132
Von Zeit zu Zeit wird die Linse während des Roh- schteifeus mit Taftzirkeln und Schablonen geprüft! letztere bestehen aus Messingplatten, deren Kante dieselbe Krüm- • ittuitg besitzt, welche die Linse erhalten soll. Für eine Konkavfläche braucht matt natürlich eine konvexe Schablone, und für eine konvexe Fläche eine konkave Schablone. Der Arbeiter legt die Schablone senkrecht auf und sieht zu, ob ihre Kante die Linse tu allen Punkten berührt. Die Tastzirkel gestatten die Prüfung der Linsendicke mit einer Genauigkeit von einem Zwinzigstel Millimeter.
Wenn die Linse auf diese Weile annähernd die gewünschte Form und Dicke erhalten hat, so kann mit beut Fein schleifen begonnen werden. Zunächst benutzt man äh nliche Schleifplatten wie beim Rohschleifen, nur daß das Schleifmaterial hier natürlich von feinerer Beschaffenheit ist. Tie Platten sind tu Mühlen angebracht, die mit Fuß- pedalen betrieben werden, wodurch man größere Ge- tiauigkeit erzielt. Tiefe Schleifarbeit erfordert eine Genauigkeit, von der ein Laie sich nur schwer eine Vorstellung machen kann. Kein mechanisches Meßinstrument kann nämlich den Erfordernissen genügen, sodaß man zu einem optischen Hilfsmittel greifen und die Erscheinung der sogenannten Newtvn'schen Ringe benutzen muß. Diese „Jnter- fereuzringe" treten mit den Farben des Regenbogens auf, wenn man die Linse fest gegen ein Probierglas drückt. Man nennt eine derartige Kombination einer ebenen Glasplatte und einer darauf gelegten Linse von sehr geringer Krümmung „Newtons Farbenglas". Aus Farbe, Lage und Regelmäßigkeit der auftretenden Ringe kann man die geringste Abweichung von einer korrekten Fläche bestimmen und Fehler von der Kleinheit eines Zehntausendstel von einem Millimeter feststellen.
Um die Linse gleichmäßig gegen die rotierende Schleifscheibe drücken zu tönnett, befestigt der Arbeiter dieselbe vermittelst eines geeigneten Siegellacks an einem Handgriff. Zum Feinschleifen benutzt man ausschließlich feuchten Schmirgel von verschiedenen Feinheitsgraden, bis man schließlich zur Herstellung einer mathematisch korrekten Oberfläche gelangt.
Mit dem Polieren wird die lange Reihe der Prozesse beschlossen. Man verwendet hierzu Polierrot auf selbsttätigen Poliermaschinen. Der Arbeiter bedeckt den Polierstein mit Pech! und drückt in dieses die Linse, sodaß sie vollständig festgehalten wird. Dann wird das Polierpulver aufgestreut, und so unter Einwirkung des rotierenden Mechanismus die Glasfläche poltert. Der Erfolg wird fortwährend unter Anwendung der Probiergläser festgestellt, überhaupt die Arbeit mit einer so großen Sorgfalt durch- ert, daß z. B. das Polieren einer Linse von fünf metern Durchmesser einen ganzen Tag beansprucht. Tie fertigen Linsen werden wieder mit einem Instrument, mit einem sogenanntett „Sphärometer", gemessen. Zugleich wird untersucht, ob das Glas etwa Sprünge enthält. Linsen mit Flecken und Streifen, welche eine ttnregelmäßige Strahlenbrechung Hervorrufen, müssett unbedingt verworfen werden, und häufig werden wertvolle Linsen durch die Ungeschicklichkeit eines Arbeiters völlig verdorben.
Wenn man bedenkt, daß die modernen astigmatischen Linsen aus sechs bis zehn Einzellinsen bestehen, so wird man den hohen Preis eines solchen Objekts begreifen können; erfordert doch schott die Herstellung einer einzigen vollkommenen Linse die größte Mühe. Ferner darf man nicht.vergessen, daß die optischen Eigenschaften von Gläsern, die aus verschiedenen Lieferungen stammen, auch stets verschieden sind, und daß matt daher die Polier- und Schleifformen häufig auswechseln muß, was die ganze Fabrikation natürlich erheblich verteuert.
