Ausgabe 
2.11.1903
 
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tzhr NnfaltMnsel, einen hier Vernähe über den Haufen Mt rennen?"

Zum Teufel auch!" rief Herbe Rodellec ergrimmt und erhob seine Blendlaterne.

Wo ist Dein Milchgesicht von Malers fragte Loic zornig. Rodellecs Versuch, diese unvorsichtige Rede zu hin­dern, kam zu spät.

Guenn maß die Männer mit unsäglicher Verachtung. Mlfo Ihr wartet auf Monsieur Hamor?" begann sie end­lich langsam.Nur drei an der Zahl? Wußtet Ihr wirk­lich niemand weiter, um mit Euch hier in: Dunkeln einem harmlosen, jungen Mann auszulauern, der sorglos singend einhergeschlendert kommt, weil er ein gutes Gewissen hat, und keinem ein Leid znfügt?"

Wer hat denn gesagt, daß lvir auf Hamor warten?" Krümmte Nives tückisch.

Ihr selbst, Loic Nives, mit Eurer schwatzhaften Zunge", war ihre kluge Antwort.

Das konnte er nicht ableugnen und verwünschte sein Ungeschick.

Wie kommst Du darauf, daß wir etwas Böses im .Schilde führen?" fragte Hoel schwachherzig.

Wenn sich drei Männer Eures Schlages im Dunkeln an einem solchen Ort verstecken" sie zuckte

bedeutungsvoll die Achseln.

Hör' einmal, Mädel", begann setzt Rodellec,Du sollst Uns setzt Rede stehen; wir lassen uns nichts weiß machen. Nicht von der Stelle kommst Du, bis Du Antwort gibst." Sein Ton klang so barsch und drohend, daß selbst Nives erschrocken näher hiuzutrat.

Guenn kreuzte die Arme über der Brust und blickte ihren Vater entschlossen an.Um seinetwillen muß ich jetzt auf der Hut sein", dachte sie und ihr Herz schlug höher vor Mut und Hingebung, Der Abendwind schien seltsamer­weise nur an einer bestimUrten Stelle, in den Epheublästern Wer ihr zu rauschen.

x-Daß Du mir setzt keine Lüge sagst!"

Ich lüge niemals", versetzte das Mädchen.

Wo hast Du ihn verlassen?"

Verlassen wen denn?"

Du hast hier nicht zu fragen, sondern zu antworten. Du weißt wohl, wen ich meine; den Maler _ Hamor!"

Im Atelier heute morgen um halb elf Uhr."

Er leuchtete ihr mit der Laterne ins Gesicht- M war Keinahe, als ob sie lächelte.

Seitdem hast Du ihn nicht gesehen?"

Allein!"

Rodellec begann mißtrauisch rings herum in'die'Ge­büsche zu leuchten.

Du brauchst nicht zu denken, daß er sich versteckt, daß er vielleicht michj, ein Mädchen, vor sich her schickt. Er, ist kein Feigling!" rief sie unwillkürlich wie triumphierend cm3.

Wo hast Du gesteckt?" fuhr Rodellec mit seinem Ver­hör fort.

Bei Marie Brenn. Ihre Großmutter hat einen Fall getan und da hat Marie doppelte Arbeit."

Wo ist der Maler?"

Laßt fie gehen, Rodellec. Sie kann nichts dafür", suchte Nives zu begütigen; er war wohl selbst nicht weniger xoh, aber dabei jung und verliebt.

Die Hände in die Seite gestemmt, wandte sich Guenn feindselig gegen ihn:Laß Mr raten, Loic Nives, und halte den Mund! So einen wie Du bist brauche ich nicht Zum Verteidiger, und heute noch weniger als sonst. Ich verachte Dich und Deine heimtückischen Pläne; mein Leben- Lang gönne ich. Dir kein gutes Wort mehr! Harmlosen Menschen hinter einer Mauer aufzulauern, Pfui der Schande!"

Hast Du gewußt, daß wir hier auf ihn warteten?"

Jetzt ließ Guenn alle Vorsicht und Klugheit fahren. Leidenschaftlich warf fie die Arme in die Höhe, ließ sie schlaff wieder herabsinken und ries heftig:Was liegt 'daran, -ob ich's gewußt habe oder nicht? Ich weiß, daß Ihr Unheil brütet. Ist das nicht genug? Ich weiß, daß fein ehrlicher Mann hier nicht mehr in Frieden seines Weges gehen kann. Ist das nicht genug? Ick) weiß auch, .daß drei Bretagner, Männer von Plvuvenec, tüchtige See­leute, die sich, weiß Gott, für zu gut halten sollten hier als Räuber und Feiglinge zu lauern, jetzt stehen und mich anstarren = mich, ein Mädchen == als ob sie sich

vor mir fürchteten =7 weil ihre Herzen schwärzer sinh als die Nacht, in der sie ihr unsauberes Geschäft be­treiben. Da habt Ihr alles, was ich weiß macht's Euch zu Nutzen!"

