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mittelbaren Vorgänger Rafaels vielleicht in ihrer höchsten Vollendung. ®S: wäre unmögliche in Kürze alle die Schönheiten anzudeuten, die sich, in den strenge geschlossenen Kompositionen in den Landschaften, den einzelnen Gruppen und Figuren finden.
Etwas von der Poesie und dem Sonnenglmrze Italiens ist darin sestgebannt. Erheben wir aber dann von den Wänden die Augen zur Decke, so fühlen wir, daß eine Kluft sich auftut zwischen der Auffassung dieser Künstler und der Welt Michelangelo's. Mr dürfen den Grund nicht in äußeren Dingen suchen. Dasselbe Leben, dieselben Kämpfe, die Michelangelo's Seele durchwühlten, umbrausten zum größten Teile auch die übrigen Künstler, aber auch hier bewahrheitet es sich wieder, daß es nicht darauf ankommt, was wir erleben, sondern wie wir 'es erleben,
„Hier sitz ich forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich fei/4
So prometheisch empfand Michelangelo, so erschuf und erlebte er den Menschen, nicht die Menschen.
Wie oft waren dieselben Motive behandelt seit Jahrhunderten, aber so gewiß in den Fresken Giotto's ein neuer Frühling, der ganze Zauber des zum erstenmal Erlebten uns entgegenklingt, so gewiß ersteht uns hier eine völlig neue Welt. Ern Titan bricht mit allem bisher Giltigen und trägt sein eigenstes inneres Leben, sein unbezwingliches Sehnen in sein Werk hinein.
Wer hat vor Michelangelo das Brüten des Schöpfer- geistes über der Materie in dieser Art empfunden und zum Ausdruck gebracht.
Wie öft war ergreifend und naiv vor ihm die Erschaffung Adams geschildert: aber wer hat wie er, die Tiefe des Wortes erfaßt: und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase und also ward der Mensch eine lebendige Seele.
Wer hat gleich ihm verstanden, der tiefen Sehnsucht des Menschen nach, Leben, die lebenweckenve Kraft des Schöpfers zum Ausdruck zu bringen?
Wer hat wie er die eben zum Bewußtsein erweckte Eva, ihr Erstaunen, ihr Verlangen nach Aufklärung über alles Wunderbare um sie herum — empfunden und ausgedrückt?
Wie oft haben vor ihm Adam und Eva den Apfel vom Baume gepflückt — aber wer hat vor ihm vermocht, die Erregung ünd Leidenschaft zu schildern/ welche die beiden Sünder zur Tat trieben, wer zeigte je vorher die innere zwingende Macht — personifiziert durch den herabrauschenden Engel, die Adam und Eva nach ihrer Tat unweigerlich, aus dem Paradiese vertrieb?
Und welch Geschlecht von Höhenmenschen hat Michelangelo in seinen Propheten und Sybillen dargestellt, ein Geschlecht von Kämpfern, deren Seele sich aufbäumt gegen alles Morschgewordene in dem Bestehenden, Heroen, die trotz aller Enttäuschungen und Bitternisse das Banner ihrer Ueberzeugung hoch tragen oder endlich verzweifelnd an deui kleinen Geschlechte rings um sie herum wie Jeremias, der Gewaltigste unter ihnen, müde zusammenbrechen.
Es ließe sich noch! viel sagen von dem einzigen Werke, vieles auch ließe sich sagen über das „Jüngste Gericht" in derselben Kapelle, dem Altarswerke des Künstlers; aber warum Einwände erheben gegen Werke, von denen doch, jeder von uns fühlt, daß sie in der ganzen Kunstgeschichte nur einmal vorkommen und daß kern anderer, als der einzige Michelangelo sie hätte schjaffen können? Schüler konnte Michelangelo nicht heranbilden, er hätte ihnen denn zuvor seine innerste Seele mitteilen müssen!
Laß mich, mit dieser Erinnerung an die Kapelle Six- tina schließen und nimm sie als letzten Gruß aus dem sonnigen Italien, ehe ich für diesmal wieder irr die rauhe nordische Heimat zurückkehre. — E. E.
Vermischtes.
