Ausgabe 
3.1.1903
 
Einzelbild herunterladen

6

sie als Preis meiner Dienstleistung zu bekommen. Das alles schien mir nur so; im Grunde war ich ihrer Launen müde und sagte mir manchmal ganz leise, daß ich der ganzen Sache überdrüssig wäre, daß es Zeit wäre, mich ein wenig zu empören. Das war aber nicht so leicht; meine Herrin war eine Despotin, sie litt keinen Widerstand und verlangte Gehorsam. Es war ein Vorzug, daß ich bei ihr die Wende verbringen durfte, dann tranken wir zusammen Thee, saßen aus dem Balkon, plauderten von unserem zukünftigen Glück."

Und die Tasse?"

Diese Tasse stand mit ihrer Gefährtin täglich zwischen uns beiden auf dem Tischchen am Fenster; über dieselbe gebeugt girrten wir oft, wie zwei Täubchen über einer Quelle! Der Thee, der bald zu süß, bald nicht süß genug war, wurde . gewöhnlich in den Tassen kalt, wir hatten oft keine Zeit, ihn auszutrinken. Eines Tages

Ach, endlich!"

Eines Tages mischte sich der böse Geist zwischen uns"

Mein Herr, vielleicht lassen wir den bösen Geist aus deni Spiel, böse Geister pflegen nicht anständig zu sein"

Es ist unmöglich, ihn zu umgehen, meine Gnädige, - er war es wohl, der es meiner Witwe einflößte, von mir zu verlangen, daß ich meinen Thee austrinke, weil ich den Mund verzogen hatte, nachdem ich ihn gekostet; er schmeckte ganz sonderbar nach Seife oder Patschuli, und war obendrein noch kalt und bitter. Der Diener oder der Teufel hat wohl irgend etwas hineingestreut brr! noch, heute schüttele ich mich, wenn ich an jenen Geschmack denke. Wir gerieten in Wortwechsel; sie bestand um so beharrlicher darauf, je mehr ich mich widersetzte; es kam zu einem ernstlichen Streit, ein Wort gab das andere, ein Argument das andere, meine Herrin war eigensinnig, ich wollte diesmal nicht nachgeben, sie behauptete das Ihrige, ich, das Meinige"

Wollen Sie nickst trinken?"

Nein."

Ich will es."

i>,Das wird nicht Helsen."

Ich befehle."

Auch! das nützt nichts."

Sie wagen es, mir eine so unwichtige Sache ab­zuschlagen?"

Gerade deswegen, weil sie unwichtig ist."

Mr zankten uns eine ganze Stunde, nicht wie Braut­leute, sondern wie ein längst verheiratetes Ehepaar. In der Launenhaften erwachte die Jähzornige. O, meine Gnädige, eine Frau dürste niemals in Gegenwart eines Mannes in Wut geraten, wäre es auch nur deshalb^ weil sie in seinen Augen häßlicher wird. Können Sie wütend jein?"

Was ist endlich mit der Tasse geschehend

Mit der Tasse? Sie flog zusammen mit dem Untersatz, dem Thee, dem Löflel und mit meiner Liebe zum Fenster hinaus."

Was? Sie, ein wohlerzogener Mensch, haben sich so unhöflich benommen? Sie haben eine Tasse Km Fenster hinausgeworfen, und das geschah im Hause r Frau, die Sie heiraten sollten? Wie konnten Sie sich so weit vergessen?"

Ach, Gnädigste, hätte ich es in meinem Zorn gethan, F= so wäre ich heute noch verheiratet und hätte erst nach der Hochzeit erfahren, daß die Furien manchmal das Pan­töffelchen schleudern, wenn sie gereizt werden. Leider war ich es nicht, der die Tasse mit dem unglückseligen Thee zum Fenster hrnauswarf, sondern sie war es selber. O, nicht wahr? Das empört und wundert Sie, erscheint Ihnen unbegreiflich,. Mich hat es damals noch mehr empört. Nein, ich, könnte es nicht wagen, eine Frau zu heiraten, die so leicht handgemein wurde und vor Wut mit Tassen, wie mit einem Ball, umherwarf."

Was ist denn das für eine Frau?"

Schön wie ein Engel, ich versichere Ihnen, aber böse wie hundert kleine Teufel. Mr trennten uns nach dieser Szene, und ganz sonderbar: meine heftige Liebe ist in ernem Augenblick ttt tausend kleine Stückchen ge­sprungen wie die Scherben jener zerbrochenen Tasse. Seit

jener Zeit kann ich, keine Tasse sehen, ohne daß ich mich meiner Braut erinnere." ' 1

Sie müßten doch der Tasse eher dankbar sein, weil diese Sie vor der Heirat mit einer Tau tippe rettete, die nicht verstand, ihre Leidenschaft zu bekämpfen."

