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24. Kapitel.

Das Wagnis des alten Invaliden.

Zwei ganze Tage verbrachte Lady Fanshawe in klöster­licher Zurückgezogenheit, während welcher Zett sich Sir Greville um so unglücklicher und verlassener fühlte, als Mrs. Duckitt ab gereist und an einen Verkehr mit seiner Schwägerin selbstverständlich nicht zu denken war. Ms er am dritten Nachmittag in der Nähe der Brücke aus seinem Schiff stieg, trat ihn: plötzlich der alte Pat in den Weg und fragte ihn mit einem seltsam grimmigen Ge­sicht:Kann ich ein Wort mit Euer Gnaden reden?"

Ja, natürlich, was giebts?"

Es handelt sich um die ungerechten Vorwürfe und Beschimpfungen, mit denen Sie die unrichtigen Personen überhäufen."

Wie kommen Sie dazu, sich eine solche Sprache mi:: mir zu erlauben", rief Sir Greville, indem er stehen blieb und den alten Mann erzürnt ansah.

Ich aber sage Ihnen, daß ich recht habe, und wenn Sie nicht auf die Worte eines alten Mannes hören wollen, o werden Sie es Ihr Lebtag bereuen. Die Beiden wollen es nämlich vor Ihnen geheimhalten", fügte er mit wich­tiger Miene hinzu.Sie war es, die ihn dazu veranlaßte; zuerst wollte er durchaus nicht einwilligen, jetzt aber wird er seinen Mund halten. Er und sie nahmen alle; Schuld auf fich Terence und Miß D'Arcy nämlich". Er trat einige Schritte zurück, als wolle er seiner Ans­age dadurch mehr Nachdruck verleihen, und sagte mit zorn- ünkelnden Angen:Ihre eigene Frau und Mr. Lovell, die sind mit einander dnrchgegangen, und memand anders."

Verfluchter alter Spitzbube! Ich hätte nicht übel Lust, Sie übers Brückengeländer zu schmeißen. Wte können Sie die Frechheit haben, mir solche Tinge ins Gesicht zu sagend .

Ich habe der Bestürmung Delhis mutig die ettrn geboten, wie sollte ich mich da vor einem zormgen. kleinen Herrn fürchten, deffen Frau . feig genug rst, sich unter dem Vorwand, krank zu sein, in ihrem Zemmer zu verstecken, und es zuläßt, daß andere Leute rhre Schande auf sich nehmen."

Diese kühne Rede beraubte Sir Greville gänzlich der Sprache. Seine Lippen zuckten krampfhaft, ohne einen Laut von sich zu geben. Allein der unerschrockene alte Soldat lieh sich dadurch nicht einschüchtern, sondern fuhr unnachsichtlich fort:Ich schwöre Ihnen ^m herlrgen Meßgewand, daß das, was ich sage, wahr tst. Ich habe große Hochachtung vor Terence und Miß D'Arcy, urtdwenn auch andere es zulasfen, daß die jungen Leute alle Schuld auf sich nehmen, während sie doch nur Lob verdienen i ch werde das nicht tun. Es ist ein mutiges, edles Paar, das wie für einander geschaffen scheint, obwohl weder ein Liebeswort noch ein Liebesblick zwischen ihnen ge­wechselt wurde. Jedermann weiß, daß Terence em ehren­werter Mann mit anständigen Grundsätzen ist."

Was versteht ein kindischer, halbblinder alter Kerl von Ehre? Ich werde Sie wegen Verbreitung falscher Ge­rüchte anklagen."

Ach was, Gerüchte! Bleiben Die mir doch damit vom Leibe! Man hat die ganze Zeit über mehr als genug davon gehört. Was denken Sie wohl, daß die Leute alles schwatzten und zischelten, als Die und Mrs. Duckitt nach den Dkelligs fuhren und, wie behauptet wurde, absichtlich drei Tage dort zusammen zurückblieben, während die. Gnädigste fast aus der Haut fuhr? Andere Gerüchte be­zogen sich auf Ihre Frau und deren Verehrer die beide Arm in Arm im Dunkeln herumschlenderten und schwatzend und faullenzend mit eiiiander schisffuhren, anstatt zu angeln, wie andere ehrenwerte Leute, ^a, ja, an Ge­rüchten hat's nicht gefehlt. Und nun soll die arme Miß D'Arcy, die Einzige von der Familie, die sich bescheiden und ehrbar benommen hat, anderer Leute Schuld tragen? O, heilige Mutter Gottes, was ist das für eme Gerechtig­keit?" rief er, die alten, schwachen Augen gen Himmel erhebend.

Sir Greville antwortete nichts. Die feindselige Hal­tung seiner Frau Mrs. Duckitt gegenüber und Maureens schüchterne Winke tarnen ihm wie mit einem Schlage ms Gedächtnis zurück.

