76
recht zu werden.
Literarisches.
Das soeben erschienene Februarheft von Velhagen & Klasings Monatsheften steht zum Teil unter dein Zeichen der heiteren Karnevalszeit: Josef Lauff, der Wiesbadener Dichter, selbst ein Kölner Kind, trug einen brillanten Artikel über den Kölner Karneval bei; ein zweiter Artikel handelt von der Tanzkunst am Hofe Kaiser Wilhelms II. Beide Artikel sind ebenso originell wie reizvoll illustriert. Das vielseitige Heft bringt
Blitz am Horizont selbst sichtbar werden, so bedrent man sich des „Skioptikons", eines nach Art der Laterna magica konstruierten Apparates, vermittelst dessen die Zeichnung verschiedenartig gestalteter Blitzstreifen abwechselnd au einen Prospekt aus dünnem Gewebe geworfen wird.
Eine möglichst naturgetreue Darstellung der Tages- und Nachtstimmungen ist aber natürlich von weit größerem Einflüsse auf die Bühnenwirkung als schnell vorübergehende Witterungserscheinungen. Tenn da die Tages- und Nachtstimmung ganze Szenen oder Akte überdauert, so wird der Zuschauer Mängel derselben leichter erkennen und seine Illusion dadurch beeinträchtigt werden. So wird der Beleuchtungstechniker der Lösung dieser Aufgabe, welche jeden Abend an ihn herantritt, eine ganz besondere Sorgfalt zuwenden müssen, um den gesteigerten Ansprüchen des Publikums an naturwahre Darstellung mehr und mehr ge-
wicft. Wiele Bühnentechniker glauben, der Natur näher zu kommen, indem sie in die Wandeldekoration eine elektrische Bogenlampe mit entsprechend gefärbter Scheibe einfügen. Die Sonne erfreut sich aber bei den Bühnenleitern ttn allgemeinen nur geringer Beliebtheit, da man sich in der Regel mit einer gemalten Sonne begnügt, wahrend Mond und Sterne möglichst naturgetreu dargestellt werden. Tre Worliebe für Mond und Sterne, den guten Hirten, der auf grüner Aue die Schäfchen weidet, ist dichterische Tradrtwn. Ter Mond wird zum Zeugen unzähliger Liebesschwüre, zum Zeugen ernster oder tragischer Handlungen angerufen; er spielt gleichsam eine der dankbarsten Rollen und besitzt den schätzenswerten Vorzug, weder Gage noch Spielhonorar zu fordern. Jeder junge Dramatiker, der in irgend erner Szene den Mond aufgehen läßt, hat sicher bei dem Theaterdirektor schon einen guten Stein im Brett.
Ter Bühnenmond ist ein kreisrunder Blechkasten von etwa 30 Centimeterm Durchmesser, der an der Srchtfläche mit einer gewölbten Glasscheibe versehen ist und etmge strahlenförmig um den Mittelpunkt angeordnete Glühlampen enthält. Wird eine Bewegung des Mondkastens erforderlich, so kann man sich zu diesem Zwecke der auf jeder Bühne vorhandenen Flugvorrichtung oder auch der Wandeldekorationen bedienen. Sterne erzeugt man durch einige hinter durchlöcherten Kulissen und Prospekten an- geordnete Lampen, doch können auch Appparate ähnlich denen des Mvndkastens Verwendung finden; nur besteht dann die Sichtfläche nicht aus einer Glasscheibe, sondern aus einer mehrfach durchbohrten Papp- oder Blechwand. Diese Vorrichtungen dienen aber selbstverständlich nur zur Darstellung der betreffenden Himmelskörper, zur Belichtung der Szene genügen sie nicht; diese mutz vorzüglich durch dtü unsichtbaren Lampen der Soffitten-, Kulissen- und Versatzbeleuchtung erfolgen. _ , , ..
