716

die sich direkt ain Ostseestrand befindet, wurde mit Erlaub­nis der Direktion befahren. Hier konnte man sehen, wie der Bernstein üt derblauen Erde" gesunden, zu tage ge­fördert und dann von der anhängenden Erde gereinigt wurde. In den nahen, großen Fabrikanlagen sah man, wie er sortiert, gemengt, gemahlen, erhitzt und in Formen gepreßt wurde. Am Abend erreichte die Exkursion nach an­strengender Tagestour das am Ausfluß des Frischen Haffs zur Ostsee schön gelegene Pillau. In der Abenddämmerung konnte noch der Hasen besichtigt werden, worin u. a. die mit vier mächtigen Schornsteinen versehene, sür die Fahrt von Warnemünde nach Gjedser bestimmte Dampffähre, sowie ein von der Schichauwerft kommendes Torpedoboot zu sehen waren.

Schluß folgt.

Ans dem KunstseKen.

Unter den Briefen hervorragender Zeit­genossen an Franz Liszt, welche La Mara setzt im Verlag von Breitkopf und Härtel in Leipzig veröffentlicht hat, befindet sich nachstehende reizende Kuriosität, die als ein Zeichen, was dilettantische Unverfrorenheit mitunter dem Künstler zumutet, weiteren Kreisen kundgegeben zu werden verdient. Tie von unfreiwilliger Komik strotzende Zuschrift lautet:

,,Emmerich, den 21. November 1882. Sehr geehrter Herr!

Ein Unbekannter wendet sich an Sie mit einer merk- würdigen Bitte! Ich suche nämlich einen Tonmeister, der mir die Musik zu einem meiner Gedichte komponiert; das­selbe ist sehr kurz, so daß Vieles, was nicht ausgesprochen ist, nur durch eine passende Musik zum Ausdruck gebracht werden kann. Leider ist es mir selbst nicht vergönnt ge­wesen, Unterricht im Klavierspiel zu erhalten, daher muß ich mich an Freunde wenden. Sollten Sie selbst nicht ge­neigt sein, meine Bitte zu erfüllen, aber doch finden, daß meine Worte der musikalischen Begleitung wert sind, würden Sie, verehrter Herr! dann vielleicht so freundlich sein, mir Jemanden zu neunen, der es wohl übernehmen würde?

Tas Gedicht heißt:

Nach des Geliebten Tode.

Tas Mägdlein saß am blauen See Und schaute tief hinein!---

O Gott! ich den Geliebten seh! . Tort unten muß er sein."--

Sehnsuchtsvoll zog es sie hinab, Ach! in den kühlen See!!--

Tort unten fand sie wohl ihr Grab!? Darum wird mir so weh!!

Obgleich ich selbst nicht weiß, inwiefern meine An­forderungen erfüllt werden können, so will ich doch in wenigen Worten andeuten, was durch Melodie und Musik lusgedrückt werden soll.

Tas Vorspiel drückt zunächst wilde Trauer aus, den Tod des Geliebten darstellend; allmählich mildert sich die Musik, eine fanste Melancholie macht dem rasenden Schmerze Platz. Es werden dann die zwei ersten Zeilen gesungen; die zweite vielleicht in einer tieferen Tonreihe wiederholt, um die stille, tiefe Versenkung auszudrücken. Aus einmal sieht die Geliebte in einer Phantasievisiou im §ee das Bild des Geliebten und wird hinabgezogen. Der Komponist jedoch wird das besser wissen, wie Alles aus- gedrückt wird! Nach den Worten:Darum wird mir s o weh", die vielleicht auch wiederholt werden könnten, ist die Musik oder vielmehr das Nachspiel auch stürmisch traurig,, mildert sich aber allmählich und erstirbt endlich ganz leise und sanft. In der Hoffnung, daß Sie mich verstanden haben und meine Bitte erfüllen können, ver­bleibe ich in ehrfurchtsvoller Bewunderung Ihr W. B.

Sind Sie aber nicht im Stande, wollen Sie mir es nicht freundlichst mitteilen? Mit Ihrem Brief sende ich zugleich einen an den Maler Franz Defregger ab, mit der Bitte, mir ein Bild zu machen zu einem längeren Gedicht. Hoffentlich habe ich Erfolg."

