Ausgabe 
2.1.1903
 
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Spiele werden natürlich! auch von europäischen Jungens versucht, nur mit dem Unterschied, daß der Kreisel bei diesen Experimenten sofort aufhört, sich zu drehen, wäh- renö die japanischen Knaben die Sache glücklich durch­führen.

Alle diese Spiele bilden einen wesentlichen Teil des Neujahrsfestes in Japan, und man wird sich vorstellen können, daß die Kinder nicht wenig bestrebt sind, ihre Fertigkeiten auszubilden, um bei solcher Festlichkeit zu glänzen. Ehrgeiz und Eitelkeit sind ja sehr kräftige Trieb­federn. Bekanntlich sind ja auch die Japaner die hervor­ragendsten Meister in der Aequilibristik und den Taschen­spielkünsten,' sie übertreffen darin jede andere Nation die Chinesen nicht ausgenommen.

LMerarisches.

Frühlingsstürme." Roman von I. Bin egg. E. Pierson's Verlag, Dresden. Preis 3 Mark. Den stofflichen Kern und Stamm der ungemein reich ver­zweigten und interessanten Begebnisse bildet der Bruder­zwist im Hause Mvenhüller. Der Majoratsherrr sagt sich von seinem leichtsinnigen und unwürdigen Bruder, der sein ganzes enormes Vermögen verpraßt hat, los und unterstützt nur noch die beiden Kinder Hugo's, um sie vor Lebensforgen zu schützen. Die Schicksale dieser Neiden werden nun weiterhin zum Hauptthema des Ro­mans. Das flott geschriebene Buch ist sehr hübsch und sinnig ausgestattet.

Lttkie." Eine Dichtung in Briefen unb Tagebuch­blättern von I»Hannes Paul. E. Pierson's Verlag, Dresden. Preis 2 Mark. So einfach die Handlung, das Thatsächliche und Greifbare in dieser Dichtung auch er­scheinen mag, so kompliziert und farbenreich ist dafür das Innenleben, das sich in den Taaebuchblättern und Briefen dieses interessanten Buches offenbart. Das Buch enthält auch viele feinsinnige Betrachtungen über Kunst und Kultur. Es giebt ja heute noch Leser, die sich gerne in das Innenleben eines zartbesaiteten Gemütes versenken; ihnen sei das übrigens sehr hübsch ausgestattete Buch Herzlichst empfohlen.

M« erfolgreicher Berfafier. Jüngst ist eine Notiz durch> die Blätter gegangen, wonach Wilhelm Meyer- Förster mit seinem SchauspielAlt-Heidelberg" während der Bühnenfpielzeit 1901/02 den größten Theatererfolg er­rungen und in der Zahl der Aufführungen dieses einen Stücks die sonst am mefften gegebenen Dramatiker Schiller und Sudermann mit all ihren dramatischen Werken zu­sammen geschlagen hat. Nicht allgemein bekannt wird es sein, daß das SchauspielMt-Heidelberg" die Drama­tisierung einer früher erschienenen Erzählung des gleichen Verfassers ist, die den TrtelKarl Heinrichs trägt. Go wirksam das Schauspiel von der Bühne herab ist, so sehr macht für den Leser die Lektüre der Erzählung den tieferen Eindruck, denn gerade in der Erzählung tritt Meyer-Försters schriftstellerische Eigenart deutsche In­nigkeit, verhaltene Glut und vornehme Zurückhaltung der Gefühlsäußerung ganz besonders eindringlich hervor. Das Mich, das der bekannte Illustrator Mols Wald mit zahlreichen, prächtigen Abbildungen versehen hat, ist bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart er­schienen, und hat einen nicht weniger großen Erfolg als die Theateraufführung aufzuweisen.

Zeitschriften.

Deutsche Kunst und Dekoration. Heraus­gegeben und redigiert von Alexander Koch-, Verlagsanstalt von Alex. Koch, Darmstadt. 6. Jahrgang. 4. Heft.

Jnnen-Dekoration. Illustrierte kunstgewerb­liche Zeitschrift für den gesamten inneren Ausbau. Verlag von Alexander Koch, Darmstadt. Jahrgang 1903. Heft 1.

