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Offizier in Indien." _ .. t „ I
„ES war also Ihre Familiengeschichte, ine der alte I Mann uns damals erzählte?" „ . I
„Ja, meine Großeltern führten ein sehr üppiges | Leben, die Landwirtschaft ging immer mehr zurück, mein Vater aber hatte trotzdem für jedermann eine sehr offene Hand. Gott sei Dank starb meine Mutter noch vor dem großen Zusammenbruch, zu welcher Zeit ich mich ahnungslos in Indien befand. Da plötzlich erhielt ich eines Tages völlig unvorbereitet die Nachricht von dem Bankerott meines Vaters und am darauffolgenden Tage die seines Todes." Sir Greville nickte teilnehmend.
„Nun kehrte ich schleunigst nach Hause zurück, um Ordnung zu schaffen, allein es war mir unmöglich. Ich selbst sah mich völlig mittellos. Wohl hatte ich verschiedene gute Freunde, aber was können die einem helfen, auch wenn sie den besten Willen dazu haben? Mehr gelernt, als für meine militärische Laufbahn nötig war, hatte ich nicht. Ohne besondere Kenntnisse und ohne Vermögen konnte ich nichts anfangen, Hürdenrennen, Kutschieren, eine Schwadron führen, das verstand ich wohl, aber was half mir das?"
„Sie hätten eine Sekretärstelle annehmen können."
„Ich hasse Schreibereien und bin ein äußerst schlechter Rechner; das Leben im Freien sagt mir viel mehr zu, und als mir vor drei Jahren das Offert der hiesigen Post- verwaltung zufällig in die Hände kam, nahm ich es an."
„Sind die Desmond'fchen Besitzungen jetzt vollständig für Sie verloren?"
„Richt ganz, aber sie befinden sich in einem sehr schlechten Zustand. Meine Großmutter, Madame Desmond, lebt noch, und zwar aus ziemlich großem Fuße. Die besitzt ein schönes Haus in Montjoy-Square in Dublin und hat in den neunzig Jahren ihres Lebens niemals den Wert des Geldes schätzen gelernt, Unbekümmert um alles wirft sie auch heute noch das Geld zum Fenster hinaus." , „ ,, _
„Können Die sie denn nicht veranlassen, rhre Ausgaben zu beschränken?" r rv. ,
Da kennen Die meine Großmutter schlecht; aber ich tue natürlich mein Möglichstes. Sie ist noch immer eine sehr gesunde, lebenslustige alte Dame und dabei entsetzlich hochmütig. Wenn sie meinen Beruf erführe, würde iie sofort der Schlag treffen."
„Dann würde ich sie so rasch als möglich über den Stand der Dinge aufklären."
„Im Gegenteil, ich lüge sie sogar ein wenig an, und sie glaubt, ich sei den größten Teil des Jahres aus der Jagd oder auf Besuch bei Freunden; letzteres trifft übrigen s im Winter auch manchmal zu. Irgendwo habe ich noch einen Frack versteckt, wundern Sie sich also Nicht', wenn Sie mich eines Tages in Piccadilly antreffen."
„Das würde mich sehr freuen. Was für eine romantische Geschichte! Warum heiraten Die eigentlich nicht irgend ein reiches Mädchens
„So weit bin ich denn doch noch Nicht heruntergekommen", antwortete er errötend. „Ich werde als Junggeselle sterben — als Letzter der Familie Desmond."
„Hoffentlich nicht. Ihr Schicksal wird sich schon noch wenden. Wenn Sie nach London kommen, müssen Die uns besuchen."
„Sehr freundlich."
„Meine Frau und Schwägerin werden übermorgen
abreisen." . _ .,
„Wirklich? Ich kann mir wohl denken, daß ihnen dieser Ort jetzt verleidet ist."
„Vorerst gehen sie nach Dublin, um chre Verwandten — auch D'Archs — zu besuchen."
So viel ich weiß, wohnt dre Familie ebenfalls tn Montjoy-Square, meine Großmutter kennt sie sehr genau.
„Tas ist ein eigentümliches Zusammentreffen. Doch nun", sagte er, sich erhebend, „darf ich Sie nicht langer stören, denn ich weiß, Sie sind ein Frühaufsteher, ^ch hoffe indes. Sie recht bald wiederzusehen, Henn ich habe die Absicht, noch einige Zeit allein hier zu bleiben. Sie müssen manchmal zu mir herüberkommen und eine Zigarre rauchen — und mit mir zu Mittag speisen."
Terence schüttelte lächelnd den Kopf. „Es ist sehr freundlich von Ihnen, allein ich nehme niemals eine Einladung an. Denken Sie nur, was das für eine Aufsehen machte, wenn Sie mich mit sich an die Table d'hote bTa^Smrr komme ich eben zu Ihnen, wenn Sie gestatten?«
, Ja, tun Sie das, es wird mich außerordentlich freuen , i erwiderte Terence, indem er seinen Gast bis vor die Ture begleitete und ihm sinnend nachschaute.
