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Rock. Kann ii
noch das Boo
abreisen."
„Tn mußt nichts Derartiges tun!" rief der Doktor ärgerlich. „Eine solche Reise würde Dich halb! umbringen
„Und das Hierbleiben würde es ganz tun", war Ri- chard's bestimmte Erwiderung. „Packe mir das Nötigste zusammen und laß mich weg, wenn Du nicht willst, daß ich den Verstand verliere!"
Um die Mittagsstunde des nächsten Tages traf Richartz, der sich während der Fahrt fortwährend mit Selbstvorwürfen gemartert hatte, in Brüssel ein und stand bald vor dem bekannten Hause mit seinen langen Fenstern und reichen Vorhängen. 916er hier wartete seiner eine bittere Enttäuschung. Eine frenide Dienerin öffnete auf sein Klingeln und gab ihm dieselbe 9lntwort, die Frau Ellivt erhalten: „Fraulein Forest ist für immer weggezogen."
„Seit wann?"
„Seit Mittwoch."
Und heute war Samstag! „Da müsse er Fräulein Osborne sprechen", verlangte Herr Morgan etwas ungeduldig. ,
„Q, Fräulein Osborne war seit etitetn Monat nicht mehr hier. Frau Rochford aber kommt erst am Abend von einem 9lusgang zurück."
In verzweifelter Angst wandte sich Richard zum Gehen, als ein blutjunges Dienstmädchen vorüber trippelte, das ein besonderer Liebling 9limee's gewesen war. „Warten Sie", rief er, und drückte der Kleinen ein Fünfsrankstück in die Hand, worauf diese sich freudig bedankte, und ganz ffHßrt’Uf)! fliiftcrtc *.
„Ach, Monsieur, wir haben das liebe Fräulein verloren. Und sie war so traurig — v so traurig!"
„Können Sie mir sagen, ivo sie ist?" fragte er fast atemlos, denn all diese Verzögerungen setzten ihm gewaltig zu. Von Jeanette erfuhr er nun endlich; daß Fran-
feinem Rat zu handeln wünschte. Mer etwas anderes für ihn fühlen? O, niemals! Mein Gott, er ist so ernst und kam mir auch stets schon ganz alt vor — beinahe vierzig! Alex ist zwei Monate jünger als ich."
Frau Wilson seufzte tief auf, als ein Mißverständnis nach dem andern sich ausklärte. So niedergeschlagen sah die arme Danie aus, daß Ellinor nun ihrerseits die Trösterin machte.
„Jetzt, da Sie meine Herkunft kennen", sagte sie demütig, „werden Sie bald ganz froh sein, daß ich nicht Ihre Verwandte werde. Und Herr Morgan wird weniger betrübt sein, wenn er überhaupt betrübt ist. Denn, F-ran Wilson, ich glaube nicht, daß er jemals daran dachte, mich zur Frau zu wählen. Das hätte ich doch sicher ausfindig gemacht! Gewiß, Sie waren in einem Irrtum befangen, ich hoffe sehnlichst, daß es so sein möge."
Ob sie das Gleiche hoffte oder nicht, hätte die arme Frau kaum zu sagen gewußt. 9(6et auch sie wäre beinahe in Tränen ausgebrochen, und ihre Gedanken wirbelten so durcheinander, daß sie eine Aussprache mit ihrem Bruder gleichzeitig herbeisehnte und fürchtete. Sie erhob sich mit einer Miene aufrichtiger Betrübnis und sagte gepreßt: „Ich fühle, ich muß jetzt zu Richard gehen; und nicht wahr, Fräulein Graham, Sie werden meinen törichten Irrtum vergessen und mit Herrn Alex — Alex —"
„Boyd", sagte Ellinor, „er ist ein Schottländer."
„Mit Herrn Alex Boyd viele Jahre in unserer Nachbarschaft wohnen, hoffe ich. Gern will ich Ihnen über die kleine Schwierigkeit hinweghelfen, die Sie mir anvertraut haben, nnd schließlich werden wir über unsere heutige Unterredung noch mit einander lachen."
Aber Beiden schien das Weinen näher als das Lachen, als sie sich jetzt zum 9lbschiede die Hand reichten. Ernst und traurig ruderte Ellinor nach Westfields zurück, während Frau Wilson in unbeschreiblicher Gemütsverfassung das Zimmer ihres Bruders aufsuchte.
Nun hatte gerade an diesem Tage Richard nach langen inneren Kämpfen einen weisen Entschluß gefaßt. Es war jetzt Mitte August, und seine arme kleine Brant in Brüssel hatte seit 14 Tagen keine Nachricht von ihm erhalten. Es konnten aber noch Wochen vergehen, ehe er im stände sein würde, seine Hand zu gebrauchen. So durfte es unmöglich noch länger weiter gehen. Wenn es ihn auch die größte Ueberwindung kostete, er mußte die Zurückhaltung ablegen, die er wie einen Panzer um seine Gefühle getragen hatte. Er mußte seine Schwester ins Vertrauen ziehen und mit ihrer Hilfe Aimee seinetwegen beruhigen.
