darauf folgen Johannis-, Stachel- und Himbeeren. Ende Juli reiht sich die Sauerkirsche an; Aprikosen und Pfirsiche werden reif, schließlich auch Pflaumen und Aepfel. Vor den Toren der Riesenstadt hat sich aber noch eme zweite Kulturstätte der Erdbeere entwickelt: die Obstbau- Kolonie Eden. Unter Professor Klindworth, einem Freunde Richard Wagners, wurde der „Garten Eden" vor rund 10 Jahren als eine Niederlassung von Vegetariern gegründet. Heute nimmt die Genossenschaft auch Nichtvegetarier auf und zählt etwa 200 Seelen, die gewissermaßen einen kleinen Staat für sich bilden. „Jeder kann auf seiner Heimstätte den Gartenbau als edlen und gesunden Nebenberuf zur Ausgleichung seines meist einseitigen Broterwerbes ausüben", heißt es in einem Bericht über die bisherige Entwickelung der Kolonie, und das tut auch jeder nach Kräften. Im vergangenen Jahre hatte Eden eine Erdbeerernte von 60 Centnern, nachdem sie wiederholt Erdbeeressen und Erdbeerfeste angestellt hatte.
Erdbeeren wirken aus unsere Gefamtblutmasse wie die säuerlich frischen O'bstarten: Sauerkirschen, Aepfel, Him-, Johannis- und Heidelbeeren. Sie kühlen und löschen den Durst. Durch diese kühlende Wirkung beruhigen sie das Gefäßsystem und regen die Eßlust an. Ihren Nährwert erhalten sie durch den Zuckergehalt. Die Zuckerstoffmengen der Vollreifen Erdbeeren sind abhängig vom Boden,' vom Licht und Schatten, von Lust und Regen. Durch Zucker- zufatz wird dre Erdbeere noch nahrhafter. Gewöhnlich enthält sie 4 bis 7,5 Prozent Zucker und gegen 2 Prozent Apfelsäure. In guten Jahren tritt die Säure mehr zurück und der Zuckergehalt nimmt zu. Die gewürzhafte WE- erdbeere enthält 5 vis 6 Prozent Zucker. Allein genossen vermögen Erdbeeren einen Menschen nicht zu ernähren, llm fünf Pfund Kartoffeln auszugleichen,wären 12 Pfund Erdbeeren nötig; ein Ei (zu 45 Gramm gerechnet), welches etwa 3 Gramm Protein, d. h. wirklichen Nahrungsstoff enthält, ivöre durch 970 Gramm Erdbeeren zu ersetzen. Wegen ihres Säuregehaltes befördern die Erdbeeren die Absonderung im Nahrungs- bez. Berdauungskanal und sind deshalb vollsaftigen, zu Schlagflüssen geeigneten und gichtbehafteten Leuten zu empfehlen. Rein genossen sind die Erdbeeren selbst für die meisten Kranken eine gesunde Speise. Französische Aerzte verordneten Napoleon HL, als er wegen fehtev Gicht zur Kur in Vichy weilte, den Genuß von Erdbeeren für Gicht und Podagra. Auch Linne bediente sich gegen die Gicht mit Nutzen der Erdbeeren. Er sagt von diesen: „Sie lösen den Weinstein (Zahnstein) der Zähne so bedeutend auf, daß innerhalb 14 Tagen die Zähne von ihrer Kruste vollständig befreit waren." Gegen die Gicht wurden die Erdbeeren übrigens schon in alter Zeit genossen. Homer, Virgil, Plinius erwähnen schon ihrer. Geßner empfiehlt die Erdbeeren bei! Nervenleiden und Steinschmerzen. Die alten Berichte äußern sich alle dahin, daß die Erdbeeren „kühlen und trucknen". Matthioli sagt schon vor mehr als 300 Jahren: „Erdbeerenkraut gesotten und davon getrunken, stopft die Bauchruhr. Alle Hitze im Leibe wird von ö'en Erdbeeren und dem aus ihnen gebrannten Wasser gelöscht. Das Wasser macht lind und luftig um die Brust, zerteilt die hitzige Gelbsucht und macht frisches Geblüt. Es dient deshalb auch, besonders bei Mädchen und Frauen, gegen die hitzige Röte im Gesicht, so von scharfem Blut herkommt." Die Bewohner des hohen Nordens, denen das Kräutlein keine reifen Beeren, sondern nur sparsame Blüten bietet, bereiten aus den jungen Blüten einen Tee, den sie gegen Gicht und Rheumatismus trinken. Auch bei uns machen die Landleute bei einseitigen Gesichtsschmerzen Umschläge von getrockneten oder frischen Erd- beerblättern. Die jungen Blätter geben übrigens auch einen angenehm schmeckenden und riechenden heilkräftigen Tee. Tie jungen grünen Blätter werden grob zerschnitten, zwischen den Händen gerollt und auf einem warmen Eisen- blech getrocknet. Auf manche Personen wirken aber die Erdbeeren eigenartig. Sie bekommen nach dem Genüsse rotblaufarbigen, juckenden Hautausschlag, besonders im Gesicht, ein etwas unangenehmes, aber belangloses und (unschädliches Uebel. Dieser nesselartige Ausschlag wird verursacht durch ein in dem lieblichen Pflänzchen enthaltenes Gift, das Fragorionin, welches dem Chinin verwandt zu fein scheint.
