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fest: „Habe ich es wirklich um Sie verdient, daß Sie so gegen mich handeln? Vor langer Zeit habe ich Ihnen das Recht gegeben, mich zu beleidigen, aber ich glaube nicht, daß Sie eine Schmach wie diese mir zufügen würden."
Verwundert, erschreckt starrte der junge Mann sie an, unfähig, auch nur die Hand nach ihr auszustrecken, um sie zurüüzuh alten, als sie sich der Tür ihres Zimmers näherte.
„Erinnern Sie sich", fuhr sie mit bitterem Tone fort, „Sie sagten einst, es wäre der größte Wünsch Ihres Lebens, mich nie wiederzusehen. Nun, jetzt soll es mein stetes Gebet sein, Sie nie, niemals wiederzusehen, nie wieder den Ton Ihrer Stimme zu hören!"
„Jane!" rief er leidenschaftlich, auf sie zutretend; aber sre entfernte sich und schloß die Tür hinter sich. „Jane, Jane!" rief er voll Verzweiflung; keine Antwort erfolgte.
Unten tanzten die Gäste lustig weiter, die Musik tönte herauf, während hier zwei Menschenherzen miteinander rangen. Sir Harry lauschte, aber kein Laut drang zu ihm aus dem anderen Zimmer, alles war still. Am Fußboden lag eine rosa Bandschleife, welche Jane verloren, als sie aus dem Zimmer floh. Er nahm sie auf und barg sie auf seiner Brust.
13. Kapitel.
Es war am Wend des nächsten Tages, als man Jane leblos in einer der Seitenalleen des Parkes auffand. Ter Weg wurde selten benutzt, und nur der Zufall hatte den Förster dort entlang geführt, wo er sie kalt und bleich, vom Schnee durchnäßt, am Boden liegend fand. Erschrocken nahm er sie auf seine Arme und trug sie leicht wie ein Kind ins, Haus. Schwer ruhte ihr Kopf an der Schulter des hilfreichen Mannes, die Augen waren geschlossen, und die langen, dunkeln Wimpern lagen tief auf den totenblassen Wangen.
In der Halle hatte man Jane noch nicht vermißt. Der Herr und die Frau des Hauses mußten die Abschiedsbesuche ihrer Gäste empfangen und ihnen Lebewohl sagen, denn nur Mrs. und Miß Durham und Sir Harry blieben über Weihnachten, alle anderen reisten ab. Nachdem sich die Gäste verabschiedet hatten, folgte Alice ihrer Schwester in deren Boudoir und blieb daselbst längere Zeit allein mit ihr. Das Ende der Unterredung zwischen den beiden Schwestern war, daß Mrs. Thornton einen nervösen Anfall hatte, welcher sie ganz krank und elend und Alice sehr traurig machte, sodaß letztere nicht von ihrer Schwester Seite wich, ihr Stirn und Hände badete und ruhig und gelassen deren Vorwürfe mit anhörte. Erst gegen abend wurde die aufgeregte Dame etwas ruhiger, sie saß in einem Armstuhl in der Nähe des Ofens; eine Tasse starker Tee beruhigte und stärkte sie. Plötzlich wurde die Tür heftig geöffnet, und Herr Thornton erschien in derselben blaß und aufgeregt.
„Hanna, Alice!" rief er hastig, „kommt um Himmels willen, kommt schnell und helft, ich glaube, das arme Kind stirbt!"
Alice sprang sofort auf und rief: „Was gibt's? Ist eins von den Kindern verletzt oder krank?"
„Nein, Miß Gratton!" antwortete er.
Alice lief davon. Mrs. Thornton trank erst ihren Tee aus, ehe sie ihrer Schwester folgte. Sie hatte in ihrem Herzen kein sehr freundliches Gefühl für Jane in diesem Augenblick. Alices Erklärung hatte ihr die Augen geöffnet, sie sah einen Lieblingsplan gescheitert. Aber alle Bitterkeit cntschtvand, als sie in die Halle kam und Jane erblickte. Der große, gewölbte Raum war dunkel, eine kleine Stelle ausgenommen, wohin das Feuer seinen flackernden, roten Schein warf. Aengstliche Gesichter umgaben die eichene Bank, auf welche man das junge Mädchen gelegt hatte. Tus weiße Leinen des Kissens, auf welchem ihr Kopf ruhte, war nicht weißer, als ihr Gesicht, welches bleich, kalt, starr, still wie der Tod war, während ihr vom Schnee ganz durchnäßtes Haar dasselbe umrahmte. Mice kniete an ihrer
„und. rieb die steifen, kleinen Hände, während die Haushälterin versuchte, etwas Wein zwischen die zusammen- gepreßten Lippen zu träufeln.
,, fragte Mrs. Thornton leise, angstvoll
ihres Gatten Arm erfassend und voll Schreck und Mitleid auf das junge Mädchen blickend, welches noch gestern abend so froh, so voll Geist und Leben war.