Um Gottes Willen, er wird Dich' umbringen", rief Hoel entsetzt, und suchte sich zwischen Vater und Kind zu drängen, Rodellecs Gesicht war vor Zorn und-'Wut verzerrst

Ihr schämt Euch jetzt, Hoel! Macht, daß Ihr nach Hause kommt!" wandte sie sich verächtlich an diesen.Was habt Ihr hier noch zu suchen? Ob er mich tötet oder nicht, ich brauche keine Hilfe von einem Manne, der einem andern bei Nacht auflauert, um ihn zu überfallen!"-

Guenn, liebe kleine Guenn, süßes Mädchen", flehte Hoel,ich habe Dich! ja immer so gern gehabt, und immer!

Deine Partei genommen."

Ein Feigling seid Ihr, weiter nichts! Was hat ev Euch jemals zu Leide getan? Nichts, gar nichts, das wißt Ihr sehr wohl! Tötet mich, wenn Ihr Lust habt, hackt mich in Stücke und werft mich über die Mauer. Ich fürchte mich nicht vor Euch. Jetzt will ich reden Ihr habt ja auch gesprochen", sie wandte sich unerschrocken an ihren Vater.Bei meiner seligen Mutter nie habe ich eine Klage über Euch laut werden lassen! Ihr habt mich vor diesen Männern zur Rede gestellt. Jetzt aber kommt die Reihe zu fragen an mich!"

Bo:: dem hellen, befehlenden Klang ihrer Stimme fühlten sich- selbst die rohen Männer: eingeschüchtert. Ro­dellec war der erste, der sich wieder faßte.

Mas fällt Dir ein, solchen hochfahrenden Don anzu­schlagen?" fragte er wild.

Ich will wissen, was er Euch zu Leide getan hat?"

beharrte Guenn.

Das ist wohl noch nicht dagewesen, daß ein Mädchen sich herausnimmt, seinem Vater die Beichte abzunehmen"/ höhnte Rodellec.Eins hat er getan er hat Dich be­hext, das ist gewiß. Seinetwegen hast Du vergessen, was einem ordentlichen, anständigen Mädchen geziemt."

Das ist nicht wahr", rief Guenn mit blitzenden Augen. Er hat in seinem ganzen Leben nur Gutes getan; aber Ihr seid auch nicht von fern im stände, fein Tun zu begreifen."

Guenn", begann Hoel furchtsam und stieß sie dabei freundschaftlich mit dem Ellbogen an,sei doch nicht so böse. Es wäre ja nicht einmal so schlimm, sondern nur natürlich für jeden Mann, einem so hübschen Mädchen! gegenüber, wie Du eins bist! Hat er Dich denn jemals geküßt natürlich nur ganz zufällig hat er das

jemals getan?"

Er!" rief das Mädchen mit unaussprechlicher Veracht­ung für den Fragenden.'Da sieht man recht, wie klein­lich und gemein Eure ganze Sinnesart ist! Er denkt nicht an dergleichen nur an Sonnenschein und Fachen,- an hohe prächtige Bäume und an das Meer; er liebt Blumen und Kräuter und lustige Kiudergesichter. Für jeden hat er ein freundliches Wort, ein gütiges Lächeln. Den alten Leuten, die schwach am Wege sitzen, wird es' froh und leicht ums Herz, wenn sie nur sein heiteres Antlitz sehen. Die kleinen Kinder nimmt er in seine Arme,! er hat Mitgefühl für einen lahmen Hund, ein müdes Pferds für alles was leidet. Ich habe ihn um eine welke Rose trauern sehen. Und Ihr Memmen verbergt Euch- hier heimlich, um ihm nach dem Leben zu trachten!"

Laut erklang ihre beherzte Rede durch die stille Nacht; als sie tief aufatmend innehielt, machte sich das ergem tümliche Rascheln des welken Laubes über ehr deutlich

betnexfbuT.

Guenn", hob Hoel wieder bittend an,.sag' mir nur das eine: Seit Wochen flüstert man -bald dres bald dach .mir war's ganz überdrüssig, alle die Anspielungen zu Horen. Schenk Du mir reinen Wein ein: wer gab Der die schonen Kleider zum Gnadenfest?" ,

Iw. -nächsten Äug entzück schon hatte Guenn rhre Haube heruntergerissen, was lag ihr jetzt noch daran ihr Ge- beimnis zu wahren.Also deshalb? Da seht her! Freut Euch darüber! Ich hab' es selbst abgeschmtten! Es war das schönste, längste Haar in Plouveuec, und rch habe es abaeschuitten, weil ich wollte, weil ich Geld brauchte. Hat einer von Euch Leuten, die Ihr Euch hinter Mauern ver­kriecht, etwas dagegen einzuwenden, so mag er's sagen!- Sie fuhr sich hastig- mit der Hand durch das dichte Haar,' da seht's Euch nur genau an! Seid Ihr jetzt befriedigt? -