Vesmischter.
* Die Zivilgarderob e des Kaisers. Von jeher haben die preußischen Könige in ihrer Kleidung den Soldatenrock bevorzugt. Der Ausdruck „des Königs-Rock" ist daher wohl auch direkt in den Sprachschatz des Volkes' übergegangen : man kann sich den preußischen Monarchen und den Deutschen Kaiser nicht gut anders als in Uniformj vorstellen. Schon der alte Kaiser trug nur Zivilkleidung^ wenn eD sich zu seiner Erholung in Ems oder Gastein aufhielt. Aehnlich hält es unser jetziger Kaiser, der auch nur im Auslände oder zu Sportzwecken Zivilkleidung benutzt. Der Etat für seine Zivilgarderobe ist infolgedessen auch viel geringfügiger als die Aufwendungen, die für die Instandhaltung und Neubeschaffung von militärischen Ausrüstungs-Gegenständen in Garderobestücken gemacht werden müssen. Wenn der Kaiser dem Lawn-Tennisspiel im Park von Monbijou obliegt, trägt er einen weißen- oder gestreiften wetten Flanellanzug, über den er allerdings beim Verlassen des Gebäudes einen weiten Militärmantel anlegt. Auch auf den Nordlandreisen trägt der Monarch Zivilkleider, meist bräunliche oder hellgraue Sacco-Anzüge. Während der Kieler Woche trägt er die Vereinskleidung des Kaiserlichen Jacht-Klubs, ein zweireihiges, marineblaues Jackett, Seemannsmütze und weiße BeinKeider. Selbst für Jagdzwecke besteht an unsermi Hofe die sogenannte „Walduniform", die ja aus vielenl Abbildungen bekannt ist. „Bürgerlich gesellschaftlich"^ wenn man so sagen darf, ist der Kaiser eigentlich nur. bei seinen Besuchen am englischen Königshose gekleidet, wo Uniformen nur bei offiziellen militärischen Festen und Paraden angelegt werden. Hier ist wahrscheinlich die einzige Gelegenheit, wo man den Kaiser im Frack oder Smoking sehen könnte. Uebrigens wird jetzt im Gegensatz zu früheren Zeiten der Bedarf für die kaiserliche Zivil-Gar- oerobe ausschließlich in Deutschland gedeckt, und es ist wohl selbstverständlich, daß alle Bekleidungsstücke mit großer Sorgfalt hergestellt werden. Anzüge und Mäntel) werden meist in Berlin verfertigt; Hüte, Schuhe und Stiefel, Krawatten usw. bezieht der Kaiser -um größtes Teil aus Potsdam. Daß er bei seiner vielseitigen Tätigkeit nicht viel Zeit für „Anproben" übrig hat, ist wohl! erklärlich — nur einmal im Jahre läßt er sich für seine Kleidungsstücke Mstß nehmen, und die dazu befohlenen Geschäftsinhaber sind dann immer für die nächsten zwölf Monat« für die alleinige Lieferung bestimmt. Häufig wird ihnen aber nur ein älteres, passendes Kleidungsstück übergeben, nach dem sie die Maße des Kaisers feststellen können. Der Monarch läßt nie anprobieren, die Kleidungsstücke müssen auch ohne Anprobe einen tadellosen Sitz haben. _____________
Literarisches.
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Logogriph.
Mit - ißt man es gern, Doch wünscht man's von sich fern. Mit i teilt's ein das Land Und zieht sich rund herum.
Mit m am Donaustrand. —
Leicht rät es, wer nicht dumm.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Sonnenstrahlem_______________ .
Nedakttvn: Auaust Götz, — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