~ Qitoi Tage später hatte die Frühkutfche eine Menge Reisender zu befördern, denn die Dadesai;on näherte sich ihrem Eiide. Sir Greville, der seine Damen bis zum Haupt- knotenpunkt begleiten wollte, nahm den Doc^ltz em wahrend Nita, deren Schwester und Tasfy ziemlich wett hinten im Wagen saßen. Als das Fuhrwerk im frischen Morgen- I wind und strahlenden Sonnenschein durchs -Städtchen I rasselte, wagte Maur een kaum die Augen auszuschlagen, denn Tränen verdunkelten ihren Blick. Sw sollte es ja jetzt verlassen, das Land, an dem ihr Herz hing, das Land I niit seinen geheimnisvollen, unter Wasserrosen schlummern
den Seen, seinen violett schimmernden Bergen, feiner feuchten, kräftigen Luft und seiner weichen Sprache. Wurde ste I es jemals Wiedersehen? — Nita dagegen sah träumerisch I zurück und stieß einen langen Seufzer der Erleichterung aus.
„Scheußlicher Ort !" rief sie „Gott sei Tank, daß ich endlich fortkomme! ... Wie rasch wir wieder fahren! Wer wie ich sehe, kutschiert ja Terence, dann ist Nichts zu I b-stürchten. Es ist wunderbar, wie sicher ich mich immer in seiner Nähe fühle, sogar auf den Bock könnte ich mich I setzt setzen. Warum nahmst Du Dir Nicht diesen Platz? I M aureen antwortete nicht. Mittlerweile eilte der Wagen die wohlbekannte Straße entlang, und jebe Meg- ung, jeder Felsvorsprung rief die Erinnerung an jene I erste verhängnisvolle Fahrt in ihr wach. Endlich langten sie auf der Station Carra an, und nur wenige Minuten blieben bis zum Abgang des Zugs.
Maureen stieg aus und sah sich nachdenklich um. Waren wirklich erst zwei Monate vergangen, seit sie hier | gestanden und aus einen ähnlichen Wagen gewartet hatte, ohne zu ahnen, was sie alles erleben würde? ^a, das | am allerwenigsten Erwartete war eingetroffen. Die hatte | in den Grund ihres eigenen Herzens geschaut und wußte nun, wenn sie diesem Gefühl auch kaum Raum zu geben wagte, daß all die Liebe, deren sie fähig war - die erste und letzte Liebe, die sie zu vergeben hatte — jenem Man« dort auf dem Bock gehörte, der noch iMmer die Zugel des 1 Viergespanns festhielt, und dabei in gleichgtttigem Ton
Haltes bedürftig sei, und daß ich die Pflicht habe, ihr t zur Seite zu stehen. — Das tue ich auch jetzt."
„Weiß Gott, daß Tu das tust!"F .
„Und ich flehe Dich an, ihr zu vergeben, tote ich Dir vergebe. Du sagtest, ich sei eine Schwester, wie es unter ! Tausenden kaum eine gebe, nun, so sei Du ein Gattie, I tote man unter einer Million nicht einen findet. Bedenke den Skandal, die Schande und den Jammer. Es würde sie töten."
25. Kapitel.
Die Friedenspfeife.
Was auch immer während der ziemlich lange andauernden Unterredung zwischen dem Baronet und seiner Gattin vor sich gegangen sein mochte, das Ende war j Friede. Obwohl Lady Fanshawes hübsches Gesicht durch zweistündiges, ununterbrochenes Weinen fast unkenntlich geworden war, so verließ sie ihr Gatte, als er sich zur Mittagstafel hinunter begab, doch völlig versöhnt. Männer find eben auch nur schwache Menschen, und Nita war unwiderstehlich. ,
Sogleich nach beendigter Mahlzeit begab sich Sir Greville zu Terence, um ihm seine aufrichtigsten und wärmsten Entschuldigungen und Dankesbezeugungen darzubringen, die auch aufs freundlichste ausgenommen wurden. Mehr als eine Stunde lang rauchten die beiden Männer im wahren Sinne des Wortes miteinander die Friedenspfeife. Die kürzlich stattgefundenen Ereignisse wurden kaum erwähnt, dafür aber allerlei andere Dinge, tote Tabak, Tweed — die Hauptindustrie des Ortes — Flußjagden und Bulldoggenzüchtungen eingehend erörtert. Ms Terence sah, daß die Augen seines Gastes etwas erstaunt von dem abgenützten Tigerfell zu einem massivsilbernen Aschenbecher wanderten, sagte er plötzlich: „Was Lady Fanshawe und Miß D'Arcy bereits wissen, will ich auch Ihnen nicht länger verheimlichen. Obwohl ich hier in der Gegend nur als Kutscher Terence bekannt bin, so ist mein wirklicher Name doch Desmond. Ich stand früher als