Den ganzen Morgen hatte er hin und her überlegt, wie er beginnen, wie er, ohne seine Schwester zu kränken, sein bisheriges Schweigen erklären sollte. Er konnte ihr doch unmöglich sagen, daß er, in Erinnerung an frühere Meinungsverschiedenheiten, hauptsächlich ihretwegen 9limees Briefe sich postlagernd erbeten hatte; und als Fran Wilson jetzt hinaufkam und sich an seinem Lager niedersetzte, war seine eigene Befangenheit so groß, daß ihr bestürztes Aussehen ihm völlig entging.
„Ich möchte Dir etwas mitteilen, Jessie", begann er, mit der einen abgezehrten Hand seine Augen bedeckend. „Ich hoffe, Du ivirst Dich nicht verletzt fühlen, daß ich eine für mich wichtige Sache feit meinem Hiersein geheim gehalten habe. Es handelt sich um eine — eine Person, die Du hoffentlich eines Tages sehr lieb gewinnen wirst." Fran Wilson rang nach Atem. Sollte dieser neue Schlag der härteste von allen Jein?
„Ich sehe ein, daß ich mit Dir früher hätte davon sprechen sollen", fuhr Richard fort. „Aber wir sind so viele Jahre getrennt gewesen, und mir ist es zur zweiten Natur geworden, meine Angelegenheiten für mich zu be- ■ halten. Allein die Wahrheit ist, ich wünschte — ich möchte — mich verheiraten."
„O Richard!"
„Ich begreife, daß Du erstaunt bist, Jessie, und wahrscheinlich wirst Du auch anfangs nicht sehr erfreut fein, denn meine liebe Brant besitzt noch weniger Vermögen als ich. Darum sprach ich auch nicht gern davon, bis ich es selbst zu einem genügenden Einkommen gebracht hätte. 916er wenn Du sie kennst, wenn Du sie siehst", — er nahm seine Hand von den Augen weg, um stolz und glückliche zu ihr aufzublicken — „dann wirst Du finden; daß sie viel, viel zu gut für mich ist. Mer jetzt, während
Weise bewegst!"
„Meinetwegen mögen es fünfzig sein", war die aufgeregte Antwort. „Sei so gut, Wilson, hilf mir in diesen ...J. O ich den Wagen haben? Ich muß heute abend
' ' * wr in Harwich erreichen, und nach Brüssel
ich hier festgebannt bin, möchte ich, daß Tu mir einen großen Gefallen erzeigtest und au meiner Stelle ein paar Zeilen an „Aimee" — „9limee Forest" schriebest. Nun, Jessie, was ist Dir?"
Es war zu viel! Die arme, wohlmeinende Uicheil- stifterin nahm ihr Taschentuch heraus und schluchzte laut.
„O Richard", sagte sie, „ich habe schon an sie geschrieben, und keines von Euch Beiden wird mir dies je verzeihen können!" Dann legte sie ihrem Bruder ein offenes Geständnis ab. Sie sprach von ihren eigenen Wünschen, von dem unglückseligen Irrtum, in dem sie befangen gewesen, der sie zu dem verhängnisvollen Schritt getrieben und wiederholte genau, was sie in der letzten halben Stunde mit Ellinor gesprochen. Es waren die schrecklichsten Minuten ihres Lebens, wie sie ihrem Gatten später wiederholt versicherte. Richard hatte sich ans seinem Ruhebett halb ausgerichtet und lauschte ihren Worten mit tätlichem Schrecken.
„Ich hoffe und wünsche sehnlichst, daß sich alles wieder gut machen läßt", stammelte sie gerade, als der Doktor mit fröhlicher Miene, einen Bries in der Hand, das Zimmer betrat.
„Harris war so freundlich, dies für Dich mitzubringen, Richard", sagte er, „es war vermutlich aus Versehen nicht in unsere Posttasche gekoininen. Nun, nun, was ist denn los?" —
Richard ergriff den Brief und riß ihn in ungeschickter Weise mit der linken Hand auf. Seine Gesichtsfarbe wurde aschgrau, als er die wenigen Worte las:
Brüssel, 12. August.
Da Sie es wünschen, gebe ich Ihnen Ihre volle Freiheit zurück. Leben Sie wohl! Aimee."
„Dies ist Dein Werk", sagte er heiser und reichte seiner Schwester die unglückliche Botschaft hinüber.
„Aber ihr lieben Leute, so sagt mir doch nun endlich, was vorgefallen ist", bat der erstaunte Doktor, „lind Richard, um Himmelswillen, was hast Du vor?" Denn der Kranke legte gerade seinen bequemen Hausrock ab nutz suchte wie verzweifelt nach einem andern Kleidungsstück, „Setze Dich hin, Mann, das wird an Deinem Arm ein halbes Dutzend Knochensplitter geben, wenn Du Dich in dieser


