Ausgabe 
5.10.1903
 
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vuvuit,ich bin ja noch hier mit ______ _...... sehr gut von ihm gemeint", setzte sie etwas reuevoll hinzu, weil sie eine Sache, die deut Priester heiliger Ernst gewesen, so leichtfertig besprochen

Ach, der Himmel mag wissen, was für einen Geschmack die Waler haben", ertönte eine andere keifende Weiber­stimme;meine Tochter ist doch gewiß ein schönes, dralles Mädel! Als ich sie aber neulich zu den dreien brachte, die auf Morots Speicher hausen, sahen sie sie nur über die Achsel an, dankten und meinten, sie sei nicht gerade die Art von Schönheit, die sie gebrauchen könnten; dann malten sie ruhig weiter und ließen mich plantse la! Jedermann weiß aber, daß sie durchaus Guenn Rodellec zum Modell haben möchten aber sie will nicht! Nun sage ich ja nicht, daß Guenn nicht hübsch ist, aber aus meiner Tochter ließen sich zwei so kleine Personen machen. Sie ist über stolz und hält sich für zu gut dazu!"

Hallo", ries Rodellec aufhorchend,fünfzig Franken sagt Ihr? Ich dachte, die Mädchen bekämen höchstens ein paar Sous. Da wäre ich doch ein Narr, wenn ich mir das entgehen ließe. Ich kann dann auch dem verdammten Maler leichter an den Kragen! Sie soll mir nicht mehr darüber lachen und den Kopf hochmütig zurückwerfen. Kommt", wandte er sich, dann zu seinen Gefährten,ich habe genug gesehen und gehört."

Ich werde hinüber zu den anderen Burschen gehen"/ sagte Nives schüchtern.

Nicht wahr, um die Mädchen zu hofsieren und den fremden Schlingeln auf die Finger zu passen", lachte Hoest Nun, so> muß es ein junger Bursche ja auch machen; wir Alten wissen uns etwas besseres, gelt Rodellec?"

Rodellec blickte wohlwollend in Loics häßliches Gesicht.

Loic trat zu der Gruppe der verschmähten Liebhaber heran, die trübselig im Hintergrund der lustigen Szene standen und von den Mädchen durchaus nicht beachtet wur­den. Auch Guenu drehte den Kopf, kaum nach ihnen, son­dern lehnte nachlässig an der Haustür:Ah mon dieu que la Vie est amsre!" sang sie mit ihrer frohen, frischen Stimme.

Es ist doch sehr gcht, daß ich! nicht in der Schule in' Quimper bin", sagte sie endlich! tief aufatmend zu Jeanne und zu Madame,es wäre dort nicht halb so lustig wie hier."

Nach Quimper!" rief Jeanne erstaunt,Du, nach Quimper?"

Hab' ich Euch das noch nicht gesagt? Ter gute Thymert wollte mich dahin schicken" Guenn lehnte sich no chbe- haglicher an den Türpfosten. Hamor rückte seinen Stuhl! unmerklich ein wenig, um sie nach Herzenslust beobachten zu können, während er scheinbar aufmerksam dem Kampf seiner zerlumpten kleinen Truppe folgte.

Madame ließ ein halblautes, langgezogenesAh"

hatte.

Tas verstehe ich wirklich nicht!" rief Jeanne und machte große Augen.

Tas ist auch gar nicht nötig", bemerkte Guenn mit Würde,es wäre sehr keck von uns, wenn wir. überhaupt versuchen wollten, monsieur le recteur- des Lanntons zu et fielen/7

Madame begnügte sich mit einem vielsagenden Lächeln. Wenn es Thymert mißlungen war, konnte sie auf keinen Erfolg rechnen, und doch schien ihr die Idee mit Quimper gar nicht sp schlecht.

Guenn lachte, sang und machte kecke kleine Bemerkungen/ sie lächelte sogar Alain sreundüch zu, wie um zu beweisen/ daß sie gegen einen guten Kameraden keinen Groll hege; für Loic hatte sie nur einen hochmütig-kalten Blick; gegen Madame war sie so sanft und höflich, als sie es überhaupt im stände war, dabei warf sie den Kopf zurück und brachte ihre zierliche kleine Gestalt in immer neue, bezaubernde Stellungen. Während der ganzen Zeit aber verlor sie kein Wort und keinen Blick Hamorch der lächelnd dasaß und seme kleine Bande kommandierte.

Bis jetzt ist's noch sehr harmlos", dachte Madame, nur ihre Augen sind mir zu glänzend und sehen ecnzrg und allein nach ihm." , .

Ich weiß wirklich nicht, warum ich fo einfaltig bm, das kleine Tina zu bedauern", dachte Staunton bei W ich hatte mn ihretwillen immer gehofft, es möchte ihm

Gewiß, aber da draußen ist's auch lustig", murrte Guenn und blickte ungeduldig nach der Tür.Es wäre so hübsch, die Knaben ankommen zu sehen", setzte sie zögernd hinzu.

So wollen wir denn hinausgehen. Mir ist's ganz recht; ich hatte die kleine Ueberraschung für Euch bestimmt, aber dafür ist's auch ein andermal noch Zeit", und mit der gleichen unveränderlichen Rnhe führte sie die Mädchen wieder hinaus.

Ich habe Sie lieb, Madame", rief Guenn lebhaft und abermals legte sich die ruhige Hand auf die Schulter des jungen Mädchens, ohne daß Guenn den Versuch machte, sie abzuschütteln, sie nahm es diesmal als freundliche Lieb­kosung auf.

Guenn stand still und fügsam neben Madame, als die Kuabenschar daherstürmte, gllen voran Kadoc, der sich ganz außer Atem zur Erde warf. Hamor bezeugte ein fast kind­liches Vergnügen an dieser Schaustellung. Mehr und mehr Weiße Coiffes sammelten sich unter der Tür neben Madame, die dort schweigend lehnte, der weisen Pallas vergleichbar, alles überblickend und durchschauend. Auch mehrere See­leute kamen herüber, durch oie allgemeine Aufregung an­gezogen. Alain war unter ihnen, wie es schien etwas an­geheitert, wagte er, sich zu Guenn heranzudrüngen, und ihr ein Schmeichelwort zuzuflüstern, das ihr Mißfallen er­regte. Mit beiden Händen gab sie ihm emen so heftigen Stoß gegen die Brust, daß er betroffen zurücktaumelte. Die Männer schrieen, die Mädchen lachten und Guenn nahm ihre frühere Stellung wieder ein, wobei sie Madame gut­mütig nickend zuries:So wird er's jedesmal bekommen."

Madame lächelte. Hierin lag keine Gefahr. Thymert selbst würde in Guenns handgreiflichen: Scherz nichts ta- oelnswertes gesunde:: haben. Obwohl Madame sich sonst nicht mit Phantasiegebilden abgab, verfolgten sie heute abend Thymerts dunkle, angstverwirrte Augen doch un­ablässig.

Unter der großen Eiche aus dem Dorfplatz standen die älteren Leute in Gruppen. Madame brachte ein paar La­ternen heraus, welche die ringenden Knaben in ihrer zer­rissenen, nur aus Hemd und Hose bestehenden Bekleidung grell beleuchteten.

Mutter Quaper war in der rosigsten Laune. Hatte sich doch ihr Kaooc vor allen anderen hervorgetan. Um sie herum standen die schwatzenden, strickenden Weiber. Die Nacht ward kühl; durch den Nebel starrte die Festung mit ihren Türmen und Zinnen tote eine dunkle, gespenstische Se, nur unsicher von einer einzigen Laterne aus der rücke erhellt.

"Woher, zum Teufel, kennt denn mein Junge den Maler", fragte Hervö Rodellec, der gegen den Eichenstamm lehnend aus einer kurzen Pfeife rauchte.Tas möchte ich doch wirklich wissen!"

Es ist ein sehr einträgliches Geschäft, mit den Malern bekannt zu sein, es wirst eine anständige Summe monatlich ab", warf sein Freund Hoel ein.

Wenn ich dem Kerl nur mal eins auswischen könnte", brummte Rodellec grimmig.

Sein ewiges Grinsen und Lachet: ist mir auch in der Seele zuwider, seht nur, wie sie alle nach ihm hingaffen, Jeanne und Guenn und alle oie andern", setzte der junge Loic Nives mit einem Fluch hinzu.

Tu bist ein wackerer Bursche, Loic", sagte Rodellec freundschaftlich und schlug ihm derb aus die Schulter;ich wollte, ich hätte einen Sohn wie Du."

Nun, mir wäre auch nichts erwünschter", erwiderte Loic verlegen lachend und trat linkisch von einem Fuß auf den anderen.

Wir werden ja sehen", ermutigte Rodellec.Ich zwinge meine mutterlosen Kinder zu nichts, seit mein Werb von uns gegangen und ein schöner Engel geworden ift" er wischte sich gerührt die Augen,nein, ich lasse ihnen den Willen; aber wir werden sehen, mein Junge, ich will schon für Dich tun, was in meiner Macht steht."

Jeanne Ronan bekommt fünfzig Franken monatlich^", erscholl hier Mutter Quapers Stimme.Tas ist jetzt, wo das Sardinenpacken aufhört, ein sehr ordentlicher Verdienst, und Mühe ist ja nicht dabei."

Nein, man hat nur still zfu sitzen und hübsch auszu­sehen, Mutter Quaper", versetzte eine schrille Stimme aus der Gruppe der Weiber.Das wäre freilich für manche Leute ein sehr schwieriges Geschäft."

hören.

Meme chose!" rief Guenn, Leib und Seele! Es war sehr <