Temnächst muß man an das Zusammensetzen der Linsen zu ganzen Systemen gehen. Tie Linsen werben zu diesem Zwecke aneinander gekittet und mit Hilfe von Drehbänken von höchster Präzision zentriert. Während des Drehens der Spindel beobachtet der Arbeiter, ob das Spiegelbild eines hellen Gegenstandes in der Linse unverrückt bleibt. Wenn nötig, verschiebt er die Linse in dem weichen Kitt, vermittelst dessen sie mit dem Ende der Spindel verbunden ist und bringt vermittelst eütes Tasthebels die Rotationsaxe der Spindel zum Zusammenfall mit der optischett Axe der Linse.
Hierauf folgt das Abschletfen der Littsenkantett. Sobald der richtige Durchmesser erreicht ist, wird die Linse
von dem Spindel abgenotttmett uttd mit einet ähnlich bearbeiteten Schwesterlinse kombittiert.
Tie Linsen, werden sorgfältig gereinigt, mit warmem Balsam bestrichen, gut aneinander gedrückt und mittelst eines geeigneten Hebelapparates zentriert. Hierauf werden die fertigen Linsensysteme vermittelst eines besonderen. Sparates in einem völlig dunklen Raum auf ihre opii- en Eigenschaften hin utttersucht. Benutzt wird hierbei eine Glasplatte mit abgeschliffenen Kanteu, auf der in gleichem Abstand von einander Parallellinien gezogen sind, deren Spiegelbilder in den Linsen beobachtet werden.
Wenn bann auch noch ber günstigste Abstand zwischen den beiden Kombinationen bestimmt worden ist, werden die Linsen in den mechanischen Werkstätten montiert, eineArbeit, deren Vollkommenheit die allerhöchste Bedeutttng hat. Das! fertige Objektiv wird schließlich als Ganzes nochmals geprüft und gilt nur dann als brauchbar, wenn es innerhalb eines Neigungswinkels von sechzig Grad ebenso gut wirkt, tote bei normaler Stellung zur Axe.
Zuletzt werden die Objektive in einem Prüfungsatelier untersucht, wo ihre photographische Leistungsfähigkeit durch Aufnahmen von großen Probeplatteu festgestellt ivird, da die vorhergehende Untersuchung rein optimistischett Eharakters ist. Diese wiederholten Prüfungen auf Genauigkeit bieten dem Käufer jede Garantie, sofern er für eine photographische Linse nur einen angemessenen Preis zahlt. Dr. A. Gr.
Heilung der Vergeßlichkeit. Ein Loitdoiter Kauf- mann hat ein Hausmädchen, welches anfangs sehr vergeßlich, war. Dieser Fehler machte sich besonders unangenehm bei den Mahlzeiten bemerkbar, da man sicher sein konnte, daß, immer etwas auf dem Tische fehlte.
Eines Tages saß die Familte bei Tische, als tote gewöhnlich die Tischglocke ertönte. Das Mädchen eilte in das Speisezimmer.
„Marie", sagte Herr B., „hole doch schnell etnmal die Trittleiter front Boden und bringe sie hierher."
Marie, die bei ihrem Mittagessen gestört worden war, ließ ein mißvergnügtes Brummett hören, lief dann aber die drei Treppen hinauf, um die Leiter zu holen. Nach fünf Minuten kehrte sie kettchend mit der Leiter in das Eßzimmer zurück. , „ c
„So", sagte Herr B., „nun stelle sie dort auf und steige hinauf." ' r. ,
Marie tat es. Als sie nun oben auf der Letter stand,, bemerkte Herr B. ruhig:
„Marie, Du hast nun einett besseren Ausblick als wir. Bitte, fiety Dich doch einmal um und sage uns, ob Du das Salz auf dem Tische sehen kannst. Meine Frau sagte, sie könne es nicht findetl."
Das half. Marie hat nie wieder etwas vergessen.
Til-Bits.
Bilderrätsel.
»Nachbildung ucrboten.j
OW.R
WW
! v
WG pv..
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Zahlendiamants in vor. Nr.r P
Pan Bautt e Pauline Peine In« e
A-daknon: Turt Pieta. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen NniversMS-Buch. und SteindrnSerei (Pietsch Erben) in Meßen.


