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(Fortsetzung.)
Man konnte aber auch nichts Bezauberndes sehen als das Köpfchen, das sich jetzt in großer Verwirrung vor ihm senkte. Noch warm und Zeucht von der Kappe lagen die kurzen Haare, in weichen glänzenden Ringeln wie die eines kleinen Kindes, fest an den Kopf gedrückt.
„Nun, das muß ich gestehen!" rief Hamor laut auflachend; in Guenns Augen stahlen sich ein paar heiße Tränen der Scham.
„Nein, nein, id) will nicht lachen", tröstete der Maler gutmütig, „es sieht ja auch so ganz hübsch aus, Guenn. Mas ist Dir aber nur eingefallen, solch einen dummen Streich zu begehen?" Er sprach so gütig zu ihr, daß Guenn die Fassung wieder gewann und zu antworten vermochte.
„Ich brauchte Geld", brachte sie stockend hervor.
1 „Aber wozu denn?"
„Für das Neviner Gnadenfest", erwiderte sie inechanisch mit seltsam umschleierter Stimme.
„Gerechter Himmel, deshalb?" rief der junge Mann überrascht. „Nun Guenn, ich will Dir keine Vorwürfe machen." Er kam sich sehr großmütig vor, da er ihr Haar gerade jetzt hätte brauchen können. „Es geht natürlich niemand etwas an. Jetzt geh' nur und schaffe mir so schnell wie möglich ein Mädchen herbei, mit recht langem glänzend braunem Haar, so wie Deines war; lang aufgeschossen muß sie sein, wie es zu dem Haar paßt. Du bist zwar nicht lang, aber Deine Umrisse machen den Eindruck 'c= weißt Du jemand?"
„Ich glaube wohl", entgegnete sie hastig, ihr Häubchen wieder aufstülpend und wandte sich- zum Gehen.
„Guenn!" rief ihr Hamor nach, in einer seiner Anwandlungen von Liebenswürdigkeit, „Du nimmst mir doch nicht übel, daß ich vorhin gelacht habe? Du sahst wirklich wie ein Wickelkind aus, es war zu komisch, Du bist mir deshalb nicht böse, nicht wahr?"
„Oh nein, Monsieur", sie machte einen schwachen Versuch zu lächeln.
„Uebrigens, wenn Du mir jemand auf etwa eine Stunde schickst, brauche ich Dich heute nicht mehr. Ich arbeite bis zum Dunkelwerden unten an der Landspitze. Komm also erst morgen, zur gewöhnlichen Zeit."
„Ja", flüsterte Guenn, dann ging sie, um ein Mädchen zu suchen mit ebenso langem Haar, wie ihres früher gewesen war. Es schien ihr, als ob Monsieur Hamors Lachen vorhin ihr nicht so weh getan haben würde, wenn er nicht
damals beim Tanzen den Kopf ab gewendet hätte. >,Lenas. Haar ist lang und braun; sie hatte immer das längstes außer mir. <Äe wird nicht kommen wollen, aber ich toerbe^ sie schon überreden. Es ist ja ganz natürlich- daß ev- eine andere verlangt, wenn ich nicht mehr habe, was eü; braucht", setzte sie mit einer für ein Weib großartiger^ Freiheit des Urteils hinzu, „aber ach; mein Haar, meitN; schönes, langes Haar! Hätte ich nur wissen können, daK er es brauchen würde!" Seufzend suchte sie Lena auf. / „Tie Weiber sind doch alle gleiche", bemerkte Hamor/ als sie weggegangen war, „ist's. nicht die eine Eitelkeit, so ist,'s eine andere!"
„Hm", meinte Douglas nachdenklich, „ich maße mir kein Urteil an über die Weiber."
„Ich will mich zwar nicht besonders rühmen, aber ich glaube sie zu kennen", sagte Hamor.
Den Nachmittag über arbeitete er an der Landspitze und beabsichtigte in der Dämmerung den weiten Heimweg durchs die chemins ereux zu machen; es traf sich aber günstig; für ihn, daß gerade, als er zusammenpacken wollte, eich) Boot in Sicht kam, aus welchem ihm Meurice ganz gegen seine Gewohnheit einen herzlichen Seemannsgruß zurief.!
Hamor folgte seiner Aufforderung, zu ihm einzusteigen;-- mit Freuden; die frische Seefahrt war ihm eine angenehme Erholung nach der Tagesarbeit. In bester Laune und mitt; kräftigem Appetit kam er zum Essen nach Hause. Es war' ihm wohl aufgefallen, daß Meuriee ganz gegen seine Ge< wohnheit noch so spät draußen gewesen war, doch dachte er: nicht weiter darüber nach; da ihm der Umstand so gut zu' statten kam.
Zwischen fünf und sechs Uhr herrschte bereits dichte Finsternis in den Heckenwegen, durch die Hamor stets von der Landspitze heimkehrte. Hinter einer hohen Mauer, ani der vorbei ein kleiner Pfad in den Hauptweg führte,; standen drei Männer im Gespräch:
„Ihr vertretet ihm den Weg, und wenn er aufbegehrt/' stellt Ihr ihm ein Bein und werft ihn nieder."
„Ja, ganz zufällig", murmelte Hoel.
„Das haltet wie Ihr wollt, nur daß es geschieht",-: entgegnete Rodellec, der es überdrüssig war, Hoels Einwände noch länger anzuhören. „Ihr fangt an, wir bringen'^ zu Ende." . /
„Er kommt spät", brummte Loie Nives.
Ta ertönten Fußtritte vom Wege her. „Der Burscht schleicht so leise wie eine Katze", dachte Hoel, der Schritt kam näher — es war sehr dunkel, aber unmöglich konnte der Maler so klein sein, wie diese Gestalt. Doch da gab Rodellec hinter ihm schon ein ungeduldiges Zeichen; „es mußj der Grog sein, der mir die Augen umnebelt", suchte sich Hoel zu überreden, und rasch entschlossen warf er sich der herankommenden Person entgegen, die ihn mit einem wohl- gezielten Schlag vor die Brust empfing.
„Bleibt auf Eurer Seite des Wegs, hört Ihr wohl?'« rief eine zornige Mädchenstimme. „Was soll das heißes


