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hasten Blick zu, der den junge» Leutnant tkef erröte» ließ) den lassen Sie sich recht gut munden.
Ich werde mir erlauben, Ihnen nachher Mutrinken." fc 1 ' - s — •—
Frau Assessor Reinhart zupfte ihren Gatten am Aermel und sagte leise:
„Nun sieh! nur, Oskar. Seit einer Viertelstunde unterhält sich der Landrat mit größter LiebeNswürdigkeit mit Hans. Ich, möchte nur wissen, wie der Junge es ansängt, haß jeder Mensch "glerch so gesprächig und nett zu ihm ist.
Ich werde ihn gleich, morgen früh um Rat fragen."
Japanische Kinderspiele am Neujahrsfeste.
Von E. Osten.
(Nachdruck verboten.)
Das Neujahrsfest ist Gemeingut aller Nationen. Alke haben ihre besonderen Festgebrauche, welche mehr oder- minder dem Nationalcharakter entsprechen. In Japan sind die Straßenbilder am Neujahrstage noch dreimal so malerische und bunt wie zu jeder anderen Zeit, und es such Namentlich die Kinder, welche die Szene beleben und das Interesse des Europäers in besonderem Maße fesseln. In allen Wohnungen intb vor den Häusern giebt es nirgends ein Plätzchen, welches nicht mit frischen, grünen Fichtenzweigen, bisweilen auch mit ganzen Bäumchen, geschmückt wäre. In diesen grünen Gängen ziehen Scharen munterer Kinder dahin, jedes- in seinem schönsten, neuen seidenen Kimono. Alle Kinder sind an munteren Spielen beteiligt, die unseren deutschen Kindern zum Teil recht Merkwürdig erscheinen müssen, zum Teil aber auch nur eine Variante unserer Kinderspiele darstellen. — Die Japaner sind bekanntlich große Meister des Pinsels, und daß die Malkunst bet ihnen in ganz besonderem Maße geschätzt wird, zeigt auch das Kattzome-Spiel der Kinder am Neujahrsfeste. In diesetl Tagen erhalten die Kleinen Neue Malpinsel, welche dazu Berufen sind, ihre Geschicklichkeit zu offenbaren und ihre Zukunft kund zu thun. Wir werden bald sehen, in welcher Weise dies geschieht. Die Kinder haben sofort den neuen Malpinsel zu probieren, und dies! geschieht, indem sie einige Worte aus einem bekannten Sinnspruch auf große Seidenpapierbogen schreiben. Bisweilen sind es auch nur einzelne Bezeichnungen, wie „Bambus", „Kranich", „Schildkröte" usw., welche eine symbolische Bedeutung haben. Darauf malen die Kinder Wider dieser Pflanzen, Tiere oder auch angemessene Figuren auf die Papierbogen, welche dann überall an den Wänden befestigt tverden. Wenn am Neujahrstage Besucher, kommen, so erwartet man unbedingt von ihnen, daß sie die Mlder mit außerordentlicher Bewun- derung betrachten. Das ist ganz wie bei uns; auch wir sollen ja die aus kleinen Bausteinen errichteten Tempel .und Paläste unserer kleinen Neffen und Nichten oder ihre ersten Lerstnngen auf dem Klavier mit gut gespieltem Erstaunen aufnehmen, um den Kindern eine Freude zu Machen. Die Wider bleiben an der Wand dis zum 15. Tage des- neuen Monats; dann werden sie abgenommen und an dem Kado-Matsu, dem Fichtenbaume, befestigt, welcher eine so große Rolle bei den japanische Neujahrs- Dekorationen spielt, wie bei uns am Weihnachtsfeste. Dann werden Baum und Bilder feierlich im Garten verbrannt. Während des BrennerM beobachten die Kinder mit gr'ößter .Spannung- wie hoch die Asche in die Lust steigt, da Man glaubt, daß im neuen Jahre ihre künstlerischen Fähigkeiten in demselben Maße wachsen werden. Wenn die Asche so hoch steigt, daß man ihren Flug nicht mehr verfolgen kann, so wird der glückliche Zeichner als ein großer Künstler der Zukunft begrüßt. Nach dem mehr oder, nnnder hohen Fluge der Asche wird also das zu- künftige Geschick des Kindes geschätzt, wobei natürlich den auf das Papier gemalten Bildern, Sinnsprüchen usw. Einfluß zugeschrieben wird.
Wesentlich anderer Art ist das Nadelspiel Jedes Kind hat such mehrere Blatt japanischen Seidenpapiers zurecht gechMtten. Die Kinder hocken auf der Erde, um ein Häufchen Seidenpapierblätter, zu dessen Bildung jedes Kind seinen Teil beigesteuert hat, einen Kreis bildend. Jedes EEr Kinder hat sich ein kleines Wurfgeschoß gefertigt, bestehend aus einer an einem kurzen Faden befestigten
Nadel, auf welche zur Beschwerung ein LehMkügelchen geschoben ist, Die Spitze der Nadel nehmen sie zwischen die Zähne, und indem sie das kleine ' Wurfgeschoß am Faden schnell aus den Mund ziehe::, verstehen sie es, der beschwerten Nadel Schleuderkraft zu geben, so daß sie mit der Spitze auf das Papierhäufchen fliegt. Je mehr Blättchen an der Nadel festsitzen, desto höher stehen die Chancen des Spielers; sind die Blättchen verbraucht, so wird der Vorrat wieder ersetzt. Ist der Wurf aber ganz erfolglos, so hat das betreffende Kind zur Strafe so viel Blatt beizusteuern, als' Mitspieler vorhanden sind.