Vermachtes.

* Ter Tamenliebling. Der Geiger Jan Kn- belik ist, wie ein Londoner Blatt schreibt, das Idol der Tamen aller Länder. Merkwürdigerweise hat seine Heirat keine abschreckende Wirkung auf seine Bewunderinuen aus­geübt; sie scheint sie vielmehr zu größerer Kühnheit an» gespornt zu haben. Kubelik äußerte, als er über dieses delikate Thema befragt wurde:Tie Damen sind immer sehr gütig gegen mich gewesen. Es ist nicht alles, was die Zeitungen erzählt haben, ganz wahr; aber vieles ist auch geschehen, was nicht in den Zeitungen erzählt worden ist. Sie schicken Blumen, Ringe, Nadeln, Diamanten und viele Geschenke, und man muß immer wieder für die Damen spielen. Ich bin bekanntlich vom Lande, hatte sehr fleißig gelernt und sehr wenig von den Damen gesehen. Deshalb! war ich sehr verlegen, als ich zuerst begann; aber mit der Zeit gewöhnt man sich an alles, und es ist immer dasselbe. In allen Ländern sind sie gleich."In welchem Lande sind sie am schlimmsten?"Am schlimmsten!" sagte er tadelnd,das will ich nicht sagen."Nun denn, am dringendsten in ihren Aufmerksamkeiten?"Ich denke, die Amerikanerinnen sind am mutigsten. Ja, in Brooklyn war ich am verlegensten. Ich hatte in dem Konzert viele Male gespielt, aber sie wollten mich nicht gehen lassen, drängten sich um mich und hielten mim fest, und als ich mich endlich frei machte, war mein Rock zerrissen, ein großer Teil davon war fort. Ich weiß nicht, warum sie ihn nahmen. Aber er war zerrissen, und", fügte er bedauernd hinzu,und es war noch dazu ein neuer Rock. . ."

* Gr as und Schuhmacherstochter. Daß in unserer nüchternen Zeit, in der sich gar vieleauf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege" die Mitgift und als Bei­gabe die Gattin suchen, die Ideale doch noch nicht ganz ausgestorben sind, beweist eine Meldung aus. Ungarn. Ein Sprößüng aus einem der ältesten iinb reichsten Adels­geschlechter Ungarns, der in Wien wohnende Graf Stephan Gyulai, hat sich mit einer Schönheit aus dem Volke, Frl. Kolazia, der Tochter eines armen Schuhmachers in Her­nals, ein Vorort von Wien, verlobt, und will schon in spätestens vierzehn Tagen Hochzeit feiern. Ter vor 17 Jahren verstorbene Vater des jungen Mannes galt als! Nabob unter dem ungarischen Adel. Er besaß ausgedehnte Besitzungen in Ungarn und der Lombardei, die nach seinem Tode auf seine drei Söhne übergingen.

Weihnachts-sLttteraiur.

Briese hervorragender Zeitgenossen an Franz Liszt. Nach den Handschriften herausgegeben von La Mara. 3. Band: 18361886. Neue Folge. XII,- 414 S. Oktav. Geh. 6 Mk. Diese Briefe sind von musik­geschichtlicher Bedeutung, und vervollständigen das einzig­artige Bild des Weltverkehrs des großen Musikers.

Preisrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Es sind 7 Wörter zu suchen von der Bedeutung unter a. Von jedem dieser Wörter ist ein anderes Hauvtivort zu bilden durch Voransetzung eines passenden Buchstabens. Die Bedeutung dieser Wörter ist unter b angegeben. Tie vorangesetzten Buchstaben, atso die Anfangsbuchstaben der Wörter unter b ergeben im Zusammen­hang den Titelhelden eines bekannten Dramas.

b.

1. Himmelskörper

2. Quälende Empfindung

3. Bergwiese

4. Eßbarer Fisch

5. Jagdbares TiW

6. Blume

7. Schimpfwort

kirchliches Fest Charaktereigenschaft Pflanzenteil sinnbildlicher Schnmck innerer Körperteil Charaktereigenschaft schmackhafte

Auflösung des Homogramms in vor. Nr.. H K A A Herbst Krause A b u k i r A s s i n I

t e r i

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.