Ausgabe 
4.3.1903
 
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eine so großartige Erfindung atttegc. Ihre schriftliche Autorisation genügt mir . . .

Castard unterschrieb sofort begeistert eine Vollmacht, denn er war überzeugt, daß seine Erfindung mit einem Schlag aller Not imb allem Elend der Welt ein Ende machen würde.

In der darauffolgenden Woche erschien Terno wieder bei dem Gelehrten.

Er legte ein dickes Couvert auf den Schreibtisch des Chemikers. Es waren 100 Aktien-Antetlscheine auf dieArti- sikns Goldfabrik, G. in. b. H." lautend. Castard wollte! Widerspruch erheben.

Nein, Sie haben nicht das Recht, die Annahme zu verweigern", sagte der Geschäftsmann.Ihr Name allein hat diese Papierblätter so wertvoll gemacht, daß man sich an der Börse darum reißt. Die Fabrik ist in einem Monat betriebsfähig; bis dahin werden die Aktien auf das zehnfache steigen. Das Publikum und ich werden Ihnen noch zu Dank verpflichtet sein... ich erbitte von Ihnen nur die Erlaubnis, die Experimente, welche Sie so wunder­bar wieder entdeckt haben, im großen betreiben zu dürfen."

Castard gab die schriftliche Erlaubnis.

Bald darauf waren denn auch alle wie von enteilt Taumel ergriffen. Durch das magische WortGold" und das Gutachten des gelehrten Chemikers Castard angelocht, stürzte sich das Publikum vollständig auf die an der Börse kursierenden Aktien. Es war von nichts anderem die Rede, und das allgemeine Interesse war so von der epochemachen­den Erfindung des Gelehrten in Anspruch genommen, daß sogar drei rasch aufeinanderfolgende, scheußliche Verbrechen ttt dem von dem Chemiker bewohnten Stadtteil kaum vor­übergehend die Aufmerksamkeit erregten. Was machte es auch aus, wenn ein Menschenleben durch Mörderhand endete! Es handelte sich umGold", um dieArttfikus- Goldfabrik"! .... und um das goldene Kalb taitztei alles!

Ein halbes Jahr verging. Die berühmte Fabrik ist seit sechs Wochen fertig, aber sie hat noch kein Resultat ge­zeitigt. Gerüchte fangen an im Publikum zu kursieren; Notizen und ab und zu scharf gehaltene Artikel tauchen in den Zeitungen auf. Terno hat für alle und alles eilte Antwort. Eines schönen Morgens verkaufen aber doch die Pfiffigen eiligst ihre Aktien....

Und plötzlich bricht an der Börse eine Panik aus.

Tie Fabrik produziert nichts. Terno ist verschwunden.

Jetzt beginnt ein wahres Wallfahrten zu Castard. In­genieure aus der Fabrik, Aktienbesitzer, die Interviewer, alles bestürmt Castard mit ängstlichen Fragen.

Auch er hat für alle eine Antwort, ein ermutigendes Wort, und sein felseitfestes Vertrauen in die Experimente des Alchimisten Artisikus ist unerschüttert. Das Verschwinden des Fabrikunternehmers läßt ihn ganz ruhig. Was kommt es denn auf einige elende Millionen an, die ein unehrlicher Mensch sich angeeignet hat! Morgen wird er ja schon den Beweis erbringen, daß doch aus Blei Gold gewonnen werden kann!

Und dank der Reporter und Interviewer, deren Be­richte in den Zeitungen stehen, steigen die Aktien wieder. In der Fabrik wird Tag und Nacht gearbeitet. Die Apparate werden verbessert, andere Dispositionen getroffen, Experi­mente auf Experimente vorgenommen.... alles ist un­ausgesetzt in Bewegung, fieberhafte Tätigkeit herrscht über­all ... . wie in Transvaal, tote in Klondike hat alle das Goldfieber ergriffen.

Selbst Castard ist ihm zum Opfer gefallen, allerdings nur insofern, als er in seiner Eigenschaft als Gelehrter in Betracht kommt. Tag für Tag ist Castard in der Fabrik mit tätig.

Eines Abends, als er in Gedanken versunken und grü­belnd, warum in der Fabrik das Resultat immer noch ein negatives ist, während er doch in seinem Laboratorium mit Erfolg gearbeitet hatte, seiner Wohnung zustrebte, sieht er eine erregte Menschenmenge vor seinem Hause.

Schutzleute wehren ihm den Eingang zu demselben . . , der Zutritt ist nicht gestattet!"

Aber", entgegnete der Chemiker,ich wohne hier."

