Samstag den 7. Februar.
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(Nachdruck verboten.)
Eine verhängnisvolle Fahrt.
Roman von B. M. Croker.
Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Alwina Wischer.
(Fortschung.)
Heftig griff Sir Greville darnach — es war der vierte Teil eines Briefbogens, der tatsächlich Nitas Handschrift trug,. Mit noch tiefer erblaßtem Gesicht las er: „Mr. Lo- vell liebt und schätzt — niemals glücklich mit Dir gewesen — keinen Wert mich zu verfolgen." Er warf das Papier weg, als ob es Feuer wäre, und verbarg das Gesicht in beide Hände. „Ryan", sagte er endlich, das düstere Schweigen brechend, „verzeihen Sie mir; Sie haben mir die Augen geöffnet; nun aber halten Sie auch reinen Mund." Während er so sprach, hob er das Papier wieder auf und zerriß es in viele kleine Fetzchen.
„Das will ich gern. Sie aber werben Gerechtigkeit üben. Ich verlange ja gewiß nicht von Ihnen, daß Sie Ihre Frau fortschicken, Cie dürfen im Gegenteil nicht zu streng mit ihr ins Gericht gehen, denn sie ist eben ein schwaches törichtes Geschöpf."
Als hätte ihn ein Schlag ins Gesicht getroffen, so heftig fuhr Sir Greville zurück. Es erleben zu müssen, daß dieser alte irländische Invalide ihn bat, Nachsicht mit seinem Weibe zu üben, war vielleicht der Höhepunkt seiner Beschämung. Sir Greville konnte sich später nie mehr erinnern, wie er ins Hotel zurückgekommen war. Als er jedoch in das kleine Wohnzimmer hereingewankt kam, wo seine Schwägerin saß, machte er den Eindruck eines vollständig gebrochenen Mannes, und sein Gesicht war so geisterhaft bleich, dag Maureen hastig aufsprang und ihm seinen Lehnstuhl zuschob.
„Ich bin durchaus nicht krank", sagte er, auf den Sitz niedersinkend, indem er sie sonderbar, wie geistesabwesend anstarrte. „Du bist ein edles Mädchen, aber Dein Opfer war umsonst. Ich weis alles."
„Wer sagte es Dir?" fragte sie heftig.
„Der alte Ryan. Er konnte es nicht ertragen, baß Dir die Schuld zugemessen wurde, anstatt Nita und jenem verfluchten Schurken. Wenn ich an all das denke, was ich in meinem Zorn gesagt und getan habe, so darf ich nicht hoffen, daß Tu mir jemals vergeben wirst. Augenblicklich bin ich wie betäubt; mir ist, als sei eine Bergeslast auf mich gestürzt und drohe mich zu erdrücken. Aber ich werde mich schon befreien", fügte er auffahrend hinzu.
Maureen jedoch war flinker als er und hatte noch vor ihm die Ture erreicht. Dort stand sie nun, den Rücken dagegen gelehnt mit ausgebreiteten Armen und flammenden Augen. Wundervoll hob sich ihre hohe, schlanke, in Weiß gekleidete Gestalt von dem dunkeln Eichenholz flk
Und selbst dem vor Mut fast blinden Sir Greville entging es nicht, daß es ein herrliches Weib war, das sich hier zwischen ihn und seine Gattin geworfen hatte.
„Nein", sagte sie gebieterisch, „Du wirst diese Schwelle nicht überschreiten, ehe Du mich fünf Minuten angehört hast. Das wenigstens schuldest Du mir. Ich bitte Dich, bergteti ihr."
„Du glaubst wohl, ich sei kindisch geworden? Maureen, das ist zu viel verlangt."
„Dann höre mich wenigstens fünf Minuten lang an. Es geschah alles aus Liebe zu Dir."
„Daß sie mit Lovell davonlief?" unterbrach er sie wütend.
„Ja, denn die Eifersucht hatte sie unzurechnungsfähig gemacht. Ich gab Dir einmal einen Wink, aber Du wolltest ja nicht auf mich hören. Sie war so daran gewöhnt, Dich stets in ihrer Nähe zu haben, daß Deine anscheinende Vorliebe für eine andere Frau sie geradezu verrückt machte. Mir vertraute sie ihre Gefühle an, Dir gegenüber erlaubte es ihr Stolz natürlich nicht. Dein langer Aufenthalt auf den Skellings setzte der Sache dann vollends die Krone auf."
„Das ist ja lauter albernes, kindisches Zeug!" warf er dazwischen.
„Mag sein. Mein Deine viertägige Abwesenheit, die dummen Scherze der Leute, Mr. Lovells Einflüsterungen, seine teilnehmenden Aufmerksamkeiten und sein unsinniger Vorschlag, Dich zu verlassen, führten die Katastrophe schließlich herbei. Nachdem ich mich auch am vierten Tage ganz dumm und heiser gesprochen hatte, ging ich endlich aus, um etwas frische Lust zu schöpfen, und als ich zurückkehrte, war sie auf und davon gegangen, um Dich zu strafen und zwar mit den gleichen Gefühlen, die sie um Deinetwillen erduldet hatte."
„Denkst Du wirklich, ich sei ein solcher Narr, und glaube diesen Unsinn?" fragte er mit bitterem Hohn.
„Du mußt mir glauben. Tust Du es nicht, so wirst Du es schmerzlich bereuen. Nita tat ihr unsinniger Schritt schon leid, nachdem sie kaum eine Meile von Ballybay entfernt war, und bei meinem Kommen fand ich sie in trostloser Verfassung. Wir eilten zurück, so rasch wir konnten, kamen aber docb zu spät."
„Ja, allerdings zu spät."
„Da Tu bei unserem Kommen bereits, einen falschen Schluß gezogen hattest, schwieg ich um sie zu retten.
„Wegen des Briefes unternahmt ihr also die Wett fahrt, wegen jenes Briefes, den Tu an Dich nahmst und zerrissest? Na, sie kann sich zu einer solchen Schwester gratulieren, so giebt's unter tausend kaum wieder eme. Warum tatest Tu das alles?"
„Weil ich sie lieb habe, weil ich schon damals als ich mit meinem Vater auf einige Zeit nach England kam. die Ueberzeugung gewann, daß Nita schwach und emeS


