Samstag den 3. Hktoöer.
1903
N
äKira aAgfcriii
(Nachdruck verboten.)
UchkniiNAil m der MM.
.jVon B. W. Howard.
(Fortsetzung.)
Aber Nannte war bereits wieder hinter den Felsen oerschwunden, er konnte es nicht ertragen, wenn über ihn gelacht wurde. Er ivollte für etwas Unbegreifliches, Ueber- natürliches gelten, und daß dies bei Thymert nicht anging, verdroß ihn höchlichst.
„Ich möchte viel lieber bei dem andern leben", hörte man ihn rufen.
„Ter andere?" Der Pfarrer blickte fragend auf Guenn.
„Tas ist. Monsieur Hamor", erwiderte sie stirnrunzelnd, „Nannic hat ihn gern, der Himmel mag wissen, warum. Kennen Sie ihn auch?"
„Ja, und Du?"
„Wie kann man denn anders, man sieht ihn ja überall!" Sie ivarf trotzig den Kopf zurück. Er erwiderte nichts, sah aber höchst befriedigt aus.
„Ich hasse neue Gesichter und fremde Stimmen, was haben sie auch hier zu suchen? Ich mag nur meine Leute!"
„Guenn!" rief Thymert, und ein warmer Blick traf sie aus seinen Augen, „wir sind gute Bretagner, Du und ich!" Er fühlte sich auf einmal so glücklich wie lange nicht und sah frei und sorglos in die Welt, wie ein Knabe.
„Tie Künstler möchten Dich gern zum Modell haben?" hob er etwas zaghaft wieder an.
„Sie sollen sich zum Kuckuck scheeren", rief sie heftig und stanipfte mit dem Fuße.
„Auch Monsieur Hamor möchte Dich malen."
Sie errötete unmutig. „Ter Narr, ich hasse ihn."
„Ich wußte es, wollte es aber von Dir selbst hören. Reden wir nicht mehr von ihnen."
, Guenn blickte erstaunt auf. „Nun, ich habe doch gewiß nrcht von ihnen angefangen,"
Ans diploinatische Umwege verstand sich Thymert offenbar wenig. Auch jetzt ging er mit mehr Hast als Geschick auf sein Ziel los und fragte plötzlich: „Würdest Du Dich gern verherraten, Guenn?"
Guenn brach in ein unbändiges Gelächter aus, endlich kamsieuilihsam wieder zu Worte: „Es ist aber auch zu komisch!" rief sie, sich vor Lachen schüttelnd, „erst wollten Sie mich nach Quimper schicken, das war schlimm genug, fetzt aber wollen Sie mich gar verheiraten, das ist doch zu arg! aPrdon, inonsieur le lecteur, aber ich muß lachen, was kommt nun?" '
„Lache nur, Kind, lache!"
„Wenn Sie es denn wirklich wissen wollen, ich möchte
es ganz und. gar nicht! Nein, ganz gewiß nicht", rief sie und schüttelte sich.
„Ich bin wohl sehr ungeschickt in solchen Dingen", fuhr er zögernd fort, „aber ich halte es doch für richtig, mit Dir darüber zu sprechen, da ist z. B. Alain!"
„Alain, o bit lieber Himmel!" und wieder ertönte ihr übermütiges Lachen.
„Und doch habe ich gestern Nacht, als ich an der Bucht stand, den heißen Wunsch gehabt, Du möchtest Alains Weib sein. Ich wollte, Du wärst er>st sicher tm Schutze eines braven Mannes!"
Seine Güte rührte und beruhigte das Mädchen. „Das war sehr -grck ’bon Ihnen", sagte sie leise. „Nur", hier umspielte wieder ein schelmisches Lächeln ihren Mund, „nur Prag ich ihn nicht."
„Es sind noch so viele, die auf Dich warten."
„Mögen sie doch warten."
„Aber Guenn. —"
„Voyons, monsieur le recteur, hören Sie mich an" sie kreuzte mit entschlossener Miene die Arme und sah ihm fest in die Augen. „Sie sind sehr gütig zu mir. Sie sinh nicht wie die Männer hier. Alain würde mich Wohl küssen", — sie zuckte mit keiner Augenwimper, als sie dies aussprach, während Thymert die Augen verlegen niederschlug — „aber er würde mich auch schlagen, wenn er betrunken wäre. Sie wissen das selbst am besten, warum alsv unnütze Worte verschwenden? Ich will es Ihnen aber sagen —.Ihnen ganz allein, — ich habe genug Schläge erlitten", ihre Augen funkelten zornig; „und wenn jemals ein anderer Mann wagen sollte, mich zü schlagen, würde ich ihn ermorden!"
Thymert ivurde leichenblaß, „o mein Gott", stammelte er mühsam; sein ganzes Herz schmolfz, in Mitleid für das junge Geschöpf, das diese entsetzliche Wahrheiten so leidenschaftlich herausstieß. „Sag' mir Guenn!" seine Stimme bebte vor Erregung — „ist er wieder so schlecht gewesen, hat er —"
„— Tas tut nichts", versetzte das Mädchen abweisend und preßte trotzig die Lippen anfeinander, „ich habe schon genug gesagt. Heiraten mag ich nicht."
„Aber Kind, es sind doch nicht alle Männer so wie er, es ist ja natürlich, daß Du nach dem urteilst, was Du vor Augen hast, aber gewiß wiirde mancher wackere Bursche gut zu Tir sein, ivürde Dich hüten intb bewahren!"
„Ich mag aber nicht gehütet sein", beharrte sie eigensinnig.
„Was willst Tu denn eigentlich vom Leben, Kind?"
„Was ich vom Leben will? Das habe ich mich wahrhaftig noch nicht gefragt. Hat mir denn unser Herrgott die Wahl gelassen, ob ich hierher wolle oder nicht? Da muß ich nun wohl oder übel aushalten!" Sie schien einen Augenblick zu überlegen und fuhr dann mit größerer Lebhaftigkeit fort: „Ich möchte noch ein Weilchen länger scherzen und lachen, ein Weilchen noch jung und kräftig sein und das hübscheste Mädchen von Plouvenec, um mit Alain und