Er nennt dem Schutzmann seinen Namen und der fährt zusammen.

Ach! Herr Castard! bitte rasch.... kommen Sie rasch!"

Der Schutzmann zieht den erstaunten Gelehrten mit sich bis zu seinem in einiger Entfernung stehenden Vorgesetzten. Dann grüßt er militärisch und meldet:

Hier ist Herr Castard,"

Der Polizeiwachtmeister grüßt seinerseits und sagt: Wir haben voller Ungeduld auf Sie gewartet." Mein Gott, was ist denn geschehen?" erwidert Castarh.

Es ist . . . bitte, hören Sie mich ruhig an. . . wir haben nämlich ... es hat sich herausgestellt, daß ein ge­wisser Bowert, Ihr Laboratoriumsgehilfe, die in letzter Zeit vorgekommenen Verbrechen verübt hat. . ."

Bowert! . . . Er! . . ."

Jawohl! ... Er ist soeben bei der Tat, dem vierten Fall, abgefaßt worden. Mehr als fünfzig Personen haben ihn gesehen, darunter auch Beamte von mir. Er ist ihnen nur mit unglaublicher Geschicklichkeit entkommen und hat sich in das Haus und zwar in Ihr Laboratorium geflüchtet. Nun droht er, das ganze Stadtviertel in die Luft sprengen zu wollen, sobald einer das Haus betritt. . ."

Der Unglückliche! . . . Lassen Sie mich schnell hinein .... auf mich wird er hören... er wird mir . . ."

Castard rang nach Luft, sah den Polizeihauptmann mit irren, flackernden Augen an, fuhr mit der Hand nach der Stirn und fiel tot zu Boden.

Dieser plötzliche Tod war für ihn das größte Glück . . . man hatte sich Bowert schließlich doch noch bemächtigt, und als er einige Atonale später vor dem Staatsanwalt erschien, legte er eilt volles Geständnis ab.

Er gab zu, daß er zuerst in unschuldiger Absicht, um seinem vergötterten Meister eilte Freude zu bereiten, ein Goldstück in Scheidewasser aufgelöst und die Lösung den chemischeii Substanzen, mit denen Castard so erfolglose Ver­suche machte, zugesetzt habe. . . Die vermehrten Experi­mente hätten and), immer mehr Gold nötig gemacht, und er hätte anfangs alle seine Ersparnisse dafür geopfert . . , Dann kamen die 9tot und die Wucherer. . . dann habe er gestohlen und schließlich den ersten schrecklichen Mord be­gangen.

Der Verbrecher wurde der strafenden Gerechtigkeit über­liefert.

DieArtifikus-Goldfabrik G. nt. b. H." verkrachte, und nach einiger Zeit beruhigten sich diejenigen, welche an dem Unternehmen verloren hatten. Sie fanden für dasGold­fieber", das sie beherrschte, durch Beteiligung an anderen Untersuchungen reiche Nahrung.

Literarisches.

Im Märzheft von Belhagen & KlafiugS Monats­heften veröffentlicht Geheimrat Oncken-Gießen neue Beiträge zur Geschichte der Flucht des Prinzen von Preußen int Jahre 1848. Von höchstem Interesse sind die Aufzeich­nungen des Majors Haering, die hier zum erstenmal voll­ständig veröffentlicht werden und die wie ein Kapitel aus einem überaus spanuendeu Roman wirken. Ta sie vielfach in scharfem Widerspruch zu den Erinneruugen anderer Augenzeugen stehen, wird die historische Kritik sich eingehend mit ihnen beschäftigen müssen.

Das Heft bringt ferner einen höchst zeitgemäßen reich illustrierten Aufsatz von Graf Adelmann:Ein Besuch in der Residenz des Sultans von Marokko'. Von den übrigen illustrierten Artikeln seien erwähnt: A r t h u r F i t g e r" von Julius Mühldorfer und:E t n e heraldische Episode aus Goethes Leben" von Kekuls von Stradonitz.

Sehr interessant ist auch ein Aufsatz von Dr. med. M. Calm:Des armen Heinrichs Leiden", in dem in Anlehnung an das Mama von Hauptmann der Aussatz behandelt wird. . .

Tret Faksimiledrücke nach Originalaufnahmen tn natür­lichen Farben von Professor M. A. Miethe bilden mit einer Oelstudte von Karl Ludwig den reizvollen farbigen Schmuck des Heftes.

Auflösung des Bilderrätsels in vor. M.t Rhein lieber.

Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und 5 der Brill!'säen Universitäts-Buck- und Stcindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen,