in Schutz nehmen; wenn das nicht wäre, hätten wir ihm schon vor Monaten eins ausgewischt. Aber kein ehr­licher Bretagner sollte gegen jene die Hand erheben; es führt zu nichts, auch verbietet's die Kirche. Laßt uns heimgehen, Rodellec!"

Rodellecs breiter Rücken versperrte noch immer den Ausgang. Er empfand die erbärmlichste Furcht, aber sein Haß gegen Hamor war noch stärker. Mit großtuerischer Miene schritt er durch das Zimmer.Nimm wenigstens das!" rief er boshaft und stieß ein Loch in Hamors größte Kohlenzeichstrung,und das!" die blaue Base flog zu Boden und der Band Sonette ins Feuer.Ermannt Euch wieder, das war nur ein kleiner Schreckschuß, wir wollen dem Maler doch noch eins versetzen. Ihr könnt mir's glauben, der alte Morot hat nichts dagegen einzuwenden."

Drei laute, vernehmliche Schläge ertönten drüben an der Tür. IM nächsten Moment schon flohen die Männer in sinnloser Hast und Bestürzung die Treppe hinab, durch den Hof, und hielten nicvt eher still, bis sie im Bereich des gelben Lichtes angelangt waren.

Guenn hatte sich, sobald die Tür geschlossen war, wieder auf den Balken geschwungen. Dre Arme waren ihr wie aus den Gelenken gerissen, ihre Kehle war aus­gedörrt, alles Mut strömte ihr zu Kopfe. Sie fürchtete jeden Augenblick vor Schwäche herabzufallen, und lehnte das Haupt gegen die Dachsparren, um sich zu stützen.

Wenn er nur wenigstens wegbleibt! Wenn nur Mon­sieur Staunton ihn zurückhält! Wie lange ist's wohl her, daß er fortging ? wie lange bin ich schon hier?" Sie wußte nutzt, waren es Stunden, Wochen, Jahre. Der Schmerz und die ausgestandene Angst ließen ihr die Zeit, die sie so verbracht, als eine Ewigkeit erscheinen. Sie konnte nicht hören, was die drei unter einander be­sprachen, aber das Murmeln ihrer Stimmen schlug fort­während an ihr Ohr.Ich muß sie von hier fortbringen, und wenn es mir das Leben kostet, es muß geschehen. Vergebt mir, Monsieur Morots Geist, aber ich muß sie glauben machen, daß Ihr es seid, zürnt mir nicht, Ihr sehet ja selbst, mir bleibt keine andere Wahl."

Sie kroch auf dem gefährlichen Balken zurück, trat mit einem Fuß auf die Schwelle, und alle ihre Stärke zusammenraffend, schlug sie dreimal kräftig mit dem Holzpantoffel gegen die Tür, worauf die Männer schmäh­lich die Flucht ergriffen hatten. Tastend berührte Guenn den Drücker und mit einer letzten Anstrengung, schwindelnd, halb ohnmächtig und zitternd vor gänzlicher Erschöpfung, aber doch triumphierend, ließ sie sich auf den Boden des verlassenen Ateliers niederfallen.

Als Hamor mit Staunton zurückkeyrte, fanden sie nie­mand mehr vor. Sie saßen an dem verglimmenden Feuer nieder und plauderten eine Stunde lang auf die behag­lichste Weise.

Es tut mir leid", entschuldigte sich Hamor.Mir kam's aber wirklich vor, als spräche sie im Ernst, und jetzt scheint es doch wieder einmal viel Lärm um nichts gewesen zu sein. Da habe ich Dich nun so grausam mit­geschleppt, und Madame Staunton obendrein in Angst gesetzt, denn sie sah, wie Du Deinen Revolver mitnahmst."

Die Vandalen scheinen aber dennoch hier gewesen zu fein", rief Staunton lebhaft und deutete auf den Riß in der Kohlenskizze,sieh nur her", er hob die Scherben der zerbrochenen Vase auf, und zog schließlich noch die halbverkohlten Ueberreste der Sonette aus dem Kamin hervor, die er dem Eigentümer mit der Feuerzange hin­hielt.

Des langen Wartens müde oder aus Durst nach Grog sie sich zurückgezogen, nachdem sie dergestalt ihr Mütchen gekühlt hatten", sagte Hamor verächtlich.Dem- sie überhaupt nichts gar so Schlimmes im Schilde. Guenn muß unglaublich übertrieben haben, sie hat mich ordentlich gruseln gemacht. Ich schäme mich bei­nahe, Dir keine bessere Unterhaltung bieten zu können."

- ich bin sehr froh darüber. Auch halte ich e^,Vtr setzt mit mir fortgehst; ich glaube

üicht, daß Rodellec Dir wohlgesinnt ist, Hamor!"

