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mit einem Stallknecht sprach. Da plötzlich stellte sich dieser vor die vorderen Pferde, der Kutscher schwang sich her­unter und kam auf die Damen zu.

Ein herrlicher Reisetag", bemerkte er, zu Lady Fan- shawe gewandt.Ihr Herr Gemahl sagte mir, daß Sie zu der Familie D'Arcy nach Dublin gehen, die meine Groß­mutter Madame Desmond sehr gut kennt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Sie mit ihr zusammentreffen werden, in diesem Fall bitte ich, mich ja nicht zu ver­raten."

O, nein, ich bin die Verschwiegenheit selbst", erwiderte Lady Fanshawe, die nun fast fünf Minuten plaudernd und Lachend bei ihm stehen blieb, und sich alle Mühe gab, im letzten Augenblick noch seine Gunst zu erringen. Terence aber, der sich auffallend schweigend verhielt, verging fast vor innerlicher Ungeduld. Wird sie denn niemals fortgehen, und ihn einen Augenblick allein mit Maureen lassen?

Da endlich stürzte sie mit einer erschrockenen Frage nach Taffy davon, und Terence wandte sich zu ihrer Schwester:Ich kam, um Ihnen Lebewohl zu sagen." Lebe wohl, zwei kurze Wörtchen, aber sie enthalten, wie der alte Pat sagt, viel Kummer und Leid. Terence war sehr errrst und blaß; die Augen hatte er fest auf Maureens halb abgewandtes Gesicht geheftet. Ihr aber war die Kehle wie zugeschnürt, kein Wort entrang sich ihren Lippen. Eine qualvolle Pause folgte, während sie unbeweglich neben ihm stand und auf ein weiteres Wort von ihm wartete. Schon ertönte laut die Glocke der Abfahrt, da lüftete er schweigend den Hut und ging zum Wagen zurück.

Maureen, so komm doch rasch und steig, ein, es ist die höchste Zeit!" rief Nita. Maureen sicherte sich einen Platz am Fenster und schaute, während sie langsam aus der Station abfuhren, dem Wagen nach. Terence aber wandte die Pferde und fuhr weiter, ohne noch einen Blick nach dem Zug zu werfen.

Um des Himmels Willen, was ist Mr?" fragte Lady Fanshawe,Du siehst ja aus wie ein Gespenst!"

Ich ich habe Kopfschmerzen, so wie Du sie manch­mal plötzlich bekommst', antwortete sie lächelnd, indem sie aufstand und sich in eine entfernte Wagenecke fetzte.

Arme Maureen!- Ihr blasses Aussehen hatte seinen Grund in etwas weit Schlimmerem als nur in Kopfweh. Herzweh war es, unter dem sie zum erstenmal in ihrem Leben litt.

26. Kapitel.

Terences Versuchung.

Sir Greville war nicht der Mann, der sich gerne mit feiner eigenen Gesellschaft begnügte, ihm war ein lustiger Gefährte oder ein teilnehmender Zuhörer Bedürfnis, und so trat er seinen gewöhnlichen Sonntagsbummel in recht niedergeschlagener Stimmung an. Rita, Maureen, Mrs. Duckitt und manche andere Bekannte waren abgereist, so­daß er sogar den Verlust des sonst so verachteten Taffy zu beklagen begann. Es war ein schöner Nachmittag der erste Sonntag im Oktober. Nur wenige weiße, zer­rissene Wölkchen zogen langsam am blaßblauen Himmel hin; die See war ausnahmsweise ruhig. Sir Greville richtete seinen Spaziergang heute zur Abwechslung nach einer einsamen, an schroffen Felswänden sich hinziehen­den Straße, auf der in früheren Zeiten der Postverkehr stattgefunden hatte, die aber jetzt mit dichtem Gras be­wachsen war, und einen Lieblingsweg der Ziegen und des verirrten Weideviehs bildete. Als Sir Greville die Höhe erreicht hatte, kletterte er über einen Heckenzaun in ein erst kürzlich gemähtes Haberfeld, um aus näherem Wege zu einem Felsvorsprung zu gelangen, von wo aus man einen hübschen Ueberblick aus die Bucht hatte. Fast un­beweglich, wie schlummernd, lag die weite Wassersläche zu seinen Füßen, und außer einigen unternehmungslustigen Krähen und Seemöven war weit und breit kein lebendes Wesen zu sehen.

