Ausgabe 
2.11.1903
 
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'Ich' will Wissen", tief Rodeller mit wildem Fluch, toie Du in Deiner Freiheit unsere Pläne aufspürst. Ich komme schon noch dahinter!"

Sie lachte bitter.Dazu brauchis keinen Scharfsinn, Wenn Ihr Drei nachts abseits steht und zusammen flüstert, wenn Du böse Micke auf Monsieur Hamor schießest, sobald er über den Dorfplatz geht, jeden seiner Schritte beobachtest und ihm nachschleichst, bis an den Rand des Dammes, wo er in glückliche Gedanken vertieft nach den Sternen schaut oder lächelnd ins Wasser blickt."

Rvdellec sah ihr argwöhnisch in die Augen.Da steckt doch mehr dahinter als Du zugeben willst, aber), werde Dir Deine.Schliche schon vertreiben. Hast Du ihn jemals vor uns gewarnt? Weiß er, daß ich ihn hasse?"

Wenn er's wüßte, so wäre es nur deshalb, weil jeder, der nicht blind ist, den Haß in Deinen Augen lesen kann; ich habe ihm noch nie ein Wort gesagt von dem was ich sehe und höre, und was beständig in der Luft zu liegen scheint. Er selbst hat aber ein so sonniges-Gemüt, daß er nicht darauf achtet, und ist viel zu tapfer um irgend etwas zu fürchten!"

Fortsetzung folgt.

Kriegserleönrffe aus dem Ketdzuge 1870/71.

(SGuß.)

(In Nr. 161 derFambl." muß es in den ersten Zeilen der Fortsetzung derKviegserlebnisse" statt Hauptmann Leiß heißen Hauptmann Leiß von der 4. Kompagnie.)

Am 27. Januar erhielt das Detachement von Rantzau aus dem Großen Hauptquartier den Befehl, nach Osten vorzurücken, um gemeinsam mit einer Infanterie-Brigade des 6. Korps die in der Umgegend von Auxerre und Cha- mecy stehenden Franktireurbanden anzugreifen und ihnen den Rückzug abzuschneiden. Demgemäß verließ das Deta­chement am 28. Ouzoues und erreichte gegen abend Cha- tillon fous Loing. Nach! den Mitteilungen der Einwohner war die Stadt vom Feind nicht besetzt, doch erhielten unsere Truppen bei ihrem Erscheinen Feuer. Leutnant Sar­torius wurde durchs einen Schuß aus einem Hause ver­wundet. Sofort wurde eine Sektton in das betreffende Haus geschickt, um den Täter lebend oder tot herauszuholen, eine schwierige Aufgabe bei der herrschenden Dunkelheit. Kaum wurde die Tür geöffnet, und ein Soldat der 3. Kom­pagnie drang vor, so siel auch! schon ein Schuß, bei dessen Aufbtttzen man einen Franktireur wahrnahm. Kurz ent­schlossen sprang der Einjährige Betzberger von der Leib­kompagnie (ein geborener Gießener, jetzt Gerichtsvollzieher rn Nidda) unseres Regiments auf diesen zu, und als der zwcrte Schuß fiel, der ihm am Kopfe vorbeiging und einen Dragoner-Einjährigen vom 6. Korps am Arme streifte, durch­bohrte er den Frankttreur so wuchtig, daß die Spitze des Bajonettes noch! in die Wand eindrang.

In der Nacht bezog das Detachement in Chattllons Alarmquartter. Der Stadt wurde für ihr feindseliges Ver­halten die Zahlung Von 50000 Franken auferlegt, wovon sie aber nur 29 000 bezahlte, mit der Begründung, nicht mehr zu haben. Der Maire und der Geisttiche wurden daher am folgenden Tage von der Leibkompagnie unseres Regi­ments mitgeführt, um auf Chatillon einen Druck zur Be­zahlung auszuüben. Binnen zwei Tagen wurden sie aber von der Stadt ausgelöst. Am 29. Januar marschierte das Regiment nach Charoh, wo es Quartter bezog, ' und am 30. nach Touch. Hier erhielt General von Rantzau die amtttche Mitteilung von dem am 28. Januar zu Bersailles abgeschlossenen Waffenstillstand, von dem man schon vorher berm Durchmarsch durch ein Dorf (Anschlag von Plakaten) Kenntnis erlangt hatte. Mit dieser Besetzung von Touch mrdrgte dre kriegerische Tättgkeit unseres Regiments. Das Detachement bezog in Touche Quartiere. Feldwebel Bruch- haufer kam zu einem Uhrmacher in Quartier, dessen Frau £ 's ß,ei¥afenSeiten, Tücher um die Köpfe

Snnb, bannt dre Kissenbezuge nicht beschmutzt würden.

2. Februar erhrelt General von Rantzau den Befehl,

flVpit et/^m r, ®eta^ment die Linie Gien-Auxerre zu be- ? Kompagnie unseres Regiments kanr vom 4.

r ' o'efrxutw Wicbcx Ttcicfy (Äien, tvo hiebet

Ter ttntt^ r ^Eselben Hause einquarttert wurde. Der einzige Sohn des Orrartterwirtps hatte bei Metz unter ÄT Kefochieir, doch hatten die Eltern seitdem nichts Mehr von chm gehört und gischten, er sei gefallen. Um so

größer war ihre Freude, als sie am 13. von- ihrem Sohne Die Nachricht erhielten, daß er mit der Armee Bourbakis wohlbehalten nach der Schweiz gelangt sei.