Meine Nichte Julia, die für Miß D'Arcy schwärmt, ist mit schuld, daß ich mich zum Sprechen entschloß. Sw erzählte mir, daß die gnädige Frau schrecklich unglücklich gewesen sei über Ihr langes Ausbleiben mit Mrs. Duckttt und entweder ihrer Schwester in ihrem Zimmer vorgewemt und vorgejammert oder aber unten int großen Saal «tu dem jungen Herrn schön getan habe. Da plötzlich fuhr der junge Herr mit der Sechsuhrkutsche ab, nachdem er vorher den Handkoffer her gnädigen Frau an sich genommen hatte. Neben ihm im Wagen saß eine dichtverschleierte Dame von der Größe und Gestalt der gnädigen Frau. Endlich um sieben Uhr kommt Miß D'Arcy nach Hause und geht mit einem Telegramm ins Zimmer ihrer Schwester. Todes- blaß kommt sie wieder herauf eilt zum Wirt htnunter und verlangt sofort ein Fuhrwerk mit raschen Pferden.

Und was dann?"

Sie hätte ebenso gut verlangen können, ihr den Mond herunterzuholen, denn alle Wagen und Pferde waren von der Postverwaltung mit Beschlag belegt. Nutt lief sw zu

wie ein erbärmlicher Hund machten Sie sich diese Gelegen­heit zu nutzen, um mit der reichen Erbin davonzulaufen."

Was für einer Erbin?"

Na, verstellen Sie fich nur nicht. Die Irländer haben gar feine Spürnasen für reiche Frauen. Sie wußten natür­lich sehr gut, daß Miß D'Arcy nahezu eine halbe Million Pfund besitzt."

Eine halbe Million?"

Ein krampfhaftes Zucken lief über des Kutschers Züge, seine Lippen wurden aschfahl. Einen Augenblick lang schwieg er, endlich antwortete er mit heiserer Stimme:Ich schwöre, daß ich glaubte, sie sei so arm wie ich selbst."

Und ich schwöre, daß Die ein infamer Lügner sind!" schrie der andere außer sich. Fest sah Terence ihn an. Sein Gesicht war todesblaß, drohend funkelten seine Augen, allein er schwieg.

Sie haben Ballybay auf der Stelle zu verlassen", fuhr Sir Greville in gebieterischenr Tone fort.Ich will nicht, daß der Skandal unter die Leute kommt."

Sie brauchen nur den Mund zu halten, so haben Cie in dieser Hinsicht nichtß zu befürchten. Ballybay verlassen werde ich nicht, denn mein Beruf bindet mich."

Dann versprechen Sie mir wenigstens, weder ein Wort mit Miß D'Arcy zu wechseln, noch ihr zu schreiben, so lange wir noch hier sind."

Ja, dazu bin ich bereit; allein was für einen Wert hat ein Versprechen einem Manne gegenüber, der mich einen Lügner schilt?"

Nichts in meinem ganzen Leben hat mich so empört", sagte Sir Greville, bei dem sich die Muftegung ein wenig zu legen begann.Ich hätte mich mit meinem Leben für meine Schwägerin verbürgt. Wie kam sie nur dazu, Serade Die zu wählen ein Mädchen, das zwei Grasen- coneu ausgeschlagen hat?"

Die Frage blieb unbeantwortet; der Kutscher bewahrte tin verächtliches Schweigen.Wo und wann haben Sie ihr denn Ihre Liebe erklärt?"

Ich habe ihr niemals meine Liebe erklärt."

Soll das so viel heißen, als daß sie Ihnen die Liebe erklärte? Und ich sage, daß auch das eine in» fauee"

Halten Sie ein! Sprechen Sie das Wort Lüge nicht ein zweitesmal aus", schrie Terence mut' auch seinerseits in blinder Wut.Ich kann viel ertragen, aber kein Mann soll mich zweimal ins Gesicht einen Lügner nennen. Ich bin, wie Sie vielleicht nicht wissen, ein Mann Ihres Stan­des, demtoch mache ich mir nichts aus einer derben Be­handlung, ja selbst nichts aus derben Worten, aber auch meine Geduld hat ihre Grenzen."

Was, ein Kutscher sind Sie, ein ganz gewöhnlicher Kutscher", erwiderte Sir Greville in neu ausbrechender Heftigkeit.Ein gemeiner, großtuerischer Schurke!"

Auch ein gewöhnlicher Kutscher hat seine Ehre und seine Selbstachtung", fiel ihm Terence zornig ins Wort. Und wenn Sie mit einem gewöhnlichen Kutscher in die niedrige Kampfessphäre gemeiner Beschimpfungen herab­steigen und diesen gemeinen Kutscher herausfordern, so werden Sie erfahren müssen" Er hielt inne. Das war nicht die richtige Art, sein Versprechen einzulösen, und so wandte er sich plötzlich um, pfiff seinen Hund und ließ den ebenso erstaunten als enttäuschten Sir Greville