Laut aufstöhnend, erhob sich bei diesen Worten ein junger Mann von der Seite des Lagers, Janes Kopf, der auf seinem Arm ruhte, eüt wenig höher hebend
„Ich will ein Bett zurechtmachen", flüsterte Mrs. Talton, die Haushälterin, je eher sie in ein Bett kommt, desto besser ist es für das arme Kind."
Sie entfernte sich mit diesen Worten und überließ ihre Stelle Mrs. Thorntons Jungfer.
Ein leises Zucken der Augenlider verriet den aufmerksam Beobachtenden die Rückkehr des Lebens; ein schmerzlicher Zug begann sich in dem blassen Antlitz zu zeigen.
In diesem Moment meldete ein Diener, daß alles bereit wäre. Miß Gratton ins Bett zu bringen. Mr. Thornton trat vor.
„Ich will sie hinauftragen", sagte er. Er hatte die Zeit über sich heftige Vorwürfe gemacht, daß er die Abwesenheit der jungen Gouvernante nicht beachtet, nicht früher bemerkt hatte.
Sir Harry drängte ihn beiseite. „Nein, sagte er leise, „ich werde sie hinauftragen."
Mr. Thornton stimmte ihm bei, und der junge Mann hob Jane auf seine Arme.
Tie Veränderung der Lage brachte das junge Mädchen teilweise zur Besinnung; die schweren Lider hoben sich ein wenig, die großen, braunen Augen starrten ihn einen Augenblick bewußtlos an.
„Jane", flüsterte er leise in ihr Ohr, „Jane, mein Liebling, kennst Tn mich?"
Der Schatten eines schwachen Lächelns überflog ihr Antlitz, und ein träumerischer Ausdruck kam in ihre Augen.
„Ja, ich kenne Dich", murmelte sie. „Du bist--"
ein unverständliches Geflüster verlor sich zwischen ihren Lippen, die Lider sanken über die Augen, und der schöne Kopf fiel schwer auf Sir Harrys Schulter zurück.
Schluß folgt.
Eine Studienreise nach Wordostdeujschland.
Bon Tr. K. in H.
(Nachdruck verboten.)
Am 27. August l. I. trat Herr Professor Tr. Sievers mit 11 Studenten die 5. geographische Unterrichtsreise der Universität Gießen an. Sie dauerte 17 Tage und richtete sich nach Ost- und Westpreußen, sowie Posen. Ihr Zweck war, die Geographie der preußischen Seenplatte, die Großstädte und Ordensburgen des Ostens, die Ostseeküste mit ihren Hassen, Nehrungen und Dünen an Ort und Stelle kennen zu lernen.
Eine 21h4stündige Fahrt im Schnell-, resp. D-Zug, die nur durch einen Aufenthalt von P/2 Stunden in Berlin unterbrochen wurde, brachte die Teilnehmer über Frank- furli.'. . £)., Posen, Thorn und Allenstein am Abend des 2 8. August nach R 0 t f l t e ß, einem kleinen Torfe im mittleren Masuren. ■,
Der erste Exkursionstag (2 9. August) führte nach kurzer Eisenbahnfahrt über Bischvfsburg zunächst nach Dombrowken. Von hier aus erfolgte ein dreistündiger Rundgang durch das typische Moränengebiet um Groß-Kam io nken, das für den Geographen und Geo- logen eine Menge Stoff zum Studium bot. Eine sehr gut ausgebildete_ Rundhöckerlandschaft, ausgedehnte Endmoränen in mächtiger Blockpackung, einzelne zungen- förmrg gestaltete, kleinere Seen u. a. m. waren Zeugen früherer Vergletscherung. Daneben boten die Gehöfte und Ortschaften, die durchwandert wurden, einen Einblick in die einfachen und bescheidenen Verhältnisse der masurischen Landbevölkerung. Ter Nachmittag brachte nach einer kurzen Eisenbahnfahrt über das schön gelegene Sens bürg eine Kahnpartie auf dem Murawasee und der Murawa bis Er ut in neu. Wenn die Fahrt auch durch den eingetretenen Regen sehr beeinträchtigt wurde, so zeigte es sich doch, daß man diese Partie mit Recht als eine der Glanznummern für Touren durch Masuren bezeichnen kann. Prachtvolle Baumbestände mit sehr hohen, üppigen Farnen äumten die Ufer ein und gaben in Verbindung mit den zahlreichen Schlingpflanzen dem Ganzen das Gepräge einer Tropenlandschast. Da der Regen auch für den übrrgen Tert des Tages nicht nachließ, war der dreistündige Marsch von Crutinnen nach Rudczanny, dem Ziel des ersten Tages, besonders anstrengend. Der vorgesehene Besuch des PHUipponenklosters, der Niederlassung einer russischen Sekte, mußte unterbleiben.
Der 30. August, (Sonntag) wurde zum großen Teil


