Ausgabe 
3.6.1903
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 81.

1903.

Mittwoch dm 3. Juni.

SZ

I I'-WM

GMU»

MWM? ii

MiM.

Mm

ÄG

WW

(Nachdruck verboten.)

Die Annonce.

Novelle von Thomas Glahn.

(Fortsetzung.)

WetteUmschweife begann er:Erinnerst Tu Dich Unserer Natürlich. In drei Wochen jetzt also in vierzehn Tagen schreiben wir beide an die Damen, und wer das erste Rendezvous zngesagt erhält, bekommt vom andern em paar Flaschen Josephshöfer."

.. r "Stimmt ganz genau, Sänstling! Ta, lies mal diesen Brief!"

Er reichte ihm das Schreiben hin. Ter Assessor las: LieberTaugenichts"!

Es geht bergab mit mir. Mein ganzes Leben hab' ich die sentimentale,r Flötenbläser gehaßt, und nun rächt sich das Schicksal an mir: ich bin seit einigen Tagen selber sentimental. Und 'zwar nicht in dem leichten und billigen Sinne, sondern leider sehr kräftig und anhaltend. Später, wenn es so beschlossen ist, will ich Dir alles, was mich dazu treibt, erzählen. Heute sage ich nur das eine: ich bin m entern gräßlichen seelischen Dilemma, an dem der jüngste Spargel und die frischesten Krebse nichts ändern können. Ja und höher kann ich nicht schwören welches selbst Tetne Briefe nicht beseitigen.

Mir eins hilft vielleicht: Tu selbst! Erschrick nicht, >,Taugenichts". Tn bist ein so herrliches Geschöpf mit Deiner frischen Lebenskraft, daß Du Dir selbst wohl schon gesagt hast, dieser bloße pseudonyme Briefverkehr kann nicht ewig dauern. Wir müssen uns einmal kennen lernen. In einigen Wochen hätt' ich Dich so wie so um eine Zu­sammenkunft gebeten. Ich bin kein Tintenfreund. Nrrn bedrückt mich etwas so sehr, daß ich Dich heut schon an­flehe (an diesem Ausdruck wirst Tu mich schwerlich er­kennen!), mir schon jetzt, sobald es nur angeht, die persön­liche Borstellung zu gestatten. Jeder Ort, jede Zeit, jeder Tag ist mir recht. Es wäre kein Gefallen mehr, sondern eine Wohltat, wenn Du ja sagtest.

Ich bitte recht, recht sehr darum.

Sehr geknickt

,, , , , Medikus."

Kurt Unruh hatte aufmerksam zu Ende gelesen.

D 'Fas rst^die.Verabredung, Fred. Damit giebst XI* U Vv \Dvllv UU|«

Sn drei Teufels Namen - ja! Ich will sie sogar verloren haben und eine Flasche Sekt extra geben, wenn ich auf dresen Jammerbrief eine Antlvort kriege, wie ich sie wünsche."

Angenehm und gern acceptiertl Aber was ist denn los, was fehlt Dir denn? Und was willst Du denn vom Taugenichts"?"

Er seufzte.Ich hab' mein Ehrenwort gegeben, Kurü. Wirst es früh genug erfahren. Uebrigens ich sprach'

Ach, Tu warst da? Na, hab' ich meine Sache gut gemacht?"

Tanke! Zu Gegendiensten gern bereit."'

Ter Assessor strich die drei Lanzenspitzen.

Notabene: nach meiner Auffassung verkennst Tu Resi- Empfiüden. Ich hatte nicht den Eindruck, als ob sie Dich sehr liebt."

Ich auch nicht", sagte Fred Richter trübe.

Dagegen hab' ich was anderes bemerkt", fuhr Kurt Unruh fort.Tu weißt, daß ich Rest immer zu zu nüchtern fand. Es war so ein Schlag, der nach meiner bisherigen Auffassung zu Dir paßte, nicht zu mir. Nun hab' ich erkannt, daß Tu doch recht hattest: Resi hat diese« tiefe, na, Fred: das himmelblaue Empfinden. Sre ist mir seit der letzten Unterredung sehr ans Herz gewachsen. Eine reiche, schöne Gefühlswelt liegt in ihr verborgen."

Ter junge Arzt sperrte Mund nnd Nase auf.

Ta schlag doch gleich ein Donnerwetter 'rein! Bist aus dem Häuschen?"

Erlaube mal!"

Na also, ich will Dir nur sagen, daß Du früher recht hattest: die Resi paßt zu mir, sie ist weder himmelblau, noch schwärmerisch, sondern praktisch, verständig, nüchtern wie Du es nennst: mein Schlag. Bastas

Und ich erkläre Dir"

Tu hast unrecht!"

Aber, lieber Fred, dieser Ton!"

Also lassen wir das Streiten. Es ist gar zu dumm! so lange ichgrün" sage, sagst Tublau". Nun sag' ich blau, und anstatt Dich zu freuen, daß Du recht hattest, sagst Tu jetzt grün. Hm, lassen wir das Thema, sonst wird die Geschichte noch verivickelter. Wie weit bist Tu mitMola"?"-

Ter Assessor war noch immer etwas beleidigt.

So weit wie Tu mit demTaugenichts", noch immer, lieber Wetter! Was Tu kannst, kann ich auch, und brauche nicht einmal so schweres Geschütz anfahren zu lassen."

Fred Richter kniff das linke Auge zusammen.

Na, Sänftling!"

Schön, damit Tu es glaubst: ich werde gleichfalls heute cmWiola" schreiben. Dann wallen wir abwarten!"

Als sich die beiden Freunde zwei Tage darauf beim Mittagessen im gewohnten Hotel trafen, hielt Fred Richter wortlos seinem Wetter einen Brief entgegen. Aber Kurt Unruh lächelte etwas ironisch, ließ den Kneifer fallen und holte aus der Brieftasche seines Ueberrockes einen ähnlichen Brief.

Wann?" fragte Fred lakonisch.

Tonnerstag sieben Uhr."

Also doch später. Ich Tonnerstag um Fünf. Und wo?"

Tiergartenstraße, Nähe Hildebrand tstraße."