Freitag den 6. Februar.
[H
W
HK
1903. — Nr. 20
i Pho»ogr. aute H NO1I- £Tg's~S'a'n'
uWW
ÄWi
B
gestatten, daß sich andere hinter Ihren guten Namen verschanzen. Haben Sie sich auch die Folgen Ihres Vorhabens klar gemacht?" fragte er, sie scharf ansehend.
„Ja, und ich bin entschlossen, sie auf mich zu nehmen."
„Haben Sie bedacht, wie die kleine unbedeutend« Lüge wachsen, sich ausbreiten und Ihr Leben vergifte^ und zerstören kann?"
Langsam richtete sie sich in die Höhe, und ein stolzer Blick traf ihn, dann antwortete sie: „Mein Gewissen ist- rein. Eine Lüge bleibt immer eine Lüge; ich fürchte mich nicht."
„Wer ich tue es", gestand er ruhig.
„Dann bedarf es keiner weiteren Worte", sagte sie, einen Schritt zurücktretend. „Ich habe Sie umsonst um diesen großen Dienst gebeten; Sie wollen uns nicht helfen. Was geht Sie auch schließlich das Glück meiner Schwester an? Ich werde Nita Ihre Antwort bringen: Sie fürchten sich."
„Fürchten?" wiederholte er unwillig. „Ich? Um Sie, ja, da ist mir bange. Glauben Sie, ich denke an mich? Bleiben Sie doch", rief er, als sie Miene machte, sortzu-- gehen. „Wie es auch kommen mag, ich werde Ihnen, zur Seite stehen. Niemals sollen Sie vergeblich meine Hilfe anrufen, alles was Sie verlangen, werde ich tun."
Welche Macht hat doch eine Frau über den Mann, der sie liebt! Da stand er nun, dieser Terence Desmond, dem nichts so verhaßt war, als Lüge und Falschheit, und war bereit, um ein paar schöner, vorwurfsvoller Augen seine eigene unbefleckte Ehre und den guten Ruf dieses Mäd- chens aufs Spiel zu setzen!
„Ich soll also diese abscheuliche Unwahrheit unterstützen und gestatten, daß man sie glaubt?"
„Nur zwei Tage lang", stammelte sie. „In zwei Tagen werden wir für immer aus dieser Gegend verschwunden sein." Sie war tief erblaßt und bedeckte die Augen mit der Hand, als sie hinzufügte: „Es ist entsetzlich, aber das einzige Mittel, um — um" —
„Ha, mein Herr", rief plötzlich eine laute, schneidende Stimme, „da komme icq ja gerade recht, um Sie auf fri cher Tat zu ertappen! Wie können Sie sich erfrechen, nach Ihrem erwiesenen Fluchtversuch noch mrt dieser Dame zu reden?" stammelte Sir Greville, bebend vor Wut. „Sie haben meine Familie entehrt, und meine arme Frau ist von all den Aufregungen und Anstrengungen der letzten Stunden ernstlich krank. Mit der Peitsche verdienten Sre gezüchtigt zu werden!"
Ein kurzes, höhnisches Lachen war die ganze Antwort des Kutschers, denn der Gedanke an einen Versuch des kleinen Baronet, jenen großen, kraftvollen ju n gen B ursch en zu züchtigen, hatte in der Tat etwas unendlich Lächerliches. Maureen aber ergriff in diesem verhängnisvollen Augen- ^^^„Jch^war abwesend", fuhr Sir Greville fort, „und
(Nachdruck verboten.)
Eine verhängnisvolle Fahrt.
Roman von B. M. Ero ke r.
Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Alwina Vischer.
(Fortsetzung.)
Eine lange, peinliche Pause folgte. Nur das Blöken eines jenseits des Gartenzauns grasenden Schafes unterbrach die Stille. Starr und unbeweglich, als sei er in Stein verwandelt, stand Terence da, aber der eiserne Griff, mit dem seine Hand das hölzerne Gitter umklam- tnerte, wurde immer fester und fester, bis die Latte endlich, laut krachend, zerbrach. Mit vorgeneigtem Kopfe, zitternden Lippen und glühenden Wangen wartete Maureen, bis das geräuschvolle Oeffnen eines Fensters sre endlich aus ihrer angstvollen Spannung riß. Mühsam überwand sie ihre Scheu und fuhr hastig fort: „Die Beweise dafür sind den Leuten gegenüber vollständig vorhanden. Man weiß, daß wir in der Dämmerung den Hof verließen, um über den Slievberg nach Shule zu reiten. Dem Gerücht zufolge reiste meine Schwester mir nach und brachte mich zurück. Greville kam gerade noch zur rechten Zeit an, um Zeuge unseres Wiedereintreffens zu sein und schloß sofort, ich sei die Schuldige. Noch nie in meinem ganzen Leben sah ich einen Menschen in solchem Zorn. Mn gemeines, betrügerisches, schamloses Geschöpf nannte er mich", fuhr sie mit zitternder Stimme fort, „eine Heuchlerin und Diebin — letzteres, weil ich seinen Brief nahm und vor seinen Augen zerriß." , , „ .
„Und Ihre Schwester stand dabei und erhob feinen Einspruch?" fragte Terence in strengem, eisigem Ton.
„Nein, sie ist so entsetzlich feig, und dann weiß sie, daß sie verloren wäre, wenn Greville die Wahrheit erführe, denn sie liebt ihn trotz allem sehr."
„Ich muß gestehen, daß sie eine sonderbare Art hat, ihre Liebe zu zeigen", murmelte Terence
„Mir kann Greville weiter nichts anhaben, denn ich bin mündig und mein eigener Herr. Mit der Zeit wird er mir vielleicht auch wieder vergeben, bei ihr aber wäre es für immer ausgeschlossen. Ich bin aus festerem Stoff gemacht als Nita — ich kann auf manches verzichten und manches ertragen."
„Selbst den Verlust Ihres guten Rufs?"
Heftig bis zu den Haarwurzeln errötend, fuhr Maureen ° zurück. „O, Mr. Desmond!" rief sie traurig, „tote können Sie meinen Kummer noch vergrößern! Ich hatte Cie immer tote — tote einen Bruder angesehen, und nun ist mir, als hätte ich einen Peitschenschlag ins Gesicht bekommen." „ , . , .
„Verzeihen Sie, Miß D'Mcy", bat er eindringlich „Wäre ich aber wirklich Ihr Bruder, so wurde ich niemals


