den anf'fi's" ilc T27üöotte tanzen zu können: ich möchte noch . ein Weilchen sagen hören: „So macht es Guenn, sie kann's am besten, c'est bien eile." Aber das sollte noch eine zeitlang so fortgehen. Und dann — dann möchte ich plötzlich ver- I schwinden — wie ein Seemann — ohne viel Aufhebens. Tann würden die Leute fragen: ja, wo ist denn Guenn Ro- dellec hingekommen?" Mutter Quaper und Mutter Nives würden, glaub ich, einen Augenblick aushören zu zanken und zu streiten, und Madame in den Voyageurs würde erstaunt sein, wenn ihr eilt anderes Mädchen die Fische bringt. Es würde ihnen allen leid sein, abcw es würde doch kein Lärm darob entstehen. Es müßte schön sein, zu sterben wie ein brctagnischer Seemann! Weit schöner als das Los der alten Jaqueliue, deren acht Söhne alle ertrunken find! Tie Männer, die in der Gefahr untergehen, haben's viel I besser als ihre Weiber und Mütter, die am Ufer zuschauen müssen. Ach, ich wollte, ich wäre ein Mann! Aber da ich 1 das nicht sein kann, bin und bleibe ich Guenu Rvdellec!"
Ihr leidenschaftlicher Ausdruck, ihre glockenhelle Stimme rührten ihn unendlich. Guenns Worte fanden einen lebhaften Widerhall in seinem eigenen Herzen. Verhielt sich denn nicht alles genau so, wie sie es geschildert hatte? Vor seinem geistigen Auge sah er tausende von wackeren Hungen I Burschen der wilden See zum Opfer fallen; er hörte die j Klagen unzähliger, elender, gedrückter Frauen und Mütter längs der Küste feiner geliebten Bretagne.
Während er so in Betrachtungen versank, schaute ihm die kleine Stickerin ernsthaft ins Gesicht, als wolle sie seine Gedanken lesen.
Sie war gattz Leben und Bewegung, wie sie so vor thm stand, mit den rosigen Wangen, den glänzenden Augen und den widerspenstigen Löckchen, die unter oer weißen Coiffe hervorguollen. Dunkel und ernst ragte die Gestalt des Priesters neben dem lebensprühenden jungen Mädchen.
„Hüte Dich selbst, Guenn, mein liebes Kind!"
„O, seiew Sie unbesorgt!"
„Ich möchte das Gefühl mit mir nehmen, Dich in Srcher- heit zu wissen."
„Mich? Nun, wenn irgend jemand sicher ist, so but ich's doch, Guenn Rvdellec! fragen Sie nur die andern, monsieur le recteur, die werden Ihnen schöne Geschichten erzählen! Ich bin nicht immer so brav und still tote trt Ihrer Nähe — natürlich, Sie sind ja auch immer so gut zu mir! Aber ich kann mich wehren, wenn man mir zu nahe tritt, wie ein wahrer kleiner diable."
Er hörte kaum mehr, was sie sprach, ihm war, als fet plötzlich vor ihm auf der grauen Klippe ein Heller Regenbogen aufgegangen. Er wollte ihn halten, aber er zerfloß ihm unter den Händen. Eigentlich hatte er nichts erreicht. War denn aber überhaupt etwas zu befürchten? Dort stand Guenn so selbstvertrauend, so lebensmutig und so durch und durch fröhlich und rechtschaffen.
„Wenn Du jemals meiner Hilfe bedarfst, wenn Du Dich allein und verlassen fühlst und nicht so mutig und sicher wie heute, wenn Du einmal nicht mehr weißt, wohin Du Dich wenden, was Du beginnen sollst — dann komm nur zu mir, mein Kind." , „ ,
„Tas will ich!" sagte das Mädchen feierlich; es lag etwas int Tone seiner Stimme, das ihr unwillkürlich eine heilige Scheu einflößte.
„Ist das ein Versprechen?"
„Es ist ein gutes, bretagmsches Versprechen! Wenn ich jemals in Not bin, so komme ich zu Ihnen nach den Lannions, so sicher wie Wind und Wogen, und Sie werden mich daun schützen." Ihre Hand schlug kräftig in seine dargebotene Rechte; „ich habe bis jetzt noch niemals ein Versprechen gegeben, ich hasse alle Versprechungen, toenn jemand etwas von mir verlangt, so sage ich nur: ,meme Lose', und tue es, wenn ich kamt. Mit Ihnen ist's fretltch anders, Sie sind so gut zu mir und zu aller Welt. Ich möchte gern auch einmal etwas für Sie tun, um Ihnen zu zeigen, wie sehr ich Ihre Güte empfinde. Wenn Sie also wollen, so gebe ich Ihnen gern das Versprechen; obwohl", hier begann sie wieder zu lachen, „obwohl ich's ganz unnütz, fittbe. Ich fürchte mich nicht und werde mich schon in acht nehmen". Sie schüttelte noch einmal herzlich seine Hand und sah ihm frei und offen in die Augen.
