Nr. 19.

Mittwoch den 4. Februar.

1903

ÜB'

arrtiirnii

(Nachdruck verboten.)

Eine verhängnisvolle Fahrt.

Roman von B. M. Croker.

Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Alwina Vischer.

(Fortsetzung.)

Terence begab sich nun wieder ins obere Stockiverk und klopfte ein zweitesmal au die Wohnzimmertüre. Mau- teeit öffnete ihm, hielt aber, ihn zur Stille ermahnend, den Finger an den Mund und flüsterte:Sie ist eingeschlafen."

Tas ist gut", antwortete er ebenso leise.Er reist ab und wird jedenfalls reinen Mund halten. Auch die Briefe habe ich", fügte er, ihr das Päckchen einhändigend, hinzu.

Sie sind wahrhaftig ein bewunderungswürdiger Mann. Frau O'Hara hat ganz recht, wenn sie sagt, daß jedermann sich Ihrem Willen unterordnen müsse. Tausend, tausend Tank!"

Ach, sprechen Sie doch davon nicht", erwiderte er mit einer leichten Bewegung der Ungeduld.Sie schulden mir nichts, und ich hasse allen Tank. Legen Sie sich nun auch nieder, es wartet morgen noch viel Arbeit auf Sie. Frau O'Hara wird Ihnen das Frühstück heraufbringen, und die Pferde sind die besten in der ganzen Gemeinde des Bischofs höchsteigenes Gespann", fügte er hinzu, und ein Lächeln huschte um seinen Mund.

Und was wollen Sie tun?"

Ich reite über das Gebirge zurück und werde noch vor Ihnen in Ballybay ankommen, um nach wie vor der Kutscher Terence zu sein."

Mit tiefem Ernst sah sie ihn an, und in ihren schönen Augen glänzte es feucht, als sie ihm schweigend die Hand entgegenhielt. Er nahm sie in die seinige, drückte sie einen Augenblick, ließ sie dann aber ebenso rasch wieder los und war verschwunden.

Pünktlich um sechs Uhr traten die beiden Tamen am nächsten Morgen ihre fünfundvierzig Meilen weite Fahrt an. Nur einmal wurde eine Pause gemacht, um die sich vortrefflich bewährenden Pferde zu füttern. Voll ge­spannter Erwartung, die Uhr in der Hand, saß Maureen da, während ihre Schwester sanft schlummerte. (Es war wunder­bar, mit welcher Leichtigkeit Nita ihre Sorgen stets auf anderer Leute Schullern zu wälzen verstand!) Nachdem die Reisenden den Gipfel des letzten Hügels erreicht und nun den Blick auf Ballybah vor sich hatten, bemerkte Mau­reen ein eilig heransegelndes Schiff. Tas konnte nur Gre- ville sein, der etwas früher ankam, als er gedacht hatte. Voll Sorge folgten Maureens Augen dem Segel. Ach, wie schnell einem Vogel gleich es über die Wellen dahin- flog! In ihrer Angst öffnete sie schließlich das Fenster neben sich und sagte zu dem Kutscher:Sehen Sie dort

das Boot mit dem braunen Segel, das auf Ballybay zu­steuert?"

Natürlich, Fräulein."

Ich möchte so gerne vor ihm ankommen, und wären es auch nur zwei Minuten."

Tas wird wohl nicht gut möglich sein, denn sie sind höchstens noch zwei Meilen entfernt und wir vier, und dann haben wir doch auch schon eine lange Fahrt hinter uns."

Ich möchte natürlich nicht, daß die Pferde gequält würden, allein wir sollten durchaus das Schiff überholen, es handelt sich fast um Leben und Tod. Zehn Pfund sollen Sie haben, wenn wir als Ecste ankommen. Bedenken Sie doch nur, es geht ja bergab."

Tas war allerdings der Fall, auch konnte die Straße nicht schlecht genannt werden, obwohl sie eine Menge Bieg­ungen machte. Ter Kutscher tat sein Möglichstes im An-, feuern der ermüdeten Pferde, sodaß sie in wahrhaft hals-, brecherischem Tempo den sanften Abhang hinuntersausten. Heftig schwankte das Geführt von einer Seite zur andern. Nita aber schlief friedlich weiter wie ein Kind, während Maureen mit angestrengten Augen und hochklopfendem Herzen das Schiff beobachtete. Als sie jedoch noch etwa! zwei Meilen von Ballybay entfernt waren, sah sie, daß das braune Segel immer mehr Vorsprung gewann, sich mit beängstigender Schnelligkeit dem Ufer näherte und schließ­lich landete. Tas Schiff hatte also gewonnen.

23. Kapitel.

Am falschen Ende angefaßt.

Nachdem das Schiff nun doch einmal den Sieg davon- aetragen hatte, fuhr der Wagen auf Maureens Befehl langsamer und langte in ruhigem Trabe vor dem Hotel an. Sir Greville und Mrs. Duckitt waren inzwischen ge­landet und aufs stürmischste begrüßt worden, wobei die kleine Frau mit großer Lebhaftigkeit erzählte, daß sie bei einer der sechshundertundzwanzig Stufen, die in die Felsen der großen Skelligs gehauen sind, den Knöchel ver­renkt und sich nicht habe von der Stelle rühren können, und wie Sir Greville ihr so freundlich beigestanden und sie glücklich zurückgebracht habe. Während sie, auf ihren Stock gestützt, weiter plaudernd davonhinkte, schaute sich ihr Gefährte vergebens nach seinen Angehörigen um, und begab sich dann in das allgemeine Wohnzimmer. Es war leer. Erstaunt lief er die Treppe hinauf, fand aber die Türe zum Zimmer seiner Frau verschlossen. Er rief keine Antwort. Nun eilte er in Maureens Zimmeri auch das war teer, das Bett unberührt. Was bedeutete das nur? Auf dem Gang traf er mit Mr. Foulcher zusam­men, der ihn mit einer wahren Leichenbittermiene be­grüßte und mit sich in sein eigenes Zimmer zog.

Es thut mir wirklich leid, mein armer Freund", be­gann er,ich dachte, es sei am besten, ich teile Ihnen die Sache auf gelinde Weise und als Erster mit."