Und doch, dort gerade unter ihm stand ja Terence Desmond, die Arme aus einen Felsen gestützt, mit sonder­bar starrem Blick in die Ferne schauend. Was hatte das zu bedeuten? Sir Greville war durchaus nicht phantasie- voll angelegt; wie hätte er also auf den Gedanken kom­men sollen, daß die Züge des jungen Mannes namen­lose Verzweiflung ausdrückten? Er bemerkte nur, daß Terence blaß und verstört aussah. Sollte er am Ende krank gewesen {ein? Ob krank oder gesund, Sir Greville

war jedenfalls hoch erfreut, ihn zu sehen und eilte hin­unter, indem er ihm in herzlichem Tone zurief:

Hallo! wie gehts? Sie sehen schlecht aus. Sind Cie krank gewesen?"

Nein, ich bin niemals krank; ich habe eine Gesund­heit wie ein Pferd. Oder besser gesagt", fügte er lachend hinzu,ich wollte, alle meine Pferde wären ebenso gesund als ich."

Dann haben Cie wohl irgend einen Kummer?"

Vielleicht. Jedermann hat seine guten und bösen Tage seine heiteren und traurigen Stimmungen."

Allerdings, ohne Ihre Hilfe aber bestände mein ganzes künftiges Leben aus lauter bösen Tagen."

Nein, nein, das ist alles Miß D'Arcys Verdienst."

Ich will Ihnen etwas sagen seit ich Sie zuletzt sah, habe ich viel über diese ganze Geschichte nachgedacht, und ich weiß jetzt, daß ich mein Lebtag in Ihrer Schuld stehe." Eine Pause trat ein.Aufrichtig gesagt, Desmond, ich kann nicht begreifen, wie Sie, ein Fremder, ein Mann, der alle Hände voll zu tun hat, so ohne weiteres dazu kamen, meiner Frau und Schwägerin solch große Dienste zu erweisen."

(Fortsetzung folgt.)

Nüalj l Wl dimirolvnr.

.Bon A. Tschechow.

Deutsch von Stefania Goldenring.

(Nachdruck verbalen.)

Natalja Wladimirowna begann zu erzählen: Bor etwa neun Jahren ritten wir, der Untersuchungsrichter Pjotr Sergjejewitsch und ich während der Ernte gegen abend nach der Msenbahnstation, um Briefe zu holen.

Tas Wetter war prächtig, aber auf dem Rückwege hörte man entferntes Donnergeroll, und wir sahen eine böse, schwarze Wolke uns direkt entgegenziehen. Immer näher rückte die Wolke heran.

Bon ihrem Hintergründe hoben sich unser Haus und die Kirche weiß schimmernd ab, silbern erglänzten die hohen Pappeln. Es duftete nach Regen und nach gemähtem Heu. Mein Reisegefährte war sehr guter Stimmung. Er lachte und redete viel Unsinn zusammen. Es wäre nicht übel, meinte er, wenn wir an einem mittelalterlichen Schlosse mit zackigen Türmen, Eulen und Moos vorüberkämen, wo wir vor dem Regen Zuflucht suchten und schließlich vom Blitz erschlagen würden.

Nun begannen aber die Roggen- und 6af jeider zu wogen, ein Wind erhob sich, durch die Luft wirbelte der Sand. Pjotr Sergjejewitsch lachte und drückte die Sporen fester.

Prachtvoll!" rief er.Ganz herrlich!"

Seine Begeisterung teilte sich mir mit, und bei dem Gedanken, daß ich im nächsten Augenblick bis auf die Haut durchnäßt sein würde und vom Blitz erschlagen werden könnte, begann ich ebenfalls zu lachen.

Bei solchem Sturm und dem hastigen Ritte, während dem man den Atem verliert und sich einen Bogel wähn., wogt und keucht die Brust. Als wir in unseren Hof hinein­ritten, hatte sich der Wind gelegt, und dicke Regentropfen fielen prasselnd auf das Gras und auf die Dächer. Im Stall war kein Mensch.

Pjotr Sergjejewitsch sattelte selbst die Pferde ab und führte sie in die Pferdestände. Ich wartete auf iha an der Schwelle und schaute nach den schrägen Regenstreifen; den süßlichen, würzigen Tust fühlte man hier stärker, als auf den Feldern; infolge der Wolken und des Regens war es dunkel. . . ,

Tas war aber ein Schlag!" sagte Pjotr Serg;eiewltsch und trat nach einem starken, rollenden Tonnerschlag, bei dem d er Himmel auseinanderzuprallen schien, näher zu mir heran.Was sagen Sie dazu?"

Er stand neben mir auf der Schwelle und blickte mich an, schwer keuchend von dem stürmischen Ritt. Ich bemerkte, daß er mich mit Vergnügen betrachtete.

Natalja Wladimirowna", sagte er,ich würde alles hergeben, um nur so lange wie möglich hier stehen und Sie betrachten zu dürfen. Heute sind Sie herrlich schön!"

Seine Augen blickten begeistert und flehend, sein Gesicht war bleich, am Bart und Schnurrbart glänzten Regen­tropfen, die mich ebenfalls liebend anzublicken schienen.