Ausgabe 
2.11.1903
 
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-gnügen, aus gerechnet, wieviel , den fünf Jahren von 1897 bis!

den

Redaktion: August Götz. - Rotationsdruck und Lerlag der BrLbl'schen Universttöts»Duch. und EteindruSere». ,R. Laug«, Gießen.

ich! werde mich! keiner Ueberhebung schuldig' machen, MM ich Sie frage: Haben Sie sich schon einmal klar gemacht/ was der Jurist,'summa summarum, außer seinen eigent­lichen Dienstgeschäften, noco für sein Amt tun muß, uni allen an ihn gestellten Anforderungenvoll und ganz"- gerecht zu werden? Ich will heute nur sagen: was erj lesen muß. Da ist, um nach! dem Vorbild der Natur! mit dem Kleinsten zu beginnen, das Kreisblatt. Das muß man kennen. Denn man kann nicht wissen, ob nicht der Herr Landrat die Hundesperre verfügt. Dann das Amts­blatt. Auch das erfordert Aufmerksamkeit. Es ist immer­hin möglich, daß der Herr Regierungspräsident ein mensch­liches Rühren fühlt, und das Verbot der Mäbchenkneipest von elf Uhr ab aufhebt! Folgt das Justiz-Ministerialblatt/ in dem der Herr Minister befiehlt, das Schreibwerk ah-

Gleichklangrätsel.

Wie lieb ich meinen grünen Hain!

Tret' ich in seine Schatten ein, Seh' ich sie, die mein Rätsel nennt, Tort ragen stolz zuin Firmament. Wie schön und stark! Doch ach, ich weiß: Jetzt sind gestiegen sie im Preis.

Ter Herr des Wald's braucht Geld imb drum Läßt hauen er die Stolzen um.

Und ich, der bei ihm angestellt, Muß, was das Rätsel nennt, das Geld.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Scherzrätsels in vor. Nr.r Futter, Futteral. . .

_______________rr-Ua*.

gelb fehlte, so bekam jede Korporalschach zwei 25-Talerscheine. Am andern Tage kam Unteroffizier Krauskopf zu Feld­webel Bruchhäuser mit der Meldung, in der Nacht hätte ein Franzose seine beiden Scheine zerrissen. An dem einen Schein war in der Mitte ein Stück herausgerissen, am andern fehlten die vier Ecken. Seine Reklamationen halfen aber nichts, indem der Kompagniechef ihm mitteilte, daß er bte Scheine ersetzen müsse. Schließlich fand sich ein Musketier L. aus Assenheim, der Krauskopf die zerrissenen Scheine ersetzen wolle, wenn dieser ihm 10 Gulden Nach­lasse. Gern wurde ihm das gewährt, und 'S. konnte in Mannheim die beiden Scheine gegen 50 Taler wieder ein­lösen, da wahrscheinlich die Nummern nicht verletzt waren. Wie sich später herausstellte, hatte Krauskopf die beiden Talerscheine selbst am Abend in einer Wirtschaft zerrissen, nm Franzosen, die Papiergeld nicht wechseln oder in Zahl- nehmen wollten, zu zeigen, daß die Scheine auch in

=.. schädigten Zustande noch ihren vollen Wert hätten.

Nach der endgiltigen Unterzeichnung des Friedens konnte unser Regiment endlich am 1. Juni den Rückmarsch nach der Grenze antreten. Am 5. Juni überschritt es unter den Klängen der Regimentsmusik die neue deutsche Grenze und am 11. Juni kam es über die alte Grenze nicht weit von Weißenburg. Ueberall wurde es von den Be­wohnern herzlich empfangen, besonders in Bergzabern. Am 17. hatte das Regiment in Mannheim einen Ruhetag, und am folgenden Tag betrat es bei Viernheim zum erstenmale wieder hessischen Boden.

Am 19. Juni kam die 7. Kompagnie nach' Alsbach, wo ihr ein sehr freundlicher Empfang bereitet wurde. Gesang­vereine und die Schalljugend bildeten Spalier und ge­leiteten die Komvagnie nach dem Orte.

Am 21. Juni fand auf dem Exerzierplätze bei Darm­stadt die Parade der hessischen Division vor Seiner Königl. Hoheit Ludwig III. und der Einzug in die Landeshaupt­stadt statt. Unser Regiment bezog an diesem und am folgenden Tag in Bessungen und Umgegend Quartiere. Von hier aus wurden die Feldwebel nach Gießen gesandt, um die Entlassungspapiere vorzubereiten. Bei ihrer An­kunft in Gießen wurden sie schon auf dem Bahnhofe von Angehörigen, Freunden und Bekannten auf das Herz­lichste empfangen.

Das Regiment marschierte an den folgenden Tagen über Friedberg, Butzbach, und hielt am 26. Juni seinen Einzug in seine Garnison. Der Empfang in Gießen war überaus herzlich und freundlich. Die Soldaten wurden bei der Bürgerschaft einquartiert. Von der Stadt wurde jedem Unteroffizier und Soldaten ein Gulden ausgezahlt.

