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verschossenen Kissen, die gebrechlichen Stühle, der leere Kamin, mit nichts als einem Bogen braunem Papier auf dem Roste, zum Ersätze des Winterfeuers — dies alles ließ einen verzweifelten Glückswechsel, die tiefste Not vornehmer Armut sichtbar werden. Miß Bostal ließ ihm aber wenig Zeit, sich umzusehen.
„Ich kann erraten, weshalb Sie gekommen sind," fing sie an, nachdem sie ihr altes Messer auf den Seitentisch des Ganges vor dem Eintritt ins Zimmer hingelegt hatte. „Es ist wegen der schrecklichen Sache, die sich Bet den Claris ereignet hat. — Ich muß Ihnen aber frei heraus sagen, daß, wenn Sie den alten Claris und seine Nichte dabei in Verdacht haben, es vergeblich ist, mit mir zu sprechen, da Sie keine Zustimmung bei mir fiitden werden. Ich kenne bett alten George Claris schon fast seit zwölf Jahren, und was Nell betrifft, so glaube ich, daß ich das Mädchen nicht mehr- lieben könnte, wenn sie meine leibliche Schwester wäre. Sie ist eines Diebstahls so wenig fähig wie ein Engel."
Das schmale, blasse Gesicht der Dame wurde ganz rot von der Energie dieser Beteuerung, deren es, wie Clifford sich ihr zu versichern beeilte, gar nicht bedurfte.
,^Jch glaube dies gerade so innig wie Sie", sagte er ernst. „Ich wünschte nur ihrer selbst willen das Geheimnis aufgeklärt zu sehen, und ich dachte, daß Sie uns zur Auf--, findung der Wahrheit behilflich sein würden."
Miß Bostal lächelte triumphierend.
„Ich habe einen Verdacht", sagte sie nachdrucksvoll, „einen sehr starken Verdacht in der Tat. Ich will Ihnen im Vertrauen mitteilen, wen ich dabei im Sinne habe, und ich werde das Möglichste tun, die Wahrheit ausfindig zu machen." t „
Cliffords Gesicht glühte vor Aufregung und Er-, Wartung.
„Wer — und wer ist's?" fragte er atemlos.
„Jem Stickels", antwortete fte mit Entschiedenheit.
„Und wer ist-das? Sic wissen, ich, bin hier ganz fremd." ,, ,, .
Ein junger Fischer, der Nell etwas nachtragt, weck sie seine unverschämten Anträge zurückwies. treibt sich immer um den Ort herum und trägt kern Bedenken, dem Mädchen zu drohen, ihr ein Leid antun zu wollen, und er schwatzt unaufhörlich zu Leuten, die hier in die Gegend kommen, von den Räubereien, die tm „Blauen Löwen' begangen worden sind."
Cliffard hörte zweifelhaft zu. Er erinnerte sich deA Jischers in der Schenke und seines abstoßenden Wesens, des gemeinen Ausdrucks seines Gesichts; wenn es überhaupt möglich gewesen wäre, ihn mck dem Diebstahl m Verbindung zu bringen, so würde er dem Gedanken als einem annehmbaren mit Freuden zugestrmmt haben. Allein die Hand, die er ergriffen hatte, war sicher nicht die Jem Stickels, und 'außerdem konnte er nicht begreifen, wie der junge Fischer in das Haus hinein und aus ihm heraus gekommen sein sollte, außer durch heimliches Einverständnis mit jemanden im Haufe. ,
Fast in seinen Erwartungen von der anscheinend phantastischen Idee der Dame getäuscht, und nachdem er gesunden, daß sie keine bessere Vermutung aufzustellen vermochte, war Clifford schon im Begriff, sich von ihr zu verabschieden, als sie durchs Fenster des Obersten ansichtig wrirde^ und^aaufiprang. ist zeitig heute zurück.
Er aeht immer nach Stroan, um die Zeitungen zu lesen. Bleiben sie noch, bis er da ist. Vielleicht daß er noch aus eine andere Vermutung fällt. Jedenfalls wird er er- ^^Si?Me^au/dem Zimmer, Clifford einer eingehenden Untersuchung seiner Einzelheiten überlassend, als er dazu die Gelegenheit bei seinem früheren Besuche gehabt hatte. Es war Beredsamkeit in den alten Teppichen und tn den Fenstervorhängen mit ihren netten Flicken. Die Landschaften, welche mit Seide auf feinen Kanevas gesti« waren und die Sitze der Stühle bildeten, legten Zeugnis von dem unermüdlichen Fleiß und der Geduld der kleinen vertrockneten alten Jungfer ab. Es waren wundervolle Erzeugnisse, die Clifford in der unnatürlichen PausbacNg- keit des unvermeidlichen Kindes im Vordergrund, rn de? Steifheit des gleichfalls unvermeidlichen Hundes oder Schafes und der massigen Schwere des Baumschlages iin Hintergründe an Willie Jordans Kunst von der schlechtesten Seite erinnerte. Eine Schirmfahne, die vom Kammsims
zusammen allein waren, bemerkte Clifford aber eine plötzliche Veränderung in ihrem Verhalten gegen ihn. Es war nicht mehr das zuversichtliche, kindliche Betragen eines leichtherzigen Mädchens, es war der sich seiner Verantwortung "bewußte Ernst einer älteren bedachten Frau.
