Ausgabe 
2.1.1903
 
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Freitag den L. Ianmr.

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1903. Nr. 4.

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Herr Msermeistsr.

Humoristische SKzze von Bruno von Erfur-t.

(Nachdruck verboten.)

Ein schriller Klingelton durchfuhr das Hans.

Eine hastige Frage:Hier wohnt doch Assessor Rein- Hart?"

Eilige, säbelklappernde Sch,ritte im Korridor y ein heftiges Klopfen an der StubentWr.

Hans!"

Anita!"

Beide Namen klängen ineinander, wie ein einziges Wort.

Stürmisch umfaßte der junge Leutnant seine Schwester, die freudetrunken an feinem Halse hing.

Hans, welche Ueberraschung! Was wird Oskar sagen?" rief die junge Dame strahlend, indem sie sich nicht satt sehen konnte an seinem lieben, braungebrannten Gesicht mit den großen, übermütigen Augen.Nun sag nur mal, Kerlchen, woher Du so urplötzlich kommst, wohin Du gehst und wie lang Tu Meibft ?"

Drei Fragen auf einmal!" scherzte er lachend.Fangen wir bei der Beantwortung der ersten an. Also: Meine Herren Borgesetzten haben misch für würdig befunden, die Rekruten des Regiments zu holen, und mein Weg führt mich auf der Hinreise zum Transport über euer weltver­gessenes, pommersches Nest. Woher ich komme? Na, aus meiner Garnison. Und wie lang ich bleibe? Drei Tage, und die wollte ich benutzen, um mal unvermutet Revision bei Dir abzuhalten, und", er rieb schmunzelnd beide Hände ineinander,und mal sehen, wie's meinem lieben Schwesterchen in ihrer jungen Ehe geht."

Frau Reinhart errötete lieblich. Sie streichelte dem Lieblingsbruder zärtlich die Wange und meinte lächelnd: Das ist lieb von Dir, Hans. Uns gehts recht gut. Sieh mal, wie hübsch wir wohnen."

Sie hing sich an seinen Arm und führte ihn voller Hausfrauenstolz durchs die hohen, modern eingerichteten Zimmer.Wie schön und gemütlich es bei Dir ist" meinte tzr bewundernd,da läßt sich's schon aushalten trotz Eures kleinen Provinznestes."

Tu sag mal, Anita", er blieb zögernd stehen und ließ sich langsam, die langen Schnurrbartetiden durch die wohl- gepflegten Finger gleiten,was kann man hier eigentlich mit seiner freien Zeit anfangen? Tenn ewig Familie simpeln thue ich nicht, das sage ich Dir gleich."

Ach, das verlangt ja auch kein Mensch von solchem Uebermut und Durchgänger, tote Tu einer bist", warf sie schnell ein. ,/Oskar und ich vertreiben uns die Zeit sehr angenehm. Wir radeln fleißig, spielen Tennis und be­suchen Gesellschaften, & h. wenn wir eingeladen werden", fügte sie mit kokettem Äugenaufschlag hinzu.Ten heu­tigen Wend werden wir bei unserem Ches, dem hiesigen

Landrat, verleben. Er eröffnet die Saison mit einem! großen Ball, zu dem auch wir besohlen sind."

So", fragte der junge Offizier mit sichtlichem Inters esse,giebt es denn hier so viele tanzfähige Tarnen-^

Et freilich, Hans. Ein paar zugereiste Wintercousinen mitaerechnet, sechs. Der Landrat selbfft hat eine entzückende! Tochter, Margot genannt. Ach Kerlchen", ereiferte sie sich und stahl ihre Hand in die seine,die würde Dir ge­fallen, ganz Dein Genre! Ich sage Dir, Augen: wie etrte Spanierin, eine Figur: tote eine Königin, Haarfrisur: a Hi Defregger und"

Na, hör auf, Anita", unterbrach er sie lachend' und hielt sich die Ohren zu,Du verstehst es aus dem ff, einem mit Deiner begeisterten Beschreibung den Mund wässrig zu machen. Deine Margot scheint ja der Inbegriff aller weiblichen Schönheiten zu feilt. Schade nur, daß es für mich ganz aussichtslos ist, sie kennen zu lernen.^

Ach, so aussichtslos scheint mir die Sache gar nicht zu sein", fiel sie ihm schnell ins Wort,ich habe eine feine Idee. Du wirfst Dich schnell in Gala und machst vor Tisch noch Besuch; im Landratsamt. Eine Einladung ist Dir dann sicher, denn erstens sind Leutnants hier zu Lande eine gesuchte Wäre und zweitens wird Deine Wer- wandtschast mit dem landrätlichen Assessor Mit in die Wäg- schale fallen."

Also los, Hans, zieh Dich um; ich werde unterdessen für Frühstück sorgen."

M. w. Machen wir", sagte belustigt der junge! Offizier,Deiner berühmten Margot zu Liebe. Bis zum Essen bin ich wieder zurück, mit militärischer Pünktlich, feit. Du, Anita, sag mal", setzte er zögernd hinzu, und sah sie mit seinen braunen Schelmenaugen an,bei Euch giebts doch, hoffentlich was Anständiges zu essend Was? He? Hast Du eine gute Köchin

Erlaube mal", erwiderte die junge Frau entrüste^ und gab ihm einen zärtlichen Klaps auf den Rücken, heute giebts sogar Dein Leibgericht, dicke Bohnen mit Speck."

So, jetzt im Herbst?" fragte er mißtrauisch und schob, leise vor sich hinpfeifend', ab.

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Ter ^Vorschriftsmäßige" war bald seines Inhaltes be­raubt Und die eingehende Toilette beendet.

So, nun noch ein paar TropfenJockey Klub" auf das seidene Taschentuch, ein Blick in den Spiegel und S. M. schönster Leutnant war fertig und begab sich auf den Besuchspfad.

Am Landratsamt angekommen, zog er die Glocke zum Portier. Von unsichtbarett Händen geleitet, öffnete sich geräuschlos die große Pforte, und er befand sich im Haus­flur. Mit einem Feldherrnblick versuchte er sich zu orientieren. Rechts und links Thüren mit Tieustauf- schriften, in der Mitte ein Gang, der nach dem Gartchl führte.