Ausgabe 
2.3.1903
 
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Bei Ihnen auch", erwiderte ich, und dieses tu quoque ließ ihn verstummen und schien ihm zu denken zu geben, und doch lag mehr Sinn darin, als in seinen fchmeichel- haften Worten, denen es an jeder Pointe fehlte.

Sie werden, fürchte ich, die .Verhältnisse hier noch ziemlich unentwickelt finden", begann er wieder, nachdem er mein Felleisen abgeschnällt und die Zügel meines Pferdes seinem Knechte übergeben hatte,und es ist ein Glück, daß Sie Junggeselle sind, wie ich."

Worauf er mit dieser Bemerkung hinauswollte, war mir nicht ganz klar, da ich meine Frau schwerlich so ohne weiteres und ohne Anmeldung mitgebracht haben würde, wenn ich verheiratet gewesen wäre. Als ich eine den Um-» ständen entsprechende Antwort gab, meinte er, es würde mir schon ganz gut gefallen, wenn ich mich erst etwas ein­gelebt hätte, als ob er glaubte, ich wolle ein paar Wochen bei ihm bleiben. Na, was Gastfreundschaft anlangt, so schießen diese Kolonisten den .Vogel ab, dachte ich, während er mir in die Wohnräume des Bankhauses vorausging, wohin ich ihm, immer noch über meinen Empfang ver­wundert, folgte.

Das Essen wird in einer iBiertelstunde fertig fein", sagte er, als ivir eintraten.Ich meinte, Sie würden zu­nächst gern ein Bad nehmen, und ich habe in dem Zimmer dort aut Ende des Ganges eins Herrichten lassen. Wenn etwas fehlt, rufen Sie nur. Ihr Gepäck ist, nebenbei gesagt, noch nicht angelangt, aber hier ist ein Brief an Sie, der heute morgen angekommen ist."

Doch nicht an mich?"

Ja; erwarteten Sic keinen?"

Ganz, gewiß nicht!"

Na, da ist er aber."

Und als er mich mit dem Licht in mein Zimmer ge­leitete, las ich die von mir selbst am vorigen Tage ge­schriebene Adresse: An W. F. Raffles!

Bunny, Dir zu schildern, was ich in diesem Augen­blick in mir vorging, als der Brief plötzlich alles klar machte, was mir bei meinem Einpfang so sonderbar vorgekommen war, ist unmöglich. Sprechen konnte ich nicht, und ich war unfähig, etwas anderes zu tun, als den Brief anzustarren, bis der Mann, der mich empfangen hatte, so taktvoll war, sich zu entfernen.

W. F. Raffles! Wir hatten uns beide geirrt und 'jeder den andern fiir W. F. Raffles gehalten, der noch nicht angelangt ivar! Nun war es freilich nicht mehr zu verwundern, daß ivir uns gegenseitig nicht verstanden hatten, und das einzige Seltsame war, daß wir unseren doppelter Irrtum nicht schon früher gemerkt hatten. Wie der andere gelacht haben würde! Aber ich ich konnte nicht lachen, denn für mich war, bei Gott, nichts zu lachen dabei. Wie von einem Blitze erleuchtet, stand die ganze Sache vor mir, aber diese Erleuchtung war für den einzigen Standpunkt, von dem aus ich die Angelegenheit betrachten konnte, von niederschmetternder Wirkung. Nenne mich ge­fühllos, wenn Du willst, Bunny, aber vergiß nicht, daß ich so ziemlich in derselben Klemme steckte, !vie Du neulich. Und daß ich aus diesen W. F. Raffles ebenso fest gerechnet hatte, als Du aus A. Ich dachte an den Mann mit dem rotkarrierten Hemd das reiterlose Pferd mit dem blutigen Sattel den absichtlich falschen Bescheid, der mich, von beut Saumpfad entfernt und aus dem Wege geführt hatte und nun warfen der fehlende Geschäftsführer und die Gerüchte von Buschräubern ein eigentümliches Licht auf beit Vorfall. Allein ich will nicht so tun, als ob ich persön­liches Mitleid für den Menschen gefühlt hätte, der mir ganz unbekannt war: diese Art von Mitleid ist gewöhnlich Heuchelei, und ich hatte all das meine für mich selbst nötig.

Ich war so tief in der Klemme, als nur je. Was, zum Teufel, sollte ich tun? Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist. Dir die unbedingte Notwendigkeit, reichlich mit Geld­mitteln versehen, nach Melbourne zurückzukehren, hinläng­lich klar zu machen. Tatsächlich, war es aber weniger die Notwendigkeit, als mein Vorsatz, den ich der Wahrheit gemäß als unerschütterlich bezeichnen kann.

Geld mußte ich haben aber wie aber wie? Würde dieser Fremde Bitten zugänglich sein, wenn ich ihm die Wahrheit sagte? Nein, das konnte nur dazu führen, daß wir beide für den Rest der Nacht die ganze Gegend- durch­sucht hätten. Warum sollte ich es ihm denn sagen? An­genommen, ich überließe es ihm selbst, seinen Irrtum zu entdecken.....würde dadurch etwas gewonnen werden?

