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ein großer Teil der verfügbaren Sumnren in ihre Taschen fließt, während die wirklich Bedürftigen mit ihrem Schamgefühl das Nachsehn haben. Natürlich läßt man sich nicht überall hinters Licht führen. Aber man gerät dadurch loft in ein noch verhängnisvolleres Gegenteil. Man „recherchiert", d. h. man fragt Hauswirt, Nachbarschaft, Geistlichkeit und Polizei aus uttb versäumt dadurch oft den richtigen Zeitpunkt, oder bereitet den sensiblen Bittstellern fatale Situationen. An den Lehrern der öffentlichen Schulen, die in vielen Fällen aus der Beobachtung der Kinder ein ziemlich sicheres Urteil zu geben vermögen, geht man häufig vorüber, läßt sich Wohl auch durch beschränkte Auffassungen sogen, „kleiner Leute" zu schiefen Urteilen verleiten und hilft auf diese Weise ganz gegen den eigenen Willen dazu, das Bild vom großstädtischen Elend zu verdüstern. Was da not täte, wäre eine große Zentrale, in der ein Ueberblick über möglichst alle Hilfsmittel und Quellen gewonnen würde, und eine Anzahl wirklich erfahrener, urteilsfähiger, selbstloser und warmherziger Menschen, zu denen die Verschämten unter den Armen mit vollem Vertrauen gehn könnten. Tie guten Damen aus den besseren Ständen haben selbstverständlich den besten Willen bei allen Samariter- diensten, aber es fehlt ihnen meist an der Brücke, die das Herz zum Herzen schlägt und nicht minder an dem nötigen Scharfblick. Verkommenheit, die sich sentimental ins rechte Licht zu stellen weiß, erreicht bei ihnen immer mehr als das wirkliche Elend, das nicht zu lamentieren vermag. Es ist das eine Erfahrung, die in der ganzen Welt zu machen ist, genau so wie die „Weihnachtshamster" ihren Bau in allen Gemeinwesen angelegt haben. Diese Meihnachtshamster betreiben das schöne Geschäft des sich Ueberallbescherenlassens mit ebenso viel Ausdauer wie Geschick. Trotz aller Wachsamkeit der Behörden wissen sie es möglich zu machen, daß ihnen oder ihren Kindern von der Stadt wie von der Kirche aus, von Hilfsvereinen, öffentlichen Wohltätern, Schulen usw. alljährlich der Tisch gedeckt wird, während bescheidenere Leute, die es nötiger hätten, überall das Zusehn haben. Sie arbeiten eben mit allen Chikanen, lügen, geben sich falsche Namen, spielen die Frommen — und lachen sich nachher ins Fäustchen. Mer daber den wirklich Bedürftigen eine Festfreude machen will, der halte bei Zeiten Umschau, auf daß er nicht unter die Hamster gerät! A. R.
Vermischte».
* Ueber Talent und Persönlichkeit lesen wir im „Kun st wart" (Verlag von Georg D. W. Callway in München) folgende beachtenswerte Auslassung von Ferdinand Gregori. „Ich meine, es wird heute ein Unfug getrieben mit dem Worte „Persönlichkeit". Das „Talent" hat sich überlebt und beinahe etwas Verächtliches aufge- muzt bekommen. Was Wunder, daß jeder mittelmäßige Mrme nach dem Persönlichkeitslobe strebt. Und man macht ihm sein Streben leicht. Publikum und Presse schnüffeln überall nach der seltenen Blume Persönlichkeit herum und glauben sie schon gefunden zu haben, wo nur ein absonderliches g!rünes Keimlein aus der Erde dringt. Und daun wird das Keimlein durch unaufhörliches Besprechen, Betasten und Zupfen an der Entwicklung gehindert. Ließe maws nach Gefallen wachsen, so würde vielleicht ein allerliebstes, aber bescheidenes Gänseblümchen daraus, das der bunten Wiese gewiß zur Zierde blühte, wenn es auch nimmermehr übers weite Land duftete und- leuchtete. Hörte man auf, dem Schauspieler immer wieder einen Tonfall, eine Bewegung, eine Stellung als rührend, herrlich und plastisch nachzurühmen, so würde er sich bemühen, mehr auf den darzustellenden Charakter als auf sich zu achten. Persönlichkeit ist eine Stärke und keine Schwäche, uni), sie hat Ecken und Kanten, an denen sich die Menge meist ärgert; sie ist ein Ganzes, Unteilbares und von Mächten des Gefühls zusammengehalten. Was aber dem Pnbttkum an seinen Lieblingen gefällt und worin diese dann sich selbst verlieben, das sind Teile eines vergänglichen „Hochzeltskleides", das als Lockmittel dient und über die Turchschnittsseele hinwegtäuschen will. Fehlt also dem schauspielerischen Talente die Persönlichkeit, so soll es — wenrgstens auf dec Bühne — das Gebaren des in sich