Sobald der Mond aufgegangen, erschemt bte Bühne in grünes Licht getaucht, das erst mit Beginn des Morgen^ grauens anderen Farbentönen weicht. Dieses grün schim- mernde Licht entspricht aber nur den heiteren Nächten; ziehen Stürme herauf, so wird die Szene mit mattweißem Licht und bisweilen von zuckenden Blitzen grell beleuchtet, sofern es die dramatischen Vorgänge verlangen. Blitzlicht vermag man durch das plötzliche Aufleuchten einzelner Lampengruppen zu bewirken. Tre Darstellung des Gewitters auf der Buhne gehört im Grunde nicht in den Rahmen meines Aufsatzes; ich möchte nur noch bemerken, daß man sich zur Erzeugung einer sehr lebhaften Blitzerscheinung eines einfachen Metallstabes und einer großen Feile bedient, welche die beiden Pole einer elektrischen Leitung bilden. Streicht man mit dem Metattstab über die rauhe Fläche der Feile, so wird in schnellem Wechsel der Strom geschlossen und wieder geöffnet, wodurch die Lichterscheinung zuckender Blitze hervorgerufen wird. Soll der zackige Blitz am Horizont selbst, sichtbar werden, so bedient man
ferner einen Aufsatz über Wild rin der nach der großen, einzigartigen Kollektion des Berliner Zoologischen Gartens, die auch die Vorlagen der trefflich im Farbendruck wiedergegebenen Abbildungen lieferte. Professor Ludwig Pietsch, der Altmeister der Berliner Kunstkritik, erzählt eine Erinnerungen an das literarische und !ünstlerische Berlin vor 60 Jahren; Max Grube ilaudert vergnüglich von der Tücke der Bühnen- Iteauisiten. Das Heft enthält ferner die Fortsetzung des Münchener Romans „Das offene Fenster" von Otto Frhr. v. d. Pfordten, den Beginn eines neuen Romans „Stumme Musikanten" von L. Gl eß und eine abgeschlossene feine Erzählung „Ein Wredersehen von K a r l B u s s e. Wie stets schließen B ü ch e r b e s p r e ch - ungett von Heinrich Hart und eine rerch illustrierte Rundschau auf kunstgewerblichem Gebiete das schöne Heft ab, das mit zahlreichen Kunstdrucken nach Gemälden von Max Liebermann, L. Balestrieri, Alb. Flamm, Ottilie Roderstein, E. Rosenstand rc. geschmückt ist.
Worpsweder Stimmungen.*)
Ueber rotes Heideglüh'n Durch das Dunkel hoher Föhren Streif ich in ein grünes Land: Unter abendgrauen Flören Ruht es dämmernd ausgespannt. Lausche nun, du Flurengrün, — Meine Sehnsucht sollst du hören! Lausche nun, weltabgewandt!
Träumen will ich nun den Mai! Brausend durch die braune Weite Küßt er alle Bäche blau.
Birken auf des Users Seite Spiegeln ihre grüne Schau. Und ich wand're froh vorbei, Wunderfarben im Geleite, Und das Herz trinkt ihren Tau. Einsam aus dem Jriedensland Wellt ein laubumgrünter Hügel Und ein stilles Kirchlein winkt. Weißgestreckte Wolkenzüge!
Lenkt der Lenzwind blauumblinkt. Auf den Hügel hingebannt, Wachsen meiner Sehnsucht Flügel, Flügel, wie der Lenz sie schwingt.
Schwingend durch die blauen Höhn Müssen nun die Träume siegen, Die nach Schönheit niederglüh'n.
Bauernhöfe, schmuck verschwiegen. Lugen rot aus dichtem Grün.
Glockenfromm klingt ein Getön: Meine Kirche seh' ich liegen. Wo umbuschte Gärten blüh'».
Himmelsseide, maienmild, Birkenlichtes Laubgequille, Das auf kleine Jütten sieht, — Maienfrische fühlt der Wille, —• Welt, hier bist du lote ein Lied! Meiner Freude Klingen schwillt; Meine Sehnsucht ist die Sülle, Die auf weißen Pfaden zieht.
*) Aus: Worpsweder Stimmungen von Franz Diederich. (Leipzig, Meyer & Wunder.)
Sinnrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Mit einem Witze bleib' mir ferne;
Mir einem Schuß Helf' ich dir gerne;
Mit einer Wand suchst du zu trügen, Mit etnem Tritte dich zu fügen;-.
Mit Schlägen willst du was erreichen, Mit einem Satz der Reue Zeichen.
Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Kentaurenkampf.
Redaktron: Curt Plato. - Notatioukdruck und «.-erlag der Briihl'schen Universitäts-Luch, und Steiudruckerei lPietsch Erbeut in ®te6cn.


