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heim, Fürstl. Ober-Ambts Giessen, gewaltsamer Weise eingebrochen.
15) Jnculpirte man den Jnquisiten Gabriel und seine Bande, daß sie im Gräsfl. Wächtersbachischen, in specie auf dem Schreibers-Hütter Hof viele unmenschliche Thaten ausgeübet hätten.
16) Zeihete man den Hamperla, daß er einsmahls nach dem Fürstl. Ambtmann und nunmehrigen Grässlich Stollbergischen Rath Rudrauff-auch demselben den Ladstoß in seiner Flinter entzwey geschossen.
17) Gab man auf den Gabriel und seine Bande an, daß sie zu Hoßenfeld und Niederstorcken, ingleichen zu Bcrmuths- und Vaitzhayn, so daann zu Selnrod und Altenhayn, im Ambt Ulrichstein, viele gewaltsame Diebstähle begangen, und darbey die armen Leute recht barbarisch tractiret hätten.
Die bodenlose Frechheit der Verbrecher beweist die lntwort des Lorenz Lambert, der alles ableugnete, woraus der Richter ihn fragte: ob er nicht wüßte, daß er vor dem peinlichen Gericht stünde? „Wüste nichts davon, behüts Gott dafür!"
Die Untersuchung zog sich etwas in die Länge durch die umfangreiche Korrespondenz, die mit den benachbarten Regierungen über diese Sache gepflogen werden mußte, doch wurde der Prozeß eifrig betrieben, so daß sogar aus Darmstadt verschiedene fürstliche Reskripte kamen, welche den Eifer des peinlichen Gerichts löblich anerkannten.
„Bon GOttes Gnaden Ernst Ludwig, Landgraf zu Hessen, Fürst zu Herßfeld, Graf zu Catzenelnbogen, Dietz, Ziegen- hayn, Nidda, Schaumburg, Isenburg und Büdingen rc.
Hochgelährte Räthe, liebe Getreue. Wir haben Uns gehorsamst referiren lassen / was Uns ihr wegen der zu Giessen gefänglich eingebrachten Ziegeuner nach und nach unterthänigst berichtet habt. Nachdem Ihr nun mit euren gemachten Veranstalltungen zu Unserm gnädigsten Gefallen gantz wohl gethan; So ist unser gnädigster Befehl hiermit, daß ihr darinnen continuiret, in specie mit der Gräflich- Nassau-Jtzsteinischen Cantzley des Dörsdorffer Mords halber Lvmmunication Pfleget, und Uns von dem vvrgehenden bvn Zeit zu Zeit weiters berichtet rc. rc."
„Von GOttes Gnaden Ernst Ludwig, Landgraf re.
Hochgelährte Räthe, liebe Getreue. Wir haben Uns ab eurem unterm 18. hujus erstatteten unterthänigsten Be' icht geziemend referiren lassen, auf was Weise ihr die Jüyuisition gegen die zu Giessen gefänglich eingebrachte ZietzLuner sortgesetzet, auch welchergestallten ihr an die respective Churfürstlich- und Gräfliche Regierungen, nach Mayntz, Trier und Jtzstein die nötige Requisitions- und Communications-Schreiben abgelassen habt. Gleichwie Wir nun diesen euren hierunter bezeigenden Eiffer und Fleiß Uüs in Gnaden gefallen lassen; Also habt ihr auch in diesem Tramite fortzufahren rc. rc."
(Schluß folgt.)
Vermischte».
*^Ju den Abgrund der Hintertreppen-Ro- manliteratur leuchtet der „Künstwart" hinein, indem er einige Anpreisungen dieses papierenen Schundzeugs abdruckt. In „Fischers Mitteilungen für den Kolportage-, Sortiments- und Reisebuchhandel" inseriert u. a. A. Weichert in Berlin: „Der große Schlager von 1890 übertroffen durch die Sensation von 1903. 1890 hat der deutsche Buchhandel das Riesengeschäft durch die Memoiren des Scharfrichters Krautz gemacht, die, von Viktor von Falk bearbeitet, in des Wortes wahrster Bedeutung den Weltmarkt eroberten. 1903, also nach 13 Jahren, 1903, übergebe ich soeben meinen hochverehrten Geschäftsfreunden ein Werk, das bestimmt ist, den Erfolg von 1890 zu erreichen, vielleicht sogar zu übertreffen. Denn endlich, nach langen Bemühungen, ist es mir gelungen, den ältesten berühmtesten und populärsten Scharfrichter Deutschlands davon zu überzeugen, daß seine hochinteressanten geheimnisvollen Erlebnisse mit ihm nicht zu Grunde gehen dürften, daß sein Leben und Wirken als Scharfrichter dem deutschen Volke durch einen berufenen Schriftsteller in Form eines hochspannenden Romans geschildert werden müsse. Wilhelm Reindel, der preußische Scharfrichter, der
Vollstrecker aller Todesurreile/ die in den letzten 13 Jahren in der preußischen Monarchie gefällt wurden, hat sich in Magdeburg notariell verpflichtet, seine Erlebnisse, historische und biographische Erinnerungen, sowie die Aufzeichnungen seines Großvaters und seiner Ahnen, die gleich ihm Richtschwert und Handbeil geschwungen, in meinem Verlage erscheinen zu lassen. Und wieder hat Viktor von Falk, der Märchenerzähler, mit dessen Namen die bedeutendsten Erfolge des deutschen Volksromans verknüpft sind, die Mitteilungen Rs Scharfrichters in die Form eines Sensationsromans gegossen, wie er spannender, überraschender und unterhaltender selbst aus seiner berühmten Feder noch nicht geflossen ist, und der -unter dem Namen: Wilhelm Reindel, der Scharfrichter von Magdeburg, oder Die Opfer des Schaffots die deutsche Leserwelt im Fluge erobern wird!" usw. usw.
* König Eduard mit dem grauen Zyliuder- h ut. Tie Bekanntgabe, daß König Eduard im Dubliner Phoenix-Park gelegentlich der dortigen jüngsten Rennen einen grauen Zylinderhut getragen habe, hat in der englischen fashionablen Welt nicht geringes Aufsehen hervorgerufen. Sehr erfreut sind natürlich die englischen Hutmacher, die nun wieder einen „Boom" für sich anbrechen sehen. Der Monarch gilt bekanntlich in der Herrenmode als tonangebend und darum wird es nicht lange währen, bis alles, !vas sich zur Society rechnet, das Beispiel des Königs nachäfft. Uebrigens soll sich König Eduard, wie er dies schon zuvor als Prinz von Wales tat, nicht immer von seinem Geschmacke, sondern vielmehr sehr oft von seiner guten Laune und der Fürsorge für das Schneider- und Hutmacher-Gewerbe teilen lassen. Vor fünf oder sechs Jahren führte ein Londoner Hutmacher des Westends dem ehemaligen Prinzen von Wales einen grauen Zylinderhut vor und klagte ihm sein Leid, daß in diesem Gegenstände gar kein Geschäft mehr zu machen wäre. „Machen Sie mir denn einen solchen Hut!" antwortete der Thronfolger, und mit einem Schlage war die verpönte Farbe wieder fashionable, umsomehr, als sich auch der Herzog von Con- naught, der Bruder des jetzigen Königs, sich eine gleiche Hutform und -Farbe bestellte. Vor 25 Jahren waren die grauen Zylinderhüte in London sehr in Mode, aber auf je damals verkaufte hundert Hüte kommt heute nur ein solcher. Es heißt, daß das englische Wetter — richtiger wäre vielleicht der Schmutz der Londoner Straßen — der Farbe und damit dem Hute selber nachteilig sei und ihn allzu schnell abnütze.
Schachaufgabe.
Von Baron Wardener in Taus. (Nachdruck verboten.)
abcdef g h
a b c d e f g h
8
8
6
5
5
2
2
Weiß. (5 + 8)
Weiß zieht an und seht mit dem zweiten Zuge matt.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Altflösung des Abstrichrätsels in vor. Nr.r Rosmarin.
Redaktion: August Götr. — Rotationsdruck und Verlas der Vriihl'schen UniversttätS.Vuch- und Steindrucke«!. R. Lange, Gießen.