Die japanischen Knaben lieben ihren Drachen über alles; dieser spielt daher am Neujahrstage eine besonders wichtige Rolle. Ueberall in den Straßen, auf den Plätzen, ja selbst von den Dächern der Häuser lassen die Kinder unzählige Drachen aufsteigen; sie sind von verschiedenster Gestalt und Größe, von jeder nur erdenklichen Form und Farbe, zum Teil in gar verschwenderischer Weise dekoriert. Natürlich ist es eine glückliche Vorbedeutung für den Besitzer des Drachens, wen:: derselbe recht hoch hinauf in das Reich seines Vaters, des Windech fliegt. Ein anderer Drache zeigt die Gestalt einer Biene und ist auch nicht größer als solche; wieder andere stellen einen Vogel, einen Fächer, einen Schmetterling dar. Daß alle die buntfarbigen, mannigfachen Drachen ein malerisches Bild bieten, wird man sich leicht vorstellen können.
Jeder japanische Knabe muß eine ArmbrnA haben, welche meist mit jener minutiösen Sorgfalt gefertigt und geschmückt ist, mit welcher die Japaner ihre Heinen, kunstgewerblichen Gegenstände zu behandeln pflegen. Es wird nicht nur nach Schießscheiben geschossen, sondern auch nach' Küchenbergen. Der glückliche Schütze erhält als Preis so viele Kirchenscheiben, als auf seinem Pfeil stecken, wenn letzterer aus dem Knchenberg herausgezogen wird. Bei jedem Fehlschuß hat der Schütze soviel Knchenscheiben als Strafe zu zahlen, als Mitspieler vorhanden sind. Ich! glaube fast, daß eine derartige Jagd nach wohlschmeckenden Honigkuchen, sei es am Neujahrs- oder Weihnachtsfeste, auch unfern Kindern rechte Freude machen würde.
Das Ballspiel ist bei den japanischer: Mädchen genau so beliebt, wie bei uns; vielleicht noch einige Grade mehr. Während sich aber unsere Mädchen mit mehr oder minder bunt geschmückten Gümmibällen begnügen, wie sie aus bat Markt gelangen, fertigen sich die japanischen Kinder dieses Spielzeug selbst, und sie verstehen, ihm noch besonderen Reiz zu verleihen. Kurz vor Mujahr sind sie Bei Anfertigung von Bällen besonders geschäftig, wobei sie eine wunderbare Geschicklichkeit offenbaren Eine Handvoll Baumwolle wird so lange in der Hand gerollt, bis sie kreisrund ist. Die Baumwollkugel wird dann gleichmäßig mit Garn umwickelt, bis sie so härt ist, daß selcht der kräftigste Muck keine Vertiefung auf derselben hinterläßt. Darauf wird der Ball geschickt mit farbigen Schnüren und Borten dekoriert, welche die kleinen Mäd- chcn sich selbst aus Garn oder Seide zusammendrehen. Eine Nadel dabei zu benutzen, gilt als Zeichen der Un- geschicklichkeit; eine rechte Künstlerin verfertigt ihren Ball allen: mit der Hand und nimmt nur ihre Zähne zur Hilfe, es ist erstaunlich, welche schönen Muster die Kinder auf diese Weise ausznführen verstehen. Biele der fertigen Bälle haben hinsichtlich der Farbenwirkung eine unverkennbare Mhnlichkeit mit Schildpatt, Chrysantemen, einem Bündel Tannennadeln usw. Während also die Knaben beim Bogenschießen beschäftigt sind, spielen die Mädchen Ball, und zeigen hierbei eine so außerordentliche Geschicklichkeit, daß sie wohl nur von wenigen europäischen Kindern hierin erreicht werden dürften. Es ist nicht die Uebtmg allein, welche diese Fertigkeit erzeugt, nein, daö japanische Kind besitzt ein angeborenes, d. h. vererbtes Talent für derartige Spiele.
Was für das Mädchen der Ball ist, ist für den Knaben der Kreisel. Es ist so ziemlich dasselbe Spielzeug- wie es Bei uns bekannt ist, aber der japänifche Knabe treibt allerlei überraschende Scherze mit demselben. Während der greifet sich im schnellsten Drehen befindet, nimmt er ihn vom Boden, stellt ihn auf seine Handfläche, läßt ihn hier weiter tanzen, oder er läßt ihn auf einem Bindfaden laufen, welchen er zwischen zwei Fingern aus- gespannt hat. Ein außerordentliches Kunststück besteht darin, einen rotierenden Kreisel in die Luft zu werfen Und ihn noch in drehender Bewegung aufzufangen. Diese