„Sie brauchen sich nicht zu ängstigen, Mr. King", sagte sie ruhig. „Obschon es für uns etwas Schreckliches ist, so sind wir doch einigermaßen daran gewöhnt; da, wie Sie mich sagen hörten, schon zwei oder drei Fälle von Diebstahl hier vorfielen. Ich hoffe, daß Sie keine Eile Haben, nach Stroan zurückzuknhren, denn ich würde gern, ehe Sie gingen, eine Untersuchung im Hause und noch einige andere Nachforschungen anstellen."
Sie wollte seinen Einreden und Einwürfen kein G.hör schenken, sondern verließ ihn und ging in ihr Zimmer hinauf.
Unglücklich und verwirrt trat Clifford hinaus in den Garten und trieb sich zwischen den Kohlköpfen und Mohrrüben herum, von Zweifeln gequält, die er vergeblich zu unterdrücken versuchte.
In ungefähr zehn Minuten sah er von der Ecke des Gartens aus, wo er unter einem Apfelbaum seine Pfeife schmauchte, Nell rasch durch die Hintertür aus dem Hause kommen und wie ein Pfeil herab an das Ufer des Flusses fliegen. So viel er in der Schnelligkeit an ihrem Gesicht wahrgerwmmen hatte, sah sie verstört und schuldbewußt aus und warf Blicke einer Person um sich her, die nicht bemerkt zu sein wünschte.
Hastig eines der Boote, die am Ufer lagen, loskettend, stieg sie hinein, leitete es durch den Strom, befestigte dann das Boot am gegenüberliegenden User und fing an, durch die Felder so rasch, als es ihre Füße vermochten, zu laufen.
Es fiel Clifford sofort ein, daß sie beabsichtigten müßte, sich bei ihrer Freundin Miß Bostal Rat zu erholen, und er machte sich selbst in der Richtung von Shingle End auf den Weg, da er es für einen guten Gedanken hielt, dieser Dame sein Hertz zu eröffnen und Nell seines vollen Vertrauens durch die unverdächtigen Lippen ihrer älteren Freundin zu versichern.
Er schlug den Weg auf der Straße ein, und gelassenen Schrittes hinschlendernd, erreichte er den kleinen hinfälligen Wohnsitz des Obersten Bostal gerade, als Nell durch eine sich auf die Felder öffnende Hintertür aus ihm wieder heraustrat und sich zum Heimwege anschickte. Sie bemerkte ihn nicht, er aber,, sie durch eine Hecke beobachtend, war im stände, zu erkennen, daß ihr Gesicht womöglich noch trauriger war, als es gewesen, da sie von zu Hause fortging, und daß ihre Augen von frischen Tränen geschwollen waren.
Das spröde, alte Fräulein war offenbar gefühllos und streng gegen ihren armen kleinen Günstling gewesen, und Clifford fühlte, daß er die starrköpfige alte Jungfer darum haßte.
Er konnte jedoch nicht umhin, sich zu gestehen, daß er gern die Meinung von Leuten über die ganze Sache gehört hätte, die, wie die Bostals mit der Familie im „Blauen Löwen" bekannt wären und gleichzeitig auf freundschaftlichem Fuß mit ihr standen.
Miß Bostal öffnete selbst, wie früher, die Türe, und aus diesem und anderen Umständen war für Clifford leicht zu entdecken, daß sie und chr Vater keine Dienstboten hielten. Sie schien von seinem Besuche durchaus nicht überrascht zu sein, und als er sich seiner nochmaligen Zudringlichkeit wegen, zumal an einer so frühen Stunde des Tages, zu entschuldigen begann, lächelte sie nur und bat ihn, hereinzukommen.
„Ich muh bekennen, daß ich in der häuslichen Beschäftigung begriffen war, Kartoffeln für unser erstes Mittagessen zu schälen", sagte sie, indem sie ihm das alte abgenutzte Tischmesser zeigte, das sie in ihren sorgsam behandschuhten Händen hielt.
Und sehr sorgsam war sie, diese ausgetrocknnete kleine Ältliche Dame, in Ansehung ihrer Person; sie ging weder ohne Sommerhut in den Garten, ihre Gesichtsfarbe zu bewahren, noch verrichtete sie irgend eine rauhe Arbeit ohne den Schutz eines Paares alter Handschuhe.
Sie führte Clifford ins Wohnzimmer, eine lange, freundliche Stube mit niedriger Decke, einem altmodischen Erkerfenster, das den Blick nach Westen hatte, und einem andern, das sich nach Süden öffnete. Der Sonnenschein ließ die Armseligkeit sichtbar werdest, von der Clifford am vorausgehenden Tage schon Spuren bemerkt hatte. Die


