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Wenn was ?"

Wenn ich Dich nicht zufällig liebte."

Nell starrte ihn an.

Das ist nicht Dein Ernsts

Doch> wirklich, so ist's. Ich beauftragte die Wärterin/ jemand für Geld zum Verhöre zu schicken, um mir Bericht zu erstatten. Gr traf dort gerade ein, als die Jury beim Frühstück war. Und so habe ich alles von Deiner Aus­sage und den Wahrspruch! gehört. Und wahrhaftig, ich kann nicht begreifen, wie danach irgend jemand, natür­lich mich ausgenommen. Dich nicht in Verdacht haben sollte, ja, Dich!"

Nell, die vorher ganz weiß gewesen war, wurde jetzt Kochrot und sah ihn an.

Du meinst, daß Du mich gleichfalls beargwöhnst?" Du hältst mich für fähig"

Nein, Kind, natürliche ich nicht. Ich glaube jedoch, daß Du Deine Aussage sehr schlecht abgabst und daher nicht erwarten kannst, dag Dich jemand bemitleidet. Und nun sage mir, warum Du nicht zu mir zu kommen und mich, zu sehen wünschtest?"

Nell ließ schweigend den Kopf hängen.

War es, weil es Dir gleichgiftig war, mich! jemals wiederzusehen?"

Das Gesicht flog empor und eine leidenschaftliche Ver­neinung leuchtete darin auf.

Nun, war es denn, weil Du fürchtetest, ich würde Dich mit Fragen bestürmen?"

Das Gesicht senkte sich wieder.

Ueber was wolltest Du mit mir sprechen, als Du verlangtest, daß ich zu Dir hierher käme?"

Sie blickte zu ihm mit einem Gesichte voll Schrecken auf.

Ach, das ist es ja eben!" flüsterte sie hastig.Das ist's, warum ich Dich jetzt nicht zu sehen wünschte. Ich wußte, daß Du es zu wissen verlangen würdest, Und jetzt kann ich es Dir nicht mehr sagen."

Warum nicht?"

Gestern", fuhr Nell fort und ihre Stimme ward leiser,wollte ich Deinen Rat einholen, weil es sich nur um einen Diebstahl handelte. Heute darf ich es nicht, denn es ist jetzt ein Mord, der in Frage steht."

Du weißt etwas, Nell!"

Nein. Ich wünschte, daß ich es wüßte. Aber ich argwöhne es. Und ich darf selbst Dir meinen Ver­dacht nicht ins Ohr flüstern, bis ich etwas mehr Kenntnis darüber erhalten habe. Willst Du damit nun zufrieden sein und nicht von mir verlangen, zu sprechen, wo ich lieber schweigen möchte?"

Clifford zögerte.

Hast Du nicht das Vertrauen zu mir, daß auch ich schweigen würde?"

Nell fing an, verblüfft und erbärmlich auszusehen, hier und dorthin durch die sich widerstreitenden Gefühle von Liebe und Pflicht gezogen. Clifford sah, wie heftig der Kampf in ihr war, und als ein großmütiger Mann entschied er in ihrem Sinne.

Nun wohl, Nell, Du sollst Dein Geheimnis behalten. Das aber wisse: ich muß der erste sein, der es erfährt. Versprichst Du mir das?"

Ja, o ja! Und ich danke Dir von ganzem Herzen."

Das Gewicht der Sorge fiel mit einmal von der Seele des Mädchens. Das vollkommene Vertrauen, das Clifford in sie setzte, war der Balsam, dessen ihre ver­wundete Seele gerade bedurfte, und die Stunde, die ihr die Wärterin am Bette des Geliebten zu verbringen er­laubt hatte, obschon sie nach dieser Auseinandersetzung fast schweigend verbracht wurde, war eine Stunde des Glücks und so großer Erleichterung, daß sie hinausging, der Welt und ihres Onkels Verdachte mit frischem Mure entgegenzutreten.

(Fortsetzung folgt.)

Unter herterem Hrmmel.

Rom.

(Schluß.)

Rom, das. selten eigene Künstler erzeugte, zog auch zur Zeit der Renaissance magnetisch die besten Kräfte mt oder zwang sie wenigstens wie zur Zeit des Kaiserreiches seinen Dienst. Ein vollständiges Bild würde man freilich in Rom nicht von der Kunst der Renaissance gewinnen,

aber von Jacopo Dorriti und Giotto an haben doch einzelne Künstler aller Entwickelungsphasen hier Proben ihres Könnens abgelegt, ja, einzelne haben sogar ihr Bestes hier geleistet.

