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der

Bon ®r.

Die Wunsche

Pädagogische Betrachtungen.

(Im Anschluß an ein Tagesereignis.)

A. Messer, Oberlehrer und Privatdozenten Philosophie und Pädagogik.

zieherisch wirken. Nun muß aber die Erziehung vor allem anstreben, daß über dem wechselnden, blinden und in sich widerspruchsvollen Trieb lebe», das in der frühesten Jugend beim Menschen allein sich geltend macht, ein kraft­volles, klares, in sich harmonisches Wollen sich ent­wickle. Das Kind steht ganz unter der Herrschaft des Augen­blicks, es ist gänzlich unterworfen den momentanen Trieb­regungen und Begehrungen, die bald zu dem, bald zu jenem führen, und welche Folgen das Tun hat, .wird noch gar nicht berücksichtigt. Alle höhere Willensentwicklung beruht darauf, daß sich die Fähigkeit ausbildet, den aufstergenden Trieb, ehe er sich in Handlung unisetzt, zu hemmen, lns geprüft ist, ob diesse nützlicy oder schädlich, gut oder böse sei. Daß also nicht momentane Aufwallung, augenblick­liches Begehren entscheide, sondern daß der Mensch allmäh­lich sein gesaintes Handeln bis ins Kleine hinein mit Rück­sicht ans seine Folgen und zu ober st nach den Normen der Sittlichkeit gestalte, das ist nicht möglich, ohne daß er sittliche Selbstbeherrschung gewinnt, die eben darin besteht, daß vernünftiges Wollen in ihm zunehmend aus dem blinden Triebleben sich heraushebe und die Herrschaft dar­

lein Forest eine lauge Reise angetreten habe mit einer Fa­milie aus Amerika, daß deren Name Henderson sei, und daß sie zuerst in Ostende Halt machen wollten.

Nach einem kurzen, fast zwecklosen Besuch bei den Elliots reiste Richard am gleichen Tage nach Ostende weiter, ob­schon Jarris, der ihn halb als Diener, halb als Wundarzt begleitete, lebhaft gegen diese große Unvorsichtigkeit prote­stierte. In Ostende wurde das Hotel, in dem die Hender­sons gewohnt hatten, bald aufgefunden, aber sie selbst waren nicht mehr hier sie waren am Abend vorher nach Paris abgereist. Bon Schwäche überwältigt, sah Richard sich ge­zwungen, den Sonntag zum Ausruhen zu benutzen; aber am Montag ging er nach Paris, wo er ebenfalls nur wenig Erfolg hatte. Die Woche ging zu Ende, ehe er un Fremden­buch eines neuen amerikanischen Hotels die Namen der Gesuchten fand, und dann hörte er mit unbeschreiblicher Be­stürzung, daß sie wenige Stunden zuvor weiter gereist waren. ,,

Wohin?" Nach Neapel, meinte der eine Kellner, ein anderer glaubte nach London, und ein dritter behauptete fast mit Bestimmtheit, daß Berlin ihr nächstes Reiseziel gewesen sei. Bei dieser widersprechenden Auskunft fühlte Richard sich von Verzweiflung gefaßt; er wankte und wäre zusammengebrochen, wenn niiyr der treue Jarris ihn rasch in den Wagen geschafft und nach seiner Wohnung befördert hätte. Eine halbe Stunde später stand an seinem Lager ein englischer Arzt, dessen Händen wir ihn eine kleine Weile überlassen müssen.

(Fortsetzung folgt.)

aus ihm zu lernen.

Zunächst bezüglich der Wertschätzung-der Vorgänge in der Schule! Daß es sich dabei zumeist umKleinigkeiten" handle, ist ja wohl eine ziemlich weit verbreitete Auf­fassung, die man nicht erst aus dem Prozesse kennen zu lernen brauchte, über die ich aber anläßlich desselben einige Worte sagen möchte.

Nehmen wir an, ein Schüler ist häufig unaufmerksam, er treibt gernAllotria", er verursacht kleine oder größere Störungen des Unterrichts durch Schwatzen, Sich-Umdrehen, durch diesen oder jenen mutwilligen Streich. Mau ist da int allgemeinen geneigt zu sagen: das sindKleinig­keiten"; es ist ungerechtfertigt, daß deshalb die Schule, zumal im Maturitätszeugnis eine geringere Betragens­note erteilt, die doch dem Schüler vielleicht später schaden könnte. m

Gewiß ist der einzelne Vorgang als solcher, z. B. die einzelne Störung, etwas Geringfügiges, und es ist sicher eine recht wertvolle Eigenschaft des Lehrers, wenn er Kleinigkeiten als solche zu behandeln versteht und wenn er vor allem nicht in jeder Störung eine bewußte und beabsichtigte Böswilligkeit sieht. Aber so harmlos, ja witzig dieser oder jener Schülerstreich sein mag, die Schule muß grundsätzlich mit Energie dagegen ankämpfen und sie kann das, ohne daß deshalb ein trüber, finsterer Geist in sie einzuziehen braucht. Sie muß als Grundbedingung ihrer Unterrichtstätigkeit aufmerksame Mitarbeit aller Schüler und Enthaltung von Störungen fordern und je älter die Schüler werden, in um so höherem Grade kann und muß sie diese Anforderung stellen. Sie kann es deshalb auch nicht als geringfügig auffassen, wenn ein Schüler, zumal ein älterer, häufig gegen diese Forderung verstößt; er schä­digt dadurch nicht nur den Erfolg des Unterrichts für seine Person, sondern er beeinträchtigt ihn auch für die andern. Eine Schule, die eine Lockerung der Disziplin einreißen ließe, würde dadurch die wichtigste Beraussetz- ung eines gedeihlichen Unterrichts gefährden und somit sehr schlecht für ihre Schüler sorgen.

