrno diqkeit und unernrüdliche Aufmerksamkeit. Die besten und geschultesten Berufskellner Deutschlands, Oesterreichs und Frankreichs sind für uns hier gerade gut genug und kern besserer Newyorker Restaurateur würde es wagen, seine Gaste einem Dilettanten ausguliefern.
Fleischmann selbst, war, wie er weiter erzählte, der, welcher der Mär vom „Kellner-Kavalier" am meisten Wer- breitilng verschaffte. Er versuchte es nämlich vor mehr als 20 Jahren wirklich öfters, unglückliche, dem Verhungern preisqeqebene österreichische Aristokraten, die den Landsmann um Arbeit anflehten, bei sich als Kellner unterzu- bringen. Das Resultat war stets dasselbe: Die verwöhnten, in einem üppigen, luxuriösen Leben ausgewachsenen Herren erschlafften nach einigen Stunden vollständig, verloren bei zwei gleichzeitigen Bestellungen den Kopf, zerbrachen massenhaft Geschirr, irrten sich bei den Abrechnungen, erregten den Unwillen der Gäste, gerieten in Streit mit dem übrigen Personal und kamen nach zwei oder drei Tagen nicht wieder. Bon all' den Entgleisten, die Fleischmann bei sich auf genommen hatte, war es einem Einzigen gelungen, sich em- zuarbeiten. Es war dies der Sprosse eines alten österreichischen Geschlechtes, ein Graf B. W. Er war fast em halbes Jahr bei Fleischmann Kellner, bis er eines Tages dm Kasse im Kontor erbrach uitb unter Mitnahme von 2000 Dollars auf Nimmerwiedersehen verschwand. Seit diesem Tage hat Mstr. Fleischmann alle weiteren derartigen Experimente
%9er Aristokrat im Kellnerfrack ist also ein Fabelwesen, wie es ja eigentlich ganz selbstverständlich ist. Es wäre ja ml höchsten Grade bedauerlich, wenn der Berufskellner, der von seiner frühesten Jugend an in ehrlicher, fleißiger Arbeit diese Beherrschung seines Berufs erlernt, von stdem mehr oder toeniger „schlicht" entlassenen Offizier ersetzt werden könnte. - Und doch existiert der verunglückte Kavaller im Restaurantbetriebe. Aber dort, wo das Publikum ihn und er das Publikum nicht sieht, dort, wo es keme „fürstlichen" Trinkgelder giebt und seine Manieren nichts taugen. Im hintersten Winkel der Küche, am Waschfaß und dem Messerputzstein hat manch einer, der m der alten Welt seine Nächte beim Sekt und Jeu verbracht hat, das bitterste Elend und die tiefste Demütigung kennen lernen mus en. Bis ihm klar gemacht wurde, daß er „auch dort nichts taugt und er an Körper und Seele gebrochen, mit eiternden Wunden an den Händen das Hospital als letzte Zufluchtsstätte aufsuchen muß. v-
Telegrapheurätsel.
(Nachdruck verboten.)
— . . — Getränt.
— . — . . Teil der Erde.
. .--Verwandte.
— .--. Bekannter Baum.
Die Punkte und Striche entsprechen den einzelnen Buchstaben der z suchenden Wörter. Sind di- richtigen Wörter gesunden, so bezeichnen. « » auf die Punkte treffenden Buchstaben im stulammenbang em moveru- Verkehrsmittel. (Auflösung in nächster Nummer^
zerkleinerten Gedärmen der Schnepfen und beit tu denselben meist zahlreich vorhandenen Eingeweidewürmern. Die Eingeweide, ohne den Magen, werden fein gewiegt, mit feingewiegtem frischen Speck (etwa 10 Gramm pro Schnepfe), 2 Eßlöffel geriebenem Weißbrot, 1 Eigelb, etwas Salz und etwas feinem weißen Pfeffer gewürzt und das Ganze gut vermengt. Dann werden von Semmeln Schemen geschnitten, mit jener Masse dick bestrichen und mit Butter im Ofen lichtbraun gebacken.