Thymert ließ langsam seine Hand aus der ihren gleiten. „Ich muß nun gehen, adieu Guenn!" in seinen Augen lag ein feierliches Lebewohl.
-Adieu monsieur le recteur", klang es herzlich zurück.
„Ter liebe Gott segne Dich."
Er wandte sich und ging mit hastigen Schritten den Felsenpfad hinab. Guenn sah ihm nach tote er in seiner alten Soutane dahin eilte ohne zurückzublicken — eine düstere einsame Gestalt in der weißen Sandfläche.
„Le Bott recteur!" sagte Guenn leise vor sich hin, daun sprang sie leichtfüßig ihren beiden Gefährten nach.
In dieser Nacht tobte kein wilder Sturm auf der See, und doch schritt der junge Pfarrer der Lannions rastlos bis zutn Morgengrauen in der Kapelle auf und ab — aber ohne seinen Virgil.
11. Kapitel.
Eines Abends nach der Mahlzeit saßen die drei Maler vor der Tür ihres Hotels an einem Tischchen und schlürften behaglich ihren Kaffe und Curayao. Ans den erleuchteten Fenstern fiel ein unsicheres Licht Über den dunklen Platz, vor dem lautes Stimmengewirr herüberschallte. Zerlumpte Kinder lungerten um die Tische, gierig nach Sous und Zuckerstückchen haschend, hie ihnen die Fremden von Zeit zu Zeit spendeten. In einiger Entfernung sah man bte weißen Häubchen von etwa einem halben Dutzend junger Mädchen schimmern, wie Schatten glitten die Gestalten vorüber, nur die jungen, frischen Stimmen zeugten von Leben und Wirklichkeit.
„Plouvenec macht entschieden mehr Lärm wie Panv , klagte Douglas. „Als ich am ersten Morgen hier von dem verwünschten Markt geweckt wurde, glaubte ich mich in Sodom und Gomorrha. Ein französischer Kramer, der ein Meter Band verkauft, macht mehr Geschrei als em gefährlicher Tobsüchtiger."
,O, ich weiß schon, wen Du meinst", lachte Hamor, „ich kenne den Burschen ganz genau, der so prächtig zu lachen weiß und dann wieder seufzt unb fleht, alles m den höchsten Tönen. Er findet sich regelmäßig seben Montag ein, und jeden Montag wandelt mich bte Lust au, ihn zu erwürgen. Ich habe ein scharfes Auge auf ihn geworfen, unb wenn ich ihn einmal allein in einem chemin crenx
Ein lautes silberhelles Lachen traf hier das Ohr der Freunde und ließ fie einen Augenblick aufhorchen.
„Das muß Guenn Rodellee fein!" rief Hamor; „die erkennt man fogleich an ihrem köstlichen Lacyen.
„Jawohl, man kann nichts Reizenderes hören; unwillkürlich wird man dem Mädchen zugetan", pflichtete Don- 9la§„S$ bin ihr immer zugetan, ob sie lacht ober nicht", bemerkte Hamor, „felbst toenn fie mich vergiften wollte, würbe ich °ihrer noch freunblich gebenlen. Wie kann man anders einem fo liebreizenden Geschöpf gegenüber t
Staunton ließ ein bedeutsames „hm, Hw ?ernel)men.
Hamor begann sich nun damit zu unterhalten, Zucker stückchen unter die Knaben zu werfen, die sich wie eine Schar Raubvögel auf die hochwillkommene Beute warfen. Hamor rief einzelne von ihnen bei Namen: „Aha, da ist mein Freund Kadoe und Nannic, so wahr ich lebe, wie geht s Dir Nannic? Allons ihr Buben, zeigt letzt eure Kunst, alte können an dem Wettlauf teilnehmen. Vorher aber soll mir einer ein paar Zigaretten holen, der Ehrlichste “'“ÄS IS* folgt,, dm.» dnldiaes Scharren mit den Füßen und endlich erhob der lebte der Reihe, Nannic Rovellec, seinen langen, rnißge- Stet«, SlrT Stuf dieses Digital hin >°°-d-t -°m> brochen und ein Dutzend gebrannter Hände streckten sich ” d,Mu?d-s mnb ich sagen, das ist <l> «M* Anblick: vierzehn ehrliche, brave Knaben, so viel hab ich noch nie beisammen gesehen." „
Vierzehn schmutzige, kleine Halunken wäre richtiger, murrte Douglas, „mir scheint, Du setzest Prämien aus für die hefte» Heuchler unter den Zungen.
O nein, fie wissen so gut ivie ich, daß es nur ein Spaß sein soll, sieh nur ihre verschmitzten Gesichter. ^"Xnnto^ritt mit komischer Wichtigkeit hervor. Im Hintergrund zeigten sich zwei der weißen Ernstes, deren Trägerinnen sich atemlos lauschend vorbeugten.
In diesem Anaenblict erschien auch Madame Mit stattlicher Ruhe in der Eingangstür.
„Nannic,. ich möchte meine Zigaretten von Dir gekausr 1 haben.


