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(Nachdruck verboten.)
Iss Mtmidße« m der Brckgiie.
Von B. W. Howard.
(Fortsetzung.)
Jetzig endlich ward Hamor unruhig. Die Ader auf seiner Stirn schwoll, sein Mick schweifte unsicher im Zimmer umher. „Was zum Teufel wollen diese Wenden von mir, was habe ich ihnen zu leide getan?"
„Das weiß nur Gott, Monsieur; kümmern Sie sich nicht darum. Den ganzen Winter hindurch haben sie Ihnen nachgestellt. Sie, Monsieur, haben nie etwas davon bemerkt. Natürlich nicht, auch ist ihr Vorhaben immer vereitelt worden —" sie zögerte einen Augenblick, „auf die eine oder, andere Weise", setzte sie hastig hinzu. „Jetzt glauben sie, daß Monsieur bald von hier fortgeht und haben beschlossen. Sie zu töten. Die Leute wissen, daß Sie abends hier allein zu sitzen Pflegen und haben die heutige Nacht gewählt, weil draußen der Wind so tobt und heult. Schmach über sie, daß dies die Wahrheit ist, und Schmach über mich, ein Plouvenecer Mädchen, das so etwas sagen muß", stöhnte Guenn und rang verzweiflungsvoll die Hände.
„Wann gedenken sie den Ueberfall auszuführen?" fragte Hamor, „das haft Du mir noch nicht gesagt". Die Nachricht hatte ihn doch verwirrt und bestürzt gemacht; daß drei Mörder ihn, einen Unbewaffneten, angreifen wollten, war nicht gerade ein beruhigender Gedanke! Aber mit seiner Entrüstung über die Feiglinge erwachte auch seine Kampflust, er wollte ihnen einen würdigen Empfang bereiten. i,Wann können sie hier sein?" wiederholte er lebhaft.
„Menn ich ihm gestehe, daß sie gleich kommen, daß sie jede Minute hier sein können, so wird er bleiben wollen und dann ist alles verloren." Blitzartig jagten die Gedanken durch ihr gemartertes Hirn. „O der Schande, daß ich ihn belügen muß! Schmach über sie, Schande über uns alle. Wenn ich aber lügen muß, so ivill ich ordentlich lügen!" Entschlossen sprang sie auf, sah ihm mutig in die Augen und antwortete fest und bestimmt: „in einer Stunde!"
„ brauche ich mich ja gar nicht zu beeilen."
freß sich ruhig wieder in den Stuhl zurücksinken.
„Aber Sie werden Zeit brauchen, um Monsieur Staunton zu finden", drängte Guenn angstvoll
, „O nein", lachte Hamor. „Monsieur Staunton ist so lercht zu ftnden wie der Leuchtturm. Er sitzt zu Hause bei ferner jungen Frau." 01
Guenn ■ beobachtete ihn in stummer Dodesanqst. Vor rhrem gerflrgen Auge sah sie fortwährend drei dunkle Ge- Pr r’Vj'Vl bte Nacht heranschleichen. „Wo sind sie jetzt? Vrellercht schon gelandet; ist denn noch Zeit?" K V
Hamor griff nach seinem Rock und bürstete ihn in einer Anwandlung von Ordnungsliebe. „Madame Staunton, das geschieht Ihnen zu Ehren", dachte er, heimlich über sich selbst lächelnd. „Wenn ich Staunton und seine Frau so sei einander sehe, habe ich oft ein seltsames Gefühl, als möchte ich am Abend auch gern eine kleine Frau um mich haben. Es ist doch schließlich etwas daran! Aber gütiger Himmel! welche Frau, die reizend genug wäre, mich baue» ernd zu fesseln, wäre wohl selbstlos genug, die Einsamkeit der Tage zu ertragen, nur uni meine Abende zu erheitern! Bei Stauntons scheint es übrigens gut auszuschlagen, obwohl ein Maler sich eigentlich nie verheiraten sollte. Es heißt, der Frau zu viel zumuten! Kunst, geliebte Kunst, sei Deinem treuesten Diener huldreich! Du, meine Liebe, mein Weib, meine Herrin, meine Göttin, bleibe Du mir gnädig, dann werde ich nie des Philisters Glück vermissen. Je m'en mogne bien! — Vielleicht wäre es ratsam, das Bild irgendwie in Sicherheit zu bringen", setzte er nachdenklich hinzu. „Es heißt zwar den Elenden allzuviel Ehre erweisen — aber wenn auch — es hat monatelang Arbeit gekostet und die letzten Striche am Handgelenk bringe ich nie wieder so gut heraus."
„Monsieur, ich werde das Bild behüten.-"
„Ja, aber wie, Kind? ich wüßte nicht wohin damit.'*
„Ich werde es tun, Monsieur, verlassen Sie sich darauf. Jst's denn nicht auch mein Bild? Ich will doch im „Salon" vor all den vielen Leuten stehen und bewundert werden?" Sie versuchte zu lächeln, und den Kopf zurück- zuwerfen. „Das Bild soll gerettet werden, wenn Sie nur jetzt gehen wollen, Monsieur!"
„Menn freilich die Eitelkeit mit ins Spiel kommt, dann ist's was anderes!" meinte Hamor launig, „diesen wichtigen Faktor im Menschenleben hatte ich völlig vergessen. — Nun wohl, Guenn, ich vertraue Dir ganz. Hüte das Bild, aber hüte auch Dich selbst! Gute Nacht, Du bist wirklich ein liebes, braves Mädchen", fügte er herzlich hinzu, „ich wollte, ich wüßte, womit ich Dir eine Freude machen könnte. "
„Gehen Sie, gehen Sie!" flehte Guenn ängstlich.
„Nun, das muß ich sagen, so ohne alle Umstände bin ich noch nie aus meinen eigenen vier Pfählen ausgewiesen worden. Gute Nacht, laß das Feuer nur ruhig brennen; sieh nach dem Bilde und nimm Dich in acht, daß Du kein Unheil anrichtest, da es noch naß ist. Dann aber lauf' nach Hause, so schnell Du kannst. Die schlechten Burschen würden nicht übel tu Wut geraten, wenn sie Dich hier fänden. Noch eins, Guenn, laß Dir doch von irgend einer alten Gevatterin einen guten warmen Tee kochen, das ist kein schlechter Gedanke, nicht wahr? Nur aus Rücksicht für mich — wir Männer sind ein selbstsüchtiges Volk, und ich möchte um! alles in der Welt nicht, daß Du mir jetzt einen Tag fehlest. Tu siehst so fieberhaft ans. Du wirst mir doch nicht etwa krank werden fujnb nicht sitzen können?" warnend erhöh er den Finger.