Aber die Schule ist nicht nur und Null nicht nur Un terrichts anstatt sein, sie will und soll auch er«

über gewinne.

Die Schule unterstützt diese Entwicklung in überaus bedeutsamer Weise gerade durch die Forderung der Auf­merksamkeit. Gewiß giebt es auch eine trieb artige, unwillkürliche Aufmerksamkeit, und derjenige Unterricht wird sür den Schüler der interessanteste sein, dem es ge­lingt, diese unwillkürliche Aufmerksamkeit in hohem Grade zu erregen; aber auch der beste Lehrer kann mit dieser Art des Aufmerkens nicht auskommen, er wird von den Schülern fordern müssen, daß sie ausmerken wollen, und diese willkürliche, aktive Aufmerksamkeit verhalt sich zu jener unwillkürlichen, der sich der Schüler mehr passiv überläßt, wie der in sich konzentrierte, als ureigenste Tätig­keit gefühlte Wille zu dem schwanken, ohne unser Zutun in uns aufsteigende Trieb.

So gewinnen, von dieser Seite aus betrachtet, bic oben erwähntenKleinigkeiten": das unaufmerksame Abschweften, das Allotriatreiben, die Betätigung der Triebregungen zu Störung und Unfug, noch eine neue und wohl noch größere Bedeutung. All dies erscheint setzt zugleich als bedingt durch eine unzulängliche Fähigkeit, zu wollen. Willensbildung aber ist die Hauptaufgabe aller Bildung und Erziehung, insofern auch die reichsten Kenntnisse und Fertigkeiten nutzlos bleiben, ja schädlich wirken können bet einem mangelhaft erzogenen Willen.

Ich halte es übrigens sür recht wichtig und der Unterrichtsstoff der oberen Klassen bietet genug Gelegen- heit zu dahingehenden Betrachtungen, daß die alteren Schüler selbst schon zu einer klaren Einsicht in diese si-ragen geführt werden, daß ihre sittliche Erkenntnis geweckt werde gerade auch an den Kleinigkeiten des Schullebens, das doch auch ein StückLeben" ist; daß sie vor allem durchdrungen werden von der Ueberzeugung, Ivie hochbedeutsam für ihr ganzes Leben und für den Wert ihrer Persönlichkeit ist, daß sie allmählich die Herrschaft über sich, d. h. über ihre momentanen Triebregungen erlangen. ^>ch denke auch, Dir Lehrer älterer Schüler wird es mit Erfolg versuchen können, den sich aufringenden Vernunftwillen in den Schulern, sozusagen das reifere, bessere Selbst in ihnen zum Bundes­genossen zu gewinnen, sodaß alle Ermahnung von ;eiten des Lehrers, bereit es ja bei manchen wenigstens -- immer wieder bedürfen wird, nicht mehr gefaßt wird als demütigend, als kränkend, sondern als Erinnerung an das vernünftigeIch" in ihnen, als Hilfe für das eigene bessere Wollen im Kampfe gegen dasKind", das noch m ihnen steckt. Dazu ist freilich überaus wichtig, daß der Lehrer Vertrauen bei den Schülern besitze, daß das Gefühl und mehr und mehr die klare Erkenntnis sie beherrscht, die Forderungen der Schule, die der Lehrer ihnen gegenüber vertritt und die bei zunehmendem Alter leicht als br- I engend empfunden werden seien durch das Zusammen- | arbeiten notwendig, also nicht in der Willküroder der Pe­danterie der Lehrer, sondern in der Sache selbst begründe» und in ihrem eigenen Interesse an sie gerichtet.

Nun kann natürlich auch der ältere Schüler noch nicht vollendete. Selbstmacht, vollendete Herrschaft des sittlichen Bewußtsein besitzen; denn diese ist em ine SW M ver­wirklichendes Ideal: nicht em vollendeter sittlich-guter Menschs sondern nur ein ehrlich ^iach chVervollkommiiuug > strebender Mensch kann der Schüler, ja kann schließlich

nachstehenden Ansführuiigeu gehen aus dem hervor, daß der bekannte Prozeß, der gewiß manchen Beteiligten gar viel Arbeit, Mühe und Aufregung verursacht hat, nicht ganz ohne positives und wertvolles Ergebnis für das Verhältnis von Schule und Elternhaus bleiben möge; und es ist in der Tat hierfür manches