Inzwischen war bei General von Rantzau der Befehl eingegangen, mit seinem Detachement nach der Gegend von Blois an der mittleren Loire zu marschieren und sich dort mit dem 9. Korps zu vereinigen. Der Marsch ging über Chateauneuf-Orleans, und am 19. wurde bei Blois wieder die Loire überschritten Born 25. Februar bis zum 5. März lag unser Regiment in Chateau Renault. Die Vor­märsche wurden jetzt.eingestellt, da am 26. Februar die Friedenspräliminarien unterzeichnet worden waren. Von Chateau-Renault sandte das Regiment seine überetats­mäßigen Mannschaften zurück, die 7. Kompagnie konnte 36 Mann nach Deutschland zurückschicken. Während dieser Zeit kamen die von den Franzosen gefangenen deutschen Soldaten zurück; unter ihnen befand sich auch Korporal Krantz von der 7. Kompagnie, der am 14. Januar bei Giens in die Hände der Feinde gefallen war.

Am 5. März trat das rr:*: von Rückmarsch

an, um zunächst aus dem rechten Marne-Ufer Standquar­tiere zu beziehen. Der Weg führte zum großen Teil durch ; Gegenden, die den Truppen von dem Bormarsch auf Orleans her bekannt waren. Am 21. und 22. März lagen Teile des 1. und 2. Bataillons unseres Regiments in Vendeuvre, wo der Geburtstag des Kaisers gefeiert wurde. In der Nackt wurde Feldwebel Bruchhäuser plötzlich geweckt. Er glaubte, es sei im Quartter wieder einmal Feuer ausgebrochen, und rief sofort nach seinem Burschen. Die Befürchtung war jedoch grundlos, denn es war die Tochter des Quartter- wirtes, die auf dem Nachhausewege von einem Zudring­lichen verfolgt worden war und nun den Schutz des Mon­sieur sergeantmajor erstehte. Nach! einigen Stunden wurde Feldwebel Bruchhäuser wieder in seiner Ruhe gestört. Dies­mal war der Furierschütze von Bvckum-Dolfs da, der den Abmarsch der Fouriere verschlafen hatte und sich nun mtt einer Extrapost allein auf den Weg machen mußte. Da er gut französisch sprach, kam er jedoch rascher zu dem nächsten Quartter als die übrigen Fouriere. Aus Versehen quarnerre er jedoch! ein Drittel der Kompagnie mit Ver­pflegung ein, obwohl die Truppen Magazinsverpflegung hatten. Die Bevölkerung nahm aber keinen Anstoß daran und bewirtete die Soldaten sehr trefflich, von Bockum- Dolfs führte lange Zeit einen alten Talerschein mit, den er bei der Bezahlung vorlegte. Regelmäßig wurde ihm aber sein Papiergeld zurückgewiesen, und da er kein Metallgeld besaß, wurde er überall umsonst bewirtet. Bei Vendeuvre erging es ihm aber nicht so gut. Als er wieder mit seinem Schein zahlte, wurde dieser ihm von der Wirtin zu seinem großen Leidwesen ruhig in Zahlung genommen, von Wockunr- Tolfs blieb übrigens nicht mehr lange bei der Kompagnie. In Tonnance les Moulins wurde er von seinem Vater zur Fortsetzung seiner Studien reklamiert und nach Gießen ent­lassen.

Bon Vendeuvre marschierte die 7. Kompagnie über Bas- sur-Aube, wo Kaiser Wilhelm in den Befreiungskriegen die Feuertaufe empfangen hatte, nach! Tonnance les Moulins. Hier und in einigen Nachbarorten lag die Kompagnie vom 27. März bis zum 4. Mai in Standquartieren. Während dieser Zeit wurde viel exerziert und auch Felddienstübungen sanden statt. Tie Beziehungen zwischen den Einwohnern und unseren Soldaten hatten sich in Tonnance recht freund- lich gestaltet. Besonders zeigte sich das gute Einvernehmen bei dem Ausmarsche am 5. Mai, indem einige Bewohner den Soldaten noch! auf weite Strecken das Geleüe gaben. Gefreiter Weeg, der Fourierdienste zu leisten hatte, wurde z. B. von seinem Quarttergeber bis zum nächsten Quartier umsonst gefahren, und sein Wirt blieb bei ihm, bis die Kompagnie am nächsten Tage dort Quartiere bezog. Noch beim Abmarsch winkte er ihm lange von einem Berge Ab- schiedsgrüße nach. Infolge der allmählichen Räumung Frankreichs wurde das Gießener Regiment Anfang Mai von dem Departement Vosges verlegt. Am 10. Mai kam es nach. Epinal, und vom 11. bis 31. Mai lag die 7. Kom­pagnie in Lepagnes. Während dieser Zeit fiel dort eich Wolkenbruch, sodaß das enge Tal, in dem Lepagnes liegt,- vollständig überschwemmt wurde. Hierbei rettete ein Soldat der 7. Kompagnie aus den Fluten ein Kind, das in seiner Wiege von dem Wasser fortgerissen worden war.

Am Abend des 31. Mai' fand, da am 1. Juni der Ab­marsch erfolgte, Löhnungsapppl walt. Da es an Metall-