* Ethikünd Aesthetik d er Frauen kleid ung, lieber dieses Thema brachte die Wiener „Zeit" die Rezension eines Vortrages, woraus wir folgendes entnehmen. Wir nrüssen uns vor allem über die wahre Bedetung, welche
der Toilette oder sagen wir lieber dem Kleide der Frau von Haus aus zukommt, klar werden, und wir können entweder sittliche Ursachen annehmeu, in dem Falle etwa, als! es sich darum handelt, den Körper den Blicken anderer zu entziehen, oder wir können mit größerer Berechtigung gewisse klimatische Forderungen als grundlegend annehmen. In diesem ©nute gelangen wir zu dem Begriff eines! schätzenden Kleides. Aber von dieser ursächlichen Bedeutung sind wir heutzutage weit abgekommen. Zum Unterschied von dem zweckmäßigen Kleid haben wir den Begriff der Toilette ausgebildet. Gr basiert nicht auf der Not-. Wendigkeit, sondern auf der Eitelkeit. Im sozialen Sinne bedeutet die Toilette eine der schwersten Lasten des Haushaltes. Die Frau hat das Bedürfnis, schön zu erscheineü und zur Befriedigung dieses Bedürfnisses erschernt ihr kein Opftr ihres Mannes zu groß. Man müsse sich doch ernstlich, fragen, ob ein sittlicher Grund darin liegt, daß/ wie es oft geschieht, eine Unsumme von Vermögen hingeworfen wird, u!m ein Minimum von Schönheit zu erzielen,, das Glück und den Frieden des Hauses preiszugeben und nicht selten seine materielle Wohlfahrt. Mancher Bankerott hat hier seine Wurzeln, und der Stoff einer neuen Toilette liefert zuweilen den Stoff einer Ehetragödie. Eigentlich sucht in den Sensationstoiletten nur die Eitel-, kett kleinlichster Art ihre Befriedigung, etwa der lächerliche Wunsch, zu zeigen, wie hoch das Einkommen des Mannes zu schätzen sei, wieviel Vermögen man habe, oder! auch nur, um Neid und Eifersucht zu erwecken. An diesen! Verirrungen ist allerdings nicht vie Frau allein schuld.. Sie putzt sich um zu gefallen. Sie putzt sich nicht für sich, Kirn für die Männer, und bedenkt wohl kaum, daß ihr.
nicht in dem liegt, was sie scheint, sondern was sie ist,, nicht in der Hülle, sondern in dem Inhalt. Man müßte eigentlich die Resormbewegung bet den Männern beginnen! und ihnen vernünftige Schönheitsbegriffe beibringen.. „Kleider machen Seute" ist ein Wort, an das sich die allermeisten ängstlich klammern, und darum finden sie nicht den! Mut, sich umbequemer Toilettenforderungen zu entledigen. Ein Spaßvogel, der sagte, wer soll denn die Kleider machen! als die Leute, hat einen der stärksten Widerstände berührt. Denn daß die Kleider von den Leuten gemacht, daß zahl-, reiche Industrien an dem unsinnigen Toilettenluxus hängen^ die unerschöpfliche Argumente für ihre Daseinsberechtigung ins Feld führen werden, das macht den Kampf schwer. Me ein geschmackvolles, zweckmäßiges Kleid auszusehen hat, weiß natürlich auch der Redner nicht zu sagen, denn dieses Zukunstskleid ist Sache langsamer Entwicklung. Der neue Gedanke müsse allmählich durchftckern, das' ist ja bekanntlich der traurige Weg alles Guten. Ein Narr macht leichter zehn andere, als ein Bernünstiger auch nur Einen bekehrt.
* „Onkel Dom" tot. Der Neger, der seinerzeit der amerikanischen Schriftstellerin Harriet Beecher-Stowe als Modell in dem bekannten Roman „Onkel Doms Hütte - diente, ist jetzt im hohen Ater von 111 Jahren gestorben. Mit seinem wirklichen Namerr hieß er Domian Argo, als Sklave gehörte er dem früheren General Kennedtz.
Bilderrätsel.
(Nachbildung verboten.)
(Auflösung in nächster Nummer.)
Austösutig des Ergänzungsrätsels in vor. Nr.! Jung gewohnt, alt getan.
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und SS erlag der BrLbl'jche« UniversitätS-Bnch« und Cteindruckerei ^Pietsch Erben) in Gießen.