Mas ein preußischer Mchter alles lesen muß!

Am 12. Juli 1903 feierte der Erste Staatsanwalt am Landgericht Insterburg, Geh. Fustizrat Hecht, sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Bei dem Fest­mahl hielt ein Amtsgerichtsrat des Bezirks eine heitere f1 -de, die eine hübsche und heitere Schilderung dessen eulwirft, was alles heute ein Richter zu lesen verpflichtet ist, auch wenn er sich ganz auf seinen Berus beschränkt. Wir entnehmen dem Vortrag folgende Stellen:Es ist ja anders, es ist besser geworden als noch vor dreißig Jahren, wo die Schrift erschien:Der Preußische Kreis­richter ein Subalternbeamter", als Motto die Worte des ersten Kürassiers inWallensteins Lager":

Wir, .wir haben von seinem Glanz und Schimmer Nichts als die Müh' und als die Schmerzen, Und wofür wir uns halten in unser'm Herzen! 1 Aber eine Erkenntnis ist uns anscheinend verloren gegangen, die auf die Dauer nicht ohne Schädigung der Allgemeinheit mißachtet werden kann, die nämlich, daß der Kopf zu den edlen Körperteilen gehört und nicht über die Kraft malträtiert werden darf. Heut' eine neue Rechtsprechung, morgen eine neue Rechtschreibung, und schön schreiben sollte man auch noch, wiewohl man­cher mit Hamlet, dem Dänen, sagen könnte:

Ich hielt es einst wie unsre großen Herr'n

Für niedrig, schön zu schreiben, und bemühte Mich sehr, es zu ve^Krnen.

In diesem Kreise jr^x'^imtner, die weit mehr als ich ch'efähigt sind, den der Dinge zu überschauen; und

zukürzen.

Nur nicht drei Worte inhaltschwer:

Dasv. g. u", das gibt's nicht mehr! =

Und dann die Preußische Gesetzsammlung und das Reichsgesetzblatt! Da darf man nichts überschlagen, selbst nicht einen Staatsvertrag mit Nordamerika. Denn wer bürgt mir dafür, daß nicht ein Konsul sich über muh be­schwert, weil ich auf einen groben Klotz einen groben Keil gesetzt habe, ohne zu ahnen, daß der Mensch das Privileg hat, mich zu brüskieren? Ich habe mir, und wahr-, lich nicht zu meinem Vergnügen, ausgerechnet, wieviel. Seiten die fünf Blätter in den fünf Jahren von 1897 bis 1901 enthalten haben, und wieviel Serien demnach der Jurist durchschnittlich im Jahre zu lesen die Pflicht gehabt hat. Das Resultat übertrifft jegliche Erwartung! Es smd insgesamt 12 753, d. i. pro Jahr 2550, oder täglich, Sonn-, Fest- und Ferientage nicht ausgenommen, rund siebest Druckseiten.' Man könnte einwendeu, ich hätte mir kritische. Jahre ausgesucht. Wer noch im Jahre 1902 zählte jedes der fünf Blätter über 300 Seiten, das Amtsblatt sogar 392 5 Das alles soll man lesen, nicht wie manWillis Werde­gang" liest, sonder« verdauen; und manchmal müssest wir lange, wie der Graf von Habsburg,mit sinnen-, dem Haupt" da itzen, bis Unsder Worte Bedeuten" ergreifst Und glaube ja niemand, daß es mit diesen sieben Druck­seiten täglich getan wäre! Nein, man verlangt von dem Juristen, daß er sich, auch mit der Rechtsprechung des Reichsgerichts vertraut mache. Das wären, allein tn Zwei­fachen, für dasselbe Jahr 1902 b los 926 Seiten. Dazu kom­men die Entscheidungen des Kammergerichts und selbst­redend Kommentare, Lehrbücher, Materialien usw.! Mast denkt unwillkürlich an JmmermannsMünchhausen , tote er dem Fräulein erzählt, was er in seiner Jugend alles habe lernen müssen. 26 Fächer standen auf fernem Lehr­plan; er trieb sie vom Morgen bis zum Abend, und nachts" fügt er hinzu,repetierten, experimentierten, disputierten wir".Und wann schliefen Sie?" fragte bas». Fräulein.Hin unb wieber eine Viertelstunbe bet den leichteren Doktrinen", versetzte ber Freiherr. Dre sublimste Jbee, bte jemals bem Hirn eines Juristen entsprungen ist: ber vor wenig Jahren gemachte Vorschlag, ben Urteilen keine schriftlichen Gründe mehr folgen zu lassen, ist un­genützt geblieben. Dafür wurde jetzt der Vorschlag gemacht, bte Ferien nicht zu verlängern, sondern abzuschaffen. Wer an all ben Klippen, bte hinter dieser Vielheit von Vor­schriften lauern, vorbeisteuert, so sicher, baß auf ihn das Wort Anwendung findet: , f

Mit dem Schiffe spielen Wind unb Wellen/ Winb unb Wellen nicht mit seinem Herzen, kann man nur aufrichtig beglückwünschen,.