Bunny, ich gebe Dir mein Wort, daß ich ohne eine bei stimmte Absicht im Kopfe, ohne eine überlegte Lüge auf den Lippen zum Essen hinunterging. Ich hätte tun können, was so nahe lag und was der Anstand erfordert hätte, indem ich ohne Zeitverlust alles erklärte, aber andererseits war das ja gar nicht so eilig. Den Brief hatte ich noch nicht geöffnet, die Ausrede, ich hätte die Anfangsbuchstaben über-, sehen, stand mir immer noch zu Gebote, und inzwischen konnte irgend etwas Vorfällen. Jedenfalls wollte ich die weitere Entwicklung noch eine Weile abwarten. Eine ge­wisse Versuchung fühlte ich bereits, aber sie hatte noch keine bestimmte Gestalt angenommen, und gerade diese Un­klarheit ließ mich zittern.

(Fortsetzung folgt.)

Die Herstellung photographischer Linsen.

(Nachdruck verboten.)

Die wachsende Bedeutung der Photographie für künst­lerische und wissenschaftliche Zwecke und der große Eifer der Amateure hat cm allgemeines Interesse für den Bau photographischer Apparate wachgerufen. Heute ist selbst jedem Laien bekannt, daß die Linse das wichtigste Element der ganzen Ausrüstung bildet. Der vorzüglichste Apparat mit allen modernen smnreicheu Vorrichtungen ist nichts wert, wenn tue Linse nicht von wirklich guter Beschaffenheit ist. So liegt die Frage nahe, wie denn eine erstklassige photo­graphische Linse erzeugt wird. Nun, der Uneingeweihte dürfte sicher im höchsten Grade überrascht sein, wenn er eine der großen Werkstätten betritt und nun beobachten kann, mit welch großer Sorgfalt und Umständlichkeit das Schleifen und Polieren einer solchen Linse bewirkt wird, bis sie auch nur zum Gebrauch in einer wohlfeilen Kamera fertig ist. Die umfangreichen Operationen sind aber nicht nur ntechanischer Natur, sondern beruhen auf sehr ver- ivickelten Berechnungen, sodaß man sagen kann, die Wissen­schaft habe einen Hauptanteil bei der Herstellung der Linsen.

Ich möchte nachstehend, ohne mich auf mathematische und physikalische Untersuchungen einzulassen, in großen Zügen die Fabrikation der photographischen Linsen schil­dern. Ich habe da speziell eine der größten oder wohl auch die größte Fabrik dieser Art im Auge, welche in ihren Berliner Werkstätten 700 Personen und eine weitere große Zahl von Kräften in Newyork und Thüringen be­schäftigt. Die Einrichtungen sind hier natürlich außer­ordentlich vollkommene, doch dürsten auch in kleineren Werkstätten die angewandten Verfahren im allgemeinen dieselben sein.

Als Rohmaterial dienen sowohl größere Glasplatten, aus denen Linsen verschiedener Größe herausgeschnitten werden, wie auch rohgegossene Platten, welche schon an-, nähernd die gewünschte Form zeigen. Die früher übliche Verwendung vierkantiger Blöcke aus gewalztem Glase hat man ganz verworfen, da durch das Abschneiden der Ecken bedeutender Materialverlust entstand. Das zur Verwendung kommende Material muß natürlich von allerbester Be­schaffenheit, größtmöglicher Durchsichtigkeit, Farblosigkeit, Klarheit, also auch frei von allen Flecken und Rissen sein. Nach Bestimmung der sogenannten optischen Konstanten werden die Blöcke in geeigneter Weise bezeichnet und durch Maschinen in Platten von geeigneten Dimensionen ge­schnitten. Als Schneidewerkzcug dienen hier rotierende galvanisierte Eisenplatten, deren Ränder mit Diamanten besetzt sind. Die Glasplatten werden gegen die rotierenden Scheiben geführt, und so die einzelnen Stücke abgetrennt. Ist annähernd die richtige Form der Linse erreicht, so wird die Rohplatte durch Schleifen mit feuchtem Sand auf flachen, rotierenden Gußeisenscheiben zunächst auf die erforderliche Stärke gebracht. Nachdem dann auch die Kanten der Roh- platte an Schleifscheiben geglättet worden, erfolgt die rohe Bearbeitung der konkaven und konvexen Flächen.

Bei diesem Verfahren wird das mit beiden Händen gehaltene Glas gegen die schnell rotierende Schleifform gedrückt. Die Schleifform ist mit feuchtem Sand bedeckt, und größte Sorgfalt ist erforderlich, damit die Wirkung sich in gleichmäßiger Weise über die ganze Fläche ver­teilt. Da dieser Punkt von allerhöchster Wichtigkeit ist, werden die Gläser vor ihrer weiteren Verarbeitung mehr­mals nach dieser Richtting hin geprüft und bei Nngletch- mäßigkeit der Flächen verworfen.