Ich weiß, er bewahrt einen alten Groll gegen mich £, v.erften Begegnung, das hat aber durchaus Nichts auf sich , versetzte Hamor sorglos.

Guenn hatte nicht gewagt, länger als einige Minuten auf dem Boden liegen zu bleiben. Sie wußte nur zu genau, daß sie daheim sein müsse, ehe ihr Vater ankäme,

um tückisch und argwöhnisch mit der brennenden Kerze vor ihren Augen herumzufahren und sich zu überzeugen, ob sie fest schlafe.

Fortsetzung folgt.

Unser» Kerrgotts K-Ler.

Von Peter Rosegger.*)

Josef! Um zwei Uhr werden die Herrschaften von der Rennbahn da sein. Bereite ein zweites Gabelfrühstück mit Kaviar und Austerii. Auch ein paar Flaschen Sekt einkühlen!"

$u dienen, Exzellenz!"

Hierauf machte der alte Exzellenzherr seinen Spazier­gang, um das erste Gabelfrühstück noch knapp vor dem zweiten zu verdauen. Man muß auch seiner Gesundheit etwas zuliebe tun. Es war ein heißer Julitag, der Herr schritt langsam und behäbig die Straße entlang, trug in der einen Hand den Hut, in der anderen den seidenen Sonnenschirm, dachte an seine Pferde, au seine Tugenden und an seine Jagdhunde, womit er morgen eine Probe anstellen will.

Ein fahrender Geselle begegnete ihm, zog vor dem Herrn seine Mütze und grüßte höflich.

Gn'n Tag, gu'n Tag!" rtef der Exzellenzherr leut­selig; denn er war immer sehr wohlwollend, besonders wenn er gut verdaute.

Warm heut, Euer Gnaden, sehr warm heut!" näselte der fahrende Geselle, wischte sich mit einem zusammenge­ballten roten Sacktuch den staubigen Schweiß vom braunen Gesicht und dachte:Vielleicht gibt er mir doch ein Zwanzig- hellerstück auf ein Glas Mer." Da die Exzellenz aber in andere Gedanken versunken zu sein schien, so rief der Ge­selle überlaut:Wenn bei so 'ner Hitze nur dreser ver­dammte Durst nicht wär'!"

Durst haben Sie?" schnarrte der Herr.Ra, dann gehen Sie gerade aus, nachher links um die Scheune, dort steht unseres Herrgotts Keller, der Brunnen. Just einmal den Eimer Heraufziehen. Na, gehaben Sie sich!"

Vergelt's Gott!" antwortete der Handwerksbursch und bei sich:Alter Filz, Wasser finde ich auch selber, wenn ich mag." Und ging dem Brunnen zu.

Die Exzellenz schritt fürbaß und war zufrieden mit dem erziehlichen Rate, den sie gegeben. Alles hat Durst heutzutage. Alles will Bier, Wein und weiß der Himmel was! Nrcht übel, wenn sie manchmal an des lieben Herr­gotts Keller erinnert werden. Wer Durst hat, für den rst frisches Wasser das allerbeste. Ein bißchen mehr Fruga- lrtät, meine Herren Landstreicher!

Ta der Geselle dahin war, blieb er stehen, klemmte den Schirm zwischen die Beine und brannte sich eine feine Regalitas an.

Um zwei Uhr saß er wieder bei den jungen Herr­schaften im Gartensalon. Nachdem der erste Durst mit einigen Flaschen Tafelbier gelöscht war und man wohlgemut den Pasteten und Krebsen zusprach, winkte der Exzellenz­herr dem Joses, daß er den Sekt bringe. Da der Diener aber ein zweites Mal in Sicht kam, ohne eine Silber­köpfige mitzuhaben, wurde der Herr ungeduldig.

Sofort, Euer Gnaden, sofort", versprach der Josef.

Sapperlot, ist es denn so weit in den Keller?"

Ich habe die Flaschen ein gekühlt. Exzellenzherr, im Birunneneimer. Und wie ich sie jetzt hervorholen will, sind sie weg. Putz weg!"

. . . . So! . . . So! -- Na, dann werden sie einen Liebhaber gefunden haben." Daß dich der Satan!> Aber zum schlechten Spiel gute Miene.Josef, spute Dich! Hole andere Flaschen!"

Der fahrende Gesell war nicht schlecht zu sprechen auf unseren Herrgott, der in seinem Weinkeller Neuzeit auch Sekt hält. Leider nur ausnahmsweise.

*) Aus seinem soeben bei L. Staakinann in Leipzig erschienenen BucheDas Sünd erglöckel."

vermischte»«

* Historisches vom Niesen. Zu einerzeit­gemäßen", sehr unterhaltenden Plauderei wird derScien- tific American" durch die Frage eines Lesers nach der Be­deutung des Niesens angeregt. Er glaubt, sie am besten