fest ruhenden künstlerischen Grundbesitzers abstreifen und lieber ein bischen mehr Vagabund sein, das heißt, cs soll sich die Elastizität bewahren, die ihm in der Provinz so wohl anstand. Unsere großen Theater leiden alle unter dem Persönlichkeits-Tik und vergrößern ihr Personal unaufhörlich, um auch für die kleinste Rolle eine genau passende Individualität zu bekommen. Dabei springt für den einzelnen Schauspieler keine befriedigende Beschäftigung mehr heraus. Wir sollten den Proteus in uns sorgsamer pflegen und etwas darin suchen, liebenswürdige und nichtswürdige Charaktere, Schreier und Säusler in einer Person darzustellen — heute den, morgen jenen —, und wir sollten nicht gleich aus der Rolle fallen, wenn abends der Stuhl eine Hand breit weiter vom Tische absteht, als auf der Probe, oder wenn ein Requisitenbrief aus gelbem statt aus weißem- Papiere gemacht ist. Wer nicht auf dem Kopfe stehen kann, dürfte eigentlich gar nicht zum Theater gehen, sagte mir einer, der. das Handwerk gut verstand."
* Farbige Gesellsch aftskleid un g für Herren. Aus London wird berichtet: Mehrere Schneider des Londoner Wkst«-End ermutigten die Herren ihrer Kundschaft, Gesellschaftsanzüge aus farbigen Stoffen zu tragen. Kein Geringerer als Mr. Vincent, der Herausgeber des führenden Organs „Tailor and Cutter", ist der Befürworter oieser Wandlung, die den Ballräurnen einen malerischen Anblick geben und überhaupt Farbe in das gesellschaftliche Leben bringen würde. Mehrere beherzte Herren der Gesellschaft sind bereits in Prunefarbe, die besonders beliebt ist. Hellblau, Grün und Karmin erschienen. Die Bescheidenheit des Turchschnittsmanncs verhindert noch eine allgemeinere Annahme der Idee", erklärte Mr. Vincent jedochc Auch in dem Schnitt der gewöhnlichen Kleidung sind einige wichtige Aenderungen für den Winter eingeführt worden. Der „korrekte" Ueberrock hat einen ganz bestimmten Schnitt. Er soll sich eng an den Rock schmiegen, einen Rocksanm wies der Gehrock und eine doppelreihige Vorderseite mit sanft- geschwungenen Aufschlägen haben. Grau ist die beliebtest« Farbe. Seidene Aufschläge dürfen nie mit Sammetkragen! zugleich getragen werden. Der Kragen des eleganten Gesellschaftsanzuges ist nicht mehr ganz aus Seide, sondern zum Teil aus Tuch-. Die Weste wird unten mehr weg- geschnitten als im vergangenen Jahr, sodaß sie ein umgekehrtes V bildet. Die Oeffnung für das Vorhemd soll U-förmig werden. Ein ausfälliges Stück des Tagesanzuges ist die Phantasieweste von „lautem" Muster. „Einige der Muster erinnern an Teppiche", meint Mr. Vincent.
Gemeinnütziges.
^Tintenflecke ans Teppichen und Wollstoffen zu entfernen. Ans den Fleck tröpfle man süße Milch und sauge dieselbe mit reiner Watte auf. Dies wiederhole man mehrere Male. Schließlich wird der Fleck mit reinem Seifeuwasser ausgewaschen und mit einem weichen Tuche trocken getupft. Ist der Fleck schon älter und eingetrocknet, so ist warme Milch besser; dieselbe muß- längere Zeit darauf stehen.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Bilderrätsel,
Auflösung der Zahlenschrift in vor. Nr.r Gelegenheit für eine arge Verführerin.
(Schlüsselwörter: Flügel, Vase, Hirten.)
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn UniversltätS-Buch- und Stcindruckerei. N. Lauge, Gieße«,