Etwas recht Gutes ist auch ein Salmi von Schnepfeit, der wie folgt zubereitet wird. Zunächst werden die Schnepfen mit fetter Fleischbrühe, Wurzeln, Gewürz, etwas Zitronenschale und hinreichend Salz, gut bedeckt, völlig weich gedämpft und nach einigem Verkühlen in Stücke geschnitten und in einem Geschirr bei Seite gestellt. Dann werden die Knochen und Abfälle im Mörser feingestoßen, mit der nötigen Menge brauner Sauce, dem Geflügelsaft, 2 Glas Rotwein, etwas Champignons und Trüffelscheiben dickflüssig eingekocht und darauf wird die Sauce durch ein sehr feines Sieb gestrichen, damit kein Knöchelchen mit durchgeht. Zuletzt wird dieser Sauce noch etwas Zitronen- saft beigefügt. Ein Teil dieser Sance wird nun über die Schnepfen gegossen und mit demselben im heißen Bad gewärmt, (d. h. in einem Geschirr, das in heißes Wasser gesetzt wird), die übrige Sauce wird kurz vor dem Anrichten darüber gegossen.
Kavalier und Kellner.
Wemi ein Mensch mit unter dem Kops gekreuzten Armen einschläft, so bekoinult er „Alpdrücken" und träumt schlecht. Und wenn dieser Mensch zufällig ein junger Leutnant ist, so kann man zehn gegen eins wetten, daß er von Schulden träumt, von Ehren-, Spiel- und Kasinoschulden, die sich um ihn herum anhäufen bergehoch, und ihn aus dem Regiment, aus der Armee, aus Europa treiben. Und im Traiime sieht er sich schon in einem großen, prachtvollen Restaurant als Kellner auf- und ablaufen und protzigen Emporkömmlingen Austern servieren und Sekt eingießen. Denn natürlich! Der entgleiste Offizier muß, zumal wenn er Aristokrat ist, nach Amerika, und dort bleibt ihm nichts anderes übi^' Kellner in einem vornehmen Restaurant zu werden. ~ „
So und nicht anders hört man feit Jahrzehnten erzählen ; von Zeit zu Zeit taucht der „Graf" als Kellner auch in unseren Zeitungen in amerikanischen Reisebriefen auf, und der amerikanische Vetter erzählt, wenn er in die alte Heimat zurückkehrt, am Wirtshaustisch den hochauf- horchenden „Europäern", daß er sich „drüben" überhaupt nur von Aristokraten bedienen lasse und daß in feinem Stammgasthans in der 197. Straße (solche hohen Zahlen imponieren immer!) nur Leute vom Grafeil auswärts als Kellner genommen werden.
Mir kam die Sache seit jeher verdächtig, vor. Es wollte mir einerseits nicht recht einleuchten, daß diese Herren mit dem blauen Blut und dem verlorenen Portepee unbedingt Kellner werden müssen, andererseits konnte ich mir nicht denken, daß die amerikanischen Restaurateure sich gerade auf Leute, die die Landessprache nicht beherrschen, dafür aber vielleicht Wechsel gefälscht haben, kaprizieren. Und als ich nach Newyork fuhr, beschloß ich, der Sache auf den Grund zu gehen und den aristokratischen Kellner an Ort und Stelle zu studieren.
Mein Plan mißglückte aus einem ganz merkivürdigen Grunde, auf den ich nicht gerechnet hatte: Es ist mir nämlich während eines vierjährigen Aufenthaltes in Newyork und anderen Großstädten der Union nicht gelungen, ein lebendes Exemplar eines blanblütigen Kellners vor Gesicht zu bekommen! Ich ließ es bei meinen Unternehmungen an Gründlichkeit nicht fehlen. In großen deutschen Restaurants, in Cafss, Bars, Saloons, im Klubhaus und in vornehmen amerikanischen Hotels, überall spracy ich mit den Kellnern und ließ mir ihre Lebensgeschichte erzählen, den „Grafen" konnte ich aber nicht entdecken! Entgleiste Existenzen fand ich oft genug im weißen Saeco mit Schurze oder im schwarzen Frack, der Mehrzahl nach Leute, die in der alten Heimat Kommis oder Buchhalter gewesen waren, einmal sogar einen ehemaligen Schullehrer, der mir schmunzelnd versicherte, daß er als „Waiter" an einem Tag fast den Monatsgehalt eines österreichischen