Wiener Mode. Illustriertes Frauen- und Mode- journal. Mit dem UnterhaltungsblattIm Boudoir" und der BeilageWiener Kindermode". Verlag: Wien, VI. Gumpendorfecstr. 87. 16. Jahrgang. 7. Heft.

DiesBlatt gehört der Hausfrau. Illustrierte Zeitschrift für die Angelegenheiten des Haushaltes sowie für Mode, Kindergarderobe, Wäsche Md Handarbeiten. Ver­

lag von Friedrich Schirmer, Berlin. 17. Jahrgang. 13. Heft.

Mode und Haus. Illustriertes Uutverfalblatt für die Familie. (Mit Schnittmustern und belletristischen Bei­lagen.) Verlag von John Henry Schwerin, Berlin W. 35, 19. Jahrgang. 7. Heft.

Illustrierte Wäsche-Zeitung. Gebrauchsblatt mit Zuschneidebogen. Verlag von John Henry Schwerin, Berlin. 13. Jahrgang. 1. Heft.

Aus fremden Zungen. Halbmonatsschrift für die moderne Roman- und Novellenlitteratur des Auslandes, 12. Jahrgang. 2. Band. IV und 152 S. Q. in 12 Heften. Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt.

Nord und Süd. Lindau, Paul. Eine deutsche Mo­natsschrift. 103. Band. 422 S. in 3 Heften- Breslary, Schlesische Verlags-Anstalt v. S. Schottlaender.

Vermischtes.

. , Mur nach einer gnten Mahlzeit. Eine Anzahl Damen begannen beim Kaffeeklatsch, als jedes andere Ge­sprächsthema erschöpft war, die Tugenden ihrer Männer zu rühmen.

Mein Mann", sagte eine der liebevollen Frauen,ist ein Muster eines güten Hausvaters, er trinkt nie, flucht nie in der That, er hat keine einzige Mochte Ge­wohnheit."

Raucht er auch nicht?" fragte eine der Damen.

Ja, etc raucht gern eine Zigarre unmittelbar nach einer guten Mahlzeit. Aber ich glaube, er ramW durchschnittlich nicht öfter alS einmal in der Woche."

Einige der Freundinnen kicherten, doch sie schien den Grund ihrer Heiterkeit nicht zu verstehen. Tit-Bitsi

Humori-tisches.

Gastgeberin:Wie, Sie gehen schon, Professor? Und müssen Sie dann Ihre liebe, kleine Frau mft nach Hause nehmen?"

Professor:Ich bedauere aufrichtig, gnädige Frau,- daß ich es' muß."

Ern sich en: (bet Tische)Onkel, bist DU blinde4

Onkel:Nein, mein Junge, wie kommst Tu da­rauf?"

Ernstchen:Weil Mama sagte, Dir würden schon die Augen aufgehen, wenn 'Tu erst mit Fräulein Rosa! verheiratet wärest."

Herr Professor", sagte ein Student beim Verlassen einer Universität,alles, was ich weiß, schulde ich Ihnen I'4

Bitte, sprechen Sie nicht über eine solche Kleinig­keit", war die wenig schmeichelhafte Entgegnung des Professors.

Logogriph.

(Nachdruck verboten.)

Der Christbaum sah ein glücklich Paar; Nach langen, seufzerrcichen Wochen Da hat Mama und hat Papa DaS langersehnt« Ja gesprochen. Als Bräutigam stand Röschens Schatz Frohlächelnd unterm Weihnachtsbaume. Dies Paar, den Himmel aufgethan Sah cs in sel'gem Zukunststraume.

Und unsre Hochzeit wird nun auch Gefeiert bald, sprach Fräulein Rosa; Da macht Mama das Rätselwrrt Mit aller ihrer Hausfrau'n-Prosa. Nein, Röschen, noch ist's nicht so weit, So können wir nicht weg dich geben; DaS alles ging fo schnell, es fehlt In Schrank und Truh noch manches eben. Besonders ist's das Rätselwort, Jedoch mit einem Kovf vom Lande;

Füllt das nicht reichlich Schrank und Truh, Gilt'S für die Braut als ein« Schande.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerfltäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.