Der zarte mystische Fra Angelico wird in der Nikolaus- kapelle zum Maler strenger, monumentaler Fresken, Pin- turriecchio leistet in den Wandgemälden in St. Maria del Popolo oder in den Borgiagemächern so Vollendetes, als hätte er in diesen Kunstwerken ewig giftige Gesetze für Wandmalereien niederlegeir wollen. Und wie manche köst­liche Perlen finden sich zerstreut in den Galerien, ich er­innere nur an Crivelli in dem Museum des Lateran, an das rätselvoll schöne Irdische und himmlische Liebe von Titian oder an das berühmte, ganz in Rot gehaltene Por­trät eines Kardinals von van Dyck.

Rafael der einzige Name läßt die Zeit Leo X. vor uns erstehen! Wie er hineinpaßte in diese Zeit mit seiner bestrickenden Liebenswürdigkeit, seinen vollendeten Sitten, seiner schönen Erscheinung und seiner rastlosen Tätigkeit! Wir sehen ihn, den Liebling des Papstes und der Großen, den Abgott des Volkes von einem Feste zuni andern eilen, und in den flüchtigen Stunden der Ruhe doch, Werke schaffen, zahlreich genug, um das arbeitsreiche lange Leben eines andern Meisters zu füllen. Fast ist es, als hätte der schöne Jüngling die Kürze seines Lebens geahnt und hätte deshalb nicht schnell genug alle Freuden und alles Schaffen auskosten können. Wie er es verstand, seinen Schülern Geist von seinem Geiste einzuhauchen, da­mit sie mitschüfen an seinem unvergänglichen Werke. Man betrachtet immer von neuem die kl. bibl. Darstellungen, welche unter dem Namen,die Bibel Rafaels" bekannt sind. Man sucht die Tafelgemälde auf, die Rom von ihm geblieben sind, man weilt Stunden und Stunden in den Stanzen, und je ernster man sich in diese Schöpfungen versenkt, um so klarer tritt das Bild des Künstlers vor unser Auge.

Durch! die Mitarbeit der Schüler hat sich wohl in die Fresken der Stanzen manche Flüchtigkeit eingeschlichen, aber viel Unvergänglichkeit bleibt doch in den herrlichen Arbeiten. Hier wird es einem klar : Rafael war in seiner Kunst ein souveräner Herrscher, der mit feinem Verständ­nisse das Erbe seiner Vorgänger antrat, der mit fast femi­ninem Anpassungsvermögen aus allem Schaffen seiner Zeit herausfühlte, was sich feiner Eigenart einverleiben ließ, ohne sie zu zerstören. Das also Uebernommene und fleißig Gemehrte wußte er aber dann mit genialem Geiste zu eigenen Gebilden umzugestalten. Rafael geriet nie in Kon­flikt mit feinen Zeitgenossen. Aus der Fülle seiner Gaben suchte er liebenswürdig allen Anforderungen gerecht zu werden. Wer aber wagt zu entscheiden, ob fein innerstes Empfinden mehr in der Sixtinischen Madonna oder in den von ihm entworfenen nnd von seinen Schülern aus- aeführteu Darstellungen aus der Geschichte der Psyche in oer Farnerina zum Ausdruck kam? einem Werke, das trotz der unvorteilhaften Restauration noch heute zu den an­mutigsten und liebreizendsten gehört, das je die Kunst hervorgebracht.

Aber so sehr wir Rafael bewundern was in seiner. Zeit Neues werden tvollte, was mit gewaltigem Ingrimm sich aufbäumte gegen Veraltetes, was Welten zertrümmerte und neue entstehen ließ dieser tiefste Kern des 16. Jahrhunderts kam nicht in Rafaels Werken zur Offen- barung. Der Mann, welcher mit Titanenkraft alles Gähren und Werden einer peuen Welt offenbaren sollte, war aus anderem Holze geschnitzt. Er war ein Einsamer, der nicht teilnahm an den Festen der Großen, der keinen Kreis von Schülern und Verehrern um sich sammelte, der, wie kaum ein zweiter nach Liebe verlangend sein lebelautz doch einsam blieb, der mit vollen Händen Geld austeilte an die Seinen und selbst in bitterer Armut lebte, der Fürsten und Päpsten diente, und doch bis an sein Ende ein eifriger Republikaner blieb. Dieser Einsame war kein anderer, als Michelangelo, vor dem selbst der mächtige Julius II. sich beugte, zu dem aber Leo X und die Seinen nur in scheuer, widerstrebender Ehrfurcht aufzublicken wagten.

Diese und ähnliche Gedanken kamen mir in der Six­tinischen Kapelle, in der ich immer von neuem Stunden stiller Betrachtung verbrachte.

Die Fresken an den Wänden der Kapelle sind von Signorelli, Botticelli und andern und zeigen diese un-