Das ist richtig! Daran habe ich niemals gedacht. Mein Gott! wie die guten und vernünftigen Frauen es doch verstehen, uns mit dem Leben zu versöhnen und uns in Logik zu unterweisen, wenn das Böse uns Kopf und Herz verwirrt. Nun, so bitte ich Sie um eine Tasse Thee und um Ihr Händchen."

Nur zu einem Handkuß nicht wahr?"

Rechnung und Mahnung.

Won Th. Scheu k.

(Nachdruck verboten.)

Wenn jemand einen Dienstvertrag mit einem anderen geschlossen, oder einen Auftrag zur Erledingung irgend eines Geschäfts eutgegeugenvmmen hat, so ist er Verpflich­tet, nach Rusftihrung des Auftrags dem Auftraggeber bezw. dessen Rechtsnachfolger Rechenschaft abzulegen. Nimmt der Auftrag oder das Geschäft eine größere Zeit in Anspruch, so ist die Rechnung nach natürlichen oder vereinbarten Zeitabschnitten, unter Umständen auch nach jeweiliger Forderung des Berechtigten abzulegen. Das­selbe gilt auch für jeden, der auch ohne Auftrag oder Vertrag in die Lage kommt, die Geschäfte eines anderen, führen zu müssen.

Unter besonderen Umständen, so besonders, wenn sich' einzelne Ungenauigkeiten in der Rechnung finden, kann der Berechtigte von dem zur Rechnungslegung Verpflichteten eineu Eid begehren, dahingehend, daß er nach bestem Wissen die Einnahme (oder dergl.) so vollständig angegeben habe- als er dazu irgend im stände sei.

Nur in dem hier angegebenen Sinne kennt das Bür­gerliche Gesetzbuch den Begriff der Rechnung. Jnl Ver- kehr wird aber ungemein häufig noch das WortRech- nung" in ganz anderer Linie gebraucht und damit For­derungen rechtlicher Natur verknüpft, die das Gesetz nickst rechtfertigt.

Tas eine Mal wird verlangt, daß einer Sendung eineRechnung" beigefügt werde. Das Gesetz kennt eine derartige Forderung überhaupt nicht. Wenn der Kauf­mann seiner Sendung eineRechnung" beifügt, so übt er nur eine Eoulanz gegen seinen Kunden, indem er diesen über den Inhalt der Sendung durch eine Ausstellung, nichts anderes ist in diesem Falle dieRechnung"< orientiert. An diesem Charakter einer solchen Notiz wird auch dadurch nichts geändert, daß den einzelnen Posten? Preise beigefügt werden. Sind die Preise bereits verein­bart, so ist die Preisangabe völlig überflüssig. Sie bildet nur eine Erinnerung oder auch nur eine Vervollständigung der orientierenden Mitteilung. Ist der Preis nicht ver­einbart, so stellen die Zahlen nur eine Offerte dar, deren Annahme oder Ablehnung durch den Wressaten noch zu gewärtigen, und die als abgelehnt anzusehen ist, wenn, der Adressat sie nicht mangels anderer .Vereinbarung um­gehend annimmt. Und eine Offerte bleibt in diesem Falle die Preisnotiz auch dann, wenn die Lieferung selbst infolge Auftrags des Wressaten erfolgt ist.

Ein Beispiel: Eine Dame hat in einem Modegeschäst Schürzen aus einem Stoff gesehen, den sie infolge seiner eigenartigen Bearbeitung oder infolge ihrer mangelhaften Spezialkenntnis für Leinen gehalten. Eine dement­sprechende niedere Preislage vermutend, hat sie ohne nach dem Preis zu fragen, die Zusendung von einhalb Dutzend dieser Schürzen begehrt. Bei Eintreffen der Schürzest ersteht sie aus der beigeftigtenRechnung", daß die Schürzen aus einem seidenartigen Gewebe hergestellt und um mehrere Mark pro Stück teurer berechnet werden, als sie irrtümlich angenommen hatte. Die Schürzen muß die Bestellerin zweifellos behalten, nur die Höhe des Preises kann sie beanstanden. Und diese Beanstandung kann auch darin bestehen, daß sie sich auf die beigefiigte Preis- Offerte nicht erklärt. Sie kann nun bei Austrag der Sache auch Erfolg haben, wenn die von dem Lieferanten angesetzten Preise über den wirklichen Wert der thatsäch- lich bestellten und gelieferten Schürzen von seidenartigem Gewebe hinausgehen, diese also vielleicht mit 10 Mark